#Diedrich Diederichsen ?ber Jimi Hendrix, Duke Ellington, Arnold SchÜnberg, Fat Boy Slim, Cher, Daft Punk, Courtney Love, Jan Delay, Air, Pink Floyd, Blumfeld, Kevin Rowland, Elvis Presley, New Order, Eric Clapton, John Coltrane, Stanley Kubrick, BjÜrk, Johann Strau, Wu-Tang Clan, Neil Young, Lou Reed, Fehlfarben, Small Faces, Bob Dylan, Joni Mitchell, Sid Vicious, Johnny Cash, Madonna, Eminem ...Eines der zentralen StichwÜrter hier ist Leben. Geht es doch immer wieder darum, das Verhltnis von Pop-Musik und Leben auszuloten. Vom Leben als MusikhÜrer, Konzertbesucher, Plattensammler ?ber neue Lebensentw?rfe zur Idee von einem besseren Leben, wie es die Pop-Musik immer wieder verspricht. Aber auch Lebensgeschichten werden erzhlt, vom Grokosmiker Sun Ra und Funk-Korvettenkapitn George Clinton, von Larry Levan, dem DJ-Heroen aus der legendren New Yorker Paradise Garage, dem es gelang aus vielen einzelnen Schallplatten das dynamische fl?ssige Gewand einer Nacht zu weben. Radikalisiert das Leben! hie unertrglicher Weise der Werbespruch f?r den Musiksender Viva zwei. Zum Leben gehÜrt aber auch der Tod und so ist Viva zwei lngst untergegangen. Das Musikzimmer ist hier mehr als der b?rgerliche Salon, wo man sich einst zur Hausmusik versammelte. Nat?rlich ist es zum MusikhÜren da, es ist aber auch Disco, Flugzeug, Plattenladen, Konzertb?hne und Listening Space. "Pop-Musik will in die Welt getragen und angewandt werden", sagt Diedrich Diederichsen. Dazu muss sie aber erst ihre Rezipienten erreichen. Wenn deren Alltag schöner wird, hat Pop den Praxistest bestanden. Der Popkritiker freilich lebt in dem Dilemma, dass er einerseits nur im Modus des Irgendwie-Berührtseins etwas zu sagen hat, andererseits aber seine Rezeption von außen betrachten soll. Der Vorwurf, Popschreiber redeten ja immer nur von sich - meist vorgetragen von Leuten, die doch einfach nur wissen wollen, ob sich der Kauf eines bestimmten Tonträgers lohne - greift insofern ins Leere, als "wir [Kritiker] ihnen nur an unserem lebenden Beispiel vorführen, dass es an ihnen liegt, ob der Kauf lohnt. Willst du auch so inspiriert behämmert daherlabern wie ich?", fragt Diederichsen zurück. "Dann bist du mit diesem Album gut bedient." Diese Herangehensweise birgt natürlich die Gefahr einer gewissen "tribalistischen Perspektive". Viele Texte über Pop lesen sich wie Predigten zu Menschen, die bereits bekehrt sind. Die Musikzimmer-Kolumne, die zwischen 2000 und 2004 im Berliner "Tagesspiegel" erschien, und aus der die hier versammelten Diederichsen-Texte stammen - neben D.D. schrieben dort auch noch Rainer Moritz, Lutz Hachmeister und Kurt Scheel - versucht gleichsam einen dritten Weg zwischen universalistischer Kunstkritik und reinem "Rezeptionstheater" (D.D.). Leitfrage:"Wie viele unterschiedliche Dinge kriegt man noch unter dem Namen Musik zusammen?" Von John Coltrane bis Fat Boy Slim, von Arnold Schönberg bis zu den Einstürzenden Neubauten und von Walfischgesängen bis Animal Collective reicht Diederichsens Spektrum. Er schreibt an gegen einen Musikbegriff, der Pop auf Unterhaltung reduziert, glossiert "Portishead und die Folgen" und die Bord-Musik im ICE, und sinniert darüber, dass die heutige Popmusik sich schwer tue, unironisch Nein zu sagen - und wie schön es sei, wenn ein Zwanzigjähriger auf sein Leben zurückblicke wie sonst nur Frank Sinatra. Denn: "Die Pop-Musik lebt davon, dass junge Spinner, die eigentlich doch noch gar nichts wissen können, auftreten, als wüssten sie alles - und damit durchkommen." Im Ozean der Töne muss jeder selber seinen eigenen Weg finden, aber Navigatoren wie Diedrich Diederichsen bewahren uns davor, ständig im Kreis zu fahren oder nur vor uns hinzudümpeln. -Axel Henrici
Buch:
Sexbeat
Autor:
Diedrich Diederichsen, Ausgabe vom 2002, Taschenbuch, Verkaufsrang 236484
Diedrich Diederichsen, Ausgabe vom März 2000, Gebunden, Verkaufsrang 572881
Buch:
Der lange Weg nach Mitte - Der Sound und die Stadt.
