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Bücher - Autoren

John Le Carré

 
Marionetten - John le Carré
Buch:Marionetten
Autor:John le Carré, Ausgabe vom 3. Nov. 2008, Gebunden, Verkaufsrang 192722
Aus der Amazon.de-Redaktion
Interview mit John le Carré
Frage: In welcher Beziehung steht Ihr neues Buch zu den bis­he­ri­­gen? Stellt es eine Rückkehr zu Ihrem alten Stil dar, oder sehen Sie darin eine neue Richtung?
Antwort: Darüber muß die Kritik befinden. Und mit dem kritischen Prozeß habe ich ja nichts zu tun. Ich mag dieses Buch jedenfalls sehr. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl. Ich mußte meine Figuren nur anstupsen, schon lief alles so, wie ich wollte. Ich bin die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen, und meine Figuren haben die­­­­se Wut für mich zum Ausdruck gebracht. Ich wollte einen Thriller schreiben, und beim Schreiben hat mich genau die gleiche Angst gepackt, wie sie hoffentlich auch meine Le­­ser packt. Was mich verblüfft hat, war die Öko­nomie des Ganzen. Normalerweise arbeite ich nicht so sauber. Aber diesmal gab es keine falschen Spuren, keine Sackgassen, keine riesigen Mengen von Ausschuß wie sonst so oft. Ich hatte in meine Vergangenheit gegriffen, und der Instinkt oder ein glücklicher Zufall hatten mich genau die Figuren und Hintergründe her­ausziehen lassen, die ich brauch­­te.
Frage: Heißt das, Sie hatten die Figuren bereits fertig im Kopf, bevor Sie überhaupt mit dem Schreiben begonnen haben?
Antwort: Es gibt zwei Figuren in diesem Buch, die sich schon lan­ge vorher in meinem Schriftstellergedächt­nis eingenistet hat­ten und auf ihren Auftritt warteten. Man­che Figuren sind so. Sie reifen in der Flasche, zum Teil über Jahrzehnte. Dieser alte Mann zum Beispiel, den ich einmal in St. John's Wood getroffen habe. Er saß auf einer Bank, die Einkäufe einer ganzen Woche zu seinen Füßen, und weinte. Als ich ihn fragte, warum, sagte er mir, das Geschimpfe sei­ner Frau sei ihm so unerträglich geworden, daß er einfach nicht den Mut zum Heimgehen auf­bringe. Oder der zwölfjährige Junge in dem Kran­kenhaus in Palästina, dem eine Streu­bombe beide Beine wegge­rissen hatte und der alle, die an seinem Bett vorübergingen, mit hochge­recktem Daumen begrüßte. Diese bei­den habe ich bisher noch nir­gends untergebracht. Bei dem alten Mann habe ich es in Gehei­me Me­lodie versucht, aber irgendwie wollte er sich nicht einbauen lassen. Und über den palästinensischen Jungen werde ich wahrschein­lich niemals schreiben können. Er ist für mich nicht einfach eine Romanfigur, er ist ein Symbol nicht zu unterdrückender Tapferkeit.
Dafür konnte ich über einen anderen Jungen schreiben, einen einundzwanzigjährigen Tschetschenen namens Issa, den ich 1992 bei meinen Recherchen zu Unser Spiel in Moskau kennen­gelernt hatte. Er war ein Aussteiger, halb Tschet­sche­ne, halb Russe, und wohnte in einem musli­mischen Getto in den Moskauer Außenbezirken. Im Haus trug er immer eine Pistole im Gürtel. In Moskau mußte man damals (wie heute übrigens auch noch) nur asiatisch aussehen, um verhaftet zu werden - und Issa sah asiatisch aus. Ich war mit ihm nie auf der Straße unterwegs, des­halb weiß ich nicht, ob die Pistole ihn außer Haus beglei­tete. Er war groß und ausgemergelt und gab sich fast aufreizend würde­voll, trotz oder gerade wegen der Tat­sache, daß seine halbrussische Abstammung ihn zum Gespött der echten Tschet­schenen machte.
Für die tschetschenische Sache kämpfte er aus Op­position gegen seinen Vater, einen ehemaligen Oberst der russi­schen Besat­zungs­armee. Seine Mutter war ein Mäd­chen aus den tsche­tschenischen Bergen gewesen, und ihre eigenen Leute hatten sie dafür bestraft, daß sie ver­ge­waltigt worden war: die Dorfältesten sahen es - wodurch auch immer - als erwiesen an, daß sie willfährig gewesen war und kommandierten zur Wieder­herstellung der Familienehre ihre männ­lichen Angehöri­gen dazu ab, sie zu töten, sobald sie ihr Kind zur Welt gebracht hat­te. Als der Vater nach Moskau zu­rück­­beordert wurde, nahm er Issa mit und gab sich alle Mühe, aus ihm einen ordentlichen Rus­­sen­­jungen zu machen. Die besten Schu­len, alles das. Mit dem Erfolg, daß sich Issa, so­bald er dazu in der Lage war, den tschetschenischen Separa­tisten anschloß. Und daß er zum Islam kon­ver­tierte - aus Liebe zu einer Mut­ter, die er nie gekannt hatte. In dem Buch, das ich jetzt plante, hatte ich endlich die ideale Rolle für Issa; ich behielt sogar seinen Vor­namen bei ? das tschetschenische Wort für Jesus. Wobei mein Issa im Roman natürlich nicht mehr der Issa ist, den ich damals in Moskau kannte. Um echte Menschen in Romanfiguren zu verwan­deln, müssen wir unserem begrenzten Einblick in ihr Inneres nachhelfen, indem wir ihnen ein paar Züge von uns selbst verleihen.
