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Bücher - Autoren

Aristophanes

 
Die Wolken - Aristophanes
Buch:Die Wolken
Autor:Aristophanes, Ausgabe vom 1986, Taschenbuch, Verkaufsrang 150987
Preis: 3,60 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
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Durchschnitt: 4.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 1 Bewertung)

Leserkommentare:*
Antiker Moraltrompeter (4 von 5 Punkten) meint M.G.H. aus Wien
In den Wolken geht es um eine satirische Abrechnung mit der neuen Philosophie, mit der Sophistik. Diese wird interessanterweise mit Sokrates identifiziert. Otto Seel zeigt in seinem Nachwort, dass Aristophanes damit mehr oder weniger, direkt oder indirekt an jenem Sokratesbild mitgezeichnet hat, das den Sokrates als Frevler und Leugner der Götter, als Verdreher von Recht und Unrecht und als Verführer der Jugend zeigt und das ihm schlussendlich Prozess und Verurteilung eingebracht hat. In der "Apologie" wird Aristophanes jedenfalls namentlich als einer der Verleumder genannt: "Denn solcherlei habt ihr selbst gesehen in des Aristophanes Komödie, wo ein Sokrates vorgestellt wird, der sich rühmt, in der Luft zu gehen, und viel andere Albernheiten vorbringt, wovon ich weder viel noch wenig verstehe." (Platon, Apologie)

Tatsächlich war es wohl das Anliegen des Aristophanes, die neue Philosophie zu demaskieren, zur Kenntlichkeit zu entstellen, als das zu präsentieren, was sie seiner Ansicht nach war: eine frevelhafte und lächerliche Methode der Naturerforschung und v.a. eine Kunst der Rechtsbeugung. Dazu erfindet er ein Szenario, wo sich der einfältige Bauer Strepsiades just in dem Moment für die Philosophie zu interessieren beginnt, wo er nach einer Möglichkeit sucht, sich vor dem Schuldenzahlen zu drücken. Er meint, bei Sokrates könne er die Kunst der zwei Reden lernen, insbesondere die Kunst, die schwächere (schlechtere) Sache zu stärkeren (besseren) zu machen.

Strepsiades erweist sich aber als allzu unbedarft für die neuen Lehren. Von der Naturphilosophie versteht er nur, dass nun nicht mehr Zeus regiere, sondern der "Wirbel". Er (miss-)versteht den Paradigmenwechsel vom theologischen zum kosmologischen Prinzip als Machtwechsel innerhalb der theologischen Paradigmas: Der neue Gott "Wirbel" hat den alten Gott Zeus entthront. Schlimm ist es, wenn man die neue Philosophie missversteht, Man macht sich lächerlich. Noch schlimmer, so suggeriert Aristophanes, ist es allerdings, wenn man die Lehren richtig versteht. Man setzt sich über Maß und Anstand hinweg und verprügelt z.B. den eigenen Vater. Das zeigt uns Aristophanes am Beispiel von Pheidippides, dem Sohn von Strepsiades.

Das klingt eigentlich eher nach konservativem Spott und Hohn denn nach befreiender Komik. Und das ist es auch. Friedell hat das besser in Worte gefasst, als ich es je könnte: "Ohne klassizistische Vorurteile betrachtet, ist Aristophanes ganz einfach der großartigste Revolverjournalist, von dem die Weltliteratur zu künden weiß. Wie so viele Satiriker, war er nichts weniger als ein freier Geist, sondern ein Philister mit umgekehrtem Vorzeichen, ein kleinherziger Denunziant und unter der Maske des Moraltrompeters eine ganz amoralische Größe." (Egon Friedell, Kulturgeschichte Griechenlands)

Trotzdem sind die Wolken in ihren besten Stellen unglaublich witzig. Der Unterricht des Strepsiades liest sich wie eine zweieinhalbtausendjährige Vorwegnahme der Doppelconferencen Farkas/Grünbaumscher Prägung. Vom parodistischen Spiel mit den Formen und Metren bleibt in einer Übersetzung naturgemäß am wenigsten übrig. Doch auch hier ist es Otto Seel gelungen, zumindest einen Eindruck vom sprachlichen Reichtum dieser Komödie zu geben.

