Aus der Amazon.de-Redaktion Während Eisenstein die Kräfte des Totalitarismus und des Stalinismus auf die Gesichter der russischen Völker dokumentierte, bietet DeLillo ein atemberaubendes, zuweilen überwältigendes Dokument der geeinten Gewalt des Kalten Krieges und der amerikanischen Kultur. Er verabschiedet sich dabei von der Sachlichkeit, indem er die Ereignisse und die Menschen wunderbar und zugleich schrecklich findet. Unterwelt beginnt mit einem sehr gefälligen Vorwort, das einem den Atem verschlägt - der Schauplatz ist das Baseball-Meisterschaftsendspiel zwischen den Giants und den Dodgers im Jahre 1951. Geschrieben in einem Stil, den DeLillo "Super-Allwissenheit" nennt, nehmen die Sätze ihren Lauf, als der junge Cotter Martin die Sperre zur Pressetribüne überspringt, über die Radiowellen aufsteigt, hinaus auf das Spielfeld läuft, auf das Mal zuschlittert, um einen schnellen Ball abzufangen, in die Tribüne springt, in der J. Edgar Hoover zusammen mit einem betrunkenen Jackie Gleason und einem unwirschen Frank Sinatra sitzt, und dort von der zweiten Zündung einer Atombombe durch die Sowjetunion erfährt. Es ist ein völlig überwältigender literarischer Augenblick. In dem Moment, da Bobby Thomson den von Branca geworfenen Ball in Cotters ausgestreckte Hand schlägt - der "Schuß, der in der ganzen Welt wahrgenommen wurde" - und sich Jackie Gleason auf Sinatras Schuhe erbricht, werden die Ereignisse der nächsten Jahrzehnte in Gang gesetzt, alle miteinander verbunden durch den Baseball, der immer wieder den Besitzer wechselt. "Es fällt alles unauslöschlich in die Vergangenheit," schreibt DeLillo - eine Vergangenheit, die er scharfsinnig, sorgfältig und in reizender Weise zurückruft und rekonstruiert. Ein plötzlicher Sprung vom Giants-Stadion in die Wüste von Nevada 1992 - Nick Shay, der mittlerweile den Baseball besitzt, kommt wieder mit der Künstlerin Kara Sax zusammen. Sie hatten 40 Jahre zuvor eine kurze und wenig erfolgversprechende Liebesbeziehung, und es sind in erster Linie die Ereignisse, die Nebenwirkungen und die zufälligen Begegnungen ihrer Vergangenheit, durch die DeLillo das Erlebnis des Kalten Krieges filtert. Er glaubt, daß "globale Ereignisse die Art und Weise, wie wir leben, bis in die kleinsten Details verändern können", und als das Buch zurück ins Jahre 1951 schreitet, können wir im Laufe der folgenden etwa 800 Seiten genau sehen, wie diese Ereignisse unser Leben verändern. Dieser sich rückwärts bewegende Erzählstil erlaubt es dem Autor, den Abfall der Geschichte und der Popkultur beiseite zu räumen, bis die reinen Elemente der Geschichte übrigbleiben: die Bombe, Baseball und die Bronx. Im Nachwort, das genauso atemberaubend und überwältigend ist wie das Vorwort, spult DeLillo in eine nahe Zukunft vor, in der schonungsloser Kapitalismus, das Internet und ein neuer unterdrückter Glauben die Mischung aus Schrecken und Euphorie des Kalten Krieges ersetzt haben. Mit Bruchstücken und miteinander verflochtenen Geschichten - darunter Geschichten von Straßenkillern, Künstlern, Prominenten, Gangstern, Nonnen und diversen anderen - schafft DeLillo ein zerbrechliches Netz von miteinander verwobenen Erfahrungen, einen kommunalen Zeitgeist, der - wunderbar herausgearbeitet - die ganzen unschönen fünf Jahrzehnte amerikanischen Lebens umfaßt.
