Ein Kalb wird bei lebendigem Leib verbrannt, und sechs brennende Schwänefliegen über den Marebo-See. Frauen verschwinden, eine Amerikanerin wirdin der Kirche erdrosselt, und ein Lastwagen voller Dynamit lässt den Domvon Lund in Flammen aufgehen. In seinem neuen Kriminalroman spannt HenningMankell den Bogen von dem furchtbaren Massaker in Jonestown, Guyana 1978,wo ein religiöser Fanatiker seinen Anhängern befahl, Selbstmord zu begehen,bis zum 11. September 2001. Mankell ist ein atemberaubender Roman gelungendiesmal mit Linda Wallander in der Hauptrolle. Linda Wallander, Tochter des weit über die Landesgrenzen hinweg bekannten Kommissars, kommt sich vor wie auf dem Abstellgleis: Am 10. September soll ihr Dienst bei der Polizei von Ystad beginnen, und bis dort hat sie noch einen langen Sommer vor sich. Auch die avisierte eigene Wohnung ist noch nicht frei, und so muss sie ausgerechnet beim Vater unterschlüpfen. Das Verhältnis zwischen den beiden ist äußerst gespannt und wird auch nicht besser, als Kurt Wallander mit einem schwierigen Fall konfrontiert wird. In Ystad und im Umland übergießt ein scheinbar Wahnsinniger Tiere mit Benzin und steckt sie in Brand. Eine ältere Frau wird auf einer Wanderung in einer abgelegenen Schlucht bestialisch ermordet, und eine von Lindas ältesten Freundinnen verschwindet von einem Tag auf den anderen. Auch wenn ihr Vater es nicht wahr haben möchte: Zwischen all diesen Ereignissen besteht ein Zusammenhang. Es bedarf akribischster Ermittlungen und einer Reihe von Auseinandersetzungen zwischen Kurt und Linda Wallander, bevor der dickköpfige Kommissar bereit ist, an eine Verschwörung größeren Ausmaßes zu glauben. Vor dem Frost ist ein Roman des Übergangs: Noch hält Kurt Wallander das Heft in der Hand und ist nicht bereit, seine Tochter als Polizistin zu akzeptieren. Linda muss um jeden Zentimeter Freiheit kämpfen, sowohl in privater wie in beruflicher Hinsicht. Dieser Kampf wird mit harten Bandagen geführt, wobei Mankell die Glaubwürdigkeit seiner Figuren gelegentlich sehr strapaziert. Auch die Handlung des Romans wirkt teilweise etwas konstruiert - der Autor hat eindeutig ein Anliegen, und es gelingt ihm nicht immer, daraus eine spannende Geschichte zu machen. Für Wallander-Freunde bietet Vor dem Frost einige schöne Reminiszenzen: Linda erinnert sich immer wieder an Vorfälle aus ihrer Kindheit, die den Lesern aus früheren Mankell-Romanen geläufig sind. Auch der angestrebte Vergleich zwischen christlichem und islamischem Fundamentalismus ist ein durchaus lohnenswerter Stoff, der besonders durch die psychologisch genaue Schilderung der Antagonisten an Glaubwürdigkeit gewinnt. Wir können jedenfalls gespannt sein, wie sich Linda Wallander mausert, wenn sie aus des Vaters Schatten herausgetreten ist und als Polizistin selbstständig wird. -Hannes Riffel
Buch:
Tea-Bag: Roman
Autor:
Henning Mankell, Ausgabe vom 1. Dez. 2006, Taschenbuch, Verkaufsrang 1059437
Als Verfasser von Lyrikbänden hat es Jesper Humlin zu einigem literarischen Ruhm gebracht. Dennoch droht die ultimative Sinnkrise. Dauerfreundin Andrea, ein Derwisch mit Haaren auf den Zähnen, plant die Veröffentlichung ihrer Memoiren, wenn Jesper ihr nicht endlich ein Kind mache. Die Aktien dümpeln im Keller und der Verleger fordert statt Lyrik einen wesentlich verkaufsträchtigeren Krimi. Es ist zum Verzweifeln. Halb Schweden scheint im Krimi-Fieberwahn, Jespers schärfster Konkurrent hat bereits das Genre gewechselt, selbst Mutter Humlin, fast neunzig, sinnt über Mord und Totschlag. Jespers Vernichtung scheint besiegelt. Nun ist auch noch Tea-Bag in sein Leben geraten. Kennen gelernt hatte er das schwarze Flüchtlingsmädchen und ihre Freundinnen auf einer Lyriklesung, die ihn in die