Aus der Amazon.de-Redaktion Eine winzig kleine Episode, entdeckt in einem alten Geschichtsbuch, bildete den Funken, aus dem Andrea Camilleri ein unvergleichliches Feuerwerk entfachte: Im Jahre 1718 ist es dem geknechteten Volk in der sizilianischen Stadt Agrigento gelungen, die Garnison der herrschenden Savoyer (die - absurd genug - 1713 bis 1720 die Königswürde über Sizilien innehatten) zu vertreiben, den Adel zu entwaffnen, die Verwalter und Beamten aus ihren Ämtern zu jagen sowie ihren Anführer, einen Bauern namens Zosimo, zum König auszurufen - eine Herrschaft, die allerdings nur wenige Tage dauerte, dann wurde der Aufstand niedergeschlagen. Mehr ist nicht bekannt über diese Fußnote der Geschichte, und genau das macht Camilleri sich zunutze: Er spinnt eine denkbar wilde Geschichte um diesen Zosimo, wie sie bunter, komischer und schräger kaum sein könnte. Die Zeiten, in denen sich diese unglaublichen Ereignisse zutragen, sind wirr; die Herrscher über Sizilien - mal die Savoyer, mal sogar die "Hispanischen" - geben sich die Klinke in die Hand, auch der Papst im fernen Rom mischt kräftig mit und exkommuniziert mal diesen, mal jenen König. Dieses politische Durcheinander, das - wie immer in der Geschichte und eigentlich auch in der Gegenwart - auf dem Rücken des einfachen Volkes ausgetragen wird, welches zu allem Übel auch noch unter Dürre- und Hungerperioden sowie der Pest zu leiden hat, bildet natürlich eine ideale Kulisse, um die absurdesten Ränke und Intrigen, die verschrobensten Figuren, die absurdesten Konstellationen hineinzuerfinden - und davon macht Camilleri ausgiebig Gebrauch. Und so ist die Geschichte des Bauernsohns Zosimo, der unter den irrwitzigsten Umständen gezeugt und geboren wird, schon als Kind den Herrschern das ein oder andere geniale Schnippchen schlägt und schließlich zum Anführer eines Bauernaufstands wird, ein Riesenspektakel: sprühend vor Fantasie, ungeheuer komisch und dabei auch auf eine denkbar vergnügliche Art derb und deftig. Man sollte sich übrigens auf keinen Fall von der pseudo-barocken Sprache abschrecken lassen, die (von Moshe Kahn kongenial ins Deutsche übertragen) nur auf den ersten Seiten etwas befremdlich wirkt: Schnell liest man sich hinein in diese getürkte Historienschreibersprache, und sehr bald begreift man, dass genau im Kontrast zwischen der barocken Formulierung und den geschilderten Derbheiten das größte Komikpotenzial des Romans liegt. Sich vor Angst in die Hose scheißende Vizekönige, vor Geil- und Rolligkeit einer Bauersfrau hinterhergeifernde Fürsten, von einem wütenden Stier kastrierte Adelige - das liest sich in gesetztem Barock gleich doppelt schön. Camilleris König Zosimo ist in Italien nur wenige Monate nach einem anderen großen Roman erschienen, der ebenfalls Historisches mit Fiktivem mischt: Umberto Ecos Baudolino. Doch wo Eco den fiktiven Bauernsohn Baudolino in die reale Geschichte um Kaiser Barbarossa hineinflickt und dabei merkwürdig hölzern und blutleer bleibt, gelingt es Camilleri, indem er umgekehrt die Geschichte wild und frei um eine verbürgte Person herumerfindet, einen weitaus amüsanteren, packenderen und irgendwie auch lebensnaheren Roman zu fabrizieren. Ein über die Maßen ergötzliches, unbedingt lesenswertes Buch! -Christoph Nettersheim 1
Buch:
Ich weiß um deine dunkle Seele: Italien Krimis
Ausgabe vom 20. Sept. 2006, Gebunden, Verkaufsrang 490564
Aus der Amazon.de-Redaktion Als Schönheitschirurg sollte man nicht kokainabhängig sein. Und man sollte sich nicht vor einer Brustvergrößerung drei Streifen von dem weißen Zeug durch die Nase ziehen. Wenn man es aber tut, ist es gut, wenn man seinen ganzen Drogenvorrat mit in den Operationssaal nimmt. Denn wenn die Polizei kommt, um einen zu verhaften, kann man statt des Silikonkissens gleich die ganze Koksration implantieren. So macht es Professor Paolo Bocchi in Mein ein und alles, der Eröffnungsgeschichte des Erzählbands Ich weiß um deine dunkle Seele. Bocchi wird wegen Veruntreuung von Spendengeldern für kambodschanische Kinder verhaftet, und das süchtig machende Brustimplantat schmückt seitdem das Innenleben des italienischen Fernsehsternchens Simona Somaini. Es steht ihr gut, denn es macht die Somaini zu einem richtig steilen Zahn: "Ihre beiden Oberschenkel waren so lang wie die Umgehungsstraße Ost und endeten in zwei Halbkugeln, die so perfekt wirkten, als habe der Architekt Renzo Piano sie geformt", heißt es in der Geschichte