Anne-Catherine Simon, Ausgabe vom März 2002, Gebunden, Verkaufsrang 1350367
Aus der Amazon.at-Redaktion Ein Psychogramm der Wiener Gesellschaft um 1900 schuf der Dichter Arthur Schnitzler (1862 - 1931). Sein Werk verewigt die dekadente Atmosphäre im Wien der Jahrhundertwende, die er eng mit dem Stadtbild und seiner Umgebung verknüpfte. Dieser Tatsache hat sich die sehr junge, respektable Autorin Anne-Catherine Simon angenommen. Das Ergebnis ist ein exzellent recherchierter, historischer Wien-Führer, der Lust auf "mehr Wien" und "mehr Schnitzler" macht. Mit Schnitzler bewegen wir uns beinahe ausschließlich in den Bezirken des Großbürgertums, zu dem sich der studierte Arzt jüdischer Herkunft zählen konnte und das er als Schriftsteller so treffend zu charakterisieren verstand. Schon sein Vater arbeitete sich sozial und wohnungsmäßig von der zionistisch dominierten Leopoldstadt zu den neu erbauten Palais auf der Ringstraße vor, Schnitzler selbst beschloss als gefeierter Dichter seinen Lebensabend im eleganten Währinger "Cottage" an Wiens Stadtrand. Allerhöchstens bewegte er sich in der Vorstadt, um - zwecks besserer Seelenkenntnis - ein "süßes Mädel" zu vernaschen. Schnitzler ging es Zeit seines Lebens um die Darstellung gesellschaftlicher Vernetzungen, die meist auch mit seelischen Verwirrungen einhergingen. Die Parks, der Prater, die Theater und Kabaretts, die Kaffeehäuser und Gaststätten bildeten dabei den stimmungsvollen Hintergrund. All diese Plätze von Bedeutung sucht Anne-Catherine Simon auf, liefert Bildmaterial, zitiert Schnitzler, erzählt Anekdoten, sodass sich wie von selbst eine Biografie des Schriftstellers ergibt und ein lebendiges Bild dieser so besonders dichten Atmosphäre Wiens um 1900 entsteht. Für Wienkenner und Schnitzler-Fans bietet Schnitzlers Wien eine Vertiefung bereits vorhandener Kenntnisse auf vergnüglichste Art und Weise. Reisende können ihr Touristenprogramm an der Hand des Dichters verfeinern. Die ideale Ergänzung zu diesem Bildband ist das zeitgleich erschienene Buch Corso am Ring mit kurzen Erzählungen von Arthur Schnitzler. Beide Bücher zusammen beweisen, dass sich die wienerischen schnitzlerischen Orte der Versuchung nicht gar so viel verändert haben. -Beatrice Simonsen 1