Roman Erscheinungsjahr: 2004 Aus d. Italien. v. Christiane von Bechtolsheim Gewicht: 280 gr / Abmessung: 19 cm Von Camilleri, Andrea / Übersetzt v. Bechtolsheim, Christiane von Österliche und andere Ergötzlichkeiten - eine kriminalistische Reise in Siziliens Vergangenheit Vigàta, 1890. Ein mysteriöses Geschehen hält die Bewohner des sizilianischen Küstenstädtchens in Atem: Am Karfreitag, während der Aufführung des Passionsspiels, verschwand auf rätselhafte Weise der den Judas verkörpernde Direktor der örtlichen Bankfiliale. Hat ein Verrückter im religiösen Wahn den Verrat an Jesus Christus gerächt? Oder hat ein verschuldeter Bankkunde die Gelegenheit genutzt, sich des Gläubigers zu entledigen? An phantasievollen Theorien mangelt es nicht, doch als sich die Wahrheit herausstellt, sorgt diese für eine gewaltige Überraschung. "Du spielst den Judas und bist schlimmer als er." Diesen Brief erhält Antonio Patò, der Filialleiter einer Bank im kleinen sizilianischen Städtchen Vigàta. Kurze Zeit später verschwindet er - und zwar auf ausgesprochen spektakuläre Art und Weise. Patò gehört zu einer Gruppe örtlicher Honoratioren, die alljährlich am Karfreitag die Hauptrollen in einem Osterspiel übernehmen. Im Jahre 1890 findet die Aufführung vor dem prachtvollen Palast des Marchese Simone statt, und Patò spielt einmal mehr den Judas. Wie seit fünf Jahren schon ist das Publikum ganz hingerissen von seiner Darstellungskunst, und nachdem er programmgemäß zur Hölle gefahren, das heißt in einer versteckten Luke in der Bühne verschwunden ist, ertönt tosender Beifall. Als die Schauspieler am Schluss jedoch noch einmal auf die Bühne kommen, fehlt von Patò jede Spur. Und er taucht auch am nächsten Tag nicht wieder auf oder am übernächsten, dem heiligen Ostersonntag. Voller Verzweiflung schaltet seine Frau die Polizei ein. Commissario Bellavio gibt sich - mal im Wettstreit mit den Carabinieri, mal in Zusammenarbeit mit ihnen - alle Mühe, den Verschwundenen aufzuspüren, doch vergebens. Fast könnte man meinen, er wolle gar nicht gefunden werden. Wer Andrea Camilleri bisher "nur" als Autor der Serie mit Commissario Montalbano kennt, sollte sich diesen historischen Roman nicht entgehen lassen. In Briefen, Zeitungsartikeln und Polizeiberichten entwirft er das Bild einer kleinen sizilianischen Gemeinde im ausgehenden 19. Jahrhundert. Liebe, Mord und Korruption prägten auch damals die Entscheidungen der Menschen. Und kaum einer weiß dies so bissig und gleichermaßen verständnisinnig zu schildern wie Camilleri. Ein Leckerbissen! -Hannes Riffel
Buch:
Die sizilianische Oper: Roman
Autor:
Andrea Camilleri, Ausgabe vom Juni 2009, Gebunden, Verkaufsrang 533187
