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| | Buch: | Der Stuhl und andere Dinge |
| Autor: | José Saramago, Ausgabe vom 1995, Gebunden, Verkaufsrang 10338 |
| Preis: | 3,99 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.) | |
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Ein Sofa erkrankt an Fieber, Türen werden zu angriffslustigen Kreaturen, Briefkästen, Treppenhäuser und ganze Gebäude verschwinden, um zu Menschen zu werden. In seinen phantastischen Erzählungen nähert sich der große portugiesische Schriftsteller Jose Saramago einem tiefgründigen und facettenreichen Thema: Was hat es mit -den Dingen- auf sich, die uns alltäglich mit scheinbarer Selbstverständlichkeit umgeben? Welche Macht haben sie über uns? -Jose Saramago fabuliert so hintergründig, daß auch der Leser, der sich sträubt, in den magischen Bann der Geschichten hineingezogen wird.- (Welt am Sonntag).
Leserbewertungen: Durchschnitt: 3.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 5 Bewertungen)
Leserkommentare:* aufwühlende Literatur (5 von 5 Punkten) meint A.R. aus Sauerland Diese Sammlung von Kurzgeschichten ist literarisch anspruchsvoll und regt zum Denken an. Jede Geschichte hat ihren eigenen Charakter, manchmal verwirrend aber immer erhellend und unvergesslich.
Weitere Lesermeinungen |
| | Buch: | Die Stadt der Blinden: Das Buch zum Film |
| Autor: | Jose Saramago, Ausgabe vom 1. Okt. 2008, Broschiert, Verkaufsrang 62168 |
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Aus der Amazon.de-Redaktion In einer unbekannten Stadt in einem unbekannten Land wird ein Mann, der in seinem Auto sitzt und darauf wartet, daß die Ampel auf Grün schaltet, plötzlich mit Blindheit geschlagen. Aber anstatt in Dunkelheit gestürzt zu werden, sieht dieser Mann plötzlich alles weiß, als ob er "in einem Nebel gefangen oder in einen milchigen See gefallen wäre". Ein barmherziger Samariter bietet an, ihn nach Hause zu fahren (um ihm danach das Auto zu stehlen); seine Frau bringt ihn mit dem Taxi in eine nahegelegene Augenklinik, wo er an den anderen Patienten vorbei in das Behandlungszimmer gebracht wird. Innerhalb eines Tages sind die Frau des Mannes, der Taxifahrer, der Arzt und seine Patienten und der Autodieb allesamt Opfer dieser Blindheit geworden. Als die Epidemie sich ausbreitet, gerät die Regierung in Panik und beginnt, die Opfer in einer leerstehenden Nervenheilanstalt unter Quarantäne zu stellen. Dort werden sie von Soldaten bewacht, die den Befehl haben, jeden, der zu fliehen versucht, zu erschießen. So beginnt die Geschichte des portugiesischen Schriftstellers José Saramago über eine Menschheit im Belagerungszustand. Ein erheblicher Mangel an Absätzen, begrenzte Zeichensetzung und eingeschobene Dialoge ohne Anführungszeichen und Attribute erscheinen im ersten Moment als eine ziemliche Herausforderung, aber dieser Stil trägt tatsächlich zum Spannungsaufbau und zur Einbindung des Lesers bei. In dieser Gemeinschaft von blinden Menschen gibt es noch ein Paar sehender Augen: die Frau des Arztes hat ihre Blindheit nur vorgetäuscht, um ihren Mann in die Quarantäne begleiten zu können. Als die Zahl der Opfer wächst und das Asyl aus allen Nähten platzt, beginnt die Versorgung zusammenzubrechen: Toiletten laufen über, Lebensmittellieferungen kommen nur noch sporadisch, es gibt keine medizinische Versorgung für die Kranken und keine Möglichkeit, die Toten richtig zu begraben. Zwangsläufig beginnen die gesellschaftlichen Konventionen ebenfalls zu zerfallen - eine Gruppe der blinden Insassen übernimmt die Kontrolle über die schwindende Lebensmittelversorgung und benutzt sie, um die anderen auszubeuten. Währenddessen bemüht sich die Frau des Arztes, ihre kleine Gruppe von blinden Schützlingen zu beschützen, und führt sie schließlich aus dem Asyl in die mittlerweile schrecklich veränderte Landschaft der Stadt zurück. Die Stadt der Blinden ist in vielerlei Hinsicht ein erschreckender Roman. Er liefert eine detaillierte Beschreibung des totalen Zusammenbruchs der Gesellschaft nach einer überaus unnatürlichen Katastrophe. Saramago treibt seine Figuren bis an den Rand der Menschlichkeit und stürzt sie dann in den Abgrund. Seine Charaktere lernen, in unfaßbarem Schmutz zu leben, sie begehen Akte unbeschreiblicher Gewalt und erstaunlicher Großzügigkeit, die vor dieser Tragödie für sie unvorstellbar gewesen wären. Die gesamte gesellschaftliche Struktur verändert sich, um sich den neuen Umständen anzupassen - einer Welt, in der einst zivilisierte Stadtbewohner zu zerlumpten Nomaden werden, die sich auf der Suche nach Nahrung von Gebäude zu Gebäude tasten. Der Teufel steckt im Detail, und Saramago hat sich für uns eine Hölle ausgemalt, in der diejenigen, die auf der Straße erblindeten, niemals mehr ihr Zuhause finden werden, in der Menschen gezwungen sind, Hühner roh zu verspeisen, und Rudel von Hunden auf der Suche nach Leichen über die kotübersähten Bürgersteige streunen. Und dennoch, all diesem Horror hat Saramago Passagen von unübertroffener Schönheit entgegengesetzt. Als ihr von drei ihrer Schützlinge - Frauen, die sie niemals sehen konnten - gesagt wird, sie sei schön, "bricht die Frau des Arztes in Tränen aus wegen eines Personalpronomens, eines Adverbs, eines Verbs, eines Adjektivs, bloße grammatikalische Kategorien, bloße Etiketten, genau wie die zwei Frauen, die anderen, unbestimmte Pronomen, auch sie weinen, sie umarmen die Frau des ganzen Satzes, drei Grazien im Regen." Mit dieser einen Frau hat Saramago eine tapfere, vollentwickelte Figur geschaffen, die dem Leser als Augen und Ohren und als das Gewissen der Menschheit dient. Und er hat mit Die Stadt der Blinden eine gehaltvolle, letztlich transzendente Betrachtung geschrieben über das, was es bedeutet, Mensch zu sein. -Alix Wilber
Leserbewertungen: Durchschnitt: 4.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 99 Bewertungen)
Leserkommentare:* Von Blindheit geschlagen (5 von 5 Punkten) meint G.P. aus Germany Der Literaturnobelpreisträger José Saramago zählt zu den meist gelesenen portugiesischen Schriftstellern. José Saramagos gesellschaftskritischer Roman "Die Stadt der Blinden" gilt als sein literarisch überzeugendstes Buch.
