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Egon Friedell

 
Kulturgeschichte der Neuzeit: Die Krisis der europäischen Seele von der schwarzen Pest bis zum Ersten Weltkrieg - Egon Friedell
Buch:Kulturgeschichte der Neuzeit: Die Krisis der europäischen Seele von der schwarzen Pest bis zum Ersten Weltkrieg
Autor:Egon Friedell, Ausgabe vom 23. Okt. 2007, Gebunden, Verkaufsrang 38820
Preis: 24,90 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
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Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Kulturgeschichte der Neuzeit
OA Einleitung und 1. Buch 1927, 2. und 3. Buch 1928, 4. und 5. Buch, Epilog 1931Form Sachbuch Bereich Geschichte
Die monumentale Kulturgeschichte der Neuzeit, deren einzelnen Bände bis 1931 erschienen, stellt die kulturelle Entwicklung des westlichen Menschen vom Beginn der Renaissance bis zum Ersten Weltkrieg dar. Im Werk schildert Friedell auf originelle und feinsinnige Weise zahlreiche historische Ereignisse und bedeutungsvolle Persönlichkeiten.
Aufbau: Die Kulturgeschichte der Neuzeit besteht aus einer Einleitung, in der Friedell seine Methodologie erläutet (im wesentlichen ein feierliches Bekenntnis zur subjektiven Geschichtsschreibung als Kunst), aus fünf chronologisch geordneten Büchern, sowie aus einem kurzen Epilog. Das Werk steht im Spannungsverhältnis zweier divergenter Ordnungsprinzipien: einerseits des Versuchs, die die Neuzeit bestimmenden Strömungen über die Jahrhunderte zu verfolgen; andererseits des Anspruchs, in lebendiger Abfolge die wichtigsten sozialen, geistigen und politischen Entwicklungen dieses europäischen Zeitalters sowie seine schillerndsten Persönlichkeiten zu streifen. Letzteres macht eine anekdotenhafte Erzählweise erforderlich, so dass mehrere Unterkapitel als in sich geschlossene Essays aufgefasst werden können.
Unmittelbar ausschlaggebend für die Zeitwende, so Friedell, sei die Schwarze Pest gewesen, wobei er diese Zäsur sowohl willkürlich als auch symbolisch setzt. Die Metapher Krankheit und Psychose begleiten durchgehend Friedells Darstellung der Neuzeit, dieser "ununterbrochenen Krisis der europäischen Seele". So sieht er im ausgehenden Mittelalter die "Inkubationszeit", in Rinascita und Reformation ("Säkularisation der Menschen") den "Ausbruch der Krankheit" und in der Barockzeit den Versuch, dem "Giftstoff" des Rationalismus zu widerstehen. Doch sogar Gegenströmungen zum Rationalismus bedienen sich nach Friedells Ansicht der Mittel des Rationalismus, so sei die Romantik, eine "Revolte gegen den Intellektualismus, mit rein intellektuellen Mitteln" gewesen. Daher sei der Sieg der "naturwissenschaftlichen Weltanschauung" in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts unaufhaltsam gewesen, eine Weltanschauung, die sich im Nihilismus jedoch selbst negiert habe und in der "naturnotwendigen Katastrophe des Weltkriegs" in sich zusammengebrochen sei. Dieser Krieg sei zugleich Finale und Auftakt zu einem neuen Zeitalter des Irrationalismus.
Inhalt: Aus dem enzyklopädischen Wissensschatz von Friedell lernt der Leser, warum man nur von einer italienischen Renaissance sprechen könne, wieso es keine zufälligen Erfindungen gebe, worin der Unterschied zwischen Schönheit und Güte liege, wieso Faust als Realpolitiker endete und wie sich Jesus zur sozialen Frage verhalte. Der Leser begegnet der Dramaturgin Roswitha, dem göttlichen Aretino, einem kindlichen Luther, dem keineswegs liebenswürdigen Michelangelo, dem Mephisto der Romantik, dem Sänger aus Thule, und wird Zeuge von 500 Jahren Haartracht, Mode und Esskultur.
Dabei meidet Friedel genausowenig die Verwendung anachronistischer Schlagwörter der zeitgenössischen Debatte (z. B. Materialismus und Nihilismus) wie subjektive Ansichten. Er nimmt häufig auf seinem christlichen Glauben Bezug und analysiert seine Sujets mit Vorzug nach ihrem Nationalcharakter.
Wirkung: Gerade heute - in Zeiten der Political Correctness - macht dieser eigentümliche Stil Friedells die Lektüre so erfrischend, auch wenn seine Fundamentalkritik der Moderne, zu seiner Zeit von rechten Kräften missbraucht, heute ohne größeren Einfluss bleibt. B. A.

Leserbewertungen:
Durchschnitt: 5.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 16 Bewertungen)

Leserkommentare:*
Geschichte als Literatur (5 von 5 Punkten) meint F.T.U.T. aus Wien
Ein grossartiges Buch. Pflicht. Die Sprache ist Literatur. Der Geist des Autors sprüht vor Witz und Boshaftigkeit; er bezieht Stellung, was bei Historikern so nicht erwartet wird. Dies begründet Friedell in den Betrachtungen der ersten Seiten: Geschichtsforschung ist keine Wissenschaft.
Liebevoll und langsam lesen ... und einen spitzen Bleistift für eigene Kommentare parat halten.