Am 10. Dezember 1874 brennt im verschlafenen sizilianischen Städtchen Vigata das Opernhaus. Kommissar Puglisi vermutet Brandstiftung, denn dieser geplante kulturelle Höhepunkt war von Anfang an von Schwierigkeiten begleitet. Der neue Präfekt in Montelusa, der zu allem Unglück aus der Toskana stammt, hat nicht mit dem Starrsinn der Vigateser gerechnet. Er möchte am liebsten "das Wohlgefallen an einer Oper polizeilich verordnen". Doch sein gut gemeinter Einsatz für die Kunst scheitert schmählich. Die Oper mit dem nicht unbedingt rasend interessanten Titel Der Bierbrauer von Preston wird vom Publikum ab der ersten Szene boykottiert und ins Lächerliche gezogen. Wobei niemand sich um die Oper als solche auch nur einen Deut schert. Allerdings, keiner in Vigata lässt sich aus Montelusa irgendetwas vorschreiben. Schon gar nicht Musik. Camilleri hat sich für den Leser einige nette Spielereien einfallen lassen. So beginnt jedes Kapitel und der erste Satz mit einer Überschrift aus bekannten Romanen. Auch die Reihenfolge der Abschnitte lässt mehr als nur eine mögliche Lesart zu. Jeder kann sich die Ereignisse um den Brand des Opernhauses selbst zusammenstellen, denn die Kapitel sind in sich abgeschlossen. Der Erzählstil ist, wie von Camilleri gewohnt, deftig und prall. Das sizilianische Leben eben. Hier nimmt keiner ein Blatt vor den Mund, und wenn es darum geht, Klartext zu reden, dann bestehen die Sizilianer darauf, lateinisch zu sprechen. Das muss man einfach wissen. Und wenn sie im Unklaren bleiben wollen? Dann weichen sie aufs Sizilianische aus, logisch. -Manuela Haselberger Eigentlich sollten sich die Bürger des sizilianischen Nestes Vigàta freuen, dass auch ihr Dorf ein Opernhaus vorweisen kann. Das Gegenteil ist der Fall. Denn Initiator des Opernprojekts ist der neue Präfekt aus Montelusa. Und der stammt erstens aus der Toscana, was an sich schon ein Fehler ist, und zweitens werden Vorschläge aus Montelusa in Vigàta aus Prinzip abgelehnt. Und so geht es bereits bei der Theaterpremiere drunter und drüber und die Oper zu guter Letzt in Flammen auf. So einfach wie seine Erfolgskrimis um Commissario Montalbano lässt sich Andrea Camilleris historische Erzählung Die sizilianische Oper nicht in eine Hörversion verwandeln. Denn der italienische Kultautor hat sich ein paar hübsche Spielereien ausgedacht. So sind die Kapitel in sich abgeschlossen und deren Reihenfolge variabel. Wer will, beginnt also mit CD sechs und arbeitet sich zur ersten vor. Auf diese Weise kann man die Camillerische Farce mehrfach anhören und ihr immer neue Aspekte abgewinnen. Wiederholtes Abspielen empfiehlt sich ohnehin, da der Roman mehr als komplex und die Personenzahl verwirrend groß ist - auch wenn Vorleser Frank Arnold sich größte Mühe gibt, jeder Figur eine eigene Stimme, einen Charakter zu verleihen. Deshalb ist die erste Lesung noch Arbeit pur - das Vergnügen über diese deftig-derbe Landposse wächst aber proportional zur Anzahl der Hörversuche. -Beate Strobel Ungekürzte Lesung, Spieldauer: 420 Minuten, 6 CDs; auch erhältlich als 5 MCs.