Boxschule eines ehemaligen Freundes verschlagen hatte. Kurz entschlossen hatte der vierschrötige Pelle ein Fest zu Ehren des Promidichters organisiert, zu dem seine Boxschüler plus Anhang, Einwanderer sämtlicher Nationen, geladen waren. Nicht nur, dass der Ehrengast das anschließende Fest als schwer komatöse Alkoholleiche beendete - er hatte auch das unter Boxern nicht leichtfertig zu nehmende Versprechen abgegeben, Tea-Bag und ihre zwei Freundinnen zu Schriftstellerinnen auszubilden. So lässt sich Kommissar Wallanders Rückzug verschmerzen. Der abwechselnd in Mosambik und Schweden beheimatete Mankell verdichtet hier, was als Subtext stets auch seine Krimiproduktion durchzog: das Schicksal illegaler Einwanderer in Schweden. Wer nun aber annimmt, ein dröges Sozialdrama in Händen zu halten - weit gefehlt. Triefend vor (Selbst)Ironie, mit bitter-satirischen Schüssen auf den Literaturbetrieb, dabei die eigene Wallander-Karriere gehörig rückbespiegelnd, zeigt sich Mankell witzig (und wichtig!) wie nie. Unversehens wird der snobistische Dichterling, bislang an wenig mehr als seinem Wohlstand und einer gleichmäßigen Sonnenbräune interessiert, hineinkatapultiert in eine Welt der Entrechteten und Entwurzelten. Tea-Bags (den Namen hatte sie im Flüchtlingslager nach einem Blick auf die Teetasse eines Beamten kurzerhand erfunden) wie auch Leylas und Tanjas magische Schilderungen ihres Flucht- und Leidenswegs entziehen Jesper schlagartig den Boden seiner Wertevorstellungen. Langsam erkennt er seine wahre Bestimmung: Er würde das Leben der drei erzählen, sie unvergesslich machen. Es wurde ein wunderbares Buch daraus, das seine früheren Gedichte garantiert schnell vergessen macht. -Ravi Unger Der in seinem Hauptberuf als Kriminalautor mit seinen Wallander-Romanen so erfolgreiche Henning Mankell legt mit Tea-Bag nun schon seinen dritten Afrika-Roman vor - und der ist abermals eine Enttäuschung. Zwar spielt das Ganze diesmal nicht in Afrika, aber eine Afrikanerin, die sich als Flüchtling in einem spanischen Auffanglager aus einem spontanen Entschluss den "Namen" Tea-Bag gibt, spielt darin eine der Hauptrollen. Von der Kritik sind die beiden ersten Afrika-Romane nicht sonderlich euphorisch aufgenommen worden. Allzu idealisierend, ja: romantisierend sei Mankells Blick auf den schwarzen Kontinent las man da etwa über Der Chronist der Winde (2000), zudem wirke die Geschichte "an allen Ecken und Enden unwahrscheinlich". Und das Beste, was die Rezensentin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu Die rote Antilope (2001) zu sagen wusste, war, dass dieser Erziehungsroman sicherlich "gut gemeint" gewesen sei. Auch Tea-Bag ist zweifellos gut gemeint, für Begeisterungsstürme indes besteht auch diesmal kein Anlass. Schade ist dies vor allem für Stefan Wilkening, der die Hörbuchfassung mit einer Stimme, der man gerne lauscht, überzeugend vorträgt und der keinerlei Schuld daran trägt, dass in ihr die Schwächen des Romans noch deutlicher zu Tage treten als in der Druckfassung. Die Geschichte ist schnell erzählt. Der schwedische Erfolgsautor Jesper Humlin lernt drei illegale Einwanderinnen kennen, denen er helfen will, ihre Geschichten zu erzählen. Eine der drei ist die Afrikanerin Tea-Bag. Was die drei Frauen dem Schriftsteller erzählen ist das, worum es Mankell eigentlich geht, den nach eigener Auskunft vor allem interessiert hat, wie man sich wohl als eine der Heimat entwurzelte "Illegale" fühlt. Um diese Geschichten rankt sich in der Folge alles weitere. Eben diese Passsagen aber sind Mankell leider gründlich misslungen. Beim Lesen und erst recht beim Hören kann man gar nicht anders, als sich immer wieder daran zu stoßen, dass doch diese Sprache unmöglich die Sprache dieser Frauen sein könne. Ihre Poesie passt weder zusammen mit ihrem kulturellen Hintergrund, noch mit der Tristesse dessen, wovon sie berichten. Gelungen dagegen ist Mankell die Darstellung der Dinge, mit denen er sich auskennt, und das ist vor allem der Schriftstellerberuf und das Getriebe darum herum, das die Bühne für Rahmenhandlung abgibt. Doch das allein ist ein bisschen zu wenig. -Andreas Vierecke