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Kulturgeschichte des Altertums - Egon Friedell
Hörbuch:Kulturgeschichte des Altertums
Autor:Egon Friedell, Ausgabe vom Okt. 2008, Audio CD, Verkaufsrang 454693
Preis: 29,90 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
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Von Ägypten und dem alten Orient bis zur Hochblüte und dem Niedergang Athens anschaulich, pointiert und stets unterhaltsam zeichnet Egon Friedell "Leben und Legende der vorchristlichen Seele" nach. Er bietet ein vielschichtiges und farbiges Bild von Leben und Kultur des Altertums, vom grauen Alltag bis zur hohen Politik, von der Haustierhaltung und der Vasenmalerei bis zur Philosophie.

Kulturgeschichte der Neuzeit, Band 1 - Egon Friedell
Buch:Kulturgeschichte der Neuzeit, Band 1
Autor:Egon Friedell, Ausgabe vom 1. Juli 1993, Taschenbuch, Verkaufsrang 188849
Preis: 15,00 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
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Friedells 'Kulturgeschichte' nimmt in der Historienschreibung eine besondere Rolle ein - als einer der eigenwilligsten und faszinierendsten jener Exkurse in die Vergangenheit, die es vermögen, uns frühere Zeiten und Erscheinungen nahezubringen. Durch seine Gabe einer ebenso klugen und klaren wie leuchtenden Sprache verstand er ein Gedankengebäude wie die Kantsche Philosophie nicht minder genial zu umreißen als dem Zeitgeist des Rokoko oder des zweiten Kaiserreichs lebendige Existenz einzuhauchen. Mit einer unglaublichen Belesenheit, einem bestrickenden Witz, einem exakt wissenschaftlichen Verstand und wahrhaft subtilem Kunstgeschmack gibt er unzählige Aspekte der kulturellen Entwicklung des europäischen - und amerikanischen - Menschen von der Renaissance bis zum Ersten Weltkrieg. Er stellt ihm in seine äußere und geistige Umwelt, schildert seinen Alltag, seine Tracht und Sitte mit derselben evokativen Frische wie die großen ideologischen Strömungen der Zeit. (Hilde Spiel)

Leserbewertungen:
Durchschnitt: 5.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 5 Bewertungen)

Leserkommentare:*
Mit Freudentränen in den Augen ... (5 von 5 Punkten) meint W.W.
... habe ich weite Teile dieses titanischen Werkes gelesen. Wie ein einzelner Mensch einen solche Fundus an Wissen zusammentragen, sprachlich so exzellent aufbereiten und mit Empathie für seine Protgonisten ungemein lebensnah in ein Buch verschmezen kann, ist mir Kind der Postmoderne unbegreiflich. Auch wer glaubt, schon alles Wesentliche über die Geschichte Europs der letzten 500 Jahre zu wissen, wird hier wunderbare Ein- und Neusichten im Dutzend erhalten. Unbedingt empfehlenswert als "Studium Generale" zum Thema!

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Kulturgeschichte Griechenlands - Egon Friedell
Buch:Kulturgeschichte Griechenlands
Autor:Egon Friedell, Ausgabe vom 1. März 1994, Taschenbuch, Verkaufsrang 140303
Preis: 9,90 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
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Dieses posthum 1950 erschienene Werk bildet einen in sich geschlossenen Bestandteil der von Egon Friedell als Pendant zur ›Kulturgeschichte der Neuzeit‹ geplanten dreibändigen ›Kulturgeschichte des Altertums‹, die infolge seines tragischen Todes unvollendet blieb.
Friedells Kulturgeschichte gibt ein vielschichtiges Bild des Lebens und der Kultur im alten Griechenland, vom grauen Alltag bis zur hohen Politik, von der Haustierhaltung bis zur Vasenmalerei und der Philosophie der Eleaten - so, wie es sich dem geistreichen Wiener Causeur, der alles gelesen hat und alles weiß, darbietet.
Friedells Bericht über das alte Hellas stimmt freilich nicht überein mit dem klassischen, dem heiteren Griechenlandbild Winckelmanns, Hölderlins und Goethes, das ist sozusagen von den Säulen auf die Straße heruntergeholt, denn "das Altertum war nicht antik". Friedell sieht und zeigt - und darin folgt er Bachofen, Burckhardt und Nietzsche - auch die Nöte und Zwänge, die Grausamkeit und die Verzweiflung des griechischen Lebens, der unerlösten ›vorchristlichen Seele‹.

