Iwans Krieg Die Rote Armee 1939-1945 Mit ihrer aufwendig recherchierten Sozialgeschichte der Roten Armee beleuchtet Catherine Merridale eine von der historischen Forschung bislang sträflich vernachlässigte Seite der Geschichte der Sowjetarmee während des Zweiten Weltkriegs. Waren aus den unterschiedlichsten Perspektiven bisher vor allem die Heerführer und Militärstrategen Gegenstand der Betrachtung, richtet die englische Historikerin den Fokus auf die im (auch russischen) Volksmund "Iwan" genannten einfachen Soldaten. Unter welchen Umständen lebte, kämpfte und starb der gemeine Rotarmist? Welche Ängste und Hoffnungen trieben ihn um? Wie ging er damit um, völlig unzureichend ausgerüstet gegen einen zeitweise übermächtigen Feind eine hoffnungslos erscheinende Abwehrschlacht schlagen zu müssen? Wie erlebte er den Tod seiner Kameraden (fast neun Millionen Sowjetsoldaten kostete der Krieg das Leben!), den Umschwung und schließlich den triumphalen Sieg? Merridales profunde Untersuchung zeichnet ein sehr differenziertes Bild vom gemeinen Sowjet-Soldaten, das wenig gemein hat mit den weit verbreiteten Schwarz-Weiß-Klischees vom moralisch reinen Helden oder blutrünstigen Ungeheuer. Ein Bild jenseits des von der kommunistischen Propaganda mit großem Fleiß aufgerichteten Mythos vom sich selbst aufopfernden Patrioten (immerhin bestand die Rote Armee zu 75 Prozent aus Bauern, die die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft um ihr Eigentum gebracht hatte!) - aber auch jenseits des während des Kalten Krieges im Westen in Umlauf gebrachten Zerrbildes, das - nicht selten auf der Grundlage rassenideologisch inspirierter Berichte deutscher Kriegsgefangener - den "Iwan" als primitiv-grausamen Schlächter erscheinen ließ. - Andreas Vierecke
Buch:
Iwans Krieg: Die Rote Armee 1939-1945
Autor:
Catherine Merridale, Ausgabe vom Dez. 2006, Gebunden, Verkaufsrang 378316
Aus der Amazon.de-Redaktion Mit ihrer aufwendig recherchierten Sozialgeschichte der Roten Armee beleuchtet Catherine Merridale eine von der historischen Forschung bislang sträflich vernachlässigte Seite der Geschichte der Sowjetarmee während des Zweiten Weltkriegs. Waren aus den unterschiedlichsten Perspektiven bisher vor allem die Heerführer und Militärstrategen Gegenstand der Betrachtung, richtet die englische Historikerin den Fokus auf die im (auch russischen) Volksmund "Iwan" genannten einfachen Soldaten. Unter welchen Umständen lebte, kämpfte und starb der gemeine Rotarmist? Welche Ängste und Hoffnungen trieben ihn um? Wie ging er damit um, völlig unzureichend ausgerüstet gegen einen zeitweise übermächtigen Feind eine hoffnungslos erscheinende Abwehrschlacht schlagen zu müssen? Wie erlebte er den Tod seiner Kameraden (fast neun Millionen Sowjetsoldaten kostete der Krieg das Leben!), den Umschwung und schließlich den triumphalen Sieg? Merridales profunde Untersuchung zeichnet ein sehr differenziertes Bild vom gemeinen Sowjet-Soldaten, das wenig gemein hat mit den weit verbreiteten Schwarz-Weiß-Klischees vom moralisch reinen Helden oder blutrünstigen Ungeheuer. Ein Bild jenseits des von der kommunistischen Propaganda mit großem Fleiß aufgerichteten Mythos vom sich selbst aufopfernden Patrioten (immerhin bestand die Rote Armee zu 75 Prozent aus Bauern, die die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft um ihr Eigentum gebracht hatte!) - aber auch jenseits des während des Kalten Krieges im Westen in Umlauf gebrachten Zerrbildes, das - nicht selten auf der Grundlage rassenideologisch inspirierter Berichte deutscher Kriegsgefangener - den "Iwan" als primitiv-grausamen Schlächter erscheinen ließ. - Andreas Vierecke
Buch:
Steinerne Nächte
Autor:
Catherine Merridale, Ausgabe vom 2001, Gebunden, Verkaufsrang 811237
Aus der Amazon.de-Redaktion Liegt die Grausamkeit den Russen womöglich im Blut? Ist sie Erbe der tatarischen Urahnen oder Fluch des menschenfeindlichen Klimas? Solche Fragen sind nicht etwa nur auf dem Mist übler Rassisten gewachsen, sondern treiben - in Resignation über die mehr als 50 Millionen Opfer von Gewalt und ihren Begleiterscheinungen allein zwischen den Jahren 1914 und 1953 - sogar manchen Intellektuellen des eigenen Volkes um. Und der britischen Historikerin Catherine Merridale waren sie zumindest Anlass für eine breit angelegte Studie über das wahre Wesen der viel beschworenen russischen Seele. Die Ergebnisse ihrer Arbeit, die unter anderem auf Dutzenden von Einzelgesprächen und Gruppeninterviews mit Akteuren und Betroffenen dreier Generationen aufbauen, flossen in ein Buch mit dem düster-poetischen Titel Night of Stone. Death and Memory in Russia ein, das schon kurz nach Erscheinen unter dem bereits zu Recht bemäkelten, nebulöseren Titel Steinerne Nächte. Leiden und Sterben in Russland nun auch in Deutsch vorliegt. Zu Recht bemäkelt deshalb, weil es in dem Buch in allererster Linie um "Memory", also um das Totengedenken, um den Totenkult, letztlich also um Trauer, Erinnerung, Verlustgefühle, Angst, Zorn und Rache geht, deren Formen wesentlich mehr über Menschlichkeit aussagen können, als dokumentarisches Material und Opferstatistik. Merridale stimmt Maxim Gorki zu, der die von totaler Gesetzlosigkeit, Unterdrückung und "tierischer Grausamkeit" geprägten Lebensumstände unter dem Zarismus für die Brutalitäten im Gefolge der späteren Revolution, die mangelnde Achtung der Menschen- und Bürgerrechte, die Gefühllosigkeit gegenüber der Gerechtigkeit verantwortlich machte. Für sie tat das atheistisch-materialistische Verständnis von Leben und Tod sowie die Tatsache, dass sich die bedrängte sowjetische Herrschaft zu einem Gutteil auf skrupellose Gewalttäter, Kriminelle und Psychopathen stützte, ein Übriges. Trotz ihres etwas makaber anmutenden Ansatzes, ihrer eingestandenermaßen ideologischen Befangenheit sowie den methodisch bedingten Problemen, die allen "Oral History"-Projekten anhaften, liefert Merridale eine eindringliche Geschichtslektion mit tiefen Einblicken in die russische Kultur und die Abgründe der menschlichen Psyche. -Roland Detsch 1