Kismet. Ein Kayankaya-Roman Kemal Kayankaya ist zurück! Viele krimibegeisterte Leser werden Jakob Arjounis türkisch-deutsche Version von Chandlers Phil Marlowe über die Jahre vermisst haben. Kaum verändert hat er sich - dem Autor sei Dank. Weder weise noch vorsichtiger geworden, lässt Kemal in seinem Job nach wie vor kaum ein Fettnäpfchen aus, kriegt wie gewohnt ordentlich etwas auf die Mütze und kämpft dennoch unverdrossen mit nicht immer moralisch vertretbaren Mitteln gegen Unmoral, Ungerechtigkeit und für - seine eigene Brieftasche. Der brasilianische Kneipier Romario bittet Kayankaya um Hilfe gegen Schutzgelderpresser. Zu seinem Leidwesen kann dieser seine Unterstützung kaum verweigern, ist er dem Wirt doch in gewisser Weise verpflichtet. Ohne Aussicht auf gerechte Entlohnung wollen Kemal und sein Helfer Slibulsky die Angelegenheit mit gewohnter Lässigkeit hinter sich bringen. Doch ihr "genialer" Plan endet mit einem Fiasko und zwei Schutzgelderpresser bleiben tot auf der Strecke. Das Auto der Toten führt den Detektiv zu einem Suppenfabrikanten und von dort auf die Spur einer skrupellosen Verbrecherorganisation, die mit neuen Methoden und beispielloser Brutalität zu Werke geht. Nur ein kroatisches Mädchen auf der Suche nach seiner verschwundenen Mutter und der gute Slibulsky greifen Kemal unter die Arme, der sich in seiner Not an einen albanischen Paten der Frankfurter Unterwelt wendet. Nicht immer kann man sich schließlich seine Freunde aussuchen. Nicht zu Unrecht wurde Jakob Arjounis Held häufig mit Raymond Chandlers Krimi-Ikone Phil Marlowe verglichen. Hinter Kayankayas flotten Sprüchen und seinem rotzigen Auftreten verbergen sich wie bei dem großen Vorbild tiefes Gerechtigkeitsempfinden, Sensibilität und die Sehnsucht nach einem anderen und vielleicht glücklicheren Leben. Es ist fraglich, ob Arjouni ihm ein solches gönnen wird, leben doch seine erstklassigen Krimis nicht zuletzt aus der Figur des Kemal Kayankaya heraus. Kismet! -Ulrich Deurer
Buch:
Idioten: Fünf Märchen
Autor:
Jakob Arjouni, Ausgabe vom Mai 2004, Taschenbuch, Verkaufsrang 42224
Idioten. Fünf Märchen. Gar nicht so leicht, auf die Schnelle eine Entscheidung zu fällen, wenn man am helllichten Tag von einer Fee aufgesucht wird und einen Wunsch frei hat. Unsterblichkeit, Gesundheit, Geld und Liebe seien ausgeschlossen, bedauert die durchsichtige Dame, Ideelles hingegen erwünscht. Und wenn schon Hardware, so hat man höhererseits entschieden, dann sollte der Gegenwert einer Geschirrspülmaschine möglichst nicht überschritten werden. Eine Spülmaschine braucht der Werbemann Max nicht, aber auch keinen Chef, der zu idiotisch ist, seine Idiotie einzusehen. Als Gutmensch und Ökopax, der unter seinem Agenturchef Ronni und dessen zynischem Geschäftsgebaren leidet, würde Max am liebsten nur Werbung für ökologisch Unbedenkliches und Friedenskampagnen treiben. Daher sein bornierter, aber sehnlichster Wunsch, allen Idioten zur Selbsterkenntnis zu verhelfen. Am nächsten Morgen muss Max bestürzt feststellen, dass die Welt sich auf das Merkwürdigste verändert hat. Das Gute schlägt zurück! 35 kluge Seiten später segelt die süße, unter ihrer Auftragslast ständig stöhnende Elfe ihrem nächsten Fall entgegen, einem nervös-brillianten Jungregisseur, der unter den an sich selbst gestellten filmischen Ansprüchen förmlich zu ersticken droht. Von Versagensängsten schließlich völlig gelähmt, versiegen Jungfilmer Pauls Breitwand-Ideen - dafür fließt das Bier in rauen Mengen. Für die Filmkunst verloren und kurz vor dem finalen Delirium, erscheint erneut das rettende Lichtmädchen. Mittlerweile präpariert, kann sich der Leser leicht ausmalen, dass auch bei Paul Wunschfilm- und Erfüllung abgrundtief auseinanderklaffen. Ein ausgebrannter Groschenroman-Autor auf der Suche nach dem eigenen Ich und der ultimativen Autobiografie; eine altlinke Mama, die sich von ihrem Punklümmel-Sohn nicht auf das Altenteil schieben lassen möchte - die zugegebenermaßen etwas ausgelutschte "Was-wäre-wenn-Feenkonstellation" hat Jakob Arjouni (Happy birthday, Türke!, Ein Freund) hier zu völlig neuen und ungeahnten Höhen getrieben. In fünf kleinen, aber umso bittereren Wahrheitspillen, nötigt er den Leser, sein Sehnsuchts- und Wunschprogramm tunlichst noch einmal zu überdenken. Wie Arjouni auf grandiose Weise aufzeigt, kann alles auch ganz anders ausgehen. -Ravi Unger
Buch:
Mehr Bier
Autor:
Jakob Arjouni, Ausgabe vom 1. Januar 1989, Taschenbuch, Verkaufsrang 84306