Leserbewertungen:
Durchschnitt: 5.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 4 Bewertungen)

Leserkommentare:*
"Herrgott, wirf Zeit zum Schmöckern vom Himmel." (5 von 5 Punkten) meint k.
Diese Zeile aus der FAZ passt zu einem der großen Feuilletonisten der alten Wiener Kaffeehaus-Szene. Als Schauspieler, Partylöwe und Nichtstuer bekannt oder verschrien, erlangte er mit seinem Buch: Kulturgeschichte der Neuzeit Weltruhm. Gleichzeitig deckte dieses Buch das Doppelleben auf, vor allem sein Bücherleben im Schlafrock. Posthum im Jahre 1950 erschien dieser Band der "Kulturgeschichte Griechenlands". Friedell, der in und wegen der NS-Zeit freiwillig aus dem Leben schied, war kein Historiker, dennoch wohl gebildet und äußerst eloquent. Mit diesen Voraussetzungen gelingt ein bravouröser Band über Land, Klima, Vegetation und der Geographie Griechenlands insgesamt als "Ionischer Frühling", eher er auf die kulturellen, literarischen Aspekte eingeht im "Welttag Athens". Alles, was Friedell bewegt, zeigt er als anekdotische Porträts. Seine Seiten lesen sich in spielerischer Leichtigkeit, gepaart mit Witz und vielleicht einem Wiener Charme.

Man muss also nicht alles für bare Münze nehmen, getreu dem Motto von Oscar Wilde, dass Kunst auch die Fähigkeit habe, die Wahrheit zu verbergen. Und doch gelingt es ihm, die als Totenmaske bekannten Größen griechischer Kultur wieder zu beleben. So zu beleben, dass "der wirkliche Mensch [als] Mensch des Tages und des täglichen Lebens" neu erscheint aus der Kunst, aus der Idee und in seiner (Friedells) Sehnsucht eine neue Gestaltung sich vollzieht.

In diesem Sinne gelesen, ist Friedell in seiner Art ein Meilenstein der gebildeten und bildenden Erzählkunst.
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Kulturgeschichte der Neuzeit - Egon Friedell
Hörbuch:Kulturgeschichte der Neuzeit
Autor:Egon Friedell, Ausgabe vom Okt. 2008, Audio CD, Verkaufsrang 314504
Preis: 29,90 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
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Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Kulturgeschichte der Neuzeit
OA Einleitung und 1. Buch 1927, 2. und 3. Buch 1928, 4. und 5. Buch, Epilog 1931Form Sachbuch Bereich Geschichte
Die monumentale Kulturgeschichte der Neuzeit, deren einzelnen Bände bis 1931 erschienen, stellt die kulturelle Entwicklung des westlichen Menschen vom Beginn der Renaissance bis zum Ersten Weltkrieg dar. Im Werk schildert Friedell auf originelle und feinsinnige Weise zahlreiche historische Ereignisse und bedeutungsvolle Persönlichkeiten.
Aufbau: Die Kulturgeschichte der Neuzeit besteht aus einer Einleitung, in der Friedell seine Methodologie erläutet (im wesentlichen ein feierliches Bekenntnis zur subjektiven Geschichtsschreibung als Kunst), aus fünf chronologisch geordneten Büchern, sowie aus einem kurzen Epilog. Das Werk steht im Spannungsverhältnis zweier divergenter Ordnungsprinzipien: einerseits des Versuchs, die die Neuzeit bestimmenden Strömungen über die Jahrhunderte zu verfolgen; andererseits des Anspruchs, in lebendiger Abfolge die wichtigsten sozialen, geistigen und politischen Entwicklungen dieses europäischen Zeitalters sowie seine schillerndsten Persönlichkeiten zu streifen. Letzteres macht eine anekdotenhafte Erzählweise erforderlich, so dass mehrere Unterkapitel als in sich geschlossene Essays aufgefasst werden können.
Unmittelbar ausschlaggebend für die Zeitwende, so Friedell, sei die Schwarze Pest gewesen, wobei er diese Zäsur sowohl willkürlich als auch symbolisch setzt. Die Metapher Krankheit und Psychose begleiten durchgehend Friedells Darstellung der Neuzeit, dieser "ununterbrochenen Krisis der europäischen Seele". So sieht er im ausgehenden Mittelalter die "Inkubationszeit", in Rinascita und Reformation ("Säkularisation der Menschen") den "Ausbruch der Krankheit" und in der Barockzeit den Versuch, dem "Giftstoff" des Rationalismus zu widerstehen. Doch sogar Gegenströmungen zum Rationalismus bedienen sich nach Friedells Ansicht der Mittel des Rationalismus, so sei die Romantik, eine "Revolte gegen den Intellektualismus, mit rein intellektuellen Mitteln" gewesen. Daher sei der Sieg der "naturwissenschaftlichen Weltanschauung" in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts unaufhaltsam gewesen, eine Weltanschauung, die sich im Nihilismus jedoch selbst negiert habe und in der "naturnotwendigen Katastrophe des Weltkriegs" in sich zusammengebrochen sei. Dieser Krieg sei zugleich Finale und Auftakt zu einem neuen Zeitalter des Irrationalismus.
Inhalt: Aus dem enzyklopädischen Wissensschatz von Friedell lernt der Leser, warum man nur von einer italienischen Renaissance sprechen könne, wieso es keine zufälligen Erfindungen gebe, worin der Unterschied zwischen Schönheit und Güte liege, wieso Faust als Realpolitiker endete und wie sich Jesus zur sozialen Frage verhalte. Der Leser begegnet der Dramaturgin Roswitha, dem göttlichen Aretino, einem kindlichen Luther, dem keineswegs liebenswürdigen Michelangelo, dem Mephisto der Romantik, dem Sänger aus Thule, und wird Zeuge von 500 Jahren Haartracht, Mode und Esskultur.
Dabei meidet Friedel genausowenig die Verwendung anachronistischer Schlagwörter der zeitgenössischen Debatte (z. B. Materialismus und Nihilismus) wie subjektive Ansichten. Er nimmt häufig auf seinem christlichen Glauben Bezug und analysiert seine Sujets mit Vorzug nach ihrem Nationalcharakter.
Wirkung: Gerade heute - in Zeiten der Political Correctness - macht dieser eigentümliche Stil Friedells die Lektüre so erfrischend, auch wenn seine Fundamentalkritik der Moderne, zu seiner Zeit von rechten Kräften missbraucht, heute ohne größeren Einfluss bleibt. B. A.