Frage: Und die zweite Figur, die schon auf ihren Einsatz ge­warte­t hat, war Ihr quertreiberischer deutscher Agenten­füh­rer, hab ich recht? Herr Bachmann?
Antwort: Nein. Der hat sich auf eigene Faust Zutritt verschafft. Ich kannte eine ganze Reihe von Bachmanns zu meiner Zeit, abgehalfterte, ausgebrannte Geheimdienstleute wie Alec Lea­mas in Der Spion, der aus der Kälte kam. Bach­mann war aus demselben Stall. Nein, die andere Figur, die schon in meinem imaginären Wartesaal saß, war Tommy Brue, der sechzigjährige Schotte und Erbe einer angeschlagenen Privatbank, der un­versehens in Issas Leben hineingezogen wird. Wie Issa hatte auch Brue einen höchst problematischen Va­ter. Der von Brue hat vor ihm die Bank gelei­tet, in Wien. Alle haben Väter in diesem Buch. Alle tragen die ganz persönlichen Kämpfe aus, die ihre Geburt und ihre Lebens­umstände ihnen mit auf den Weg geben. Das ist wahr­schein­lich meine Art, meine eige­ne schwie­rige Vaterbe­ziehung aufzuarbeiten, über die ich in Ein blendender Spion geschrie­ben habe. Ich habe selber eine Zeit­lang in Wien ge­lebt. Und es ist zwar schon vierzig Jahre her, aber mir ist leb­haft der trinkfreudige schottische Bankier im Ge­dächt­nis, der mich damals immer wieder bestürmt hat, doch ein Num­mern­konto bei ihm zu eröffnen - keine Namen, kei­ne For­malitäten. Es war nicht mein Geld, hinter dem er her war. Es ging ihm um die Ka­me­rad­schaft. Er war ein einsamer Exil­engländer mit einer zerbröckelnden Ehe, und Geld war nur ein Vorwand für ihn, sich an Leute an­zu­nähern, die er mochte. Ich hat­te allen Ern­stes ein schlech­tes Gewissen, daß ich kein Num­mernkonto bei ihm aufmachte, aber dieses eine Mal siegte die Vernunft, und als ich aus Wien wegging, war er denn auch in ei­nen unschönen Skandal verwickelt. Einen Skandal übrigens, an dem sein Vater die Schuld trug!
Frage: Das waren also die beiden Figuren, die es schon gab, als Sie mit der Geschichte begonnen haben?
Antwort: Es gab auch noch eine dritte Figur. Eine extrem wichtige sogar: die Stadt Hamburg. Es hat mich beim Schreiben ja immer wieder nach Deutschland zurückgezogen, so wie es auch George Smiley im­mer wieder zurückgezogen hat: nach Deutschland, dem Motor Europas, Deutschland mit seinem aggressiven Alleingang im zwanzigsten Jahrhundert, Deutschland, der Wiege eines so großen Teils unserer europäischen Kultur. Aber diesmal mußte es Hamburg sein, Hamburg oder gar nichts. Und in vieler Hin­sicht stellt es die exotischste Figur im gan­zen Buch dar. Das heutige Hamburg ist eine vitale, quirlige, schöne, selbst­bewußte Stadt: kein kulturelles Juwel, aber dafür die reichste Stadt in Europa. Aber Hamburg blickt auf eine turbulen­te Geschichte zurück: erst Besetzung durch Napoleon, 1918 dann Machtübernahme durch die Kommunisten und 1933 durch die Nazis. 1933 lebten zwanzigtau­send Juden in Ham­burg, 1945 waren es keine tausend mehr. Die Bombardierung Hamburgs durch die Alliierten 1943 kostete in einer einzigen Woche mehr Menschen das Leben als der ganze Blitz­krieg gegen England oder die Atombombe auf Nagasaki: fünfundvierzig­tausend. Um so mehr grenzt der Wiederaufbau Hamburgs nach dem Krieg an ein Wunder. Toleranz und Libera­lismus, so lautete Hamburgs neue Parole. Was einer der Gründe sein mag, warum die Stadt unwissentlich den Nährboden für Ulrike Meinhoff und die Baa­der-Meinhoff-Bande abgab ? und Jahre später für Mo­hammed Atta und ein halbes Dutzend der Flugzeug­entführer vom 11. September und ihrer Mit­verschwörer.
Ich hatte noch ein anderes Motiv für meine Wahl, ein ganz persönliches. Ich war ein heimkehrender Sohn. Anfang der sechziger Jahre war ich britischer Konsul in dem mitt­ler­weile geschlossenen Hamburger Generalkonsulat gewesen. Die Bri­tische Botschaft in Bonn hatte mich in einer Eilaktion dort hinver­frachtet, nachdem ich als der Autor von Der Spion, der aus der Kälte kam enttarnt worden war. Meine Arbeitgeber hatten nichts gegen das Buch an sich, aber sie hatten nicht mit dem Aufsehen gerechnet, das meine Autorschaft erregte. Hamburg schien ihnen da angenehm weit ab vom Schuß. Da saß ich also, unschlüssig, ob ich meine Geheim­dienstkarriere weiterver­folgen oder mich ganz aufs Schreiben verlegen sollte. Als ich mich dann für die Schriftstel­lerei entschied, verließ ich Hamburg fast heimlich. Ich erinnere mich an keinerlei Ab­schie­de. Es war ein bißchen, als hätte ich eine Liebes­affäre mit der Stadt begonnen und wäre dann über Nacht abgereist, ohne meine Telefonnummer zu hinterlassen. Was wiederum ein starkes Bedürfnis in mir auslöste, die Beziehung da wieder­aufzunehmen, wo ich sie so rüde abgebro­chen hatte.
