Zwischen Gott und der See Roman über das Leben und Werk des Gerhard Mercator Es scheint John Vermeulen eine echte Herzensangelegenheit zu sein, die Biographien seiner berühmtesten niederländischen Landsleute abzuarbeiten. Pieter Bruegel , Hieroymus Bosch. Man ahnt, wer noch alles kommen könnte. Zwischendurch beleuchtet er einen kaum spektakulären, aber für das heutige Antlitz der Welt umso wichtigeren Mann. Im März 1512 erblickte Gerhard de Kremer im flämischen Rupelmonde das Licht der Welt. Gerhard Krämer? Kein Name für die Geschichtsbücher. Auch die latinisierte Namens- und Ortsbeschreibung Mercator Rupelmundanus rumpelte eher ungeschlacht daher. Besser klang da schon der Name, den sich der 18-jährige Studiosus verpasste: Gerhard Mercator! Seine Karten wiesen der Seefahrt den rechten Weg ? und doch war Mercator weit mehr als nur ein Kartograph. Das Studium der Philosophie hatte ihn für jegliche Art von Dogmen unbrauchbar gemacht. Begraben, der Wunsch des reichen Großonkels Gisbert, den armen Schusterjungen Gerhard in die Arme der Kirche zu führen. Die "Kosmographie" hatte es ihm angetan, die sich allmählich aus der Astrologie zu entwickeln begann. Seine Weigerung, die Erde als Mittelpunkt des Weltalls anzuerkennen und ein gewisser Hang zum Okkulten, sollte ihm später den Ruf des Ketzers eintragen. Nach einer Kerkerhaft entwickelte das Universalgenie in der reineren Wissenschaftsluft Deutschlands seinen großen Wurf: Mercator löste das schier unlösbare Problem, die Kugelgestalt der Erde auf eine plane Karte zu übertragen. Das gesammelte Karten- und Lebenswerk wurde "Atlas" getauft. Vermeulen führt uns in quasi humanistischem Auftrag in einem kühnen Bogen durchs Zeitalter der beginnenden Aufklärung. Weniger aufgeklärt erweist sich sein bescheidener Protagonist, der förmlich zu Tode erschrickt, als seine "mundfertige" Frau Barbara ihn nackt im Bett erwartet. Mercator, dessen vollbeschäftigter Geist Krümmungskurven spielerisch entzerren konnte, findet an Barbaras Kurven zunächst nur zögerlich Halt. Schade nur, dass man solch farbgebenden erzählerischen Einsprengseln die Anstrengung anmerkt, die es Vermeulen gekostet haben muss, und die ihn von seiner eigentlichen Mission nur abzulenken scheinen. Diese hat einen Namen: Aufklärung! Eine äußerst lehrreiche Lektüre, aber gegen etwas lebensgesättigte Fabulierkraft wäre auch nichts einzuwenden gewesen. -Ravi Unger
Buch:
Der Garten der Lüste - Roman über Leben und Werk des Hieronymus Bosch
Autor:
John Vermeulen, Ausgabe vom 2002, Gebunden, Verkaufsrang 575899
Amazon.de Im Mittelalter zurzeit von Karl dem Kühnen war der Teufel ein reales, wirkliches, die irdische Welt regierendes Wesen. Von den Kanzeln der gotischen Kirchen verbreiteten die Dominikaner diese Botschaft mit apokalyptischer Sprache, und waren dabei nicht weniger diabolisch. Überall, auch in 's-Hertogenbosch wütete die Inquisition, deren dunkles Tun das Lodern der Scheiterhaufen taghell erleuchtete. Wer nicht als Hexe enden wollte, der durfte sich nichts zuschulden kommen lassen: Jeder Nachbar war ein potenzieller Denunziant. "Die Hölle befand sich auf Erden und mußte nicht anderswo gesucht werden", heißt es in John Vermeulens Roman Der Garten der Lüste: Selbst Pasteten werden hier angeblich "mit dem Fett verbrannter Hexen und Ketzer zubereitet". In dieses in wortgewaltigen Bildern beschworene Szenario einer Atmosphäre der Angst hat Vermeulen sein Buch über das Leben des genialen Malers Hieronymus Bosch angesiedelt. Aus personaler Erzählperspektive schildert er die Jugend des ebenso sensiblen wie furchtsamen Künstlers mit ihrem allgegenwärtigen Grauen. Er beschreibt die enge Beziehung des 10-Jährigen zur nicht minder begabten (und nur ob ihres Geschlechts nicht