Lysistrate - Aristophanes
Buch:Lysistrate
Autor:Aristophanes, Ausgabe vom 1986, Taschenbuch, Verkaufsrang 413641
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Durchschnitt: 4.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 5 Bewertungen)

Leserkommentare:*
Sexuelle Abhängigkeit und Woll-Ökonomie (5 von 5 Punkten) meint M.G.H. aus Wien
In einer Art ewigen Bestenliste" aller Aristophanesstücke würden nach wie vor die Wolken ganz vorne liegen und die Lysistrate nur einen der hinteren Plätze einnehmen. Denn die Wolken (mit ihrer Sokrates Parodie) waren vom Altertum bis in die Neuzeit hinein das am öftesten bearbeitete, kommentierte und zitierte Aristophanes-Stück. Erst dann wandte sich das Blatt und die Lysistrate wurde immer populärer. Und in der heutigen Aufführungspraxis ist sie unangefochten die Nummer eins. Zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Rezension konnte man z. B. auf youtube 169 Videobeiträge zu Aristophanes finden, die meisten davon zur Lysistrate: Aufführungen aus allen Teilen dieser Welt, mit Inszenierungen von großen Staatsbühnen und kleinen Schultheatergruppen.

Woher kommt nun die Popularität der Lysistrate gerade in neuerer Zeit? Otto Seel meint, es liege an ihrer "sublimen Frechheit, Unverhülltheit, Obszönität und hintergründigen Gutgelauntheit". Das stimmt sicherlich, gilt aber in gewisser Weise für die meisten Aristophanes Komödien. Bei der Lysistrate im speziellen steht aber die sexuelle Abhängigkeit der Männer von den Frauen im Zentrum. Wenn sich die Frauen verweigern, wenn sich die Hose ungebührlich spannt, dann verlieren alle weltpolitischen Themen ihre Bedeutung.

Chorführer: Ja seht nur, da kommen von Sparta schon
Die Gesandten mit zottigen Bärten
Und zwischen den Beinen mit Pflöcken, o Graus
Als wollten sie Schweine dran binden. (...)
Entsetzlich! Euer Leidensstrang ist straff
Gespannt, und die Entzündung scheint bedenklich.

Spartaner: Gar gruslig, nit zum säge. Chömmet nu
Grad her, wer's sei, mir machet Friede jetzt.

Das Harte zwischen den Beinen lässt die stolzen griechischen Heerführer weich werden. Das macht einen gut Teil des komischen Effekts aus. Und das wird in den diversen Inszenierung zum Teil bis ins Groteske überzeichnet: Männer mit halbmeterlangen Phalli sind da zu sehen, verzweifelt, orientierungslos und in alles einwilligend, was nur ihrer Not ein Ende macht. Gewiss, auch den Frauen fällt die Enthaltsamkeit nicht leicht, ihre diesbezüglichen Ausflüchte und Ausweichmanöver machen den anderen Teil des komischen Effekts aus. Aber sie fällt ihnen doch leichter als den Männern und eben deshalb können sie den Sex auch zu einem Druck- und Erziehungsmittel einsetzen.

Lysistrate könnte man so als satirische Kritik am Phallozentrismus und an der Phallokratie lesen. Das wird noch deutlicher in der Kritik der politischen Ökonomie, wie sie Aristophanes im Dialog zwischen Lysistrate und dem Ratsherren in Szene setzt. Hier wird der männlichen, korrupten, verschwenderischen Ökonomie eine "weibliche" entgegengesetzt, die ihr Vorbild in der Hauswirtschaft, namentlich in der Wollerzeugung hat:

"Wie die Wolle vom Kot und vom Schmutz in der Wäsche man säubert,
so müsst ihr dem Staate von Schurken das Fell reinklopfen, ablesen die Bollen:
Was zusammen sich klumpt und zum Filz sich verstrickt -Klubmänner für Ämterbesetzung
Miteinander verschworen - kardätschet sie durch und zerzupfet die äußersten Spitzen (...)"

Die Kritik an Ämtermissbrauch, Korruption und Vetternwirtschaft ist heute so aktuell wie damals. Und vielleicht ist das ein weiterer Grund, wieso dieses Stück heute mehr denn je Theatermacher und Publikum fasziniert.


"Dem Menschen fehlt's im Oberhaus." (Aristophanes) (5 von 5 Punkten) meint k.
"Doch zum Gemach hingehend, besorge Du deine Geschäfte / Spindel und Webstuhl, und gebeut den dienenden Weibern, / Fleißig am Werke zu sein. Der Krieg gebührt den Männern / Allen, und mir am meisten, die Ilios Feste bewohnen." (Homer; Ilias, 6, 489-493) Dieser Idee Homers bestraft Aristophanes Lügen in seinem in den Lenäen im Jahre 411 v. Chr. erstmals in Athen aufgeführten Komödie "Lysistrate", was in der Bedeutung "Heerauflöserin" meint.