Frage: Nach vierzig Jahren?
Antwort: Ein paarmal war ich auch zwischendurch dort gewesen, aber nie lange genug. Es ist sicher Zufall, daß ich den 11. September 2001 in Hamburg erlebte, aber rückblickend fühlt es sich nicht so an. Ich recherchierte damals für ein ganz anderes Buch - Absolute Freunde, auch ein Roman über Deutsch­land -, und ich hatte mir den Vormittag über in einem Fern­seharchiv Filmaufzeichnungen aus den sechziger und siebziger Jahren angese­hen, in denen [[der anarchistische Studenten­führer]] Rudi Dutschke seine Anhänger gegen Ame­ri­ka auf­peitschte. Als ich danach ins Hotel zu­rück­kam, erwartete mich eine Nachricht mei­ner Sekretärin in Cornwall: "Gehen Sie so­fort zum nächsten Fern­seher." Ich gehorchte und kam gerade rechtzeitig, um das zweite Flugzeug in die Zwillings­türme kra­chen zu se­hen. Den Morgen hatte ich mit Rudi Dutschke ver­bracht, den Nachmittag verbrachte ich nun mit Osama bin Laden, beides erklärte Feinde des amerikanischen Kolonialismus, der Glo­balisierung und all dessen, was wir Fortschritt nennen. Ich blieb noch etwa eine Woche in Deutschland und hörte mir die Reaktionen von Freunden an. Nach außen hin hätte das Mit­gefühl für die Vereinigten Staaten kaum größer sein können: Kerzen auf ame­r­ikanischen Türschwellen, eine herzergreifende Beileidsbekun­dung auf einem Transparent am Brandenbur­ger Tor, und und und. In­­­offiziell fielen die Kommentare oft harscher aus. Ein sechzigjähriger evangelischer Pfarrer meinte zu mir, es geschehe den Amerikanern ganz recht. Für sei­ne Generation zumindest war Rudi Dutsch­kes Botschaft noch nicht gänz­lich verhallt.
Frage: Und Annabel, Ihre deutsche Bürgerrechtsanwältin, die Issa vertritt - wo kam die her?
Antwort: Eigentlich hätte ich die Rolle ja gern mit einer Frau aus der ehemaligen DDR besetzt, als eine Art Gegengewicht zu Ham­burgs überbordendem Materialismus, aber das traute ich mir denn doch nicht zu. Also habe ich mich statt dessen für eine Ideali­stin aus einer wohlhabenden Aka­de­mi­kerfamilie ent­schie­den, eine Menschenrechtsanwältin, und zwar eine mit einem gehörigen Funken Rebellentum. Puritanisch, aber freidenke­risch, ge­gen das Establishment, aber dennoch Teil davon, und fast schon übertrieben korrekt, besonders im Umgang mit Issa. Und attrak­tiv. Schließlich gehört ja auch eine Portion se­­xueller Spannung zu einer Beziehung zwischen ei­nem Muslim von Anfang zwanzig, der jahrelang ohne weibliche Gesellschaft auskommen mußte, und einer engagierten jungen Frau, die sich von seiner Not anrühren läßt. Der Issa, den Annabel kennen­lernt, war im Ge­fäng­nis und ist gefoltert wor­den. Die Folter ist ei­ne ent­setz­liche Art von Ritterschlag. Wir nicht Gefol­terten können mit den Gefolterten niemals gleichziehen, gottlob. Wir haben ein schlechtes Ge­wissen ihnen gegenüber, wir wollen sie beschützen, wir glauben, ihnen alles schuldig zu sein. Daraus speisen sich Annabels Gefühle. Fügen Sie der Mi­schung noch meinen Bankier Brue hinzu, und der Reigen ent­täuschter Liebe ist komplett. Ich fand, die Che­­­mie stimmt. Wie ich Ihnen schon zu Anfang gesagt habe, ich mag dieses Buch.
Frage: Wie wird es von den Kritikern aufgenommen werden, meinen Sie?
Antwort: So wie meine Bücher immer aufgenommen werden. In mei­nem Alter hat man seine Fans und seine Feinde, und sie än­dern sich nicht groß. Diejenigen, die mich für überschätzt halten, werden das kundtun. Diejenigen, die mich für unter­schätzt halten, werden es ebenfalls kundtun. Und in ein paar Jahren wird sich sowieso keiner mehr erinnern, wie das Buch auf­ge­nommen worden ist. Jeder halbwegs seriöse Schriftstel­ler hat es im Gefühl, wann er sein bestes gegeben hat und wann er hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Eine breite Leser­schaft zu haben ist ein Privileg, und ich habe in dieser Hin­sicht sehr viel Glück gehabt. Ich halte die­­ses Buch für eins meiner besten, und das macht mich sehr froh. Noch froher wür­de es mich natürlich machen, wenn meine Leser derselben Mei­nung wären.
Frage: Sie sagten, Sie wären die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen. Wut worüber?
Antwort: Zum Teil darüber, daß um mich herum so wenig Wut zu spüren ist über das, was mit unserer Gesellschaft passiert, angeblich auch noch zu unserem eigenen besten. Wir sind unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in einen Krieg getrieben worden, wir werden in einer Atmosphäre der Panik unserer Frei­heitsrechte beraubt. Unsere Anwälte gehen nicht auf die Straße, wie es die Anwälte in Pakistan getan haben. Unsere Abgeordneten fallen auf ihre eigenen Meinungsmacher herein und glau­ben am Schluß die Propaganda, die sie selbst verbrei­ten. Unser Außen­minister muß eine Nahostmission abbrechen, damit die zweiundvierzigtätige Untersuchungshaft für Ter­roris­mu­sverdächtige durchgedrückt werden kann. Manche nennen mich einen zornigen alten Mann. Von mir aus. Man muß nicht alt sein, um sich über so etwas auf­zure­gen. Wir haben unsere Souveränität unserer "be­sonderen Beziehung" zu Amerika ge­opfert, an der keiner etwas Besonderes findet außer wir selbst, darum wollte ich der Frage nachgehen, in­wie­weit Deutsch­­land unsere Fehler nachzuahmen gedenkt.