Leserbewertungen:
Durchschnitt: 5.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 16 Bewertungen)

Leserkommentare:*
Geschichte als Literatur (5 von 5 Punkten) meint F.T.U.T. aus Wien
Ein grossartiges Buch. Pflicht. Die Sprache ist Literatur. Der Geist des Autors sprüht vor Witz und Boshaftigkeit; er bezieht Stellung, was bei Historikern so nicht erwartet wird. Dies begründet Friedell in den Betrachtungen der ersten Seiten: Geschichtsforschung ist keine Wissenschaft.
Liebevoll und langsam lesen ... und einen spitzen Bleistift für eigene Kommentare parat halten.

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Kulturgeschichte der Neuzeit, Band 2 - Egon Friedell
Buch:Kulturgeschichte der Neuzeit, Band 2
Autor:Egon Friedell, Ausgabe vom 1. Juli 1993, Taschenbuch, Verkaufsrang 178725
Preis: 15,00 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
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Friedell schrieb, mit Vorsatz, eine persönliche Kulturgeschichte. Ein Geschichtswerk, das als planer Spiegel die Vergangenheit reflektieren wollte, schien im ein absudissimum: "Fände selbst ein Sterblicher die Kraft, etwas so Unparteiisches zu produzieren, seine Leistung bliebe unbemerkt, denn kein anderer Sterblicher fände die Kraft, etwas so Langweiliges zu lesen." So wenig wie an die Möglichkeit, Geschichte 'objektiv' zu schreiben, glaubte er an die Möglichkeit, ihre Kausalitäten logisch zu entwirren. Er wählte einen anderen Weg, in diese einzudringen; den des Künstler, der die Fakten so formt und belichtet, daß in ihnen die Idee, die platonische Idee ihres Zeitalters, dessen 'Seele' erkennbar wird ... Wo das Beglaubigte, das geschichtlich Sichere, nicht ausreichte, seine Interpretationen des Gewesenen zu stützen, verbreiterte er die Stütze durch Einschmelzung des Wahrscheinlichen in das Sichere. Friedells Wahrscheinlichkeiten sind verführerisch. Sie bezeugen schöpferische Einbildungskraft und psychologischen Spürsinn. (Alfred Polgar)


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Leserkommentare:*
grandioser Bilderbogen (5 von 5 Punkten) meint .
Wer meint, mit dieser Kulturgeschichte der Neuzeit einfach ein wissenschaftlich fundiertes Geschichtswerk über die Herausragenden und Mächtigen, die Scharmützel, Kriege, Revolutionen und sonstigen Leistungen der jüngeren Geschichte zu erwerben, der irrt. Egon Friedell wendet sich an den geschichtlich vorgebildeten Leser, der an Kern und Idee jeder Zeitepoche und an farbenfrohen, plastischen, subjektiven Lebensgemälden vom Neuzeitmenschen interessiert ist. Der Autor brilliert mit seiner Belesenheit und bereitet mit seiner nuancenreichen Eloquenz und empfindungsreichen Tiefe ein Lesevergnügen, das in diesem Genre unerreicht bleibt. Er läßt den universalen Menschen noch einmal lebendig werden. Während es bisher noch niemand der so zahlreichen obskuren Moralapostel in Religion, Philosophie, Kunst, Literatur oder Politik vermochte, mir Atheismus und puren Hedonismus abspenstig zu machen, vollbringt es Friedell mit scheinbarer Leichtigkeit. Unsere ständige Unzufriedenheit und Rastlosigkeit, die dunkle Ahnung, daß mit uns etwas nicht stimmt, ist das Fehlen einer grundlegenden, irrationalen Idee, die unser Denken und Handeln leitet und fruchtbringend befördert. Schade nur, daß uns Friedell durch seinen Freitod nicht mehr die Römer in ihrer facettenreichen Dekadenz nahebringen konnte. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