Buch:
Tea-Bag: Roman
Autor:
Henning Mankell, Ausgabe vom 3. Febr. 2003, Gebunden, Verkaufsrang 439001
Jesper Humlin hat es nicht leicht. Zwar ist er ein gefeierter Lyriker,doch sein Verleger besteht darauf, dass er endlich einen Kriminalromanschreibt, der Kurs seiner Wertpapiere ist gefallen, seine Freundin willein Kind von ihm, und seine Mutter hat eine Agentur für Telefonsex eröffnet.Da lernt er bei einer Lesung Tea-Bag, ein schwarzes Flüchtlingsmädchen,und ihre Freundinnen kennen. Nach und nach erfährt er ihre Geschichten.Ein Roman, der das Gegensätzlichste verbindet - eine Satire auf den modernenLiteraturbetrieb und einen Einblick in die illegale Welt der Einwanderer.Ein Buch von wunderbarer Komik und tiefem Ernst - ein neues Genre, in demMankell wie in seinen früheren Büchern brilliert. Als Verfasser von Lyrikbänden hat es Jesper Humlin zu einigem literarischen Ruhm gebracht. Dennoch droht die ultimative Sinnkrise. Dauerfreundin Andrea, ein Derwisch mit Haaren auf den Zähnen, plant die Veröffentlichung ihrer Memoiren, wenn Jesper ihr nicht endlich ein Kind mache. Die Aktien dümpeln im Keller und der Verleger fordert statt Lyrik einen wesentlich verkaufsträchtigeren Krimi. Es ist zum Verzweifeln. Halb Schweden scheint im Krimi-Fieberwahn, Jespers schärfster Konkurrent hat bereits das Genre gewechselt, selbst Mutter Humlin, fast neunzig, sinnt über Mord und Totschlag. Jespers Vernichtung scheint besiegelt. Nun ist auch noch Tea-Bag in sein Leben geraten. Kennen gelernt hatte er das schwarze Flüchtlingsmädchen und ihre Freundinnen auf einer Lyriklesung, die ihn in die Boxschule eines ehemaligen Freundes verschlagen hatte. Kurz entschlossen hatte der vierschrötige Pelle ein Fest zu Ehren des Promidichters organisiert, zu dem seine Boxschüler plus Anhang, Einwanderer sämtlicher Nationen, geladen waren. Nicht nur, dass der Ehrengast das anschließende Fest als schwer komatöse Alkoholleiche beendete - er hatte auch das unter Boxern nicht leichtfertig zu nehmende Versprechen abgegeben, Tea-Bag und ihre zwei Freundinnen zu Schriftstellerinnen auszubilden. So lässt sich Kommissar Wallanders Rückzug verschmerzen. Der abwechselnd in Mosambik und Schweden beheimatete Mankell verdichtet hier, was als Subtext stets auch seine Krimiproduktion durchzog: das Schicksal illegaler Einwanderer in Schweden. Wer nun aber annimmt, ein dröges Sozialdrama in Händen zu halten - weit gefehlt. Triefend vor (Selbst)Ironie, mit bitter-satirischen Schüssen auf den Literaturbetrieb, dabei die eigene Wallander-Karriere gehörig rückbespiegelnd, zeigt sich Mankell witzig (und wichtig!) wie nie. Unversehens wird der snobistische Dichterling, bislang an wenig mehr als seinem Wohlstand und einer gleichmäßigen Sonnenbräune interessiert, hineinkatapultiert in eine Welt der Entrechteten und Entwurzelten. Tea-Bags (den Namen hatte sie im Flüchtlingslager nach einem Blick auf die Teetasse eines Beamten kurzerhand erfunden) wie auch Leylas und Tanjas magische Schilderungen ihres Flucht- und Leidenswegs entziehen Jesper schlagartig den Boden seiner Wertevorstellungen. Langsam erkennt er seine wahre Bestimmung: Er würde das Leben der drei erzählen, sie unvergesslich machen. Es wurde ein wunderbares Buch daraus, das seine früheren Gedichte garantiert schnell vergessen macht. -Ravi Unger
Buch:
Die weiße Löwin.