In dem Roman werden nach und nach alle Einwohner einer Stadt von Blindheit geschlagen. Saramago zeigt in dem Roman die Entwicklungen im Verhalten der Menschen auf und erzählt vom allmählichen Verfall der Moral und der Sitten. Sein gesellschaftskritischer Roman ist eine Parabel auf das Verhalten der Menschen in einer heraufziehenden Ausnahmesituation.
José Saramago beschreibt die Entwicklungen im Verhalten der Menschen nach dem die rätselhafte Krankheit ausgebrochen ist. Mitten in der Stadt erblindet plötzlich ein Autofahrer an einer Ampel. Kurz darauf Passanten, seine Frau, der Arzt - eine Epidemie greift um sich. Der Staat reagiert zunächst brutal, er kaserniert die Kranken, es kommt sogar zu Erschießungen. Schließlich bricht der Staat selbst zusammen, das Ende versinkt in völliger Anarchie.
Da diese Krankheit höchst ansteckend ist, sperrt die Regierung die bereits Erblindeten und alle, die mit ihnen in Kontakt gekommen sind in eine stillgelegte Irrenanstalt. Nach und nach kommen immer mehr Blinde hinzu und während sich die "Weiße Seuche" draußen weiter verbreitet, beginnt in der Anstalt ein Kampf um Leben und Tod. Doch es besteht auch Hoffnung, denn es gibt eine Sehende unter ihnen, die die Krankheit nur vorgetäuscht hat, um bei ihrem Mann zu bleiben.
Die Stadt gleitet ab in eine Welle voller Gewalt. Ein übernervöses Militär arbeitet nur nach Befehl, lässt auch sinnvolle Ausnahmen nicht zu. Unter den Blinden machen sich Hass und Übervorteilung breit - es gilt das Recht des Stärkeren, was unter Anderem in der Erpressung 'Nahrung gegen Vergewaltigung' gipfelt. Einer der Schlüsselsätze ist die Aussage: "Wir waren schon blind in dem Augenblick, in dem wir erblindet sind". Und auch: "Kämpfen war immer mehr oder weniger eine Form der Blindheit".
Einen Kontrast dazu stellt eine Frau dar, die ihre Sehkraft bewahrt hat, darüber vor Angst jedoch schweigt. Als Einzige wahrt sie die Würde und schafft es, für eine kleine Gruppe Blinder die Menschlichkeit zu bewahren.
Saramago beschreibt in seiner Parabel eine Welt, in der die Menschen blind geworden sind. Er macht in seinem Roman die Blindheit zu einer ansteckenden Krankheit, gebraucht aber den Begriff Blindheit im übergeordneten Sinn. Der Leser muss jedoch erstaunt feststellen, dass viele aber schon blind waren, obwohl sie alles sahen.
José Saramagos "Die Stadt der Blinden" ist ein spannend geschriebener gesellschaftskritischer Roman und eine gelungene Parabel über die Einwohner einer von Blindheit geschlagenen Stadt, der zum Nachdenken anregt.