Buch:
Falling Man
Autor:
Don DeLillo; Don de Lillo; Frank Heibert, Ausgabe vom 22. Okt. 2007, Gebunden, Verkaufsrang 195054
Kein guter Tag, um sich die Haare schneiden zu lassen: Der Weg zu Eric Packers Lieblingsfriseur ist zwar nicht allzu beschwerlich, besonders wenn man in einer komfortablen Stretchlimosine unterwegs ist, aber die 47. Straße führt nun mal quer durch Manhattan, und das Herz von New York steht an diesem Frühlingstag im April 2000 kurz vor dem totalen Kollaps. Der amerikanische Präsident ist in der Stadt, gewalttätige Globalisierungsgegner demonstrieren und der Sufi-Rapper Brutha Fez wird unter großer Anteilnahme seiner Anhänger zu Grabe getragen. Mitten durch dieses postmoderne Pandämonium schleicht Packer mit seinen Leibwächtern und Sicherheitsbeamten, seiner Frau, seiner Liebhaberin, und seinem Leibarzt im Schritttempo voran, ohne wirklich vorwärts zu kommen. Eric Packer ist unermesslich reich, ein gewissenloser Spekulant der New Economy, dessen Blick auf die Wirklichkeit durch Spy-Kameras und Börsennachrichten distanziert und zynisch geworden ist. Während das Leben im Inneren seiner rollenden Festung zum Fernsehbild gerinnt, träumt Packer von hartem Sex, philosophiert über digitale Medien, geilt sich an riskanten Termingeschäften mit dem japanischen Yen auf und lässt sich seine "asymmetrische" Prostata untersuchen. Am Ende des Tages schließlich verliert Packer nicht nur das Geschäft seines Lebens, sondern kommt selbst zu Tode - ein finaler Akt der sinnlosen Gewalt, der in dieser Geschichte ebenso banal wie logisch erscheint. Don DeLillos Roman wirft einen schonungslosen Blick ins Innere der aufgeheizten Geldkultur und des hemmungslosen Spekulantentums der neuen Märkte am Beginn des 20. Jahrhundert. Mit virtuellen Valutaverschiebungen werden Milliarden gescheffelt und Finanzimperien für einen Tag aufgebaut, um im nächsten Moment zu kollabieren und dabei ganze Volkswirtschaften in den Abgrund zu reißen. Nach seinem epischen Großwerk Unterwelt und der eher lyrischen Skizze Körperzeit legt DeLillo mit Cosmopolis eine irritierend bösartige Vignette amerikanischer Gegenwartskultur vor, die radikal entlarvend und zugleich wider Willen faszinierend wirkt; ja trotz der Exzesse Packers bisweilen sogar komisch. -Peter Schneck Düster, trost- und beziehungslos, dekadent und Schrecken einflößend - Cosmopolis entwirft das Bild eines nihilistischen Zynikers, eines 28-jährigen Börsenspekulanten, der sich an einem Tag im Jahr 2000 mit seiner weißen Stretchlimo quer durch New York chauffieren lässt. Grund: Er will sich die Haare schneiden lassen. Weder der in der Stadt weilende Präsident, noch die Globalisierungsgegner, nicht einmal eine persönliche Morddrohung können ihn davon abbringen. Erst als der Yen sinkt, gerät auch sein Leben ins Wanken. Eric Packer ist der Ingebegriff eines kaputten, identitätslosen Menschen, der alles hat, Reichtum und Macht, der seinen Geist mit Gedichten, die er nach Zeilen auswählt, füttert. Darüber hinaus repräsentiert er den Zusammenbruch der New Economy und der Börsen, verkörpert eine Gesellschaft, in der das Cyberkapital den Menschen beherrscht. Zumindest in der Wahrnehmung des Protagonisten passiert relativ wenig: weder die Blockierung durch der Globalisierungsgegner, noch der Mensch, der sich selbst verbrennt, auch nicht die Beerdigung eines Rappers - nichts von allem rührt Eric Packer wirklich an. Gelangweilt schwebt er in seiner Limousine durch die Stadt, trifft eine Geliebte, seine Frau, tötet seinen Sicherheitschef? und scheint für einen kurzen Moment bei dem Frisör, der ihn schon als Kind die Haare schnitt, Ruhe zu finden. Aber eben nur wenige Minuten, dann macht er sich auf den Weg zu seinem Mörder, der ihm seinen Ikarus-Sturz prophezeit. Als gefühlskalter Technokrat begegnet Eric Packer seinen Mitmenschen grundsätzlich mit der Überzeugung, sie hätten