Vom Schaltwerk der Gedanken: Ausgewählte Essays zu Geschichte, Politik, Philosophie, Religion, Theater und Literatur - Egon Friedell
Buch:Vom Schaltwerk der Gedanken: Ausgewählte Essays zu Geschichte, Politik, Philosophie, Religion, Theater und Literatur
Autor:Egon Friedell, Ausgabe vom Febr. 2009, Broschiert, Verkaufsrang 54358
Preis: 11,90 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
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Leserbewertungen:
Durchschnitt: 4.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 3 Bewertungen)

Leserkommentare:*
Zwischen Humor, Ernst und dem Sonnengeflecht (5 von 5 Punkten) meint k.
"Man soll nur reden, wo man nicht schweigen darf, nur von dem reden, was man
überwunden hat - alles andere ist Geschwätz, Literatur, Mangel an Zucht."
(Egon Friedell)

Friedell (1878-1938) will also nur von dem Reden, was er überwunden hat, also aus der Genesung des Geistes die Chance sehend, der Erfahrung Erkenntnis abzuhäuten. Ihm schwebt eine "geheimnisvolle Gegnerschaft, die des Entgegenschauens" vor, eine, die das Leben betrifft und es in Lebensalter teilt. Eine erste Hälfte, die lernt, mit der Umwelt, der Gesellschaft eins zu werden, in Urteilen, Meinungen, Absichten. In der vorgestellten Gleichheit erobert man seinen Platz, damit das Innere reift zu einer eigenen Frucht der zweiten Lebenshälfte. Diese Frucht ist die Kraft, die erste Hälfte zu vergessen, um die Ansichten aller in eigene zu transformieren. Lernen zu müssen, dass das, was man übernommen hat, einem nicht gehört, scheint schmerzhaft. So muss man Angeeignetes wie Übernommenes neu ordnen und adaptieren, in seinen Besitz übernehmen. Ob nun dieses der richtige Weg ist oder nur einem Vorurteile entspricht, muss geklärt werden. Vielleicht als Spiel, wie Schiller sagt, oder eben in der Erkenntnis, lieber ein Narr zu sein, "der vom Leben was versteht. Warum nur liegt Friedells wahre Sicht so nah an Paulus (1Kor 3,18-20) und dem Gaukler von Leskow?

In fünf große Bücher unterteilt (Abschaffung des Genies; Psychopathologie des Schauspielers; Literaturpolizei; Sokrates der Idiot; Das Altertum war nicht antik), gibt Friedell einen wunderbaren Querschnitt durch das "Schaltwerk der Gedanken", dem solar plexus, dem Sonnengeflecht in uns, welches die wahren Entscheidungen trifft. Mit Schleichs Buch im Tornister betreibt er "seelische Brandstiftung", erinnert an den "magischen Idealismus" Novalis und findet in der Mystik die Überhöhung der Logik. Seine kurzen Essays sind eben von bestechender Logik, Klarheit und Faszination. Sein Feld, von Emotio und Ratio umfasst, wird bravourös aufgeblättert. Natur und Kunst, Realität und Fiktion werden als Paare in ihr Licht ihres Zeitgeschehen gestellt. Jede Beleuchtung gelingt, sehr häufig überraschend auf Grund der schnellen gedanklichen Wendung. Wenn schon des Menschen Wille Herrschsucht ist, dann umgeben ihn auch auch Schatten und Rätsel. Die Kunst der Verstellung, als Mimikri der Natur entnommen, ist jene Metamorphose, die sich der Mensch selbst unterstellt. Willendlich schafft er die Welt durch sein Ich, wie Fichte sagt und so ist Pascals: "Werdet Tiere!" jene Kunst der "sublimen Form des Willens zur Macht". In allem glänzt Friedell mit literarischer Beweisführung, mit antiker, ja zeitumfassender Lektüre. Aus der Welt der Schönheit, wie der hassende Künstler sagt, wächst die Welt der Wahrheit. Seine Essays sind eine Schönheit in Sprache und intelligentem Mix. Ob über Luther, Montaigne, Schopenhauer, Nietzsche oder Emerson, Friedell versteht es, den Leser zu fesseln, vielleicht auch deswegen, weil er eine Brücke schlägt in der Einfachheit der Evangelien: vom einfachen Naturmenschen zur Weisheit des Jahrtausendmenschen.

Nur wer über den Dingen steht, vermag sie zu belächeln. In der Tat, dieser Satz trifft auf Friedell zu. Als Schauspieler, Partylöwe und Nichtstuer bekannt oder verschrien, erlangte er mit seinem Buch: Kulturgeschichte der Neuzeit Weltruhm, ebenso wie mit dem Buch über die Kulturgeschichte Griechenlands. Wie jenes, ist aber auch dieses Buch Kurzweil zur Entspannung. Zwischen Humor, Ernst und dem Solar plexus, dem Schaltwerk der Gedanken, eben aus dem Bauch heraus, finden Sie eine lesenswerte Friedell-Lektüre.
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"Der Grundinstinkt des Menschen ist die Herrschsucht." (5 von 5 Punkten) meint H.
1935 schrieb Egon Friedell über das Hitlerregime: Das Reich des Antichrist. Jede Regung von Noblesse, Frömmigkeit, Bildung, Vernunft wird von einer Rotte verkommener Hausknechte auf die gehässigste und ordinärste Weise verfolgt. Er stürzt sich am 16.3.1938 aus dem 3. Stock seines Hauses in Wien zu Tode, als ihn die SA "besuchen" möchte.