Für den Einstieg hilft ein kleiner Dialog, der gleichzeitig das Komödienhafte und auch das Frivole zeigt.
Kalonike
Was ist' s denn, liebe Lysistrata, / Weßhalb du heut uns Frauen hier zusammenrufst? / Was ist das Ding, von welcher Art?
Lysistrata
Sehr groß.
Kalonike
Auch dick?
Lysistrata
Auch dick, gewiß!
Kalonike
Und da zu kommen säumten wir?
Lysistrata
Nicht solcher Art; da kämen wir geschwind heran. / Nein, aufgespürt hab' ich ein Ding, und mich damit / Durch manche ruhelose Nacht herumgewälzt.
Kalonike
War's fein, das Ding, womit du dich herumgewälzt?
Lysistrata
So fein, daß alles Wohlergeh'n und alles Weh / Des ganzen Hellas nur an uns, den Frauen, hängt -
Kalonike
Den Frauen? Nun, dann hängt's an dünnem Faden nur.
Lysistrata
Daß nur in unsern Händen ruht des Staates Macht, / Daß sonst dahin sind alle Peloponnesier -
Kalonike
Am besten wär's, beim Himmel, wären die dahin.

Der Prolog zeigt die Absicht Lysistrates, die Männer mit Verzicht auf Geschlechtsverkehr vom Kriege abzuhalten und nach Hause zu holen. Die Abstinenz der Frauen während des Krieges wird umgedeutet in eine eindeutige Zweideutigkeit amouröser Spielformen, in der das Verlangen der Frauen gar schon die Idee torpediert.
Kalonike
Sonst alles, alles, was du willst. Ja, muß es sein, / Ich gehe dir durch Feuer: laß mir nur den Mann! / Ich kann von ihm nicht lassen, liebe Lysistrata
Lysistrata
Und du?
Myrrhine
Auch ich - durch Feuer will ich lieber gehn.

Dennoch erreicht Lysistrate Einigkeit unter den Frauen, die aus unterschiedlichen Städten zu dieser konspirativen Sitzung gekommen sind. Der peleponesische Krieg (431-404) ist im Gange und trifft Athener wie Spartaner gleichermaßen. Und in dem Zuge der Wünsche und Ablehnungen, vorgetragen durch Chöre gegeneinander, Herolde und Männern wie Frauen erscheint nach dem Auftreten des spartanischen Heroldes es am sinnvollsten, einem Gespräch und einer Verhandlung zuzustimmen. Lysistrate beginnt die Versöhnung anzubahnen, sie gelingt, die Männer dürfen in die Burg der Frauen und die beiden Chöre werden zu einem, der Frieden und die Versöhnung wird gefeiert, der von Aphrodite, der Göttin der Liebe, gestiftet wird.

Aufgeführt wurde das Stück just in dem Jahr der veränderten Machtverhältnisse in Athen. Die 400 Oligarchen treten an die Macht. Aristophanes prangert den Krieg an sich an und führt zu der Erkenntnis im Gegensatz zu Homer, dass Männer nicht in der Lage sind, kriegerische Konflikte zu lösen. Damit erfichtt er mitten im Krieg ein Plädoyer für den Frieden.


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Lysistrata: Die Komödie des Aristophanes - Aristophanes
Buch:Lysistrata: Die Komödie des Aristophanes
Autor:Aristophanes, Ausgabe vom 1. Febr. 2000, Taschenbuch, Verkaufsrang 120465
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Leserkommentare:*
"Dem Menschen fehlt's im Oberhaus." (Aristophanes) (5 von 5 Punkten) meint k.
"Doch zum Gemach hingehend, besorge Du deine Geschäfte / Spindel und Webstuhl, und gebeut den dienenden Weibern, / Fleißig am Werke zu sein. Der Krieg gebührt den Männern / Allen, und mir am meisten, die Ilios Feste bewohnen." (Homer; Ilias, 6, 489-493) Dieser Idee Homers bestraft Aristophanes Lügen in seinem in den Lenäen im Jahre 411 v. Chr. erstmals in Athen aufgeführten Komödie "Lysistrate", was in der Bedeutung "Heerauflöserin" meint.

Die kleinen spitzen Dialoge zeigen gleichzeitig das Komödienhafte und auch das Frivole.