geförderten) Schwester Herberta, seine Ausbildung bei Vater und Onkel und einen Werdegang, der bis zuletzt immer zwischen kirchlicher Anerkennung und peinlicher Befragung schwankte; die zahlreichen klugen Bildbeschreibungen deuten Boschs Kunst als idealen Ausdruck einer von Tod und Teufel beseelten Zeit. Viel ist nicht bekannt über die Biografie des Jeroen van Aken alias Hieronymus Bosch. Ob er ein kirchenkritischer Ketzer, ein kreativer Drogensüchtiger oder Vertreter des Katharismus war - all dies hat man aus seinen dunkel-fantastischen Bildern herauszulesen gesucht -, ist bis heute unbekannt. Umso mehr Dichtung hat Vermeulen, der bereits mit dem Buch Die Elster auf dem Galgen über die Zeit Pieter Bruegels positiv auf sich aufmerksam machte, mit einfließen lassen in seine Romanbiografie. Dem Buch hat dies nicht geschadet, im Gegenteil: Ist es dem Autor doch wieder einmal gelungen, anhand eines Malerlebens das Panorama einer ganzen Epoche anschaulich vor uns aufzumalen. -Thomas Köster 1
Buch:
Zwischen Gott und der See - Über das Leben und Werk des Gerhard Mercator
Autor:
John Vermeulen, Hanni Ehlers, Ausgabe vom 2012, Gebunden, Verkaufsrang 402981
Aus der Amazon.de-Redaktion Es scheint John Vermeulen eine echte Herzensangelegenheit zu sein, die Biographien seiner berühmtesten niederländischen Landsleute abzuarbeiten. Pieter Bruegel , Hieroymus Bosch. Man ahnt, wer noch alles kommen könnte. Zwischendurch beleuchtet er einen kaum spektakulären, aber für das heutige Antlitz der Welt umso wichtigeren Mann. Im März 1512 erblickte Gerhard de Kremer im flämischen Rupelmonde das Licht der Welt. Gerhard Krämer? Kein Name für die Geschichtsbücher. Auch die latinisierte Namens- und Ortsbeschreibung Mercator Rupelmundanus rumpelte eher ungeschlacht daher. Besser klang da schon der Name, den sich der 18-jährige Studiosus verpasste: Gerhard Mercator! Seine Karten wiesen der Seefahrt den rechten Weg ? und doch war Mercator weit mehr als nur ein Kartograph. Das Studium der Philosophie hatte ihn für jegliche Art von Dogmen unbrauchbar gemacht. Begraben, der Wunsch des reichen Großonkels Gisbert, den armen Schusterjungen Gerhard in die Arme der Kirche zu führen. Die "Kosmographie" hatte es ihm angetan, die sich allmählich aus der Astrologie zu entwickeln begann. Seine Weigerung, die Erde als Mittelpunkt des Weltalls anzuerkennen und ein gewisser Hang zum Okkulten, sollte ihm später den Ruf des Ketzers eintragen. Nach einer Kerkerhaft entwickelte das Universalgenie in der reineren Wissenschaftsluft Deutschlands seinen großen Wurf: Mercator löste das schier unlösbare Problem, die Kugelgestalt der Erde auf eine plane Karte zu übertragen. Das gesammelte Karten- und Lebenswerk wurde "Atlas" getauft. Vermeulen führt uns in quasi humanistischem Auftrag in einem kühnen Bogen durchs Zeitalter der beginnenden Aufklärung. Weniger aufgeklärt erweist sich sein bescheidener Protagonist, der förmlich zu Tode erschrickt, als seine "mundfertige" Frau Barbara ihn nackt im Bett erwartet. Mercator, dessen vollbeschäftigter Geist Krümmungskurven spielerisch entzerren konnte, findet an Barbaras Kurven zunächst nur zögerlich Halt. Schade nur, dass man solch farbgebenden erzählerischen Einsprengseln die Anstrengung anmerkt, die es Vermeulen gekostet haben muss, und die ihn von seiner eigentlichen Mission nur abzulenken scheinen. Diese hat einen Namen: Aufklärung! Eine äußerst lehrreiche Lektüre, aber gegen etwas lebensgesättigte Fabulierkraft wäre auch nichts einzuwenden gewesen. -Ravi Unger 1
Buch:
Die Elster auf dem Galgen - Ein Roman aus der Bruegel-Zeit
Autor:
John Vermeulen, Ausgabe vom 1994, Gebunden, Verkaufsrang 762153
Buch:
Der Garten der Lüste - Roman über Leben und Werk des Hiernoymus Bosch