Wichtig ist immer, in welches gesellschaftliche Umfeld ein Massenmedium, egal welches, eingebaut ist. Jedes Instrument erbt und erhält seinen Wert von der Gesellschaft, in die es eingebettet ist. Wenige stellen das Selbstverständnis der so genannten Informationsgesellschaft und ihrer technischen Errungenschaften so radikal und tief greifend infrage, wie Joseph Weizenbaum in seinen Freien Reden. Sind die Dinge so, weil sie so sind, oder weil sie so geworden sind? Weil sie so geworden sind! Mehr noch: Weil wir sie so gemacht haben und weil wir sie so sehen (wollen). Aus dieser, an den radikalen Konstruktivismus angelehnten Sicht auf die Welt, lässt sich auch die Legitimation ableiten (falls sie denn notwendig sein sollte), diese Sicht auf die Welt zu hinterfragen, um festzustellen, wie sie so geworden ist. Weizenbaum stellt Fragen. Er will wissen, warum wir die von Computern geprägte Welt so sehen, wie wir sie sehen. Und er sucht und findet Antworten auf diese Fragen. Das ist nicht immer angenehm für unser Selbstverständnis. Im Gegenteil. Wenn Weizenbaum im ersten Essay die Existenz des Informationszeitalters infrage stellt, weil etwas wie "Information" nicht einfach nur über Datenleitungen transportiert werden kann, reduziert er unsere moderne Welt zu dem, was sie ist: Signalbasierte Technik. Erst wir Rezipienten machen Signale zu Information. Nimmt man sich ein paar Minuten Zeit, um über diese Feststellung nachzudenken, schmilzt der Einwand, dass das doch reine Haarspalterei sei, schnell dahin. Weizenbaums Gedanken stören. Das macht sie jedoch umso attraktiver, bieten sie doch eine Erklärung für das, was in der digitalisierten Welt um uns herum passiert, die erstaunlicherweise weitaus besser ist als das wenig hinterfragte Selbstverständnis konsumorientierter Technik-Euphoriker. Weizenbaum fordert, dass wir selbstständig denken - weil Computer dazu schlichtweg nicht in der Lage sind (und laut Weizenbaum nie sein werden). Ob auf dem Datenhighway, in der Kunst oder im Militär - der Einsatz vom Computern (und die damit verbundene Sicht auf uns selbst und die Welt) stellt keine "natürliche", sondern eine gesellschaftlich produzierte Entwicklung dar. Eine Entwicklung, deren Absicht und Ziel hinterfragt werden kann und hinterfragt werden muss. -Wolfgang Treß
Hörbuch:
Gottfried Benn: Benn Now - Morgue & More: Benns Lyrik trifft elektronische Musik
Autor:
Gottfried Benn, Gunna Wendt, Franz Klug, Patrick Kruse, Björn Högsdal, Ausgabe vom 19. Juni 2008, Audio CD, Verkaufsrang 1067890
Maria Callas oder Die Kunst der Selbstinszenierung - Die Kunst der Selbstinszenierung
Autor:
Gunna Wendt, Ausgabe vom Febr. 2006, Broschiert, Verkaufsrang 850684
Buch:
Selberdenken ist auch eine Möglichkeit.
Autor:
Werner Schneyder, Gunna Wendt, Ausgabe vom 1995, Broschiert, Verkaufsrang 1534970
Buch:
Helmut Qualtinger, Ein Leben
Autor:
Gunna Wendt, Ausgabe vom 1999, Gebunden, Verkaufsrang 1750551
Aus der Amazon.de-Redaktion Ich war schon als Kind nicht sehr jung, stellte Helmut Qualtinger (1928 - 1986) fest, während seine Freunde von ihm sagten, er sei zeit seines Lebens ein Kind geblieben - ein Paradoxon, bezeichnend für den Wiener Satiriker und Quelle seines künstlerischen Schaffens. In ihrer Biografie, die zu einer Ausstellung im Münchner Theatermuseum erschien (zu sehen bis zum 24.4.1999), lässt Gunna Wendt viele Stimmen zu Wort kommen - von Freunden, Kritikern, Biografen, und natürlich Qualtingers Stimme selbst, wie sie in seinen Stücken klingt, in Interviews, in seinen Skizzenblöcken. Auch Fotos stoßen den Dialog mit dem Portraitierten an. Der Vergleich von Kinderfotos mit späteren Abbildungen legt den Gedanken nahe, Qualtinger habe im Lauf seines Lebens den Eindruck des Bilderbuchkindes und Vorzeigesohnes aus gutbürgerlichem Haus in sein Gegenteil verkehren wollen. Auf dem Höhepunkt seines Erfolgs als Kabarettist machte er einen Schnitt und schrieb lieber Stücke. Der Anarchist wollte nicht den Beifall der Kritisierten, wollte nicht Hofnarr der Gesellschaft sein. Es ging ihm immer mies, abgründige Bosheit ist der Grundton seiner Texte. Qualtinger beeindruckte sein Publikum als multiple Stimmenpersönlichkeit mit charismatischer Bühnenpräsenz. Der Monolog war die ihm gemäße Form, in der Ich-Form entwickelte er seine Charaktere und zog die Zuschauer als Adressaten ins Stück hinein. Weltweit berühmt wurde er mit der Figur des "Herrn Karl", die den empörten Wienern das Grauen hinter ihrer Gemütlichkeit in einem gnadenlosen Spiegel vorhielt. Die Rolle war Qualtinger so auf den Leib geschrieben oder auch vom Leib abgelesen, dass er von da an immer mit dem Herrn Karl identifiziert wurde. Ab und zu schürzt Gunna Wendt den Lebensstoff zu thematischen Knoten, indem sie kleine Exkurse einschiebt: über Wien zum Beispiel ("Man kann es in Wien nicht aushalten, aber woanders auch nicht"), über die Frauenrollen im Kabarett im allgemeinen und bei Qualtinger im besonderen, über das Verhältnis von Realität und Kunst (Den echten "Herrn Karl" hätte uns kein Mensch geglaubt). Der echte Qualtinger in seinem Privatleben ist aber offenbar schwer zu fassen. Gunna Wendt hat Gespräche geführt mit Vera Borek, Qualtingers zweiter Frau, dabei aber weder private Geheimnisse noch ein fertiges Urteil erhalten. Vera Borek in einem Interview: Er konnte mich bis zu seinem Tod verblüffen. -Eva Leipprand