Aber das ist alles heiße Luft, wenn nicht die Geschichte und die Figuren den Ball nehmen und damit loslaufen - und das machen sie in diesem Buch. Und deswegen mag ich es so.

Der Spion, der aus der Kälte kam - John le Carré
Buch:Der Spion, der aus der Kälte kam
Autor:John le Carré, Ausgabe vom 1. Sept. 2003, Taschenbuch, Verkaufsrang 234883

Die Libelle. -
Buch:Die Libelle.
 Taschenbuch, Verkaufsrang 308238
Product Description
Die Libelle.

Geheime Melodie - John le Carré
Buch:Geheime Melodie
Autor:John le Carré, Ausgabe vom Okt. 2007, Taschenbuch, Verkaufsrang 207146
Preis: 9,95 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Geheime Melodie
Bruno Salvador (Salvo), einem brillanten und gefragten Dolmetscher, werden für einen zweitägigen Einsatz stolze 5.000 Pfund angeboten. Das Ziel des Einsatzes ist unbekannt, ebenso die Namen der Teilnehmer, für die Salvador auf einer internationalen Konferenz übersetzen muss. Ein spannendes Spiel mit unbekanntem Ausgang beginnt ....
Salvo ist Sohn einer Afrikanerin und eines weißen Missionars. Als solcher hat er viele Sprachen und Dialekte perfekt beherrschen gelernt, doch in den besseren Kreisen auf der Insel stößt er oft auf Ablehnung. In ironisch gebrochener Ich-Erzählung beschreibt er die Erlebnisse bei der Konferenz auf einer Insel mitten in Europa. Dabei geht es um die Aufteilung der von Kriegen, Korruption und Stammesfehden geplagten Republik Kongo. Verhandlungsmasse sind Öl, Diamanten und andere Bodenschätze. Die internationalen Akteure schachern um Macht und Geld, und sie pflegen ihre Eitelkeiten. Salvo ist entsetzt ob der skrupellosen Kungelei und zugleich in einem persönlichen Konflikt: Seine Noch-Ehefrau, eine überdrehte Londoner Journalistin, nervt ihn mit ihren Eskapaden; die neu errungene Freundin ist - natürlich - Afrikanerin, jung, attraktiv und der afrikanischen Heimat verbunden.
Altmeister John Le Carré beherrscht sein Handwerk noch immer: eine intelligente Story, einprägsame Figuren, Spannung, Witz und eine ausgeprägte Distanz zu den gesellschaftlichen Verhältnissen, die er beschreibt. Gekonnt zeichnet der Autor ein ungeschöntes Bild einer fiktiven Welt, die der Wirklichkeit erschreckend nahe kommt. Nicht zuletzt dank eines immensen Rechercheaufwands gelingen ihm einprägsame Bilder von Politik und Gesellschaft, Land und Leuten, Sprachen, Sitten und Charakteren. Über 400 Seiten vermag er den Spannungsbogen zu halten. Und auf den Schluss darf der Leser besonders gespannt sein! -Hans Jürgensen, Literaturtest

Marionetten - John Le Carré
Hörbuch:Marionetten
Autor:John Le Carré, Ausgabe vom Nov. 2008, Audio CD, Verkaufsrang 634554
Aus der Amazon.de-Redaktion
Interview mit John le Carré
Frage: In welcher Beziehung steht Ihr neues Buch zu den bis­he­ri­­gen? Stellt es eine Rückkehr zu Ihrem alten Stil dar, oder sehen Sie darin eine neue Richtung?
Antwort: Darüber muß die Kritik befinden. Und mit dem kritischen Prozeß habe ich ja nichts zu tun. Ich mag dieses Buch jedenfalls sehr. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl. Ich mußte meine Figuren nur anstupsen, schon lief alles so, wie ich wollte. Ich bin die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen, und meine Figuren haben die­­­­se Wut für mich zum Ausdruck gebracht. Ich wollte einen Thriller schreiben, und beim Schreiben hat mich genau die gleiche Angst gepackt, wie sie hoffentlich auch meine Le­­ser packt. Was mich verblüfft hat, war die Öko­nomie des Ganzen. Normalerweise arbeite ich nicht so sauber. Aber diesmal gab es keine falschen Spuren, keine Sackgassen, keine riesigen Mengen von Ausschuß wie sonst so oft. Ich hatte in meine Vergangenheit gegriffen, und der Instinkt oder ein glücklicher Zufall hatten mich genau die Figuren und Hintergründe her­ausziehen lassen, die ich brauch­­te.
Frage: Heißt das, Sie hatten die Figuren bereits fertig im Kopf, bevor Sie überhaupt mit dem Schreiben begonnen haben?