Hörbuch:
Toter Mann: Ein Fall für Commissario Montalbano
Autor:
Andrea Camilleri, Ausgabe vom Febr. 2009, Audio CD, Verkaufsrang 217552
Andrea Camilleri, Ausgabe vom 7. März 2008, Gebunden, Verkaufsrang 185855
Aus der Amazon.de-Redaktion Eigentlich ist die Pension Eva für den heranwachsenden Nenè gar kein Bordell. Nicht nur, dass sich der Junge, der schon früh von seiner Cousine in die Geheimnisse der Liebe eingewiesen worden ist, als Zwölfjähriger vorgestellt hatte, dass in der dreistöckigen Villa im italienischen Vigàta bezaubernde Feen wohnten. Auch ist die "Pension" auf den Überresten eines Tempels und einer Kirche errichtet worden. Und tatsächlich erscheint das Haus im Roman vor allem ein heiliger Ort, in dem die Männer in den Armen des zweiwöchentlich wechselnden Personals für eine halbe Stunde auch den Krieg und die Lieblosigkeit ihrer Umgebung vergessen können. So verwundert es Nenè nicht, dass er nach der Zerbombung des Bordells am Ende des Romans eine Statue von griechischer Schönheit in den Trümmern findet, die die Hände zum Gebet gefaltet hat - und die die Illusion des wahren Ortes im falschen Leben gleich wieder entlarvt: "Er berührte sie. Und da bemerkte er, dass sie nicht aus Marmor war, sondern aus Fleisch und Blut. Die Totenstarre hatte längst eingesetzt, und so hatte die Leiche wie eine Statue ausgesehen. Der Staub bedeckte ihren ganzen Körper, und wahrscheinlich war sie daran qualvoll erstickt." Der Lektüre des Kurzromans Die Pension Eva aus der Feder des inzwischen 82-jährigen italienischen Bestsellerautors Andrea Camilleri ist zunächst befremdlich. Das hat weniger damit zu tun, dass man vom Autor, der hierzulande nicht zuletzt durch seine spannenden Geschichten rund um den Commissario Montalban bekannt geworden ist, eher einen Krimi als eine leise Erzählung über das Heranwachsen in Zeiten des Krieges erwartet hätte. Vielmehr ist es der etwas altertümelnde Erzählton, der überrascht. Denn bei der Lektüre von Die Pension Eva hat man über weite Strecken das Gefühl, man halte die - unbedingt notwendige, da ungemein faszinierende - Wiederentdeckung eines wundervoll schreibenden Autors aus den zwanziger Jahren in den Händen, die die Lektoren des Kindler-Verlags da der Vergessenheit entrissen haben, und nicht eine Veröffentlichung aus dem Jahr 2008. Wenn man sich aber auf den zwar nostalgischen, aber stringent durchgehaltenen und irgendwie ja auch passenden Erzählton Camilleris eingelassen hat, wird man Die Pension Eva die gegen Ende immer mehr zu einer Sammlung kleiner Geschichten und Anekdoten wird, mit Hochgenuss verschlingen. Da gibt es eigentlich nur eine kurze Passage, in der der allwissende Erzähler seine Leser, den vermeintlichen Tod eines liebestollen Barons im Bombenhagel betreffend, an der Nase herumführt. Da hätte man sich eine weniger effektvolle, dafür aber gelungenere Schreiblösung gewünscht. Aber das ist in dem Roman, der auf kleinstem Raum ein kluges Panorama der faschistischen italienischen Gesellschaft unter Mussolini entfaltet, nun wirklich ein verschmerzbarer Einzelfall. - Thomas Köster, Literaturanzeiger.de
Buch:
Maler Mörder Mythos - Geschichten zu Caravaggio
Autor:
Andrea Camilleri, Gerhard Falkner, Nino Filasto, Tanja Kinkel, Henning Mankell, Ingrid Noll, Arnold Stadler, Ausgabe vom 21. Juli 2006, Broschiert, Verkaufsrang 119387
Buch:
M wie Mafia
Autor:
Andrea Camilleri, Ausgabe vom 17. Juli 2009, Gebunden, Verkaufsrang 328085