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| | Buch: | Die Stadt der Blinden |
| Autor: | José Saramago, Ausgabe vom 1. April 1999, Taschenbuch, Verkaufsrang 7649 |
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Aus der Amazon.de-Redaktion In einer unbekannten Stadt in einem unbekannten Land wird ein Mann, der in seinem Auto sitzt und darauf wartet, daß die Ampel auf Grün schaltet, plötzlich mit Blindheit geschlagen. Aber anstatt in Dunkelheit gestürzt zu werden, sieht dieser Mann plötzlich alles weiß, als ob er "in einem Nebel gefangen oder in einen milchigen See gefallen wäre". Ein barmherziger Samariter bietet an, ihn nach Hause zu fahren (um ihm danach das Auto zu stehlen); seine Frau bringt ihn mit dem Taxi in eine nahegelegene Augenklinik, wo er an den anderen Patienten vorbei in das Behandlungszimmer gebracht wird. Innerhalb eines Tages sind die Frau des Mannes, der Taxifahrer, der Arzt und seine Patienten und der Autodieb allesamt Opfer dieser Blindheit geworden. Als die Epidemie sich ausbreitet, gerät die Regierung in Panik und beginnt, die Opfer in einer leerstehenden Nervenheilanstalt unter Quarantäne zu stellen. Dort werden sie von Soldaten bewacht, die den Befehl haben, jeden, der zu fliehen versucht, zu erschießen. So beginnt die Geschichte des portugiesischen Schriftstellers José Saramago über eine Menschheit im Belagerungszustand. Ein erheblicher Mangel an Absätzen, begrenzte Zeichensetzung und eingeschobene Dialoge ohne Anführungszeichen und Attribute erscheinen im ersten Moment als eine ziemliche Herausforderung, aber dieser Stil trägt tatsächlich zum Spannungsaufbau und zur Einbindung des Lesers bei. In dieser Gemeinschaft von blinden Menschen gibt es noch ein Paar sehender Augen: die Frau des Arztes hat ihre Blindheit nur vorgetäuscht, um ihren Mann in die Quarantäne begleiten zu können. Als die Zahl der Opfer wächst und das Asyl aus allen Nähten platzt, beginnt die Versorgung zusammenzubrechen: Toiletten laufen über, Lebensmittellieferungen kommen nur noch sporadisch, es gibt keine medizinische Versorgung für die Kranken und keine Möglichkeit, die Toten richtig zu begraben. Zwangsläufig beginnen die gesellschaftlichen Konventionen ebenfalls zu zerfallen - eine Gruppe der blinden Insassen übernimmt die Kontrolle über die schwindende Lebensmittelversorgung und benutzt sie, um die anderen auszubeuten. Währenddessen bemüht sich die Frau des Arztes, ihre kleine Gruppe von blinden Schützlingen zu beschützen, und führt sie schließlich aus dem Asyl in die mittlerweile schrecklich veränderte Landschaft der Stadt zurück. Die Stadt der Blinden ist in vielerlei Hinsicht ein erschreckender Roman. Er liefert eine detaillierte Beschreibung des totalen Zusammenbruchs der Gesellschaft nach einer überaus unnatürlichen Katastrophe. Saramago treibt seine Figuren bis an den Rand der Menschlichkeit und stürzt sie dann in den Abgrund. Seine Charaktere lernen, in unfaßbarem Schmutz zu leben, sie begehen Akte unbeschreiblicher Gewalt und erstaunlicher Großzügigkeit, die vor dieser Tragödie für sie unvorstellbar gewesen wären. Die gesamte gesellschaftliche Struktur verändert sich, um sich den neuen Umständen anzupassen - einer Welt, in der einst zivilisierte Stadtbewohner zu zerlumpten Nomaden werden, die sich auf der Suche nach Nahrung von Gebäude zu Gebäude tasten. Der Teufel steckt im Detail, und Saramago hat sich für uns eine Hölle ausgemalt, in der diejenigen, die auf der Straße erblindeten, niemals mehr ihr Zuhause finden werden, in der Menschen gezwungen sind, Hühner roh zu verspeisen, und Rudel von Hunden auf der Suche nach Leichen über die kotübersähten Bürgersteige streunen. Und dennoch, all diesem Horror hat Saramago Passagen von unübertroffener Schönheit entgegengesetzt. Als ihr von drei ihrer Schützlinge - Frauen, die sie niemals sehen konnten - gesagt wird, sie sei schön, "bricht die Frau des Arztes in Tränen aus wegen eines Personalpronomens, eines Adverbs, eines Verbs, eines Adjektivs, bloße grammatikalische Kategorien, bloße Etiketten, genau wie die zwei Frauen, die anderen, unbestimmte Pronomen, auch sie weinen, sie umarmen die Frau des ganzen Satzes, drei Grazien im Regen." Mit dieser einen Frau hat Saramago eine tapfere, vollentwickelte Figur geschaffen, die dem Leser als Augen und Ohren und als das Gewissen der Menschheit dient. Und er hat mit Die Stadt der Blinden eine gehaltvolle, letztlich transzendente Betrachtung geschrieben über das, was es bedeutet, Mensch zu sein. -Alix Wilber
Leserbewertungen: Durchschnitt: 4.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 99 Bewertungen)
Leserkommentare:* Von Blindheit geschlagen (5 von 5 Punkten) meint G.P. aus Germany Der Literaturnobelpreisträger José Saramago zählt zu den meist gelesenen portugiesischen Schriftstellern. José Saramagos gesellschaftskritischer Roman "Die Stadt der Blinden" gilt als sein literarisch überzeugendstes Buch.
In dem Roman werden nach und nach alle Einwohner einer Stadt von Blindheit geschlagen. Saramago zeigt in dem Roman die Entwicklungen im Verhalten der Menschen auf und erzählt vom allmählichen Verfall der Moral und der Sitten. Sein gesellschaftskritischer Roman ist eine Parabel auf das Verhalten der Menschen in einer heraufziehenden Ausnahmesituation.
José Saramago beschreibt die Entwicklungen im Verhalten der Menschen nach dem die rätselhafte Krankheit ausgebrochen ist. Mitten in der Stadt erblindet plötzlich ein Autofahrer an einer Ampel. Kurz darauf Passanten, seine Frau, der Arzt - eine Epidemie greift um sich. Der Staat reagiert zunächst brutal, er kaserniert die Kranken, es kommt sogar zu Erschießungen. Schließlich bricht der Staat selbst zusammen, das Ende versinkt in völliger Anarchie.