von Niccolò Ammaniti und Antonio Manzini. Und ihre Brüste stehen "auf dem Oberkörper wie zwei spitze Trulli aus Apulien." Ganz so komisch wie in diese Erzählung, die in ihrem weiteren Verlauf davon handelt, wie Bocchi versucht, mit Hilfe des abgetakelten Imitators eines argentinischen Fußballstars an die Innereien des TV-Sternchens zu kommen, geht es nicht immer zu in diesem Sammelband mit neun italienischen Kriminalgeschichten, zu dem unter anderem Andrea Camilleri, Giorgio Faletti und Carlo Lucarelli Texte beigesteuert haben. Aber sie haben alle ihren eigenen Reiz und eine immer wieder ganz eigenwillige Spannung. Wie ein Polizist aus falsch verstandenem Ehrgeiz zum Mörder wird oder eine harmlose Leidenschaft aufgrund von Missverständnissen einen tödlichen Impuls erhält - all dies ist überaus vergnüglich zu lesen. Und noch etwas zeigt i>Ich weiß um deine dunkle Seele in Vollendung: Dass man eine Kriminalerzählung ganz anders als einen Kriminalroman aufbauen muss. Lange Spannungsbögen fehlen, die Figuren können nicht aufwändig entwickelt werden. Und das sind Aspekte, die den Lesegenuss alles andere als schmälern. -Thomas Köster
Buch:
Italienische Verhältnisse: Originalausgabe
Autor:
Andrea Camilleri, Ausgabe vom 23. Aug. 2005, Taschenbuch, Verkaufsrang 292942
Product Description "Zum erstenmal auf deutsch Andrea Camilleri als feiner Beobachter italienischer Sitten und Zustände. Satiren, Portraits, Betrachtungen und öffentliche Polemiken des ""shooting-stars der italienischen Literatur"" Literaturen, gesammelt von Klaus Wagenbach"
Hörbuch:
Von der Hand des Künstlers.
Autor:
Andrea Camilleri, Gerd Wameling, Ausgabe vom 2006, Audio CD, Verkaufsrang 288118
Hörbuch:
Die dunkle Wahrheit des Mondes: Commissario Montalbano erlebt Sternstunden - Lesung
Autor:
Andrea Camilleri, Ausgabe vom 16. Okt. 2007, Audio CD, Verkaufsrang 401945
Aus der Amazon.de-Redaktion Einige lüsterne Morgengedanken in Richtung der (diesmal abwesenden) Dauerverlobten Livia; der obligatorische Espresso; im Geiste wird bereits die nächste üppige Mahlzeit in der Trattoria angepeilt; anschließend vielleicht ein Verdauungsspaziergang zum Leuchtturm, wo trotz der Hitze noch ein Lüftchen geht. Nur nichts überstürzen! Fans des Commissarios Montalbano und seines schrägen Teams sind mit deren extrem entspannten Arbeitsabläufen längst vertraut. Duftiger und mediterran leichter kann die polizeiliche Ermittlungsarbeit im fiktiven sizilianischen Städtchen Vigàta eigentlich nicht mehr vonstatten gehen. Daran ändert sich zunächst auch wenig, als die verzweifelte Michela Pardo ihren Bruder als vermisst meldet. Erst als der Verschwundene in sexuell eindeutiger Pose ? aufgrund eines Kopfschusses aber leider mausetot -, in seiner Dachwohnung entdeckt wird, beginnt das Tempo unmerklich anzuziehen. Überschäumend hektisch gings ja in der Regel noch nie zu in den Montalbano-Romanen des greisen und weisen Andrea Camilleri. Sinnlich atmosphärisches, insbesondere kulinarischer Art, genoss stets den Vorrang vor dröger Schnüfflerroutine. Sinnlich in ganz anderer Hinsicht und absolut neu hingegen, das fast schon frühlingshaft sexuelle Erwachen, das dem Commissario angesichts der spröd-erotischen Austrahlung der rätselhaften Michela Pardo den Ermittlerblick trübt. Welch seltsam tiefgehende Liebe verband dabei die stille Schönheit mit ihrem Bruder Angelo, der sich im Leben als eher gefallener Engel präsentierte? Als schließlich auch noch die schöne Elena, eine frustrierte Professorengattin und Angelos letzte Geliebte auf den Plan tritt, droht Montalbano als erotischer Sandwichbelag zu enden. Es ist wie so oft bei Camilleri: Alles hängt mit allem zusammen. Diverse "Drogenunfälle" in der Gegend; die dubiose Verbandelung Angelos mit hochrangigen Pharmakonzernen; seine verlorene Approbation als Arzt; schließlich seine Leidenschaften, die nun den armen Montalbano heißlaufen lassen. Andrea Camilleri hat sozusagen einen sommerlich lichtdurchfluteten, erotikgesättigten Roman komponiert, der leider nicht alle getreuen Leser zufriedenstellte. Neben der etwas leichtgewichtigen Story findet sich der Grund hauptsächlich im Wechsel des Übersetzers, dem in der Tat einige sprachliche Kuriositäten und Verrenkungen nicht abzusprechen sind. Solch sprachgenauer Leserschaft, lieber Verlag, sollte man den nötigen Respekt zollen. - Ravi Unger
Hörbuch:
Die schwarze Seele des Sommers: Commissario Montalbano blickt in den Abgrund - Roman.