Aus der Amazon.de-Redaktion Eine Leiche mit einem Stein im Mund ist ein Verräter. Ein Schuh auf der Brust eines Ermordeten bedeutet, jemand wollte fliehen. Eheliche Treue wiederum gilt als hoher Wert. Die ehrenwerte Gesellschaft, die diese Sprache spricht und versteht, ist die italienische Mafia. Im Jahr 2006 konnte in Sizilien der Boss aller Bosse, Bernardo Provenzano, gefasst werden. Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse halfen, ein klareres Bild des organisierten Verbrechens zu gewinnen. Dieses gelungene Buch spiegelt alle wichtigen Neuigkeiten wider. "Pizzini" heißen die zusammengefalteten Zettel, mittels denen der Kopf der sizilianischen "Cosa Nostra" mit den Seinen in Kontakt trat und Befehle erteilte. "Pizzo", Schutzgeld, war und ist Teil des schmutzigen Geschäfts. Zwar führte Provenzano ein gemäßigteres Regime als sein Vorgänger, der Drogenbaron Totò Rina ? dieser hatte eine grausige Blutspur hinterlassen und viele Italiener gegen das organisierte Verbrechen aufgebracht, sein prominentestes Opfer war Mafia-Jäger Giovanni Falcone. Doch auch wenn Provenzano der sizilianischen Mafia ein menschlicheres Antlitz verleihen wollte ? auch seine Arbeit im Verborgenen kostete Unzähligen viel Geld und so manchem das Leben. Bestseller-Autor Andrea Camilleri enthüllt die gewonnenen Erkenntnisse in lexikalischer Form. Beim Lesen erfordert das anfangs ein wenig Geduld, doch schon bald verdichtet sich die enthüllende Dokumentation Buchstabe für Buchstabe zu einem noch nie da gewesenen Psychogramm der Mafia. Ganz nahe an der Sache dechiffriert der Autor das Innenleben des organisierten Verbrechens und wirft authentische Schlaglichter auf Machenschaften sowie Verstrickungen mit Politik und Gesellschaft. 43 Jahren regierte der abgetauchte Provenzano aus dem Untergrund, wobei das Wort "Mafia" in keinem einzigen seiner "Pizzini" auftaucht. Die Regentschaft des Bosses aus dem Städtchen Corleone im Visier, bringt das vorliegende Werk Licht ins Dunkel dieser Jahre. Doch wenn auch das Lexikon mit allen Buchstaben des Mafia-Alphabets von A-Z ein Ende findet ? für die Geschichte des organisierten Verbrechens gilt dies indes immer noch nicht. ? Herwig Slezak
Buch:
Der unschickliche Antrag
Autor:
Andrea Camilleri, Ausgabe vom 10. Juni 2008, Broschiert, Verkaufsrang 265351
Product Description Commissario Montalbano ermittelt Erscheinungsjahr: 2006 Aus d. Italien. v. Christiane von Bechtolsheim Gewicht: 464 gr / Abmessung: 18,5 cm Von Camilleri, Andrea / Übersetzt v. Bechtolsheim, Christiane von Das Paradies der kleinen Sünder Wenn es 8:8 steht und nicht der Stand eines Fußballspiels gemeint ist, sondern die tödliche Bilanz zweier verfeindeter Mafiafamilien. Wenn ein angesehener Zahnarzt, der sich einen Fehltritt mit einer streng behüteten Zwanzigjährigen erlaubt, plötzlich deren gesamte Sippe am Hals hat und dann spurlos verschwindet. Wenn eine nicht unvermögende, bereits über neunzigjährige Dame ungewollten nächtlichen Besuch erhält und der Täter der Teufel selbst ist dann kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass sich diese Dinge irgendwo in Sizilien ereignen und Commissario Salvo Montalbano nicht weit ist. Nie hat sich Andrea Camilleri intensiver seinem Helden gewidmet und ihn liebevoller, origineller und facettenreicher dargestellt wie in diesem Bilderbogen sizilianischer Eigenart. Ob Montalbano eine hinterhältig ermordete Maus obduzieren lässt, um einen Schmugglerring auffliegen zu lassen oder beim Schuhkauf ganz nebenbei eine komplizierte Schutzgeldaffäre regelt, mit seiner südländisch nonchalanten Art und mit seinem unverwechselbaren Humor findet er für jedes Problem eine Lösung. Vielleicht nicht immer die, die das Gesetz vorschreibt, aber schließlich sind wir im sizilianischen Vigàta, wo kleine Sünder manchmal ihre große Stunde haben. Die Nacht des einsamen Träumers Ein Zwei-Personen-Stück mit einer Leiche, aufgeführt von einem alten Schauspieler-Ehepaar, beschäftigt Commissario Montalbano ebenso wie der Mord an einer anständigen Prostituierten und eine tüchtige Hausfrau mit ungeahnten kriminalistischen Fähigkeiten. Große und kleine