Da diese Krankheit höchst ansteckend ist, sperrt die Regierung die bereits Erblindeten und alle, die mit ihnen in Kontakt gekommen sind in eine stillgelegte Irrenanstalt. Nach und nach kommen immer mehr Blinde hinzu und während sich die "Weiße Seuche" draußen weiter verbreitet, beginnt in der Anstalt ein Kampf um Leben und Tod. Doch es besteht auch Hoffnung, denn es gibt eine Sehende unter ihnen, die die Krankheit nur vorgetäuscht hat, um bei ihrem Mann zu bleiben.
Die Stadt gleitet ab in eine Welle voller Gewalt. Ein übernervöses Militär arbeitet nur nach Befehl, lässt auch sinnvolle Ausnahmen nicht zu. Unter den Blinden machen sich Hass und Übervorteilung breit - es gilt das Recht des Stärkeren, was unter Anderem in der Erpressung 'Nahrung gegen Vergewaltigung' gipfelt. Einer der Schlüsselsätze ist die Aussage: "Wir waren schon blind in dem Augenblick, in dem wir erblindet sind". Und auch: "Kämpfen war immer mehr oder weniger eine Form der Blindheit".
Einen Kontrast dazu stellt eine Frau dar, die ihre Sehkraft bewahrt hat, darüber vor Angst jedoch schweigt. Als Einzige wahrt sie die Würde und schafft es, für eine kleine Gruppe Blinder die Menschlichkeit zu bewahren.
Saramago beschreibt in seiner Parabel eine Welt, in der die Menschen blind geworden sind. Er macht in seinem Roman die Blindheit zu einer ansteckenden Krankheit, gebraucht aber den Begriff Blindheit im übergeordneten Sinn. Der Leser muss jedoch erstaunt feststellen, dass viele aber schon blind waren, obwohl sie alles sahen.
José Saramagos "Die Stadt der Blinden" ist ein spannend geschriebener gesellschaftskritischer Roman und eine gelungene Parabel über die Einwohner einer von Blindheit geschlagenen Stadt, der zum Nachdenken anregt.
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Aus der Amazon.de-Redaktion Es ist der Alptraum eines jeden Politikers, einer jeden Partei: da ist Wahl und keiner geht hin, schlimmer noch, die Wenigen, die kommen, geben unausgefüllte Stimmzettel ab. Und bei der Wahlwiederholung sind zwei Drittel aller Stimmzettel "leer und weiß". Ein politisches Desaster, das "sich wie eine ihre Zündschnur suchende Bombe durchs Land zieht." Der portugiesische Literatur-Nobelpreisträger José Saramago bot schon in früheren Büchern einen auffälligen Gegensatz: so wie er lebt, schreibt er, ruhig, fast still, gedämpft, vermeintlich gleichmütig. Aber das, was er schreibt bewegt und erschüttert wie ein alles mit sich reißendes Beben, da wird eine politische Science-Fiktion-Geschichte auf fast 400 Seiten zu einer immer stärker, öfter und eindringlicher an reale Gegebenheiten erinnernden Parabel, bitter-böse, pessimistisch und nicht gerade Hoffnung machend. Die Regierung, unfähiger denn je, steht mit dem Rücken zur Wand, Spitzel werden ausgeschickt. "Das Wort wird aufgenommen und ebenso das Gefühl. Niemand ist mehr sicher." Mit Verhaftungen, Gewalt, und Folter will man die Ursachen für die alle Parteien gleichermaßen betreffende Wahlschlappe herausfinden. Terror ähnliche Machenschaften durchlöchern langsam aber stetig die saubere, als so demokratisch gerühmte Oberfläche. Attentate, auffahrende Panzer, Demonstrationen verunsichern und destabilisieren das bis dahin so sicher geglaubte Leben. Es gibt Tote. Ein Kommissar soll die Schuldigen für das Versagen des Systems finden. Und da gibt es denn auch schon jemanden, der in Frage kommt, bekannt aus Saramagos beeindruckendem Roman Die Stadt der Blinden. Ein Buch, das kein Muss ist, um den neuen Roman über die Zerbrechlichkeit demokratischen Zusammenlebens, über Hochmut und Macht zu verstehen und außerordentlich wertzuschätzen, aber ein ebenso geniales Buch, dessen Lektüre man auf jeden Fall nachholen sollte! Zugegeben, ein Saramogo liest sich nicht ganz leicht, endlos scheinende Sätze, oft eher konstruiert denn gedacht, mag man denken. Aber: man liest sich sozusagen in den Fluss ein. Und das geht so schnell, als würde man mitgerissen von einem langsam fließenden Lavastrom, aus dem es einfach kein Entrinnen mehr gibt. Saramago verstrickt den Leser in immer tiefere Nachdenklichkeit, Zweifel kommen auf, Fragen, Erkenntnisse. Mit Lösungen wird die Lektüre nicht versüßt, vielmehr bleiben kritische Betrachtung und Wachsamkeit. Aber: was kann es für mündige Staatsbürger besseres geben? -Barbara Wegmann 1
Leserbewertungen: Durchschnitt: 3.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 25 Bewertungen)
Leserkommentare:* Demokratie? (5 von 5 Punkten) meint g. aus München Ich habe die Stadt der Blinden geliebt und bin eben mit feuchten Augen fertig geworden mit der Stadt der Sehenden und bin SEHR beeindruckt. Der Autor sieht auf dem Klappenbild aus wie ein netter Onkel und zerlegt in dem Buch so ziemlich jede alltägliche Norm, die wir da draussen in der Realität vorgesetzt bekommen. Freie Zeitungen? Freie Meinungsäußerung? Demokratie? Ich bin kein subversiver Verschwörungstheoretiker, aber viele Dinge in der Politik und Demokratie sind aktuell nicht besonders vorbildlich - vielleicht können wir es nicht besser, vielleicht aber doch. Genau letzteres glaube ich und glaubt auch Saramago. Ich habe dieses Buch mit dem Willen beendet, weiter daran zu glauben, daß wir es besser können. Wer daran Interesse hat, dem empfehle ich dieses Buch.