Der Prolog zeigt die Absicht Lysistrates, die Männer mit Verzicht auf Beischlaf vom Kriege abzuhalten und nach Hause zu holen. Die Abstinenz der Frauen während des Krieges wird umgedeutet in eine eindeutige Zweideutigkeit amouröser Spielformen, in der das Verlangen der Frauen gar schon die Idee torpediert.
Kalonike
Sonst alles, alles, was du willst. Ja, muß es sein, / Ich gehe dir durch Feuer: laß mir nur den Mann! / Ich kann von ihm nicht lassen, liebe Lysistrata

Dennoch erreicht Lysistrate Einigkeit unter den Frauen, die aus unterschiedlichen Städten zu dieser konspirativen Sitzung gekommen sind. Der peleponesische Krieg (431-404) ist im Gange und trifft Athener wie Spartaner gleichermaßen. Und in dem Zuge der Wünsche und Ablehnungen, vorgetragen durch Chöre gegeneinander, Herolde und Männern wie Frauen erscheint nach dem Auftreten des spartanischen Heroldes es am sinnvollsten, einem Gespräch und einer Verhandlung zuzustimmen. Lysistrate beginnt die Versöhnung anzubahnen, sie gelingt, die Männer dürfen in die Burg der Frauen und die beiden Chöre werden zu einem, der Frieden und die Versöhnung wird gefeiert, der von Aphrodite, der Göttin der Liebe, gestiftet wird.

Aufgeführt wurde das Stück just in dem Jahr der veränderten Machtverhältnisse in Athen. Die 400 Oligarchen treten an die Macht. Aristophanes prangert den Krieg an sich an und führt zu der Erkenntnis im Gegensatz zu Homer, dass Männer nicht in der Lage sind, kriegerische Konflikte zu lösen. Damit erficht er mitten im Krieg ein Plädoyer für den Frieden.

Dieses Stück in einem alten griechischen Theater zu sehen, ist eine reine Freude. So hat in einem Sommer, Aristophanes Stück die Illusion der Vergangenheit als Theater in der Gegenwart gewirkt.

Make love not war! (5 von 5 Punkten) meint H. aus BaWü
Schon die Einführung, die der Übersetzung von Erich Fried vorangestellt ist, macht die Aktualität des Stückes von Aristophanes deutlich. Lysistratas Idee, Frieden durch Sex-Streik zu schaffen wird den Friedensideale der Friedensbewegung gegenübergestellt und mit der Hippie-Bewegung verglichen. Es wird der Zusammenhang zwischen Agression und Liebe erörtert. Dabei werden durchaus provozierende Thesen aufgestellt, die die Ideale der christlich beeinflussten Friedensbewegung und seiner Harmonieideale in Frage stellt.
Lyistratas Komödie erschließt sich dem Leser auch heute noch - auch ohne Kommentare, doch die in die Wagenbachausgabe aufgenommenen helfen, das Theaterstück in die Zeit seiner Erstaufführung einzuordnen. Es wird etwa der Phalloskult erläutert und erörtert, ob die Lysistrata als obszön gelten kann. Es wird das politische System Athens nachvollziehbar und leicht eingängig erklärt.
Auch für die Schule ist diese Ausgabe der Lysistrata sehr geeignet - auch wenn die Schüler sich zuerst einmal über die Abbildungen attischer Vasen irritieren, die eindeutig sexuelle Handlungen zeigen.

Die Frösche - Aristophanes
Buch:Die Frösche
Autor:Aristophanes, Ausgabe vom Dez. 1986, Taschenbuch, Verkaufsrang 152153
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Leserkommentare:*
Antiker Dichterstreit (5 von 5 Punkten) meint M.G.H. aus Wien
Die Rahmenhandlung dieser Komödie ist rasch erzählt: Dionysos, der Gott des Rausches, aber auch des Theaters langweilt sich nach des Euripides Tod und will in die Unterwelt steigen, um ihn zurückzuholen. Dort angekommen wird er Schiedsrichter im Dichterstreit zwischen Aischylos und Euripides und entscheidet sich schließlich - entgegen seinem ursprünglichen Plan - den Aischylos (und nicht den Euripides) mit an die Oberwelt zu nehmen. Inhaltlich gibt es zwei etwa gleich lange Teile, einmal die Geschichte um die Reise des Dionysos in die Unterwelt (Akt 1-3) und dann den Dichterstreit zwischen Euripides und Aischylos (Akt 4-5).