Antwort: Es gibt zwei Figuren in diesem Buch, die sich schon lan­ge vorher in meinem Schriftstellergedächt­nis eingenistet hat­ten und auf ihren Auftritt warteten. Man­che Figuren sind so. Sie reifen in der Flasche, zum Teil über Jahrzehnte. Dieser alte Mann zum Beispiel, den ich einmal in St. John's Wood getroffen habe. Er saß auf einer Bank, die Einkäufe einer ganzen Woche zu seinen Füßen, und weinte. Als ich ihn fragte, warum, sagte er mir, das Geschimpfe sei­ner Frau sei ihm so unerträglich geworden, daß er einfach nicht den Mut zum Heimgehen auf­bringe. Oder der zwölfjährige Junge in dem Kran­kenhaus in Palästina, dem eine Streu­bombe beide Beine wegge­rissen hatte und der alle, die an seinem Bett vorübergingen, mit hochge­recktem Daumen begrüßte. Diese bei­den habe ich bisher noch nir­gends untergebracht. Bei dem alten Mann habe ich es in Gehei­me Me­lodie versucht, aber irgendwie wollte er sich nicht einbauen lassen. Und über den palästinensischen Jungen werde ich wahrschein­lich niemals schreiben können. Er ist für mich nicht einfach eine Romanfigur, er ist ein Symbol nicht zu unterdrückender Tapferkeit.
Dafür konnte ich über einen anderen Jungen schreiben, einen einundzwanzigjährigen Tschetschenen namens Issa, den ich 1992 bei meinen Recherchen zu Unser Spiel in Moskau kennen­gelernt hatte. Er war ein Aussteiger, halb Tschet­sche­ne, halb Russe, und wohnte in einem musli­mischen Getto in den Moskauer Außenbezirken. Im Haus trug er immer eine Pistole im Gürtel. In Moskau mußte man damals (wie heute übrigens auch noch) nur asiatisch aussehen, um verhaftet zu werden - und Issa sah asiatisch aus. Ich war mit ihm nie auf der Straße unterwegs, des­halb weiß ich nicht, ob die Pistole ihn außer Haus beglei­tete. Er war groß und ausgemergelt und gab sich fast aufreizend würde­voll, trotz oder gerade wegen der Tat­sache, daß seine halbrussische Abstammung ihn zum Gespött der echten Tschet­schenen machte.
Für die tschetschenische Sache kämpfte er aus Op­position gegen seinen Vater, einen ehemaligen Oberst der russi­schen Besat­zungs­armee. Seine Mutter war ein Mäd­chen aus den tsche­tschenischen Bergen gewesen, und ihre eigenen Leute hatten sie dafür bestraft, daß sie ver­ge­waltigt worden war: die Dorfältesten sahen es - wodurch auch immer - als erwiesen an, daß sie willfährig gewesen war und kommandierten zur Wieder­herstellung der Familienehre ihre männ­lichen Angehöri­gen dazu ab, sie zu töten, sobald sie ihr Kind zur Welt gebracht hat­te. Als der Vater nach Moskau zu­rück­­beordert wurde, nahm er Issa mit und gab sich alle Mühe, aus ihm einen ordentlichen Rus­­sen­­jungen zu machen. Die besten Schu­len, alles das. Mit dem Erfolg, daß sich Issa, so­bald er dazu in der Lage war, den tschetschenischen Separa­tisten anschloß. Und daß er zum Islam kon­ver­tierte - aus Liebe zu einer Mut­ter, die er nie gekannt hatte. In dem Buch, das ich jetzt plante, hatte ich endlich die ideale Rolle für Issa; ich behielt sogar seinen Vor­namen bei ? das tschetschenische Wort für Jesus. Wobei mein Issa im Roman natürlich nicht mehr der Issa ist, den ich damals in Moskau kannte. Um echte Menschen in Romanfiguren zu verwan­deln, müssen wir unserem begrenzten Einblick in ihr Inneres nachhelfen, indem wir ihnen ein paar Züge von uns selbst verleihen.
Frage: Und die zweite Figur, die schon auf ihren Einsatz ge­warte­t hat, war Ihr quertreiberischer deutscher Agenten­füh­rer, hab ich recht? Herr Bachmann?
Antwort: Nein. Der hat sich auf eigene Faust Zutritt verschafft. Ich kannte eine ganze Reihe von Bachmanns zu meiner Zeit, abgehalfterte, ausgebrannte Geheimdienstleute wie Alec Lea­mas in Der Spion, der aus der Kälte kam. Bach­mann war aus demselben Stall. Nein, die andere Figur, die schon in meinem imaginären Wartesaal saß, war Tommy Brue, der sechzigjährige Schotte und Erbe einer angeschlagenen Privatbank, der un­versehens in Issas Leben hineingezogen wird. Wie Issa hatte auch Brue einen höchst problematischen Va­ter. Der von Brue hat vor ihm die Bank gelei­tet, in Wien. Alle haben Väter in diesem Buch. Alle tragen die ganz persönlichen Kämpfe aus, die ihre Geburt und ihre Lebens­umstände ihnen mit auf den Weg geben. Das ist wahr­schein­lich meine Art, meine eige­ne schwie­rige Vaterbe­ziehung aufzuarbeiten, über die ich in Ein blendender Spion geschrie­ben habe. Ich habe selber eine Zeit­lang in Wien ge­lebt. Und es ist zwar schon vierzig Jahre her, aber mir ist leb­haft der trinkfreudige schottische Bankier im Ge­dächt­nis, der mich damals immer wieder bestürmt hat, doch ein Num­mern­konto bei ihm zu eröffnen - keine Namen, kei­ne For­malitäten. Es war nicht mein Geld, hinter dem er her war. Es ging ihm um die Ka­me­rad­schaft. Er war ein einsamer Exil­engländer mit einer zerbröckelnden Ehe, und Geld war nur ein Vorwand für ihn, sich an Leute an­zu­nähern, die er mochte. Ich hat­te allen Ern­stes ein schlech­tes Gewissen, daß ich kein Num­mernkonto bei ihm aufmachte, aber dieses eine Mal siegte die Vernunft, und als ich aus Wien wegging, war er denn auch in ei­nen unschönen Skandal verwickelt. Einen Skandal übrigens, an dem sein Vater die Schuld trug!