Autor:
Henning Mankell, Erik Gloßmann, Ausgabe vom 2005, Taschenbuch, Verkaufsrang 251579
Buch:
Die fünfte Frau, 2 Cassetten
Autor:
Henning Mankell, Valerie Stiegele, Anne Weber, Matthias Ponnier, Hans G. Krogmann, Ulrich Pleitgen, Ausgabe vom 1999, Hörkassette, Verkaufsrang 1359281
Henning Mankell gehört zu den bekanntesten Krimischriftstellern in Schweden und mit seinem neuen Roman Die fünfte Frau wird er sich auch in Deutschland einen Namen machen. Jeder Krimiliebhaber, der von einem Thriller mehr erwartet als nur einen spannenden Plot, liegt hier richtig. Im Jahr 1994 werden in Algerien fünf Frauen von Fundamentalisten ermordet. Vier davon sind französische Nonnen, die fünfte ist eine schwedische Touristin. Ein Jahr später ereignen sich in Schweden eine Reihe grausamer Morde. Die Opfer haben keine Verbindung zueinander. Gemeinsam ist ihnen aber, daß sie sich Frauen gegenüber besonders gewalttätig verhalten hatten. Kommissar Wallanders Aufgabe ist es, mögliche Zusammenhänge und Motive aufzudecken. Gibt es eine Beziehung zu den Toten in Algerien, und wenn ja, welche? Die fünfte Frau ist Krimi, Gesellschaftsroman und psychologische Studie - was will man mehr? -Manuela Haselberger "Ich hatte Angst, dass das Leben irgendwann so unbegreiflich für mich wäre, dass ich nicht mehr damit zurechtkäme." Der Verzweiflung nahe sinniert Henning Mankells Kommissar Kurt Wallander angesichts zweier unbeschreiblich grausamer Morde, die in kurzer Folge in der Umgebung von Ystad geschehen. Der Täter hatte offenbar die Verbrechen akribisch geplant, seine Opfer gekannt und diese absichtlich leiden lassen. Die Polizei steht unter extremem Druck - die aufgebrachte Bevölkerung beginnt mit der Organisation von Bürgerwehren, um ihr "Recht" selbst in die Hand zu nehmen. Fieberhaft versuchen Wallander und sein Team, Zusammenhänge zwischen den Morden und Verbindungen der Opfer untereinander in Erfahrung zu bringen. Doch bevor sie zu Ergebnissen kommen können, schlägt der Mörder erneut zu. Die Produktion des Westdeutschen Rundfunks aus dem Jahre 1999 nach dem Bestseller des schwedischen Autors Henning Mankell vermag die skeptische und düstere Atmosphäre des Romans akustisch einzufangen und noch zu verdichten. Die Hörspielbearbeitung schafft darüber hinaus aber auch durch glänzende Dialoge eine verschärfte nervöse Spannung, die durch sparsam eingesetzte und klug ausgewählte Musik- und Geräuschkulissen verstärkt wird. Hervorragende Sprecherleistungen, allen voran der großartige Ulrich Pleitgen als Wallander, lassen ein vom Buch angenehm emanzipiertes, eigenständiges Werk entstehen, das selbst den Lesern des Originals ein völlig neues Erlebnis des Stoffs bietet. -Ulrich Deurer
Buch:
Mittsommermord .