Autor:
Diedrich Diederichsen, Ausgabe vom April 1999, Broschiert, Verkaufsrang 238917
Aus der Amazon.de-Redaktion Nein, dies ist kein Berlinbuch. Dies ist Poptheorie, die sich ganz zu Anfang thematisch durchs Nadelöhr eines kleinen Berliner Bezirks zwängt. "Mitte", neuerdings werdendes Zentrum bundesrepublikanischer Politik, seit Beginn der 90er nahezu zentralistisches Labor aller populären Trends in diesem Land: Musik und Kunst, (Stadt-)Theorie und Architektur, Drogen und Design über alle Felder der sogenannten Popkultur streicht der "Berlinzwang". Pop und Politik also fügen sich auf engstem Raum, wie zum Geschenk des Theoretikers Diederichsen. Dessen analytisches Spielfeld ist der Stadtraum und seine (jungen) Siedler, seine These das "Verschwinden gemeinsamer Horizonte" und der Verlust der Verbindung von Kultur und Politik. Berlin-Mitte als Metapher einer Zeitdiagnostik, denn hier kristallisieren sich größtmöglich unterschiedliche Lebensstile im Widerspiel der "Differenzmaschinen" Stadt und Pop. Diederichsen weiß, daß er ein Buch schreibt für Leser, die unterschiedlicher nicht sein könnten und gerade das wollen. Wer immer an Pop teilnimmt, als Konsument, Produzent oder Beobachter, investiert in die "Orgie der Differenz". Am Ende des Jahrzehnts, "in dem alles Pop wurde", gähnt nun das "schwarze Loch Mitte", alle subkulturellen Fliehkräfte stürzen im "Kann-nicht-anders-Kapitalismus" zusammen. Wie geht es weiter nach dem Ausverkauf? Damit beschäftigt sich Diederichsen im letzten Teil seiner Trilogie der 90er-Jahre - nach Freiheit macht arm (1993) und Politische Korrekturen (1996). Das Buch ist eine Sammlung von (teilweise bereits veröffentlichten) Plattenkritiken, Texten über Filme, Architekturen, einzelne Biographien, in denen Diederichsen Kontraste oder gerade Belege für die Entwicklungen der "gnadenlosen und häßlich-banalen Käuflichkeit" der Popkultur zeigt. Herausgekommen ist eine äußerst spannende, essayistische Zusammenschau der Gegenwart, nicht einfach, aber nie umständlich geschrieben. Und von einer parteiischen Scharfsicht, daß man sich wünscht, das deutsche Feuilleton möge ein bißchen neidisch werden. - Nikolaus Stemmer 1
Buch:
Wer macht den Sport kaputt?: Doping, Kontrolle und Menschenwürde
Autor:
Hans Ulrich Gumbrecht, Hermann L. Gremliza, Diedrich Diederichsen, Thomas Ebermann, René Martens, Ausgabe vom April 2008, Broschiert, Verkaufsrang 702823