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| | Buch: | Die portugiesische Reise |
| Autor: | José Saramago, Ausgabe vom 1. April 2005, Taschenbuch, Verkaufsrang 50214 |
| Preis: | 9,95 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.) | |
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Aus der Amazon.de-Redaktion Plötzlich steht der Reisende auf der Grenze zwischen Spanien und Portugal. Der Tank befindet sich noch im Land, aus dem er gekommen ist; der Motor zeigt schon die Richtung an, in die es geht. Der Reisende selbst sitzt auf der Schwelle, und predigt den Fischen, die unter ihm hindurchziehen: "Welche Sprache sprecht ihr, wenn ihr die Unterwassergrenzen kreuzt? Und habt ihr dort unten Pass oder Stempel? Erteilt mir, Fische, eine klare Lektion." So frei wie die Fische im Wasser, weiß der Schriftsteller José Saramago, kann man sich nicht beim Reisen, wohl aber beim Schreiben über das Reisen fühlen. Saramago ist ein ebensolcher Grenzgänger wie der Reisende seines halbfiktiven Berichts. Der Autor, der 1998 den Nobelpreis für Literatur erhielt, lebt heute auf Lanzarote, und machte sich mit seinem klapprigen Auto für mehrere Monate auf den Weg durch seine alte Heimat Portugal: von Nord nach Süd und Ost nach West. Wie ein Fremder betrat er offenbar das eigene Land, und dieser naive Blick auf die Landschaft, die Menschen und die Kulturgüter, der immer wieder auf- und abschweift, kommt dem Band sehr zugute. So ist Die portugiesische Reise ein autobiografisch angehauchtes Buch geworden, das zwischen Dichtung und Wahrheit, Essay und Roman immer wieder wundervoll changiert - und nicht zuletzt die innere Landkarte des Dichter-Ichs auszuloten versteht: so abwechslungsreich und weit wie das Land, das er behandelt. "Das Glück hat viele Gesichter", heißt es im Vorwort des Romans: "Das Reisen ist wahrscheinlich eines davon." Ein anderes könnte sein, auf derart beglückende Art vom Reisen zu lesen. -Thomas Köster
Leserbewertungen: Durchschnitt: 4.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 7 Bewertungen)
Leserkommentare:* Doch ein Reiseführer (5 von 5 Punkten) meint D.L.K. aus Wien-Salzburg Die portugiesische Reise (rororo)Man ist ja vom Autor einiges gewohnt - doch dieser Reisebericht ist derart farbig, lebendig und von einer tiefen Zuneigung zu Menschen, Kunst und Kultur getragen, dass man sich selbst damit einiges Gutes tun kann. Ich habe mir eine genaue Portugal-Karte besorgt, um die Reisen nachvollziehen zu können. Sehr hilfreich ist es auch, die Höhepunkte gleich bei der Lektüre im Internet zu suchen, ich habe fast alle mit genauer Beschreibung gefunden.
Den Ärger des Reisenden über verschlossene Kirchen und Gebäude sowie über städtebauliche oder allgemein architektonische Missgriffe kann ich gut nachvollziehen.
Alles in allem eine erholsame, fast "erbauliche" Lektüre, die einfach guttut.
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| | Buch: | Hoffnung im Alentejo |
| Autor: | José Saramago, Ausgabe vom 1. Okt. 1997, Taschenbuch, Verkaufsrang 12375 |
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Die Provinz Alentejo, das Land der Sonne, des Weizens, der Olivenhaine und der Korkeichen, das Land der Großgrundbesitzer und der Tagelöhner. Der portugiesische Romancier José Saramago verfolgt hier das Schicksal einer Tagelöhnerfamilie über vier Generationen, von der Jahrhundertwende bis kurz nach der Revolution 1974. Saramagos glanzvolle, reiche Sprache, seine liebevolle Ironie, die Genauigkeit seines Blicks - das sind die Grundlagen eines großen Werkes.
Leserbewertungen: Durchschnitt: 5.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 8 Bewertungen)
Leserkommentare:* Nehmen wie diese Ameise... (Seite 140) (5 von 5 Punkten) meint K.W. Saramago kann nicht genug gelobt werden; er schreibt in einem Stil, der einem das Herz aufgehen lässt. Ich habe den Roman als 4. Buch Saramagos gelesen (Alle Namen, Ricardo Reis, Evangelium; als erstes hatte ich Kontakt mit ihm über "Die Stadt der Blinden" - als Hörbuch, nach dessen "Auditüre" mir völlig klar war, dass Saramago den Literaturnobelpreis hatte erhalten müssen). Es ist ein politisches Buch, das auch noch der Schönheit der Sprache (dessen, der sie nicht nur beherrscht, sondern liebevoll und ehrfürchtig behandelt) sich verpflichtet fühlt. Die Folterszene, die hier auf Seite 140 beginnt, ist das sich zutiefst mir Eingebrabene dieses Buches und steht einem Aleksandar Tisma ("Schule der Gottlosigkeit") in nichts nach - im Gegenteil es ist parteiisch und engagiert.