Autor:
Henning Mankell, Wolfgang Butt, Ausgabe vom 2005, Taschenbuch, Verkaufsrang 480368
Mankell ist ein Phänomen - sein neuester Roman ein Ereignis. Während viele bewährte Krimiautoren im x-ten Fall ihres Helden zu schwächeln beginnen ob der Zwänge des Marktes und der ihnen abgeforderten Schreibgeschwindigkeit, legte der schwedische Autor gerade sein bisher bestes Buch vor. Nichts ist zu bemerken von Verschleiß, Unlust oder Ideenarmut. Mittsommermord ist gleichzeitig aber auch Mankells bisher düsterstes und pessimistischstes Buch, das einen trotz erfolgreicher Arbeit zutiefst beunruhigten und verunsicherten Kommissar Kurt Wallander zeigt. Der Plot selbst ist nicht neu. Ein Serienmörder wird gejagt. Ein Mörder allerdings, der eine merkwürdige Vorliebe für kostümierte Opfer zu entwickeln scheint. Alles beginnt damit, dass eine Gruppe von Jugendlichen spurlos verschwindet. Monate später findet man die Vermissten erschossen und im Zustand fortgeschrittener Verwesung in einem Naturpark, gerade dort, wo sie vor ihrem Verschwinden gemeinsam ein Mittsommernachtsfest gefeiert hatten. Wallanders Kollege Svedberg wird erschossen in seiner Wohnung aufgefunden - warum musste er sterben? Zunächst steht ein Zusammenhang der Morde gar nicht zur Diskussion, bis deutlich wird, dass Svedberg selbst im Urlaub heimlich am Fall der verschwundenen Jugendlichen arbeitete. Ein hervorragender Kriminalroman wird eben doch durch mehr gekennzeichnet als nur durch die Originalität seiner Handlung und vordergründige Spannung. Intensiver als jemals zuvor legt Mankell die Psyche seiner Helden und seines Täters offen, ihre Ängste, Sorgen und Beweggründe. Er zeigt die tiefe Krise einer Ermittlercrew an den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Und er schafft es wieder, dass der Leser ihm mit angehaltenem Atem folgt. Immer deutlicher wird auch: Henning Mankells Erfolgsgeheimnis ist eigentlich gar keines. Seine Figuren leben! Seine Helden sind aus Fleisch und Blut! Mehr denn je zweifelt Kurt Wallander in diesem Roman am Sinn seines Tuns. "Man fühlt sich so machtlos. Und man fragt sich, ob man es wirklich aushält, bis man alt wird." Hoffen wir, dass dieser moderne Don Quixote seinen Kampf gegen die Windmühlen des Lebens erneut aufnehmen wird. Ulrich Deurer Was am Anfang fast unmöglich scheint, entwickelt sich immer mehr zur Gewissheit: Es muss ein Zusammenhang zwischen zwei brutalen Morden bestehen. Zwischen dem Mord an den drei jungen Leuten, die in Kostümen des 18. Jahrhunderts fröhlich Mittsommer feierten und der Tötung Svedbergs, eines Kollegen von Kommissar Wallander. Immer rätselhafter erscheint der zurückgezogen lebende Svedberg. Warum ermittelte er verdeckt in der Sache der drei Jugendlichen? Und wer ist Louise, eine Frau, zu der er - ohne dass jemand auch nur davon ahnte - seit 10 Jahren ein Verhältnis hatte. Wallander tappt im Dunkeln, immer auf der Suche nach "dem Punkt, an dem sich die Spuren kreuzen". Er fühlt sich entkräftet, kein bisschen cool. Gleichzeitig plant der kranke Mörder weitere Morde und weiß offensichtlich aufs Genaueste über seine Opfer Bescheid. Die Atmosphäre von Verzweiflung, die die Geschehnisse umhüllt, ist Ausdruck eines Schriftstellers, der sich vor allem als Gesellschaftskritiker und weniger als Krimiautor sieht. "Gewalt ist etwas Natürliches geworden" lautet die bittere Erkenntnis. Im Hörspiel tritt der wahnsinnige Mörder vor oder nach den Morden mit einer teilnahmslosen, sehr auf Ordnung bedachten Stimme (Daniel Werner) auf. Ulrich Pleitgen, Anne Weber, Petra Redinger u.v.a. garantieren in diesem perfekt inszenierten Hörspiel für Spannung pur! Hörspiel mit Musik, Spieldauer: ca. 110 Minuten, 2 CD. Erhältlich als MC und CD. - culture.text
