Vatikanistan Der Vatikan ? oder Vatikanistan, wie der SPIEGEL-Korrespondent Smoltczyk das geheimnisumwitterte Terrain nennt ? ist die wohl internationalste, älteste und für viele noch immer mächtigste Institution der Welt. Hier wird seit etwa 1.200 Jahren die Macht im Dienste Gottes organisiert: vielsprachig, effizient, geräuscharm und mit Sinn für Symbolik. In munterem Plauderton, kenntnisreich, nicht respektlos, aber auch nicht übertrieben ehrfürchtig wie mancher Vatikan-Korrespondent, beschreibt der Protestant Smoltczyk diesen kleinsten und zugleich größten Staat der Welt. In seinem Büchlein werden Aspekte der päpstlichen Mode ebenso behandelt wie die großen dogmatischen Fragen oder die vatikanische Geheimdiplomatie. Dabei kommt es dem Autor zugute, dass er schon seit Jahren in Rom lebt und für den SPIEGEL aus dem Vatikan berichtet. Wir sind eben Papst, und "J.R." oder "Prof. Dr. Papst", wie Smoltczyk den intellektuellen Papst Benedikt XVI., ehemals Kardinal Joseph Ratzinger, nicht ohne Witz nennt, ist hier ein Mensch ? wenn auch mit einem leicht überirdischen Amt. Und über diesen Menschen gibt es zahlreiche Anekdoten und Alltägliches zu erzählen. Sein typischer Tagesablauf ist in diesem Buch daher ebenso zu finden wie die fünf Möglichkeiten für Touristen, den Vatikan zu betreten (für Deutsche gibt es aus historischen Gründen fünf und nicht vier wie für alle anderen. Stichwort: "Heiliges Römisches Reich Deutscher Nationen"). Andererseits fehlen auch Themen wie die klerikalen Finanzen oder "Sex und Eros hinter den Mauern" nicht. Hinsichtlich Letzterem lässt der Autor die Geschichten von sexueller Ausschweifung und Doppelmoral für sich selbst sprechen. Werten möge dies der Leser, dem er mehr als einmal mitteilt, dass die "Mitarbeiter" jenseits der Vatikanischen Mauern durchaus sexuelle Toleranz zu schätzen wissen. Auch das Keuschheitsgelübde hat eben (wie auch Gehorsams- und Armutsgelübde) seine irdischen Grenzen? Wie dem Vatikan ist auch dem Autor Smoltczyk nichts Menschliches fremd ? sehr zum Erkenntnisgewinn für den Leser. -Carsten Hansen, Literaturtest
Buch:
James Bond, Berlin, Hollywood: Die Welten des Ken Adam
Autor:
Alexander Smoltczyk, Ausgabe vom März 2002, Gebunden, Verkaufsrang 426501
Aus der Amazon.de-Redaktion Kennen Sie Klaus Hugo Adam? Nein? So was. Aber den Aston Martin aus den James Bonds kennen Sie, mit Schleudersitz, elektrisch drehbaren Nummernschildern für alle Länder und einem ausfahrbaren Reifenschlitzer? Oder die Laserstrahl-Maschine aus Goldfingers Folterkammer und den verschiebbaren Vulkankratersee in Man lebt nur zweimal? Der War Room aus Stanley Kubricks Dr. Seltsam war sogar Ronald Reagan ein Begriff, den wollte er nämlich als Erstes sehen, als er damals im Weißen Haus sein Amt antrat. Und den Ingenieuren des KGB war die Bond-Serie scheinbar präsent genug, einen Kugelschreiber zu entwickeln, mit dem man schießen konnte. Es heißt auch, seit Dr. No habe die Menschheit Angst vor Taranteln, auch wenn sie den Namen Belinda tragen. Klaus Hugo Adam alias Ken Adam ist Schöpfer dieser Welten und Gadgets. Er ist der eigentliche Mister Q, Filmarchitekt und Designer der ersten sieben Bond-Filme, insgesamt über 80 Produktionen unterstanden bislang seiner Art Direction. Alexander Smoltczyk setzt dem Leben und der Arbeit dieses herausragenden Urbanisten des schönen Scheins nun endlich sein längst fälliges Denkmal. Informative Biografie und reich bebilderte Werkschau in einem, tritt das Porträt eines Mannes plastisch vor Augen, dessen Lebensmotto "Think big" war. Aufgewachsen im Berlin der 1920er-Jahre, vor den Nationalsozialisten nach England geflohen, danach Architekturstudium in London, Jagdflüge für die Royal Air Force, später dann zwei Oscars für die Ausstattung von Barry Lyndon und King George, lebt er heute in Los Angeles. Es sind hoch interessante Geschichten von vor und hinter den Kulissen, die das Buch erzählt, für Adam jedoch scheinbar nicht interessant genug. Denn mehr als einmal sagte er, dass er die so genannte Wirklichkeit immer schon dröge und ziemlich unspannend fand - weswegen er sie neu erfinden musste. Gut für ihn, gut für uns. -Mark Stöhr
Buch:
Der Wald ohne Schatten
Autor:
Alexander Smoltczyk, Ausgabe vom 1996, Broschiert, Verkaufsrang 700299
Buch:
Auf der Suche nach der verlorenen Revolution - Pariser Spaziergänge
Ausgabe vom 1989, Broschiert, Verkaufsrang 1444152