nur eine Existenzberechtigung, sofern sie in seinem Leben etwas auslösen können. Neben der Sozial- beherrscht die Sprachkritik den Roman. Wörter wie "Computer", "Telefon", "Walkie-Talkie" oder "Palm Organizer" werden hier als anachronistisch gebrandmarkt. Ohne Zweifel liefert der Roman ein ziemlich realistisches Abbild unserer Gesellschaft und ortet ihn durch die allgegenwärtige Kommunikationstechnologie samt Markennamen unverkennbar im Jahr 2000. Sein sich langweilender Protagonist könnte aber genauso gut ein Bruder von Huysmans Adligem Des Esseintes in "A rebours" sein, der sich gänzlich aus der Realität zurückzieht. Beider Leben könnte man künstlich nennen. Don DeLillo ist einer der bedeutendsten amerikanischen Schriftsteller der Gegenwart. 1971 erschien sein erster Roman Americana. Es folgten: Die Namen (1982), Sieben Sekunden (1991), Unterwelt (1997), Bluthunde (2000), Körperzeit (2001) und Cosmopolis (2003). Don DeLillo wurde mit dem National Book Award und dem Faulkner Award geehrt. Christian Brückner holt aus dieser erdrückenden Bestandsaufnahme alles raus: Seine Stimme entspricht dem "kühlen" Sound genauso wie den harten Schnitten dieser Stationen durch Manhattan. Die zahllosen zynischen Reflexionen klingen bei ihm gleichermaßen echt wie die Passagen, die sich durch pausenlose Aktion auszeichnen. Dennoch klingt die Geschichte oft konstruiert und erinnert an ein Thesenstück. Ohne Zweifel muss man sich in diesen Roman erst einstimmen. Ungekürzte Lesung, Spieldauer: ca. 358 Minuten, 4 CD. -culture.text
Buch:
Der Omega-Punkt: Roman
Autor:
Don DeLillo, Ausgabe vom 19. Sept. 2011, Taschenbuch, Verkaufsrang 261625
Product Description Roman Erscheinungsjahr: 2010 Übersetzung: Frank Heibert Gewicht: 190 gr / Abmessung: 19,5 cm Von DeLillo, Don / Übersetzt v. Heibert, Frank Erscheint weltweit gleichzeitig: der neue Roman von Don DeLillo, dem "aufregendsten Schriftsteller seiner Generation" (Die Zeit). Ein junger Filmemacher sucht einen ehemaligen geheimen Kriegsberater der amerikanischen Regierung in dessen Haus irgendwo in der kalifornischen Wüste auf. Er hofft, ihn für eine Dokumentation gewinnen zu können. Als die Tochter des älteren Mannes auftaucht, nimmt die Geschichte einen verhängnisvollen Lauf. Im MoMa in New York betrachtet ein Mann eine Installation: Hitchcocks "Psycho", verlangsamt auf eine Spielzeit von 24 Stunden. Und er betrachtet zwei Männer, einen älteren, einen jüngeren, die sich die Installation anschauen. Schnitt. Mitten in der Wüste, "südlich von Nirgendwo", lebt der dreiundsiebzigjährige Richard Elster in einem einsam gelegenen Haus. Hierher hat er sich zurückgezogen, um über Raum und Zeit nachzudenken. Elster, ein Gelehrter, der sich jahrelang mit dem Thema Auslöschung in all seinen Varianten beschäftigt hat, diente der amerikanischen Regierung während des Irakkriegs zwei Jahre lang als geheimer Berater, er sollte ihre Kriegshandlungen mit einem intellektuellen Referenzrahmen versehen. Als seine Dienste nicht mehr gebraucht werden, zieht er sich in die Wüste zurück. Dort besucht ihn Jim Finley, ein junger Filmemacher, der Elster von seinem Filmprojekt überzeugen möchte: eine Dokumentation ganz ohne Schnitt, nur eine einzige Einstellung: ein Mann - Elster - vor einer Wand. Keine Fragen aus dem Off, keine Regieanweisung. Zwölf Tage schon diskutieren die beiden Männer, als Elsters Tochter Jessie auftaucht, eine junge Frau aus New York, die die Dynamik der ganz
Buch:
Mao II
Autor:
Don DeLillo, Ausgabe vom Febr. 2000, Taschenbuch, Verkaufsrang 242097
Product Description Der Autor schildert den Gegensatz von Individuum und Masse, von Gewalt und Kreativität. Im Mittelpunkt der Handlung steht ein berühmter Schriftsteller, der von New York in den Libanon reist, um sich für die Freilassung einer politischen Geisel einzusetzen. Er gerät in ein aberwitziges Spiel auf Leben und Tod.