Buch:
Die Rückkehr des Tanzlehrers: Roman
Autor:
Henning Mankell, Ausgabe vom 16. Febr. 2004, Gebunden, Verkaufsrang 562563
Aus der Amazon.de-Redaktion Ein rabenschwarzer Tag für Stefan Lindman: Erst hört der Kriminalbeamte aus dem südschwedischen Borås von seinem Arzt, dass er wahrscheinlich Zungenkrebs hat, dann liest er auch noch in der Zeitung, dass sein ehemaliger Kollege Herbert Molin in seinem Haus auf brutale Weise gefoltert und ermordet worden ist. Molin hatte sich nach seiner Pensionierung in die Einsamkeit der norrländischen Wälder im Norden Schwedens zurückgezogen - und obwohl Lindman dem verschlossenen Alten nie besonders nah gekommen war, weiß er, dass es ein Rückzug aus Angst war. Doch wovor hatte Molin Angst? Und warum hinterließ der Mörder als sichtbaren Hinweis auf den Dielen des Hauses die blutigen Spuren eines Tanzes: den letzten, tödlichen Tango, zu dem er sein Opfer aufforderte? Der Schock der Diagnose sitzt tief, doch Lindman schlägt den Erholungsurlaub aus und fährt ins kalte Härjedalen, um dem Mord an Molin auf den Grund zu gehen. Zusammen mit Giuseppe Larsson, dem leitenden Ermittlungsbeamten vor Ort, muss er sich nicht nur mit provinziellen Neidern auseinander setzen, sondern auch mit Molins Vergangenheit als glühendem Faschisten und überzeugtem Söldner in Hitlers Waffen-SS. Während Lindman und Larsson versuchen, die Teile des mörderischen Puzzles zusammen zu setzen, merken sie mehr und mehr, wie erschreckend lebendig die nationalsozialistische Vergangenheit in der Gegenwart ist. Harmlose Nachbarn äußern faschistische Überzeugungen mit schockierender Selbstverständlichkeit und radikal nationalistische Organisationen, wie zum Beispiel jene zum "Wohl Schwedens", erfreuen sich breitester Unterstützung der schwedischen Bevölkerung. Die schlimmste Erkenntnis für Lindman ist jedoch, dass er nicht mehr sicher sein kann, wem er trauen kann. Was Henning Mankell in Die Rückkehr des Tanzlehrers umtreibt, ist weniger der alltägliche Rassismus in einer Gesellschaft, die sich weigert ihre eigene Multikulturalität zu akzeptieren (Parallelen zur deutschen Realität sind bei diesem Thema unvermeidlich). Der neue Faschismus, das macht Mankell in seinem Roman deutlich, ist vielmehr ein internationales Phänomen, eine Globalisierung des Bösen, die sich neuester Technologie bedient und mit E-Mails und Internet ihre Netzwerke spannt. Lindman ist zwar nicht Wallander, aber Die Rückkehr des Tanzlehrers ist eindeutig ein typischer Mankell. Die Fähigkeit des schwedischen Erfolgsautoren, eindringliche gesellschaftliche und politische Kritik mit einer packenden, spannenden Geschichte zu verbinden, wird auch hier seine Leser in den Bann ziehen. -Peter Schneck
Buch:
Der Hund, der unterwegs zu einem Stern war - SZ Junge Bibliothek Band 48
Autor:
Henning Mankell, Ausgabe vom 2006, Gebunden, Verkaufsrang 419792