Buch:
Neuigkeiten aus dem Paradies: Ansichten eines Sizilianers
Autor:
Andrea Camilleri, Ausgabe vom 15. März 2005, Gebunden, Verkaufsrang 90675
Eine wunderschöne Zusammenstellung von 21 charmant-geistreichen Kolumnen, die Andrea Camilleri von 1997 bis 1999 in drei großen italienischen Tageszeitungen veröffentlicht hat. Darin äußert er sich zu unterschiedlichsten Aspekten des Lebens wie dem tieferen Sinn des Schlangestehens, der Bedeutung des Weihnachtsmann in den Zeiten des Internet, zu Handys mit Bildschirm, zu Konsequenzen einer Umfrage zum Thema Sex, dem Sinn des Weltfrauentags, zu Kindern, die Fische nur in Stäbchenform kennen etc. Man erfährt Interessantes über Inspirationsquellen für seine Kriminalromane und andere literarische Vorbilder. Insgesamt eine ausgewogene Mischung von Erzählungen, die teils zum Schmunzeln, teils zum Nachdenken einladen, versehen mit einem aufschlussreichen Nachwort des "ersten offiziellen Camilleri-Biografen" G. Capecchi. Ausgesprochen vielfältig ist das Schaffen des 1925 geborenen Sizilianers Andrea Camilleri, der sich seit Mitte der 90er Jahre mit den Abenteuern des Commissario Montalbano in die Herzen zahlloser Leser geschrieben hat. Neben Krimis und historischen Romanen verfasst er auch kürzere Erzählungen, Essays und Glossen, die meist in italienischen Tageszeitungen abgedruckt werden. Eine Auswahl dieser literarischen Fingerübungen liegt nun auch in deutscher Sprache vor, als kleines feines Leinenbändchen in der Nobelreihe "edition Lübbe" erschienen. Darin gibt sich Camilleri als kauziger alter Mann, der aus der Perspektive desjenigen, der die großen Leidenschaften des Lebens hinter sich gelassen hat, einen liebevoll-ironischen Blick auf sein Land und dessen Bewohner wirft. Stets weiß er, das Allgemeinmenschliche mit dem Persönlichen zu verbinden: Von Betrachtungen über die Hitze im südlichen Italien schweift er zu familiären Merkwürdigkeiten ab - seine Mutter konsultierte allabendlich ein Barometer, das sie eigenhändig auf "Schönes Wetter" eingestellt hatte, und seine Großmutter pflegte sich bei Gewitter in einen fensterlosen Raum zum Gebet einzuschließen. Anlässlich des "Weltfrauentags" sinniert Camilleri über biblische Vorurteile und die Unverzichtbarkeit des weiblichen Geschlechts. Und immer wieder setzt er sich mit Korruption und der Unfähigkeit der Politiker auseinander, ohne jedoch in das übliche Gejammer einzustimmen. Von großem Interesse sind auch seine beiden Beiträge über das Schreiben: Eine hinreißende Hommage an Kommissar Maigret und Georges Simenon führt zu den Wurzeln des Krimiautors Camilleri, und die oft gestellte Frage nach seinen Ideen beantwortet er lakonisch mit: "Lesen Sie denn keine Zeitung?" - Neuigkeiten aus dem Paradies ist das ideale Geschenk, das Camilleri-Fans sich und Gleichgesinnten machen können: ein Blick in die Werkstatt des Schriftstellers und in die Gedankenwelt des Zeitgenossen, elegant geschrieben und hübsch ausgestattet. -Hannes Riffel
Buch:
Die Pension Eva
Autor:
