Aus der Amazon.de-Redaktion Kleiner Test: Mathe "gut" oder besser? Dann bitte nur den Schluss dieser Rezension lesen. Alle übrigen: Sie werden weite Teile des Buches nicht verstehen, aber Sie sollten es trotzdem lesen. Wegen der Seiten, die sie verstehen. Und wegen der anderen auch. Denn Sie besuchen zwar regelmäßig Aufführungen Neuer Musik, haben ein Theater-Abo, verbringen viel Zeit mit der "ZEIT". Immer häufiger aber streift Sie die Ahnung, dass die Musik nicht im Konzert spielt, Theater subventioniertes Getue ist und das Feuilleton - eine seiner gerade abgelegten Lieblingsvokabeln - "selbstreferentiell". Freudvollere Freizeitgestaltung täte not! Unser Tipp: Geschichte der Physik. Hier geht es endlich mal um große Dinge, die klitzekleinen Teilchen unserer Welt. Hier spielt die Musik, bei manchen dieser Winzlinge läuft die Zeit nämlich ganz real rückwärts (nicht bloß im Kopf eines Komponisten), bei anderen wieder ist Wirklichkeit mal wirklich doppelbödig (dieser geschundene Begriff der Kritik!). Der Mensch Richard Feynman (in den USA populär, hierzulande bloß Physikern bekannt) bleibt fremd: "Mad Professor", hoher Sexkonsum, später Familienvater; auch seinen Biografen war die Erforschung dieser Durchschnittsfakten nicht viel Mühe wert. Gut so. Aber ein Physiker, der die Regel außer Kraft setzt: Bedeutendes zwischen 20 und 30, Nobelpreis, Prominenz, Banalität. Stattdessen: Auch jenseits der 50 führend beteiligt an sensationellen Entdeckungen. Rezensionsabschnitt für alle: Gebrauchsanweisung. Sie stammt von Feynman höchstselbst. Erdacht einst für die kleine Schwester: "Lies einfach. Wenn Du nicht mehr weiter kommst, fang von vorn an, bis Du erneut stecken bleibst. Fang wieder von vorn an, bis Du mit dem Buch fertig bist." -Michael Winteroll
Buch:
Geschöpfe aus Sternenstaub: Warum wir nicht einzigartig sind
Autor:
John Gribbin, Ausgabe vom 2005, Taschenbuch, Verkaufsrang 470424
Unsere Sonne - ein rätselhafter Stern? - Erkenntnisse und Spekulationen der Astrophysik
Autor:
John Gribbin, Ausgabe vom Okt. 1992, Gebunden, Verkaufsrang 1266597
Buch:
Ragnarök.
Autor:
David G. Compton, John Gribbin, Ausgabe vom 1999, Broschiert, Verkaufsrang 2304433
Aus der Amazon.de-Redaktion Der Titel des in Deutschland neu erschienenen Romans von D.G.Compton und John Gribbin verspricht eine Menge Aktion für seine 556 Seiten, ist doch das Wort in der nordischen Mythologie gleichbedeutend mit dem Tag des Weltuntergangs und der Vernichtung der Erde und ihrer Bewohner. Hält der Roman das Versprechen ein? Kommt darauf an, mit welchen Erwartungen man sich an die Lektüre macht. Erschienen ist das Buch nicht in der Allgemeinen Reihe bei Heyne, sondern als Science Fiction. Nach circa 100 Seiten wird dem Leser klar, dass der Science Fiction-Anteil eher gering ist, es geht im wesentlichen darum, dass ein Wissenschaftler die Welt erpresst, indem er einen nuklearen Sprengsatz in einer geologisch labilen Region zu zünden droht, der einen "nuklearen Winter" hervorrufen würde. Mit so einem Vorhaben könnte auch ein Bösewicht in einem der letzten zwanzig James Bond Filme drohen. Das Motiv diesmal? Er möchte die Supermächte zu einem Ende des Wettrüstens zwingen, idealistisch immerhin. Aber welches Wettrüsten? Sehen die Autoren etwa den Aufstieg einer anderen Supermacht voraus? China vielleicht, oder Europa? Nein, das gute alte Rußland spielt noch seine frühere Rolle. Langsam beschleicht den Leser das Gefühl, dass dieses Buch so brandaktuell gar nicht ist, auch wenn es gerade neu auf den Markt kam. Er blättert nach vorn zu den Buchdaten und siehe da: "1991" steht dort als Ersterscheinungsdatum. Wie schnell sich doch die Zeiten ändern. Was vor einigen Jahren existenziell wichtig war, erscheint heute anachronistisch. Dabei wäre es doch ein Leichtes gewesen, die Autoren zu bitten, dass sie die Motive des erpresserischen Professors ein bisschen aktualisieren. Mit dem richtige Genre etikettiert lässt sich das Buch dann als ordentlicher Thriller mit Schiessereien, Verfolgungsjagden, Geheimdiensten und überraschendem Ende herausbringen. -Martin Seidel & Michael Matzer