Autor:
Andrea Camilleri, Ausgabe vom 16. Sept. 2008, Audio CD, Verkaufsrang 68153
Andrea Camilleri, Ausgabe vom Febr. 2005, Broschiert, Verkaufsrang 481436
Aus der Amazon.de-Redaktion Eine winzig kleine Episode, entdeckt in einem alten Geschichtsbuch, bildete den Funken, aus dem Andrea Camilleri ein unvergleichliches Feuerwerk entfachte: Im Jahre 1718 ist es dem geknechteten Volk in der sizilianischen Stadt Agrigento gelungen, die Garnison der herrschenden Savoyer (die - absurd genug - 1713 bis 1720 die Königswürde über Sizilien innehatten) zu vertreiben, den Adel zu entwaffnen, die Verwalter und Beamten aus ihren Ämtern zu jagen sowie ihren Anführer, einen Bauern namens Zosimo, zum König auszurufen - eine Herrschaft, die allerdings nur wenige Tage dauerte, dann wurde der Aufstand niedergeschlagen. Mehr ist nicht bekannt über diese Fußnote der Geschichte, und genau das macht Camilleri sich zunutze: Er spinnt eine denkbar wilde Geschichte um diesen Zosimo, wie sie bunter, komischer und schräger kaum sein könnte. Die Zeiten, in denen sich diese unglaublichen Ereignisse zutragen, sind wirr; die Herrscher über Sizilien - mal die Savoyer, mal sogar die "Hispanischen" - geben sich die Klinke in die Hand, auch der Papst im fernen Rom mischt kräftig mit und exkommuniziert mal diesen, mal jenen König. Dieses politische Durcheinander, das - wie immer in der Geschichte und eigentlich auch in der Gegenwart - auf dem Rücken des einfachen Volkes ausgetragen wird, welches zu allem Übel auch noch unter Dürre- und Hungerperioden sowie der Pest zu leiden hat, bildet natürlich eine ideale Kulisse, um die absurdesten Ränke und Intrigen, die verschrobensten Figuren, die absurdesten Konstellationen hineinzuerfinden - und davon macht Camilleri ausgiebig Gebrauch. Und so ist die Geschichte des Bauernsohns Zosimo, der unter den irrwitzigsten Umständen gezeugt und geboren wird, schon als Kind den Herrschern das ein oder andere geniale Schnippchen schlägt und schließlich zum Anführer eines Bauernaufstands wird, ein Riesenspektakel: sprühend vor Fantasie, ungeheuer komisch und dabei auch auf eine denkbar vergnügliche Art derb und deftig. Man sollte sich übrigens auf keinen Fall von der pseudo-barocken Sprache abschrecken lassen, die (von Moshe Kahn kongenial ins Deutsche übertragen) nur auf den ersten Seiten etwas befremdlich wirkt: Schnell liest man sich hinein in diese getürkte Historienschreibersprache, und sehr bald begreift man, dass genau im Kontrast zwischen der barocken Formulierung und den geschilderten Derbheiten das größte Komikpotenzial des Romans liegt. Sich vor Angst in die Hose scheißende Vizekönige, vor Geil- und Rolligkeit einer Bauersfrau hinterhergeifernde Fürsten, von einem wütenden Stier kastrierte Adelige - das liest sich in gesetztem Barock gleich doppelt schön. Camilleris König Zosimo ist in Italien nur wenige Monate nach einem anderen großen Roman erschienen, der ebenfalls Historisches mit Fiktivem mischt: Umberto Ecos Baudolino. Doch wo Eco den fiktiven Bauernsohn Baudolino in die reale Geschichte um Kaiser Barbarossa hineinflickt und dabei merkwürdig hölzern und blutleer bleibt, gelingt es Camilleri, indem er umgekehrt die Geschichte wild und frei um eine verbürgte Person herumerfindet, einen weitaus amüsanteren, packenderen und irgendwie auch lebensnaheren Roman zu fabrizieren. Ein über die Maßen ergötzliches, unbedingt lesenswertes Buch! -Christoph Nettersheim 1
Hörbuch:
Il commissario Montalbano e i miracoli di Trieste: Das Hörbuch zum Sprachen lernen - Ausgewählte Kurzgeschichten - Niveau A2
Autor:
Andrea Camilleri, Ausgabe vom 19. Sept. 2006, Audio CD, Verkaufsrang 235820