Sie sind jung, sie sind stark - und sie sind gelangweilt Normale, berufstätige Männer und Familienväter auf der Suche nach einem Mittel gegen die Leere in ihrem Leben. Sie treffen sich auf Parkplätzen und in Kellern von Bars, um mit nackten Fäusten gegeneinander zu kämpfen. Der Anführer dieser "Fight Clubs" ist Tyler Durden, und er ist besessen von dem Plan, furchtbare Rache an einer Welt zu nehmen, in der es keine menschliche Wärme mehr gibt ... Es gibt wohl nur wenige Werke, die von Anfang an derart einschlagen wie Chuck Palahniuks Fight Club - wenn auch erst im zweiten Anlauf. Denn am Anfang hatte der Autor (völlig unverständlicherweise) Probleme, für sein Manuskript einen Verlag zu finden. Erst der Film unter der Regie von David Fincher machte Palahniuks Buch quasi über Nacht berühmt. Die Story von Fight Club ist ebenso eigenwillig wie brillant und schnell erzählt. Im Zentrum des Romans steht ein namenloser, unter Schlafzwang leidender Held, der seine einzige Befriedigung daraus zieht, sich in Selbsthilfegruppen als Gesunder unter Kranken mit erfundenen Gebrechen zu profilieren. Eines Tages trifft er auf den Künstler Tyler, dem er nach der Explosion seines Appartements eine Unterkunft verspricht - unter der Bedingung, dass dieser ihn brutal zusammenschlägt. Der Spontankampf führt zur Gründung des ersten Fight-Clubs, einer Art brutalem Therapiezentrum für gestrandete Männer: bis sich die Institution verselbständigt und zu einem Hort des Terrors wird ? Wer den gleichnamigen Kinoerfolg mit Edward Norton, Brad Pitt und Helena Bonham Carter in den Hauptrollen gesehen hat, wird Chuck Palahniuks Fight Club wie eine Art Eins-zu-eins-Adaption zum Streifen, als Buch zum Film gewissermaßen, verschlingen. Wer nicht im Kino war, hat jetzt die Möglichkeit, bei der Lektüre einen ganz eigenen Film im Kopf entstehen zu lassen. Denn Palahniuk erzählt so bildgewaltig und mit derart vielen originellen Einfällen und überraschenden Wendungen, dass man sich die rasant geschnittene Story trotz einiger abstruser Ideen blendend vorstellen kann. Wie Palahniuks andere Bücher, darunter Der Simulant oder Flug 2039, so ist auch Fight Club ein Meisterwerk der gehobenen Unterhaltungsliteratur: trivial nur für den, dem Spannung und Witz beim Lesen nicht genügen. -Stefan Kellerer
Buch:
Der Simulant: Roman
Autor:
Chuck Palahniuk, Ausgabe vom 1. Mai 2002, Taschenbuch, Verkaufsrang 23182
Nur zwei Wünsche beherrschen das Leben von Victor Mancini schnelles Geldund schneller Sex. Und er hat äußerst ungewöhnliche Methoden entwickelt,um von beidem möglichst viel zu bekommen. Doch einem Gefühl der Leere undLangeweile kann Victor nicht entkommen, bis er eines Tages auf die ÄrztinDr. Marshall trifft... Das Schöne an Chuck Palahniuks Büchern ist: In ihnen findet jeder etwas, das er anstößig findet. Der Autor von Fight Club und zwei weiteren Romanen schreibt mit erfrischender Rücksichtslosigkeit, und seine Einfälle sind so gut, dass man problemlos Buchtitel daraus machen kann: Der Simulant heißt im Original Choke, weil die Hauptfigur Victor Mancini sein Geld damit verdient, in überteuerten Restaurants publikumswirksam zu ersticken - bis ein hilfsbereiter Mensch auftaucht, ihn rettet und ihn aus lauter Dankbarkeit für die Gelegenheit zu einer solchen Heldentat mit Geld überhäuft. Und Victor benötigt dieses Geld dringend: Er muss seine Mutter unterhalten, die in einer psychiatrischen Klinik dahinsiecht. Von ihr hat er eine ganze Menge dysfunktionaler Charaktereigenschaften geerbt, darunter eine hemmungslose Gier nach Sex, die er nach Therapiesitzungen der Anonymen Sexabhängigen mit seinen Leidensgenossinnen auslebt. Dass es dabei nicht unbedingt romantisch und nicht wenig erotisch zugeht, dürfte Palahniuk-Leser kaum wundern. Das zentrale Thema von Der Simulant heißt Sucht, die Sucht nach Sex, Ordnung, Liebe - irgendetwas, das dem Leben einen Sinn verleiht. Palahniuk selbst scheint diesen Sinn in einer fast zwanghaft detaillierten Schilderung seiner Schauplätze zu finden. Egal, wo seine Protagonisten sich befinden, der Leser wird jede Kleinigkeit über ihr Umfeld erfahren. Diese Kritik ist allerdings eher unwesentlich angesichts der Frage vieler Kritiker nach der Zurechnungsfähigkeit des Autors. Palahinuk weiß, dass unser fragmentiertes Weltverständnis ein gewisses Maß an Wahnsinn nötig macht, um zu überleben und um über diese Welt zu schreiben. Er schreibt Prosa, die unserer Wirklichkeit gerecht werden will, keine Fluchtliteratur. Und er hat trotzdem Spaß dabei. -Hannes Riffel
Buch:
Snuff - Roman
Autor:
Chuck Palahniuk, Ausgabe vom 27. Aug. 2008, Taschenbuch, Verkaufsrang 217860
Das letzte Protokoll Mistys alte Kinderzeichnungen waren Wirklichkeit geworden. Peter Wilmot, von den Studentinnen der Kunstakademie nur "Peter, der Rammler" genannt, hatte seiner Kommilitonin einen Heiratsantrag gemacht. Zwar war er als merkwürdiger und unbeliebter Künstlerkauz verschrieen, aber die Sehnsucht der einsamen Misty nach einem Nest war zu übermächtig. Bald darauf waren sie ins noble Wilmot-Haus auf Waytansea Island gezogen, wo die Stammbäume der exklusiven Inselfamilien bis zur Mayflower-Verfassung zurückreichten. Den neuen Bewohnern sollte ein kürzeres Leben beschieden sein. "21. Juni ? Dreiviertelmond: Heute ist der längste Tag des Jahres ? aber das ist ja heutzutage jeder." ? Diesen Seufzer und eine halbe Ehehölle später liegt Peter nach missglücktem Selbstmordversuch im Koma. Misty durfte im Inselhotel schuften, tagsüber traktiert von nörgelnden Edelurlaubern, abends von ihrer halsstarrigen 12-jährigen Tochter Tabbi und Peters giftiger Mutter. Die geldgierige Alte drängt Misty, ihre alte Leidenschaft, das Malen, wieder aufzunehmen. Doch in Misty haben längst furchtbarere Bilder und der Alkohol das Sagen. Wütend und verzweifelt beginnt sie, ihr verkümmertes Dasein einem Tagebuch anzuvertrauen. Zum endgültigen Protokoll des Wahnsinns wird es, als in Waytanseas Häusern ganze Wände verschwinden und ungeheure Inschriften zum Vorschein kommen! Peters grauenvolles Vermächtnis! Als hätten Franz Kafka und Stephen King zusammen über einem Drehbuch gebrütet, so liest sich Mistys in Buchstaben gegossener, nicht endenwollender Albtraum. Der drohende Untergang einer Frau, die schon früh in ihrem ärmlichen Dasein die Zukunft in rätselhafte Zeichnungen gefasst hatte, ist eine mehr als aufreibende Lektüre. Vom Leben und der Liebe versehrt, bildet die Zeichnerin Misty ihre Mitmenschen inzwischen nur noch als anatomisch präzise, muskelspielende und faltige Leerhüllen ab. Giftigste Gesellschaftskritik, düsterste Menschenbilder. Durchtränkt wird dies von Körpersäften jeglicher Art, sowie Detailaufnahmen einer innersten Pein. Am Ende seines grausamen Psychotrips hält Chuck Palahniuk eine echte Überraschung bereit. Palahniuk ist kein Zauderer. Schon sein Fight Club war stärkster Tobak. Dieses jüngste Werk hingegen ist eine echte Zumutung. Aber eine, wie sie die Literatur seit Kafkas Strafkolonie immer wieder braucht. -Ravi Unger
Buch:
Lullaby: Roman
Autor:
Chuck Palahniuk, Ausgabe vom 10. Juli 2006, Taschenbuch, Verkaufsrang 77019
Lullaby The consequences of media saturation are the basis for an urban nightmare in Lullaby, Chuck Palahniuk's darkly comic and often dazzling thriller. Assigned to write a series of feature articles investigating SIDS, troubled newspaper reporter Carl Streator begins to notice a pattern among the cases he encounters: each child was read the same poem prior to his or her death. His research and a tip from a necrophilic paramedic lead him to Helen Hoover Boyle, a real estate agent who sells "distressed" (demonized) homes, assured of their instant turnover. Boyle and Streator have both lost children to "crib death," and she confirms Streator's suspicions: the poem is an ancient lullaby or "culling song" that is lethal if spoken-or even thought-in a victim's direction. The misanthropic Streator, now armed with a deadly and uncontrollably catchy tune, goes on a minor killing spree until he recognizes his crimes and the song's devastating potential. Lullaby then turns into something of a road trip narrative, with Streator, Boyle, her empty-headed Wiccan secretary Mona, and Mona's vigilante boyfriend Oyster setting out across the U.S. to track down and destroy all copies of the poem. In his previous works, including the cult favorite Fight Club, Palahniuk has demonstrated a fondness for making statements about the condition of humanity, and he uses Lullaby like a blunt object to repeatedly overstate his generally dim view. Such dogmatic venom undermines the persuasiveness of his thesis about mass communication and free will, but thankfully, Palahniuk offers some respite here by allowing for sympathy and love, as well as through his razor-sharp humor, such as his mock listings for Helen's possessed properties: "six bedrooms, four baths, pine-paneled entryway, and blood running down the kitchen walls...." At such moments, Lullaby casts a powerful spell. -Ross Doll
Buch:
Die Kolonie: Roman
Autor:
Chuck Palahniuk, Ausgabe vom 21. Aug. 2006, Gebunden, Verkaufsrang 447208