Frage: Das waren also die beiden Figuren, die es schon gab, als Sie mit der Geschichte begonnen haben?
Antwort: Es gab auch noch eine dritte Figur. Eine extrem wichtige sogar: die Stadt Hamburg. Es hat mich beim Schreiben ja immer wieder nach Deutschland zurückgezogen, so wie es auch George Smiley im­mer wieder zurückgezogen hat: nach Deutschland, dem Motor Europas, Deutschland mit seinem aggressiven Alleingang im zwanzigsten Jahrhundert, Deutschland, der Wiege eines so großen Teils unserer europäischen Kultur. Aber diesmal mußte es Hamburg sein, Hamburg oder gar nichts. Und in vieler Hin­sicht stellt es die exotischste Figur im gan­zen Buch dar. Das heutige Hamburg ist eine vitale, quirlige, schöne, selbst­bewußte Stadt: kein kulturelles Juwel, aber dafür die reichste Stadt in Europa. Aber Hamburg blickt auf eine turbulen­te Geschichte zurück: erst Besetzung durch Napoleon, 1918 dann Machtübernahme durch die Kommunisten und 1933 durch die Nazis. 1933 lebten zwanzigtau­send Juden in Ham­burg, 1945 waren es keine tausend mehr. Die Bombardierung Hamburgs durch die Alliierten 1943 kostete in einer einzigen Woche mehr Menschen das Leben als der ganze Blitz­krieg gegen England oder die Atombombe auf Nagasaki: fünfundvierzig­tausend. Um so mehr grenzt der Wiederaufbau Hamburgs nach dem Krieg an ein Wunder. Toleranz und Libera­lismus, so lautete Hamburgs neue Parole. Was einer der Gründe sein mag, warum die Stadt unwissentlich den Nährboden für Ulrike Meinhoff und die Baa­der-Meinhoff-Bande abgab ? und Jahre später für Mo­hammed Atta und ein halbes Dutzend der Flugzeug­entführer vom 11. September und ihrer Mit­verschwörer.
Ich hatte noch ein anderes Motiv für meine Wahl, ein ganz persönliches. Ich war ein heimkehrender Sohn. Anfang der sechziger Jahre war ich britischer Konsul in dem mitt­ler­weile geschlossenen Hamburger Generalkonsulat gewesen. Die Bri­tische Botschaft in Bonn hatte mich in einer Eilaktion dort hinver­frachtet, nachdem ich als der Autor von Der Spion, der aus der Kälte kam enttarnt worden war. Meine Arbeitgeber hatten nichts gegen das Buch an sich, aber sie hatten nicht mit dem Aufsehen gerechnet, das meine Autorschaft erregte. Hamburg schien ihnen da angenehm weit ab vom Schuß. Da saß ich also, unschlüssig, ob ich meine Geheim­dienstkarriere weiterver­folgen oder mich ganz aufs Schreiben verlegen sollte. Als ich mich dann für die Schriftstel­lerei entschied, verließ ich Hamburg fast heimlich. Ich erinnere mich an keinerlei Ab­schie­de. Es war ein bißchen, als hätte ich eine Liebes­affäre mit der Stadt begonnen und wäre dann über Nacht abgereist, ohne meine Telefonnummer zu hinterlassen. Was wiederum ein starkes Bedürfnis in mir auslöste, die Beziehung da wieder­aufzunehmen, wo ich sie so rüde abgebro­chen hatte.
Frage: Nach vierzig Jahren?
Antwort: Ein paarmal war ich auch zwischendurch dort gewesen, aber nie lange genug. Es ist sicher Zufall, daß ich den 11. September 2001 in Hamburg erlebte, aber rückblickend fühlt es sich nicht so an. Ich recherchierte damals für ein ganz anderes Buch - Absolute Freunde, auch ein Roman über Deutsch­land -, und ich hatte mir den Vormittag über in einem Fern­seharchiv Filmaufzeichnungen aus den sechziger und siebziger Jahren angese­hen, in denen [[der anarchistische Studenten­führer]] Rudi Dutschke seine Anhänger gegen Ame­ri­ka auf­peitschte. Als ich danach ins Hotel zu­rück­kam, erwartete mich eine Nachricht mei­ner Sekretärin in Cornwall: "Gehen Sie so­fort zum nächsten Fern­seher." Ich gehorchte und kam gerade rechtzeitig, um das zweite Flugzeug in die Zwillings­türme kra­chen zu se­hen. Den Morgen hatte ich mit Rudi Dutschke ver­bracht, den Nachmittag verbrachte ich nun mit Osama bin Laden, beides erklärte Feinde des amerikanischen Kolonialismus, der Glo­balisierung und all dessen, was wir Fortschritt nennen. Ich blieb noch etwa eine Woche in Deutschland und hörte mir die Reaktionen von Freunden an. Nach außen hin hätte das Mit­gefühl für die Vereinigten Staaten kaum größer sein können: Kerzen auf ame­r­ikanischen Türschwellen, eine herzergreifende Beileidsbekun­dung auf einem Transparent am Brandenbur­ger Tor, und und und. In­­­offiziell fielen die Kommentare oft harscher aus. Ein sechzigjähriger evangelischer Pfarrer meinte zu mir, es geschehe den Amerikanern ganz recht. Für sei­ne Generation zumindest war Rudi Dutsch­kes Botschaft noch nicht gänz­lich verhallt.
Frage: Und Annabel, Ihre deutsche Bürgerrechtsanwältin, die Issa vertritt - wo kam die her?