Das Schaltwerk seiner Gedanken wird in diesem Buch umfassend und eindrücklich offengelegt. Aus den Essays (gegliedert in ABSCHAFFUNG DES GENIES, ZUR PSYCHOPATHOLOGIE DES SCHAUSPIELERS, LITERATURPOLIZEI, SOKRATES DER IDIOT, DAS ALTERTUM WAR NICHT ANTIK) haben mich am meisten die Inhalte aus "Der Hass des Künstlers" getroffen.

Friedell formuliert darin eine zutiefst pessimistische Weltsicht. Der Mensch will herrschen, herrschen um jeden Preis. Alles Untertanmachen sei nur zur Hälfte durch wirtschaftliche Interessen begründet. Die andere sei diese geheime Kraft des Herrschens, die den Mensch über die Grenzen seiner tierischen Natur hinauswachsen ließ. Sowohl die stumpfe Materie als auch die Unergründlichkeit der Seele entzieht sich dem Menschen. Zudem schwebt über allem ein dunkler Schatten des Schicksals.

Was tun vor dem Hintergrund dieses Dilemmas, das wenig Herrscherallüren zulässt?

Der Mensch trickste dieses Dilemma gem. Friedell aus. Er erfand die Kunst!

"In diesem Reich seiner eigenen, freien Schöpfung durfte er hoffen, endlich mal ein vollkommener Tyrann zu sein." Menschenschlächter wären besser Künstler geworden und bei vielen Künstlern verhinderte die Kunst Schlimmeres: "Ich habe niemals von einem Verbrechen gehört, das ich nicht hätte begehen können", sagte Goethe. Das Wesen des echten Künstlers ist Mißtrauen, nichts als Misstrauen. Und das ewige Hinterfragen, er sieht hinter allem, auch Banalem, das unergründlich Tiefe. "Warum hat er, der Künstler, nur diese furchtbare Mission?" Es bleiben ihm nichts als Fragen.

Einfach genial zudem die biographische Skizze zu Ralph Waldo Emerson, die so endet: ...die Gedanken von Emerson werden nie altern, weil "er aus zwei Quellen schöpft, die immer frisch bleiben: aus der Natur und aus seinem Herzen."

Insgesamt eine Anthologie tiefgründigster Gedanken und ungewöhnlicher Einsichten, aus der diese besonders hervorsticht: "Das Genie erklärt sich aus einer einzigen Tatsache. Es hat das größte Herz. Das Genie folgt in seiner Methode der Natur, die ihre harten Mittel nur verwendet, wenn sie vernichten will, und alle Entwicklung durch Güte fördert: durch erfrischenden Regen, saftiges Erdreich und Sonnenlicht. Der Wärme des Dichters öffnen sich alle Dinge."

Also doch eine Lösung für jegliche Herrschucht? Eine Relativierung derselben?

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Vom Schaltwerk der Gedanken - Egon Friedell
Buch:Vom Schaltwerk der Gedanken
Autor:Egon Friedell, Ausgabe vom Nov. 2007, Gebunden, Verkaufsrang 425520
Direkt bei Amazon nicht vorrätig,
andere Angebote über Amazon hier (Versandkosten beachten).
Aus dem Inhalt: Der Zweck des Lebens - Abschaffung des Genies - Zur Psychopathologie des Schauspielers - Ist die Erde bewohnt? - Die entdeckte Frau - Hat Christus gelebt? - Sokrates der Idiot - Das Geheimnis - Ägyptens - Wie ich entdeckt wurde

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Durchschnitt: 5.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 1 Bewertung)

Leserkommentare:*
Obwohl ein halbes Jahrhundert alt, lesen sich diese Essays wie Bemerkungen zur geistigen Situation der Gegenwart (5 von 5 Punkten) meint W.S. aus Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland
Man kann den 1878 in Wien geborenen Juden Egon Friedell getrost als einen der klügsten Köpfe und genialsten Schriftsteller der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bezeichnen. Dabei hatte er es mit dem geforderten Bildungsniveau schwer. Sein Abitur bestand er erst im vierten Anlauf, seine Promotion im zweiten.

Dennoch griff er bei seiner schriftstellerischen Tätigkeit auf eine fast enzyklopädische Bildung zurück, die seine nun von Diogenes veröffentlichten ausgewählten Essays zu Geschichte, Politik, Philosophie, Religion, Theater und Literatur zu einem ganz außergewöhnlichen intellektuellen Erlebnis werden lassen.

Da Friedell nicht nur Schriftsteller war, sondern auch als Journalist, Schauspieler, Kabarettist und Kulturphilosoph tätig war, entfaltet sich in seinen Essays eine Bandbreite des Wissens, die mit Geistesblitzen, kühnen Gedankengängen und messerscharfer Logik nur so brilliert.
Obwohl über ein halbes Jahrhundert alt, liest man seine zeitlosen Essays wie Bemerkungen zur geistigen Situation der Gegenwart. Er pflegt dabei nicht immer strenge Objektivität. Er kann satirisch sein. Doch der Informations- und Bildungswert seiner Texte ist hoch, und unterhaltend und anregend zu lesen sind sie erst recht.