Zwei "Wegen-mit-Dativ-Fehler" sind der Übersetzung vorzuhalten, aber auch das kann einen Sprachtitanen wie Saramago nicht verwässern... Es ist nicht nötig, Portugal bereist zu haben, um die Großartigkeit dieses Buches würdigen zu können. Die Detailverliebheit Saramagos, die ungewöhnlichen Einsichten, die so scheinbar nebensächlich eingestreut werden, lassen die tiefe Verbundenheit Saramagos mit den unterdrückten Menschen nie in den Hintergrund treten, sondern bereichern das Lesevergnügen zusätzlich. Der Roman ist auch eine schonungslose Kritik an der Amtskirche, die immer auf Seiten derer steht, die Macht und Geld besitzen, die ihre falschen Versprechungen dazu missbraucht, die Menschen klein zu halten, anstatt sie zu ermuntern aufzustehen und ihr Recht durchzusetzen. Gäbe es nicht die Befreiungstheologie in Lateinamerika, man müsste jedem Katholiken nach dieser Lektüre dringend empfehlen, den heiligen Stuhl auf den Scheiterhaufen zu werfen...
Weltliteratur, voller Liebe, Philosophie, und genialer Ausdrucksmöglichkeiten, schelmisch, ironisch, zynisch, humanistisch und ohne Agitation; absolute Spitze des Eisberges an Bedrucktem, das die Buchhandlungen auslegen können!
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| | Buch: | Eine Zeit ohne Tod |
| Autor: | José Saramago, Ausgabe vom 21. Sept. 2007, Gebunden, Verkaufsrang 259403 |
| Preis: | 19,90 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.) | |
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Es ist der 1. Januar in einem nicht näher bezeichneten Land. Etwas, wofür es kein Beispiel in der Geschichte gibt, geschieht: An diesem Tag stirbt niemand. Und auch am folgenden Tag nicht, und am darauffolgenden. Selbst die Königinmutter, bei der es aussah, als würde sie den Jahreswechsel nicht mehr erleben, verharrt im Sterben. Der Tod streikt, so eine Reporterin. Die Regierung scheint entschlossen, den sich anbahnenden demographischen Problemen die Stirn zu bieten die katholische Kirche ist in ihren Grundfesten erschüttert, denn ohne Tod keine Auferstehung. Die Gesellschaft spaltet sich: einerseits die Hoffnung, ewig zu leben, andererseits der Schrecken, nie zu sterben. Eines Tages findet der Direktor des nationalen Fernsehens einen Brief auf dem Tisch (der Umschlag ist violett, offenbar von einer Frau beschriftet), von dessen Inhalt er umgehend den Ministerpräsidenten in Kenntnis setzt ... Saramago führt seine in "Die Stadt der Blinden" begonnenen Experimente mit philosophisch-sozialen Fragen fort und erweist sich einmal mehr als großer literarischer Deuter der Welt. Seine Zeitzeugenschaft ist unerbittlich kritisch, künstlerisch gewagt und von einem skeptischen Humanismus geprägt.
Leserbewertungen: Durchschnitt: 4.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 13 Bewertungen)
Leserkommentare:* "Am darauffolgenden Tag starb niemand" (11). (5 von 5 Punkten) meint M.D. aus Bochum Eine Welt ohne Tod, wäre das nicht etwas Wunderbares, die Erfüllung eines uralten Menschheitstraums? In seinem Roman "Eine Zeit ohne Tod" beschäftigt sich der portugiesische Autor José Saramago auf höchst einfallsreiche Art und Weise mit dieser Frage. Der Tod, hier dargestellt von einer 36-jährigen nicht unattraktiven Frau, entschließt sich, die Bewohner eines Landes nicht mehr sterben zu lassen. Zuerst freuen sich die Bewohner über dieses Privileg, welches ihrer Nation zuteil geworden ist. Doch bald schon ergeben sich diverse Probleme. Zuallererst jammert die Kirche, da sie ohne den Tod ihrer einzigen Daseinsberechtigung beraubt wird. Wer interessiert sich schon für das ewige Leben im Jenseits, wenn man es bereits im Hier und Jetzt gratis frei Haus serviert bekommt? Zudem steht die Gilde der Bestattungsunternehmer aus naheliegenden Gründen vor dem Aus. Versicherungsgesellschaften sehen sich konfrontiert mit einer Welle von Kündigungen für Lebensversicherungen. Und langsam aber sicher sammeln sich in Krankenhäusern, Altenheimen und Privathäusern einen Armee von bei lebendigem Leibe vor sich hinvegitierenden Moribunden, denen das Sterben versagt bleibt. So langsam aber sicher ist die Regierung mit ihrem Latein am Ende, als sich tod (die Dame besteht darauf, klein geschrieben zu werden) persönlich meldet, um die Beweggründe für ihr Handeln, beziehungsweise Nicht-Handeln, zu erklären.
Heimlicher Star des Romans ist der sich allwissend gerierende Erzähler, der das seltsame Geschehen mit viel Ironie und persönlichen Kommentaren begleitet. Wir sind dabei beim ratlosen Premierminister im Büro, bei den Familien mit ihren nicht sterben könnenden Angehörigen und bei tod in ihren Gemächern. Doch hinter dieser durchaus humorvollen Fassade beschäftigt sich der Roman mit den großen Fragen der Menschheit: Welchen Sinn hat das Leben? Welchen Sinn hat der Tod? Kann ein Leben ohne die Gewissheit des eigenen Endes überhaupt einen Sinn ergeben? Zudem präsentiert der Roman eine der symphatischsten und menschlichsten Todesfiguren der Literaturgeschichte. Sie ist beleidigt, dass ihre Arbeit nicht genügend gewürdigt wird, ein bisschen überheblich, aber auch ein wenig unsicher, als sie auf für sei ungewohnte Problem trifft. Menschlich eben.