Hörbuch:
Falling Man (7 CDs)
Autor:
Don DeLillo, Ausgabe vom Okt. 2007, Audio CD, Verkaufsrang 322956
Buch:
Cosmopolis: Roman
Autor:
Don DeLillo, Ausgabe vom 11. Juli 2005, Taschenbuch, Verkaufsrang 321362
Kein guter Tag, um sich die Haare schneiden zu lassen: Der Weg zu Eric Packers Lieblingsfriseur ist zwar nicht allzu beschwerlich, besonders wenn man in einer komfortablen Stretchlimosine unterwegs ist, aber die 47. Straße führt nun mal quer durch Manhattan, und das Herz von New York steht an diesem Frühlingstag im April 2000 kurz vor dem totalen Kollaps. Der amerikanische Präsident ist in der Stadt, gewalttätige Globalisierungsgegner demonstrieren und der Sufi-Rapper Brutha Fez wird unter großer Anteilnahme seiner Anhänger zu Grabe getragen. Mitten durch dieses postmoderne Pandämonium schleicht Packer mit seinen Leibwächtern und Sicherheitsbeamten, seiner Frau, seiner Liebhaberin, und seinem Leibarzt im Schritttempo voran, ohne wirklich vorwärts zu kommen. Eric Packer ist unermesslich reich, ein gewissenloser Spekulant der New Economy, dessen Blick auf die Wirklichkeit durch Spy-Kameras und Börsennachrichten distanziert und zynisch geworden ist. Während das Leben im Inneren seiner rollenden Festung zum Fernsehbild gerinnt, träumt Packer von hartem Sex, philosophiert über digitale Medien, geilt sich an riskanten Termingeschäften mit dem japanischen Yen auf und lässt sich seine "asymmetrische" Prostata untersuchen. Am Ende des Tages schließlich verliert Packer nicht nur das Geschäft seines Lebens, sondern kommt selbst zu Tode - ein finaler Akt der sinnlosen Gewalt, der in dieser Geschichte ebenso banal wie logisch erscheint. Don DeLillos Roman wirft einen schonungslosen Blick ins Innere der aufgeheizten Geldkultur und des hemmungslosen Spekulantentums der neuen Märkte am Beginn des 20. Jahrhundert. Mit virtuellen Valutaverschiebungen werden Milliarden gescheffelt und Finanzimperien für einen Tag aufgebaut, um im nächsten Moment zu kollabieren und dabei ganze Volkswirtschaften in den Abgrund zu reißen. Nach seinem epischen Großwerk Unterwelt und der eher lyrischen Skizze Körperzeit legt DeLillo mit Cosmopolis eine irritierend bösartige Vignette amerikanischer Gegenwartskultur vor, die radikal entlarvend und zugleich wider Willen faszinierend wirkt; ja trotz der Exzesse Packers bisweilen sogar komisch. -Peter Schneck Düster, trost- und beziehungslos, dekadent und Schrecken einflößend - Cosmopolis entwirft das Bild eines nihilistischen Zynikers, eines 28-jährigen Börsenspekulanten, der sich an einem Tag im Jahr 2000 mit seiner weißen Stretchlimo quer durch New York chauffieren lässt. Grund: Er will sich die Haare schneiden lassen. Weder der in der Stadt weilende Präsident, noch die Globalisierungsgegner, nicht einmal eine persönliche Morddrohung können ihn davon abbringen. Erst als der Yen sinkt, gerät auch sein Leben ins Wanken. Eric Packer ist der Ingebegriff eines kaputten, identitätslosen Menschen, der alles hat, Reichtum und Macht, der seinen Geist mit Gedichten, die er nach Zeilen auswählt, füttert. Darüber hinaus repräsentiert er den Zusammenbruch der New Economy und der Börsen, verkörpert eine Gesellschaft, in der das Cyberkapital den Menschen beherrscht. Zumindest in der Wahrnehmung des Protagonisten passiert relativ wenig: weder die Blockierung durch der Globalisierungsgegner, noch der Mensch, der sich selbst verbrennt, auch nicht die Beerdigung eines Rappers - nichts von allem rührt Eric Packer wirklich an. Gelangweilt schwebt er in seiner Limousine durch die Stadt, trifft eine Geliebte, seine Frau, tötet seinen Sicherheitschef? und scheint für einen kurzen Moment bei dem Frisör, der ihn schon als Kind die Haare schnitt, Ruhe zu finden. Aber eben nur wenige Minuten, dann macht er sich auf den Weg zu seinem