Immer wieder blitzt durch z.T. beißende Kritik die Gedankenwelt eines tiefgläubigen Christen jüdischer Abstammung, dem das aber nach dem "Anschluss" 1938 nichts half. Als am 16. März 1938, einen Tag nach Hitlers Einzug in Wien, zwei SA-Männer an Friedells Wohnungstür klingeln, springt der sechzigjährige Friedell aus dem dritten Stock in den Tod.
Man kann sich vorstellen, mit welcher Kritik er das überzogen hätte, was danach kam.

Seine Kulturgeschichte Ägyptens, des Alten Orients, Griechenlands und der Neuzeit bis zum Ersten Weltkrieg gehören auch heute noch zum besten Bildungsgut Europas und sind nicht nur deswegen immer noch lieferbar.

Egon Friedell ist ein Denker, der erst noch richtig (wieder)entdeckt werden muss. Diese in einer sehr ansprechenden Aufmachung verlegte Auswahl seiner Essays ist ein wichtiger Beitrag dazu.

Kulturgeschichte Griechenlands - Egon Friedell
Buch:Kulturgeschichte Griechenlands
Autor:Egon Friedell, Ausgabe vom Febr. 1994, Taschenbuch, Verkaufsrang 669886
Direkt bei Amazon nicht vorrätig,
andere Angebote über Amazon hier (Versandkosten beachten).
Dieses posthum 1950 publizierte Werk bildet einen in sich geschlossenen Bestandteil der von Egon Friedell als Pendant zur 'Kukturgeschichte der Neuzeit' geplanten dreibändigen 'Kulturgeschichte des Altertums', die infolge seines tragischen Todes unvollendet blieb. Es gibt ein vielschichtiges Bild des Lebens und der Kultur im alten Griechenland, vom grauen Alltag bis zur hohen Politik, von der Haustierhaltung bis zur Vasenmalerei und der Philosophie der Eleaten - so, wie es sich dem geistreichen Wiener Causeur, der alles gelesen hat und alles weiß, darbietet. Das ist kein blasses 'objektives', sondern ein farbiges subjektives Bild; es ist gewiß nicht die Wahrheit, aber es steckt voller Wahrheiten. Friedells Bericht über das alte Hellas stimmt freilich nicht überein mit dem klassischen, dem heiteren Griechenlandbild. Friedell sieht und zeigt auch die Nöte und Zwänge, die Grausamkeiten und die Verzweiflung des griechischen Lebens.
"Mit eminenter Sachkenntnis und nicht zuletzt mit einem von keiner Tradition befangenen Urteil bereitet Friedell eine umfassende Entwicklungsgeschichte des Lebens der vorchristlichen Seele aus, wobei Tragödie und Göttervorstellung nicht weniger berücksichtigt werden als der Alltag eines Athener Bürgers zur Zeit des Perikles."

Leserbewertungen:
Durchschnitt: 5.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 4 Bewertungen)

Leserkommentare:*
"Herrgott, wirf Zeit zum Schmöckern vom Himmel." (5 von 5 Punkten) meint k.
Diese Zeile aus der FAZ passt zu einem der großen Feuilletonisten der alten Wiener Kaffeehaus-Szene. Als Schauspieler, Partylöwe und Nichtstuer bekannt oder verschrien, erlangte er mit seinem Buch: Kulturgeschichte der Neuzeit Weltruhm. Gleichzeitig deckte dieses Buch das Doppelleben auf, vor allem sein Bücherleben im Schlafrock. Posthum im Jahre 1950 erschien dieser Band der "Kulturgeschichte Griechenlands". Friedell, der in und wegen der NS-Zeit freiwillig aus dem Leben schied, war kein Historiker, dennoch wohl gebildet und äußerst eloquent. Mit diesen Voraussetzungen gelingt ein bravouröser Band über Land, Klima, Vegetation und der Geographie Griechenlands insgesamt als "Ionischer Frühling", eher er auf die kulturellen, literarischen Aspekte eingeht im "Welttag Athens". Alles, was Friedell bewegt, zeigt er als anekdotische Porträts. Seine Seiten lesen sich in spielerischer Leichtigkeit, gepaart mit Witz und vielleicht einem Wiener Charme.

Man muss also nicht alles für bare Münze nehmen, getreu dem Motto von Oscar Wilde, dass Kunst auch die Fähigkeit habe, die Wahrheit zu verbergen. Und doch gelingt es ihm, die als Totenmaske bekannten Größen griechischer Kultur wieder zu beleben. So zu beleben, dass "der wirkliche Mensch [als] Mensch des Tages und des täglichen Lebens" neu erscheint aus der Kunst, aus der Idee und in seiner (Friedells) Sehnsucht eine neue Gestaltung sich vollzieht.