Fazit: Große Literatur eines großen Schriftstellers, der 1998 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet worden ist. Vor zwei Tagen, am 18. Juni 2010, verstarb José Saramago in seinem Haus auf Lanzarote. Der Welt geht damit ein großartiger Schriftsteller verloren.
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| | Buch: | Das Evangelium nach Jesus Christus |
| Autor: | José Saramago, Ausgabe vom 1. Okt. 1997, Taschenbuch, Verkaufsrang 11100 |
| Preis: | 11,00 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.) | |
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Jesus als "Mensch unter Menschen" - lebenshungrig und voller Neugierde, sinnenfroh und genießerisch, manchmal aber auch ängstlich und unsicher. José Saramago gibt in seiner bisweilen skandalösen, stets aber glaubwürdigen "Heilandsgeschichte" den bekannten Ereignissen immer wieder überraschende, phantasievolle neue Wendungen. Er rüttelt an den Fundamenten unserer Kultur und stellt mit beeindruckender Radikalität Geschichte, Religion und Legende in Frage.
Leserbewertungen: Durchschnitt: 4.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 12 Bewertungen)
Leserkommentare:* "Du kannst Gottes Willen nicht zuwider handeln, Nein, aber meine Pflicht ist es, dies zu versuchen" (501). (5 von 5 Punkten) meint M.D. aus Bochum "Wann, Herr, kommt der Tag, daß du dich uns zuwendest und vor den Menschen deine Irren, eingestehst" (164). Es verwundert nicht, dass die katholische Kirche in all ihrer Borniertheit gegen Jose Saramagos Roman "Das Evangelium nach Jesus Christus" Sturm lief und ihn aus den Buchläden verbannt sehen wollte. Diese satanischen Verse wollte man den eigenen Schäfchen nicht zumuten. Humorlose Fundamentalisten gibt es halt nicht nur im Morgen- sondern auch im Abendland. Alle anderen erwartet hier ein Roman der Extraklasse des kürzlich verstorbenen portugiesischen Literaturnobelpreisträgers.
Dabei ist der Titel durchaus wörtlich zu nehmen, denn der Plot des Romans dreht sich rund um die Lebensgeschichte des Jesus von Nazareth beginnend mit seiner Zeugung bis zur Kreuzigung. Berichtet wird die Geschichte aus Sicht des für Saramagos typischen allwissenden Erzählers, der sich mit ironisch-süffisanten Bemerkungen nicht zurückhält. Und die arme gerade in den vergangenen Monaten so geplagte katholische Seele wird gleich zu Beginn des Romans zutiefst erschüttert, da hier äußerst anschaulich der Jungfrauenmythos, ein Zeichen der neurotisch-verlogenen Sexualmoral der katholischen Kirche, dekonstruiert wird: "Gott, der allenorts ist, war auch hier zugegen, doch da er ist, was er ist, rein ein Geist, konnte er nicht sehen, wie die Haut des einen die Haut des anderen berührte, wie sein Fleisch in ihr Fleisch drang [...] und sicherlich war er schon nicht mehr zugegen, als Josefs geheiligter Samen sich in das geheiligte Innere Marias ergoß" (27).
So und so ähnlich interpretiert der Roman die bekannten Geschichten aus dem Neuen Testament: Der Kindsmord des Herodes, die Jugendzeit Jesu, die so in keinem der bekannten Evangelien nachzulesen ist, seine sehr körperlich vonstatten gehende Liebesbeziehung zu Maria Magdalena und schließlich seine Zeit als Menschenfischer mit bekanntem Ausgang. Dabei gehört das Vorspiele zur Kreuzigung zu den absoluten Highlights des Romans. In einem Gespräch mit dem Teufel (!!), der mit Gott eine Einheit bildet, offenbart der Allwissende seinem Sohn die Pläne, die er für ihn vorgesehen hat: "Die des Märtyrers, mein Sohn, des Opfers, so lässt sich der Glaube noch am ehesten verbreiten und entfachen" (423). Der ziemlich perplexe Jesus, in dessen Lebensplanung ein qualvoller Tod eigentlich nicht vorgesehen war, fragt nach, wie der Herr denn auf so eine Idee gekommen sei. Diese entpuppt sich als genialer Marketingstratege und antwortet: "Die Zeiten, da man denen Gehör schenkte, sind vorbei, heute wirken nur noch radikale Mittel, etwas, das schockiert, das die Gefühle mitreißt, Ein Gottessohn am Kreuz, zum Beispiel" (430). Was denn aus diesem neuen Glauben, dem Christentum, in der Zukunft werden wird, verlangt Jesus zu wissen. Als Antwort gibt Gott etwas missmutig einen kurzen Abriss des Blutzolls, den dieser Glaube verlangen wird. Erschüttert und angewidert schleudert Jesus Gott sein persönliches Non Serviam entgegen: "Du kannst Gottes Willen nicht zuwider handeln, Nein, aber meine Pflicht ist es, dies zu versuchen" (501). Doch schon bald muss Jesus feststellen, dass er die Perfidität Gottes noch unterschätzt hat.
Fazit: Witzig, provozierend und höchstaktuell. Ein Gott, der die Vorteile eines öffentlich zur Schau getragenen Opfertodes erörtert, erinnert doch sehr an die Planer der zahlreichen Selbstmordattentate rund um den Globus. Nach Saramagos Tod am 18. Juni 2010 beschimpfte das Kampfblatt des Vatikans L'Osservatore Romano Saramago als "populistischen Extremisten". Wie so oft sagt dieses Nachtreten mehr über den Urteilenden als über den Geurteilten aus. Es bleibt zu hoffen, dass die Romane dieses großen Schriftstellers noch lange gelesen werden.