Andrea Camilleri, Ausgabe vom 1. Sept. 2009, Taschenbuch, Verkaufsrang 56590
Erscheinungsjahr: 2009 Deutsch v. Moshe Kahn Gewicht: 146 gr / Abmessungen: 190 mm x 115 mm Von Camilleri, Andrea / Übersetzt v. Kahn, Moshe Leichtfüßig. Erotisch. Sizilianisch. Sizilien in den vierziger Jahren: Die Pension Eva ist das Bordell in der Stadt Vigàta. Hier verbringt der junge Nenè viele Stunden. Aber nicht, um mit den Frauen zu schlafen, sondern um sich ihre Geschichten anzuhören. Denn sie lehren ihn, das Leben zu verstehen. Und so wird die Pension im Schrecken der Bombennächte zu einem Ort lebendiger Phantasie. Pressestimmen: "Ein bizarrer, sehr komischer Bildungsroman." (Der Spiegel) Eigentlich ist die Pension Eva für den heranwachsenden Nenè gar kein Bordell. Nicht nur, dass sich der Junge, der schon früh von seiner Cousine in die Geheimnisse der Liebe eingewiesen worden ist, als Zwölfjähriger vorgestellt hatte, dass in der dreistöckigen Villa im italienischen Vigàta bezaubernde Feen wohnten. Auch ist die "Pension" auf den Überresten eines Tempels und einer Kirche errichtet worden. Und tatsächlich erscheint das Haus im Roman vor allem ein heiliger Ort, in dem die Männer in den Armen des zweiwöchentlich wechselnden Personals für eine halbe Stunde auch den Krieg und die Lieblosigkeit ihrer Umgebung vergessen können. So verwundert es Nenè nicht, dass er nach der Zerbombung des Bordells am Ende des Romans eine Statue von griechischer Schönheit in den Trümmern findet, die die Hände zum Gebet gefaltet hat - und die die Illusion des wahren Ortes im falschen Leben gleich wieder entlarvt: "Er berührte sie. Und da bemerkte er, dass sie nicht aus Marmor war, sondern aus Fleisch und Blut. Die Totenstarre hatte längst eingesetzt, und so hatte die Leiche wie eine Statue ausgesehen. Der Staub bedeckte ihren ganzen Körper, und wahrscheinlich war sie daran qualvoll erstickt." Der Lektüre des Kurzromans Die Pension Eva aus der Feder des inzwischen 82-jährigen italienischen Bestsellerautors Andrea Camilleri ist zunächst befremdlich. Das hat weniger damit zu tun, dass man vom Autor, der hierzulande nicht zuletzt durch seine spannenden Geschichten rund um den Commissario Montalban bekannt geworden ist, eher einen Krimi als eine leise Erzählung über das Heranwachsen in Zeiten des Krieges erwartet hätte. Vielmehr ist es der etwas altertümelnde Erzählton, der überrascht. Denn bei der Lektüre von Die Pension Eva hat man über weite Strecken das Gefühl, man halte die - unbedingt notwendige, da ungemein faszinierende - Wiederentdeckung eines wundervoll schreibenden Autors aus den zwanziger Jahren in den Händen, die die Lektoren des Kindler-Verlags da der Vergessenheit entrissen haben, und nicht eine Veröffentlichung aus dem Jahr 2008. Wenn man sich aber auf den zwar nostalgischen, aber stringent durchgehaltenen und irgendwie ja auch passenden Erzählton Camilleris eingelassen hat, wird man Die Pension Eva die gegen Ende immer mehr zu einer Sammlung kleiner Geschichten und Anekdoten wird, mit Hochgenuss verschlingen. Da gibt es eigentlich nur eine kurze Passage, in der der allwissende Erzähler seine Leser, den vermeintlichen Tod eines liebestollen Barons im Bombenhagel betreffend, an der Nase herumführt. Da hätte man sich eine weniger effektvolle, dafür aber gelungenere Schreiblösung gewünscht. Aber das ist in dem Roman, der auf kleinstem Raum ein kluges Panorama der faschistischen italienischen Gesellschaft unter Mussolini entfaltet, nun wirklich ein verschmerzbarer Einzelfall. - Thomas Köster, Literaturanzeiger.de