Lexikon der bedrohten Wörter Neue Wörter werden geboren, andere müssen sterben. So ist das eben. Doch während etwa in England die lexikalische Tradition den Wortleichen mit fortwährendem Abdruck etwa im Oxford English Dictionary wenigstens ein ehrendes Andenken bewahrt, fallen sie in deutschen Wörterbuchredaktionen nach längerem Nichtgebrauch irgendwann durch den Rost, womit ihnen schlimmeres als der Tod, nämlich das Vergessen droht. Und manche Bezeichnung schafft es in ihrem kurzen Leben gar niemals in eines der gängigen Nachschlagewerke. Häufig hätten sie dies tatsächlich auch wirklich nicht verdient. Manchmal aber eben schon. Auch solchen Wörtern möchte Bodo Mrozek mit seinem vergnüglichen Lexikon der bedrohten Wörter einen Schutzraum bieten. Der "Übelkrähe" etwa, von der wir erfahren, dass sie eine der zahlreichen Schöpfungen des ebenso schlagfertigen wie wortgewaltigen Herbert Wehner war, der den CDU-Abgeordneten Wohlrabe einmal als eine solche bezeichnet hat. Ausgewählt wurden ausschließlich Wörter, die, wie Bodo Mrozek in seinem Vor-Wort schreibt, "keine Relevanz mehr haben oder voraussichtlich bald keine mehr haben werden". Und so bringt uns der unterhaltsam-lehrreiche Band vergessene Wortfreunde aus unserer jüngeren Geschichte (wie etwa Bonanzarad, Dialektik, Exportbier, Sozialstaat, Vollbeschäftigung oder Stoßstange) ebenso wie der älteren (zum Beispiel Abgunst, Behuf, Café Achteck, fürbass oder Nabob) wieder in Erinnerung und erläutert jeweils, was sie bedeuten und warum sie bedroht sind. Es versteht sich von selbst, dass einerseits die Auswahl subjektiv ist, andererseits ein solches Projekt langfristig auf regelmäßige Neuauflagen angelegt sein sollte. Für alle, die ein Wort vermissen, das sie gerne "unter Artenschutz stellen" möchten, hat der Autor deshalb eine Internetseite eingerichtet, auf der man begründete Vorschläge für Neuaufnahmen machen kann. Eine hübsche Idee, die dem Büchlein zu einem langem Leben verhelfen könnte. Wir wünschen es ihm! -Andreas Vierecke
Buch:
Lexikon der bedrohten Wörter 2
Autor:
Bodo Mrozek, Ausgabe vom 1. Dez. 2006, Taschenbuch, Verkaufsrang 248114
Lexikon der bedrohten Wörter 2 Mit dem enormen Erfolg seines Lexikons der bedrohten Wörter hatte Bodo Mrozek selbst nicht gerechnet. Und auch der Verlag war von den Verkaufszahlen überrascht. Beim hier anzuzeigenden zweiten Band ist das schon anders: Bereits bei der Erstauslieferung hat man den Umschlag mit einem Aufkleber versehen, der ihn als "Bestseller" ausweist. Und in der Tat: Das ist ihm zu wünschen! Vom "Allbuch", das noch in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts als Synonym für das Nachschlagewerk in Gebrauch war, über den "Beutelschneider", das "Bockshorn", den "Haderlump", die "Kokotte", den "Schmock" bis zum "Zwist" reichen die "jenseits des verbissenen Ernstes der üblichen Sprachkämpfe" konsequent subjektiv kommentierten Einträge diesmal. In der Gesamtschau führen sie uns deutlich vor Augen, wie vergänglich Sprache ist, die gegen das Vergessen deshalb unseres besonderen Schutzes bedarf. Um den hat sich Bodo Mrozek schon jetzt große Verdienste erworben. Doch ist sein "Kampf gegen das Vergessen ist mit diesem Band keineswegs beendet". Im Gegenteil stehen wir nach seinem Dafürhalten beim Wörterschutz immer noch erst am Anfang. Dem ebenso amüsanten wie lehrreichen Buch werden also - hoffentlich - regelmäßig neue Bände folgen. Weiterhin Erfolg zu wünschen ist deshalb auch dem vom Autor ins Leben gerufenen Internet-Projekt bedrohte-woerter.de, auf dem die Lexikoneinträge zu einem guten Teil beruhen und an dem sich jeder beteiligen kann, der sich Sorgen um das Fortleben eines vom Aussterben bedrohten Wortes macht oder vielleicht auch einmal seine Freude darüber zum Ausdruck bringen möchte, dass eine bestimmte verhasste Vokabel endlich keine Verwendung mehr findet. - Andreas Vierecke
Buch:
Laura Kikauka: M.A.N.I.A.C at Mak
Autor:
Bodo Mrozek, Norman T White, Ausgabe vom 2002, Taschenbuch, Verkaufsrang 4598711