Antwort: Eigentlich hätte ich die Rolle ja gern mit einer Frau aus der ehemaligen DDR besetzt, als eine Art Gegengewicht zu Ham­burgs überbordendem Materialismus, aber das traute ich mir denn doch nicht zu. Also habe ich mich statt dessen für eine Ideali­stin aus einer wohlhabenden Aka­de­mi­kerfamilie ent­schie­den, eine Menschenrechtsanwältin, und zwar eine mit einem gehörigen Funken Rebellentum. Puritanisch, aber freidenke­risch, ge­gen das Establishment, aber dennoch Teil davon, und fast schon übertrieben korrekt, besonders im Umgang mit Issa. Und attrak­tiv. Schließlich gehört ja auch eine Portion se­­xueller Spannung zu einer Beziehung zwischen ei­nem Muslim von Anfang zwanzig, der jahrelang ohne weibliche Gesellschaft auskommen mußte, und einer engagierten jungen Frau, die sich von seiner Not anrühren läßt. Der Issa, den Annabel kennen­lernt, war im Ge­fäng­nis und ist gefoltert wor­den. Die Folter ist ei­ne ent­setz­liche Art von Ritterschlag. Wir nicht Gefol­terten können mit den Gefolterten niemals gleichziehen, gottlob. Wir haben ein schlechtes Ge­wissen ihnen gegenüber, wir wollen sie beschützen, wir glauben, ihnen alles schuldig zu sein. Daraus speisen sich Annabels Gefühle. Fügen Sie der Mi­schung noch meinen Bankier Brue hinzu, und der Reigen ent­täuschter Liebe ist komplett. Ich fand, die Che­­­mie stimmt. Wie ich Ihnen schon zu Anfang gesagt habe, ich mag dieses Buch.
Frage: Wie wird es von den Kritikern aufgenommen werden, meinen Sie?
Antwort: So wie meine Bücher immer aufgenommen werden. In mei­nem Alter hat man seine Fans und seine Feinde, und sie än­dern sich nicht groß. Diejenigen, die mich für überschätzt halten, werden das kundtun. Diejenigen, die mich für unter­schätzt halten, werden es ebenfalls kundtun. Und in ein paar Jahren wird sich sowieso keiner mehr erinnern, wie das Buch auf­ge­nommen worden ist. Jeder halbwegs seriöse Schriftstel­ler hat es im Gefühl, wann er sein bestes gegeben hat und wann er hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Eine breite Leser­schaft zu haben ist ein Privileg, und ich habe in dieser Hin­sicht sehr viel Glück gehabt. Ich halte die­­ses Buch für eins meiner besten, und das macht mich sehr froh. Noch froher wür­de es mich natürlich machen, wenn meine Leser derselben Mei­nung wären.
Frage: Sie sagten, Sie wären die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen. Wut worüber?
Antwort: Zum Teil darüber, daß um mich herum so wenig Wut zu spüren ist über das, was mit unserer Gesellschaft passiert, angeblich auch noch zu unserem eigenen besten. Wir sind unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in einen Krieg getrieben worden, wir werden in einer Atmosphäre der Panik unserer Frei­heitsrechte beraubt. Unsere Anwälte gehen nicht auf die Straße, wie es die Anwälte in Pakistan getan haben. Unsere Abgeordneten fallen auf ihre eigenen Meinungsmacher herein und glau­ben am Schluß die Propaganda, die sie selbst verbrei­ten. Unser Außen­minister muß eine Nahostmission abbrechen, damit die zweiundvierzigtätige Untersuchungshaft für Ter­roris­mu­sverdächtige durchgedrückt werden kann. Manche nennen mich einen zornigen alten Mann. Von mir aus. Man muß nicht alt sein, um sich über so etwas auf­zure­gen. Wir haben unsere Souveränität unserer "be­sonderen Beziehung" zu Amerika ge­opfert, an der keiner etwas Besonderes findet außer wir selbst, darum wollte ich der Frage nachgehen, in­wie­weit Deutsch­­land unsere Fehler nachzuahmen gedenkt.
Aber das ist alles heiße Luft, wenn nicht die Geschichte und die Figuren den Ball nehmen und damit loslaufen - und das machen sie in diesem Buch. Und deswegen mag ich es so.

Der ewige Gärtner - John le Carré, John le Carre
Buch:Der ewige Gärtner
Autor:John le Carré, John le Carre, Ausgabe vom 1. Sept. 2002, Taschenbuch, Verkaufsrang 161099
Preis: 9,95 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
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Der ewige Gärtner.
Es gab Leute, die befürchteten, dass das Ende des Kalten Krieges für die Kreativität vieler erstklassiger Krimi-Autoren, die sich auf dieses Gebiet spezialisiert hatten, den Garaus bedeuten würde. Im Falle von John le Carré hätte das nicht nur den Verlust Englands besten Krimiautors bedeutet, sondern zugleich eines ernsthaften Romanschriftstellers, der genauso viel literarische Gravität besitzt wie irgendeiner seiner Kollegen im literarischen Mainstream. Sein preisgekrönter Roman Der Spion, der aus der Kälte kam ist ohne Frage heute genauso bezwingend wie bei seiner Erstauflage 1963. Wie es schien, inspirierten ihn seine Themen aus der Zeit nach dem Kalten Krieg - wie beispielsweise betrügerische Doppelgeschäfte mit beiden Seiten der ehemaligen Konfliktparteien - allerdings weit weniger als die Welt der wechselnden Identitäten, mit der er sich früher in so meisterlicher Weise befasst hatte.
