Eminem, Ausgabe vom April 2001, Gebunden, Verkaufsrang 158653
Aus der Amazon.de-Redaktion All denjenigen, die Eminems treibende Beats und die markante Stimme zwar klasse finden, aber von den Texten nur maximal die Hälfte verstehen, sei dieses Buch wärmstens empfohlen: Es ist die erste von Eminem selbst kommentierte Text-Sammlung samt deutscher Übersetzung. Aufmerksame Kenner der englischen (Slang-)Sprache werden zwar schnell feststellen, dass einige Textstellen schlecht wiedergegeben sind. So heißt "bitch" immer noch "Hure" (allenfalls "Zicke", aber nicht "Schnalle"), "shrooms" ist die Kurzform für "mushrooms", also (halluzinogene) "Pilze" und "X" diejenige für "Ecstasy". Das macht aber fast nichts angesichts der eigentlichen Inhalte: Eminems Texte sind eine schonungslose Abrechnung mit allem und jedem (einschließlich seiner selbst), die bissiger und zynischer nicht sein könnte. Zutreffender auch nicht, denn Sätze, wie "How the fuck are you s'posed to grow up when you're not raised?" - "Verdammt, wie sollst Du denn erwachsen werden, wenn keiner Dich erzieht?" (aus: "Criminal") treffen auf eine viel zu große Anzahl von Kids zu, deren Aufwachsen in zerütteten Familienverhältnissen dem von Eminem nur allzu ähnlich ist. Und das ganz sicher nicht nur in den USA. Wer jedenfalls nach der Lektüre der Lyrics von "Criminal", "Drug Ballad", "My Fault", "Role Model" oder "The Kids" noch immer glaubt, es gehe in den Texten lediglich um die Verherrlichung von Gewalt, Sex und Drogen, hat irgendetwas nicht verstanden. Im Kommentar zu jedem Text erfährt der Leser Einzelheiten zur Entstehungsgeschichte, beispielsweise dass "The Way I Am" einer der wenigen Tracks ist, die Eminem allein geschrieben und produziert hat. Ein Glossar am Ende des Buches soll helfen, die erwähnten Personen zuzuordnen und Anspielungen der Texte im entsprechenden Zusammenhang zu verstehen. Das hätte wesentlich umfangreicher ausfallen können. Viele Akürzungen sind hier nicht erklärt, auch das Personenregister bleibt angesichts der zahlreichen Anspielungen nur unvollständig. Die aufwändige Gestaltung und viele Fotos machen aber einiges wett. Und wer die CDs im Regal stehen hat und neugierig ist, was Eminem da eigentlich erzählt, wird dieses Buch bald nicht mehr missen mögen. -Ute Springer
Buch:
Eminem - Talking
Autor:
Eminem, Chuck Weiner, Ausgabe vom 1. Juli 2003, Taschenbuch, Verkaufsrang 217648
Aus der Amazon.de-Redaktion "Ihr sollt keine Drogen nehmen, keinen ungeschützten Sex haben und nicht gewalttätig werden!" Brav gesprochen. Dann aber: "Überlasst das mir!" Völlig klar, so kann nur einer tönen: Eminem, Enfant terrible der Rapperszene und von keinerlei Zaghaftigkeit getrübt, überzieht die Welt mit seinen gesammelten Anzüglichkeiten. Da heißt es warm angezogen sein, denn, wie das diskrete Schildchen auf dem Buchcover warnt: "Parental Advisory. Explicit Contents". Überdeutliche Worte also, die der Schrecken aller Schwiegermütter über uns ergießt! Sollte es gar zu derb werden, kann der erfolgreichste Rapper der Welt, bürgerlich Marshall Mathers, jederzeit sein selbst kreiertes Alter ego Slim Shady verantwortlich machen. Es ist dieser mephistophelische Ausbund des Bösen, der fröhlich verkündet: "Ich will jetzt keines der Spice Girls mehr schwängern, dafür aber Britney Spears!" Dann, ganz Prophet: "Jetzt ist sie noch wie eine grüne Banane, aber bald wird sie reif sein". Auch Künstler vom Schlage einer Lauryn Hill, Christina Aguilera, N'sync oder den Backstreet Boys, müssen nicht leer ausgehen ("...ich scheiße auf all diesen Bullshit"). Einzig Dr. Dre und Ice Cube genießen Eminems uneingeschränkte Solidarität. Marshall Bruce Mathers III, 1974 geboren und ohne Vater aufgewachsen, wurde von seiner minderjährigen Mutter großgezogen. Ihr Leben im ärmsten Teil Detroits geriet zur beständigen Flucht vor Gerichtsvollziehern. Im Kapitel "Mutterliebe" bricht sich das völlig gestörte Mutter-Sohn-Verhältnis in ödipalen Hassfantasien Bahn. Rap und HipHop boten ihm damals wie heute ein Ventil: "Je mehr mich die Leute anpissen, desto mehr Texte kann ich darüber schreiben". Nicht selten entlarvt sich Eminems Lästermaul als verräterische Rotzigkeit des Spätpubertierenden. Die Freude über die Geburt seiner Tochter wird unwirsch trotzig als "sentimentale Scheiße" abgewürgt. Aber auch selbstzerstörerische Töne klingen an ("Selbstmord ist immer etwas, was ich im Hinterkopf hatte"). Kein heißes Eisen bleibt unangetastet. "Was ist eine Schwuchtel?", "Freunde und Rivalen", "Die Wut in mir" - Kapitelüberschriften wie Kampfansagen, die von der geifernden Angriffslust und schonungslosen Offenheit dieses Streetkid zeugen - ganz und gar Eminem eben. -Ravi Unger