Der erste Teil zielt auf den "schnellen Lacher" ab. Dionysos wird uns hier als Angsthase präsentiert, der sich angesichts der befürchteten Schrecken der Unterwelt in die Hose macht und sogar straflos von seinem eigenen Sklaven verhöhnt werden darf. Auch die Verkleidungs- und Verwechslungskomik gehören schon zum Repertoire der antiken Komödie. Dionysos verkleidet sich als Herakles und bezieht prompt Prügel von der Wirtin im Hades, weil der wirkliche Herakles dort die Zeche geprellt hat. Dass sich Dionysos bei der Überfahrt in die Unterwelt auf ein Quak-Duell mit Fröschen einlässt, spricht auch nicht gerade für einen überlegenen göttlichen Geist, gibt der Komödie aber einen sinnfälligen Titel.

Der zweite Teil operiert mit subtileren Scherzen: Aischylos gegen Euripides, das ist wie alt gegen neu, Mythos gegen Logos, alte Tugend gegen moderne Freigeisterei, Klassik gegen Romantik. Das Duell geht über mehrere Runden und umfasst Themenwahl, Personenführung, Einsatz des Chors, Gestaltung der Prologe, Rhythmik der Lieder. Und es schwankt unentschieden hin und her. Euripides muss Treffer einstecken, weil er angeblich unmoralische Stoffe auswählte, Leute aus dem Volk auf die Bühne stellte und seine Prologe zu monoton gestaltete. Sehr witzig und untergriffig demonstriert Aischylos, dass man auf jede Einleitung des Euripides die Floskel ... kam um seinen Pomadentopf" anhängen könne. Aischylos muss v.a. wegen der angeblichen Dunkelheit und Schwerfälligkeit seiner Sprache Treffer einstecken. Schließlich siegt Aischylos. Alles andere wäre auch eine Überraschung gewesen, wenn man die konservative Grundhaltung des Aristophanes in Rechnung stellt.

Die Übersetzung von Heinz Heubner in der vorliegenden Reclam-Ausgabe ist flott, frech und witzig und sie trägt meiner Meinung nach entscheidend zum Lesevergnügen bei. Sie bricht aber das Versmaß und verzichtet damit auf ein wichtiges Stilmittel des griechischen Textes. Man muss sich entscheiden. Urteilen Sie selbst:

"Und weiter, bei mir gab's vom ersten Vers an kein müßiges Herumstehen. Frau, Sklave, Herr, Mädchen und alte Vettel - sie kamen alle zu Wort"
(Euripides in der Übersetzung Heubner)

"Sodann vom ersten Vers an ließ ich niemand müßig stehen,
und reden musste mir die Frau und reden selbst der Sklave,
es sprach der Mann, die Jungfrau sprach, das alte Weib."
(Euripides in der Übersetzung Seeger)

Wie auch immer: Man zeige mir einen einzigen heutigen, modernen Komödiendichter, der, sagen wir einen Dichterwettstreit zwischen Goethe und Kleist so in Szene zu setzen vermöchte wie Aristophanes den zwischen Aischylos und Euripides. Wo der leichte Scherz getragen ist von einer tiefen Kenntnis von Leben und Werk der Parodierten und wo umgekehrt dieses tiefe Verständnis die Leichtigkeit des Scherzes erzeugt. Ich glaube nicht, dass es auch nur einen einzigen gibt. Und genau deshalb ziehe ich den Aristophanes den meisten Modernen vor.


Anmerkungen zur Neuübersetzung (3 von 5 Punkten) meint D.D. aus Stuttgart
Ich mag mich nicht mit dem Inhalt selbst groß auseinandersetzen, der ist in der ersten Rezension gut zusammengefaßt. Einige Worte nur zur Neuübersetzung und den Anmerkungen:

Der Text ließt sich tatsächlich flüssiger als Seeger-Übersetzung, verliert allerdings viel vom Lyrischen des griechischen Theaters.
Die Anmerkungen tragen viel zum Verständnis des Textes bei, in ihrer Ausführlichkeit und ihrem Lehrerhaften gehen sie aber auch bald auf die Nerven, da akademische Spitzfindigkeiten, die eben zum Verständnis des Textes nicht beitragen frei mit den notwendigen Erklärungen vermischt sind.