Mörder, der ihm seinen Ikarus-Sturz prophezeit. Als gefühlskalter Technokrat begegnet Eric Packer seinen Mitmenschen grundsätzlich mit der Überzeugung, sie hätten nur eine Existenzberechtigung, sofern sie in seinem Leben etwas auslösen können. Neben der Sozial- beherrscht die Sprachkritik den Roman. Wörter wie "Computer", "Telefon", "Walkie-Talkie" oder "Palm Organizer" werden hier als anachronistisch gebrandmarkt. Ohne Zweifel liefert der Roman ein ziemlich realistisches Abbild unserer Gesellschaft und ortet ihn durch die allgegenwärtige Kommunikationstechnologie samt Markennamen unverkennbar im Jahr 2000. Sein sich langweilender Protagonist könnte aber genauso gut ein Bruder von Huysmans Adligem Des Esseintes in "A rebours" sein, der sich gänzlich aus der Realität zurückzieht. Beider Leben könnte man künstlich nennen. Don DeLillo ist einer der bedeutendsten amerikanischen Schriftsteller der Gegenwart. 1971 erschien sein erster Roman Americana. Es folgten: Die Namen (1982), Sieben Sekunden (1991), Unterwelt (1997), Bluthunde (2000), Körperzeit (2001) und Cosmopolis (2003). Don DeLillo wurde mit dem National Book Award und dem Faulkner Award geehrt. Christian Brückner holt aus dieser erdrückenden Bestandsaufnahme alles raus: Seine Stimme entspricht dem "kühlen" Sound genauso wie den harten Schnitten dieser Stationen durch Manhattan. Die zahllosen zynischen Reflexionen klingen bei ihm gleichermaßen echt wie die Passagen, die sich durch pausenlose Aktion auszeichnen. Dennoch klingt die Geschichte oft konstruiert und erinnert an ein Thesenstück. Ohne Zweifel muss man sich in diesen Roman erst einstimmen. Ungekürzte Lesung, Spieldauer: ca. 358 Minuten, 4 CD. -culture.text
Buch:
Bluthunde
Autor:
Don DeLillo, Don de Lillo, Ausgabe vom Febr. 1999, Gebunden, Verkaufsrang 340708
Aus der Amazon.de-Redaktion Gerade wird Don DeLillos neuestes Buch Unterwelt von Lesern und Kritikern gefeiert, da erscheint auch endlich sein Frühwerk Bluthunde in deutscher Sprache. Dabei könnten die Bücher gegensätzlicher kaum sein. Während das eine ?- unter anderem als neuer Ulysses gepriesen ?- in epischer Länge mit vielen ausgefeilten Wendungen und Winkeln ausgestattet ist, kommt das andere ganz anders daher: schnell, ungehobelt, kraftvoll, geradlinig. Auf den ersten Blick ist Bluthunde ein Thriller. Ein Erotika-Händler sucht Käufer für einen anno 1945 im Führerbunker mit berühmten Laiendarstellern gedrehten pornographischen Film. Einen der interessierten Mittelsmänner führt seine Option auf das heiße Produkt in einen bedrohlichen Strudel seines eigenen, aus Geheimdienstlern und Politikern gefärbten Backgrounds. Schließlich wird er ausgestoßen und zum Running Dog (Originaltitel) - die Meute der anderen ist dicht hinter ihm. Bluthunde ist ruppig. Die Sprache ist hart, die Dialoge sind abgehackt. So spürt man manchmal förmlich, wie die Akteure mit Blicken mehr kommunizieren als mit Worten. Das Lesen macht das manchmal schwierig, das Kreieren der Bilder in der Vorstellung intensiver. Bluthunde erschien in den USA in der Erstauflage 1978. Auch wenn der Plot zuerst für die Zeit sehr typisch wirkt, war DeLillo schon damals ein Fuchs und Querdenker: Es taucht bei ihm alles auf, was Ende der Siebziger en vogue war - Verschwörungen, Sex, investigativer Journalismus, ein Antonioni-ähnliches Endzeitszenario - und doch zeichnet er eigentlich eine feine Karikatur davon. Niemand erreicht sein Ziel, nach ein paar Überraschungen und Opfern ist am Ende wieder alles so wie am Anfang. Die Welt hat nichts bewegt, der Autor seinen Spaß gehabt. Und fein raus ist auch der Leser, denn Bluthunde ist ein spannender, ein intensiver und ein, in den heutigen Zeiten der komplex-durchdachten Politszenarien der Grishams und Clancys, richtig erfrischender Thriller. -Thorsten Mücke 1