In diesem Sinne gelesen, ist Friedell in seiner Art ein Meilenstein der gebildeten und bildenden Erzählkunst.
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Kulturgeschichte Ägyptens und des alten Orients: Leben und Legende der vorchristlichen Seele - Egon Friedell
Buch:Kulturgeschichte Ägyptens und des alten Orients: Leben und Legende der vorchristlichen Seele
Autor:Egon Friedell, Ausgabe vom 18. Aug. 1998, Gebunden, Verkaufsrang 290199
Preis: 24,90 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
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Dieses letzte zu Lebzeiten des Autors publizierte Werk erschien zuerst 1936 in Zürich. Es bildet einen in sich geschlossenen Bestandteil der von Friedell als Pendant zur 'Kulturgeschichte der Neuzeit' geplanten dreibändigen 'Kulturgeschichte des Altertums', die infolge seines tragischen Todes unvollendet blieb.
"Es gibt wenige kulturgeschichtliche Werke", schrieb die 'Deutsche Tagespost' nach Erscheinen der Neuausgabe, "die uns so tief erschüttern und zugleich bereichern. Ein erstaunlich reiches, sicheres Wissen bildet die Grundlage; dazu kommt, daß Friedell mit den ... Erkenntnissen vieler Wissensgebiete an den mächtigen Stoff herangeht, den er letzten Endes als Philosoph überschaut und als Dichter in einer erstaunlich flüssigen Form gestaltet. Es geht ein gewaltiger Entrümpelungs- und Entstaubungsprozeß vor sich, und am Ende steht dieses geradezu leuchtende Werk eines Gelehrten und Weisen."
Egon Friedell (bis 1916 Friedmann) wurde am 21. Januar 1878 in Wien geboren. Er studierte Philosophie und Germanistik und promovierte 1904 mit einer Arbeit über 'Novalis als Philosoph'. Als Dramatiker, Kabarettist und Theaterkritiker, als Freund von Peter Altenberg und Alfred Polar gehprte er zu den bestimmenden Persönlichkeiten des Wiener Kulturlebens. Von 1922 bis 1927 war er Schauspieler bei Max Reinhardt in Berlin und Wien, dann freier Schriftsteller. Berühmt machte ihn seine 'Kulturgeschichte der Neuzeit' (3 Bände 1927-1931). Kurz nach dem deutschen Einmarsch in Österreich nahm sich Friedell am 16. März 1938 das Leben.

Leserbewertungen:
Durchschnitt: 4.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 4 Bewertungen)

Leserkommentare:*
Kein Geschichtsbuch (5 von 5 Punkten) meint N.G. aus Berlin
Es ist von Atlantis die Rede, sogar vom "okulten Atlantis". Und den wilden, noch unberührten Naturvölkern werden geheimnisvolle Fähigkeiten bei der Beherrschung ihres Lebensraumes nachgesagt. Rudolf Steiner wird zitiert, und viel wird über Gott und sein Wirken auf der Erde diskutiert - und das alles allein schon im ersten Kapitel, in der Einleitung, die eigentlich nur etwas zur "Mär der Weltgeschichte" sagen will. Dazwischen erfährt man auch etwas über Kant, die Saurier, Oswald Sprengler und das Verhältnis von Volk und Rasse.

Hätte man nur diese Einführung zwischen zwei Buchdeckel gepresst und als eigenständiges Werk verkauft, wäre das alles wohl im Ozean der esoterischen Welterklärungsliteratur unbemerkt untergegangen. Aber zum Glück folgen hier noch vier weitere Abschnitte, über Ägypten, das Antike Mesopotamien, das alte Israel und Kreta mit einigen Ausflügen zum frühen Griechenland. Und da merkt man dann doch, dass man es bei dem Autor nicht mit einem Träumer, sondern mit einem unglaublich gebildeten Arbeitstier zu tun hat.

Nicht nur gibt er für jede der genannten Kulturen eine prägnante Übersicht der Kulturgeschichte. Er erläutert die Kultur auch aus einer besonderen, sehr lebensnahen Perspektive. Er bringt seine eigene Lebenserfahrung in die Interpretation von Funden und Texten ein. Na gut, dadurch ist vieles Spekulation. Aber auf der anderen Seite wird auch vieles klarer als in anderen Büchern, weil es unser eigenen Erfahrung näher ist. Friedell versteht Menschen, und dieses Verständnis setzt er ein, um uns die Vergangenheit besser verständlich zu machen. Fast möchte man von Weisheit sprechen.

Außerdem erfährt man eine Fülle von Fakten über die Geschichte, und auch über die Geschichtswissenschaft, also die Entwicklung unser Wahrnehmung der Antike bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Nicht alles entspricht heute noch dem aktuellen, wissenschaftlichen Stand. Aber mein Eindruck ist, dass unser heutiges Bild der Geschichte der Menschheit eher breiter geworden ist, als genauer, als tiefer. Und so liest sich das alles auch heute noch unglaublich spannend.

Am Ende habe ich sogar die kuriosen Stories über Atlantis nicht mehr ganz so abwegig gefunden. Aber was solls. Vielleicht ist Kulturgeschichte eben doch keine exakte Wissenschaft.

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