Die Vögel - Aristophanes
Buch:Die Vögel
Autor:Aristophanes, Ausgabe vom 1986, Taschenbuch, Verkaufsrang 180378
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"Die Vögel glänzen durch die keckste und reichste Erfindung im Reiche des phantastisch Wunderbaren und ergötzen durch die fröhlichste Heiterkeit: es ist eine lustige, geflügelte, buntgefiederte Dichtung."
A. W Schlegel

Leserbewertungen:
Durchschnitt: 4.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 4 Bewertungen)

Leserkommentare:*
die vögel (5 von 5 Punkten) meint U.T. aus welt
ja hallo es ist ein vortreffliches büchlein
es ist eine satire auf die gesellschaft
unbedingt lesenswert

im anhang kann mann noch einiges über die griechische
kultur und sprüche lesen

 Weitere Lesermeinungen

Lysistrata - Bühnenfassung. - Aristophanes
Buch:Lysistrata - Bühnenfassung.
Autor:Aristophanes, Ausgabe vom 1988, Gebunden, Verkaufsrang 1549309
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Durchschnitt: 3.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 2 Bewertungen)

Leserkommentare:*
Klassisch, witzig, politisch: Perfekt für's Schultheater (5 von 5 Punkten) meint .
Spätenstens Fritz Kortners Fernsehinszenierung hat die "Lysistrata" (Betonung auf dem i), zu deutsch: "Heeresauflöserin", ins Bewußtsein der Deutschen oder zumindest der Deutschlehrer gerückt. Aufgrund der politischen Aussage, den derben Späßen und den intellektuellen Anspielungen bietet es einen guten Ausgangspunkt für eine Schultheater-Inszenierung. Die Handlung ist schnell erzählt: Die Männer Athens führen Krieg gegen Sparta und zuhause geht alles drunter und drüber. Die Frauen beider Seiten schließen sich zusammen, um einen Friedensvertrag zu erzwingen. Ihr Druckmittel: Verweigerung. Unter der Anführung von Lysistrata verkünden die Frauen, daß sie solange nicht mehr mit ihren Männern schlafen, bis diese aufhören, sich gegenseitig umzubringen. Natürlich läßt sich das nicht so einfach durchsetzen, da manchen Frauen das Zusammen-kommen mit ihrem Mann wichtiger ist als staatliche Übereinkünfte. Der Chor kommentiert zweideutig sowohl die politische als auch die sexuelle Zwickmühle, die Männer beschuldigen die Frauen, sie hätten keinen Sinn für größere Zusammenhänge und würden immer nur nörgeln, die Frauen verspotten die Männer mit ihren unglückbringenden Ideen. Zeitlose Themen also, die streitbar und direkt ausdiskutiert werden. Die Übersetzung von Wolfgang Schadewaldt hält sich erfreulicherweise nah ans Original, überträgt schamlos alle Witze und erhält - im Gegensatz zu anderen Bearbeitungen - den Chor als wichtiges dramatisches Element. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

Schön und ärgerlich (2 von 5 Punkten) meint M.H. aus München
Insel-Bücher sind schöne Bücher. Aristophanes schreibt schöne Stücke und sein klassisches Thema in diesem Buch, der Geschlechterkampf ist schön anzulesen.
Ärgerlich sind Teile der Übersetzung. Ein schwizerdeutsch plappernder Charakter hat meiner Meinung nach in einer klassischen Textübersetzung nichts verloren. Ärgerlich ist auch, dass nicht mehr als dreieinhalb Seiten Kommentar und Anmerkungen zu so einem Werk angehängt sind; ärgerlich auch, dass es keine Bibliographie gibt (und wenn sie auch nur ne halbe Seite gewesen wäre). Vielleicht sind die 10 Euro bei einer anderen Verlagsausgabe besser angelegt.

Frauen in der Volksversammlung - Aristophanes
Buch:Frauen in der Volksversammlung
Autor:Aristophanes, Ausgabe vom April 2004, Taschenbuch, Verkaufsrang 127759
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Lysistrata - Aristophanes, Johann J. C. Donner, Aubrey Vincent Beardsley
Buch:Lysistrata
Autor:Aristophanes, Johann J. C. Donner, Aubrey Vincent Beardsley, Ausgabe vom 1966, Pappbilderbuch, Verkaufsrang 903435
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Komödien - Bibliothek der Antike. - Aristophanes
Buch:Komödien - Bibliothek der Antike.
Autor:Aristophanes, Ausgabe vom 31. Dez. 1998, Taschenbuch, Verkaufsrang 1025747
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Antike Komödien - Aristophanes - Aristophanes
Buch:Antike Komödien - Aristophanes
Autor:Aristophanes, Ausgabe vom 1968, Unbekannter Einband, Verkaufsrang 1760293
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