Mit Der ewige Gärtner zieht der Autor jedoch wieder alle Register. Die Personenbeschreibungen sind so elegant und ausdrucksstark und der Stil so klar und eindringlich wie ehedem. Aber vor allem hat le Carré für seinen neuen Roman ein Thema gefunden, das genauso bedeutungsgeladen ist wie die, mit denen er sich in der Vergangenheit befasst hat: die üble, nur scheinbar Heil bringende Welt der globalen Pharmaindustrie. Le Carré erforscht die alten Themen von Betrug und Gefahr in einem Erzählstil, der den Leser über die gesamte beachtliche Länge des Romans hinweg völlig packt.
Sein Protagonist, Justin Quayle, ist ein unbedachter britischer Diplomat, dessen Arbeit beim britischen Hochkommissariat in Nairobi an einen von Graham Greenes entwurzelten Helden erinnert, die sich darum bemühen, im schwülen Verfall fremder Gefilde zu überleben. Kenia unter Präsident Arap Moi befindet sich im Würgegriff von AIDS, während politische Machenschaften die Gefahr vertuschen und für einen tödlichen Status quo sorgen. Als Quayles Ehefrau (die sich weit mehr als er dafür interessiert hat, was um sie herum geschieht) getötet wird, macht er sich daran, den Umständen des Verbrechens nachzugehen. Seine Nachforschungen führen ihn in ein düsteres Geflecht aus Ausbeutung, Habgier und einen großen Pharmakonzern, der darauf erpicht ist, sein "Wundermittel" gegen Tuberkulose auf den Markt zu bringen. Als sich Quayle näher mit der Firma befasst, über die seine Frau Nachforschungen angestellt hatte, beginnt all das, woran er bisher geglaubt hatte, ins Wanken zu geraten.
Der stete Spannungsaufbau und die rigorosen Charakterbeschreibungen sind klassischer le Carré, und der Leser stellt beglückt fest, dass der Meister wieder in Form ist und durch das Doppelspiel der heutigen Welt mit einer echten Wut beseelt ist. -Barry Forshaw

Ein guter Soldat - John le Carré
Buch:Ein guter Soldat
Autor:John le Carré, Ausgabe vom 1. Okt. 2003, Taschenbuch, Verkaufsrang 33651
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Ein guter Soldat.

Agent in eigener Sache - Roman - John le Carré
Buch:Agent in eigener Sache - Roman
Autor:John le Carré, Ausgabe vom 1. Mai 2002, Taschenbuch, Verkaufsrang 34989
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Agent in eigener Sache.

Eine kleine Stadt in Deutschland: Roman - John le Carré
Buch:Eine kleine Stadt in Deutschland: Roman
Autor:John le Carré, Ausgabe vom 12. April 2005, Taschenbuch, Verkaufsrang 198979
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Eine kleine Stadt in Deutschland

Absolute Freunde: Roman - John le Carré
Buch:Absolute Freunde: Roman
Autor:John le Carré, Ausgabe vom 1. Febr. 2004, Gebunden, Verkaufsrang 435037
Aus der Amazon.de-Redaktion
Ein Meisterwerk! John le Carrés famoser Thriller Absolute Freunde erzählt die Geschichte des Doppelspions Ted Mundy und einer ungewöhnlichen Freundschaft, zweifellos der Höhepunkt im bisherigen literarischen Schaffen eines der großen Autoren unserer Zeit.
Ted Mundy, kauziger englischer Fremdenführer des bayerischen Schlosses Linderhof, fühlt sich mitten in seiner Performance jäh von der eigenen Vergangenheit eingeholt. Unter den Zuhörern erkennt er seinen alten Freund Sascha, den er seit fast zehn Jahren nicht mehr zu Gesicht bekommen hatte. Mundy, als Sohn eines britischen Majors in Indien aufgewachsen, war dem begnadeten linken Agitator Sascha als Germanistikstudent während der Studentenunruhen Ende der 1960er-Jahre in Berlin erstmals über den Weg gelaufen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hatte sich zwischen den beiden jungen Männern eine tiefe Freundschaft entwickelt.
Ihr Verhältnis wird schicksalhaft, als der gescheiterte Lehrer, Schriftsteller und Journalist Mundy seinem Freund als Angestellter des British Council in der DDR erneut begegnet. Sascha, desillusioniert vom realen Sozialismus und seines menschenverachtenden Dogmatismus, überredet den Freund zum Schmuggel wichtiger Dokumente in den Westen. Dort wird Mundy vom britischen Geheimdienst zur Mitarbeit als Doppelspion angeworben, einer Profession, die zu seiner eigentlichen Bestimmung wird. Was mag Sascha nach Jahren der Trennung nun zur erneuten Kontaktaufnahme bewogen haben? Welche einschneidenden Konsequenzen für beider Leben wird ihr Wiedersehen diesmal haben?
Der unbestrittene zeitgenössische Meister des politischen Thrillers demonstriert noch einmal eindrucksvoll seinen schneidenden Zynismus, seine glänzende Dramaturgie, seine schier unbegrenzten Fähigkeiten im Spiel mit dem Leser in diesem Roman zweier Betrogener, die ihre Bestimmung in der Doppelexistenz finden und nur im Umgang miteinander kurz zu sich selbst kommen können. Noch einmal ruft le Carré seine Themen in Erinnerung, den Kalten Krieg, die abgefeimten Methoden der Anwerber, der Agent als betrogener Betrüger und Schmierenkomödiant, die verzweifelte Suche nach moralischer Rechtfertigung des eigenen Tuns. Mit diesem Opus magnum hat sich John le Carré selbst bereits zu Lebzeiten ein grandioses Denkmal gesetzt! -Ulrich Deurer

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