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| | Buch: | Das Zentrum |
| Autor: | José Saramago, Ausgabe vom 1. Sept. 2003, Taschenbuch, Verkaufsrang 39726 |
| Preis: | 9,95 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.) | |
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Aus der Amazon.de-Redaktion Um die Situation des modernen Menschen zu beleuchten, schreibt der portugiesische Autor und Nobelpreisträger José Saramago düstre Parabeln. Immer wieder führen diese in den Untergrund des Mythos zurück, in Alle Namen etwa zu Orpheus und Eurydike. Und immer wieder steht die menschliche Verblendung im Zentrum, wie in Die Stadt der Blinden, wo ein ganzes Kollektiv in vollkommene geistige Umnachtung stürzt. Blind ist der moderne Mensch, laut Saramago, blind wie die Bewohner von Platos Höhle. "Wir lebten niemals tiefer in der Höhle als heutzutage", konstatierte er deshalb in einem Interview, und fuhr fort, dass dieses Schattenreich der schlafenden Vernunft heutzutage die Shopping-Mall geworden sei. Saramagos neuer Roman Das Zentrum heißt im Original A Caverna, ein Titel, der den Bezug zu Platos Höhlengleichnis deutlich hervortreten lässt. Die deutsche Übersetzung hingegen stellt den realen Ort der Handlung klarer in den Mittelpunkt: Spielt doch das Buch in eben jenem Einkaufszentrum, das die Menschheit und ihre Nachgeborenen nach Ansicht des kommunistischen Autors zu bloßen Konsumenten degenerieren lasse. An seiner Peripherie, in einem kleinen Dorf, fristen der alte Töpfer Capriano Algor und seine Tochter sowie deren Mann Marçal Gacho ihr kärgliches Dasein. Tagtäglich fahren Algor und Gacho mit ihrem klapprigen Laster zum Supermarkt, um ihre Waren abzuliefern - bis plötzlich das industrielle Leben sie rechts zu überholen droht. Aber so einfach will die pfiffige Familie es dem Kapitalismus und der alles egalisierenden Globalisierung nicht machen. Und dann tut sich schließlich sogar noch eine zweite, wahre, wundervolle Grotte auf, die ein Bautrupp durch Zufall öffnet - und die vielleicht die echte platonische Höhle ist. Neben Die Stadt der Blinden und Alle Namen gehört Das Zentrum zu Saramgos so genannter Trilogie der menschlichen Zustände. Nach seinem Erscheinen in Portugal erfuhr der Roman innerhalb kürzester Zeit mehrere Auflagen und ging mit Rekordzahlen über den Ladentisch. Auch hier zu Lande steht zu hoffen, dass das Das Zentrum zu einem Bestseller avanciert. Denn so schwierig es ist, Moral und narrativen Anspruch zwischen zwei Buchdeckeln zu vereinen, so fulminant ist Saramago dies geglückt. -Thomas Köster 1
Leserbewertungen: Durchschnitt: 4.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 18 Bewertungen)
Leserkommentare:* Eine sehr schöne Geschichte voller starker Symbolkraft. (5 von 5 Punkten) meint s. aus Berlin Cipriano Algor ist ein einfacher Töpfer und führt zusammen mit seiner Tochter Marta ein materiell karges jedoch recht glückliches Leben auf dem Dorf. Die naheliegende Stadt wird vom "Zentrum" dominiert, einem gigantischen Kommerz-Wohn-Vergnügungs-Tempel. Als Arbeitgeber des Schwiegersohnes und Abnehmer der Keramik ist das Zentrum eng mit dem Leben der Familie verbunden.
Der Roman verfügt über sehr schöne Konstruktionen. Der Gegensatz zwischen dem Handwerker, der mit einfachsten Methoden, ohne maschinelle Unterstützung, arbeitet und dem kafkaesken Zentrum, das der Leser vor allem durch Regularien, Bedrohlichkeit und beherrschende Größe kennenlernt. Auch das Dreieck Vater - Tochter - Schwiegersohn ist spannungsvoll, denn das sehr innige Verhältnis zwischen Vater und Tochter macht den Schwiegersohn zum Außenseiter. Das Nebeneinander des mühevollen Schaffens der Tonfiguren und des Abtransports und Endlagerns der alten Keramik in einer Höhle ist eindrucksvoll.
Leider macht es der Autor dem Leser nicht gerade leicht, die ersten hundert Seiten durchzustehen. Recht langatmig werden die Vorgänge in Haus und Werkstatt geschildert, die in ihrer Redundanz deutliche Ungeduld hervorrufen. Seitenlang wird über die Tätigkeiten des Hundes und das Abholen der alten Keramik berichtet. Daneben sind zuweilen Weisheiten und Sprüche zu lesen, die fadenscheinig und einfältig daherkommen. Wie auch immer - ein beeindruckendes Finale macht es leichter, Saramago zu verzeihen.
Saramago hat sich auf einen stilistischen Minimalismus beschränkt. Wir erfahren wenig über Aussehen und Tiefe der Helden und gar nichts über das Umfeld. Die Sprache ist einfach und läuft in einem stetigen Fluß aus Rede und Gedanken der Menschen sowie Beschreibungen. Jedoch ruft gerade die Synthese der großen Symbolik zusammen mit dem schnörkellosen Schreibstil eine starke Wirkung hervor.
Besonders gut haben mir die Gespräche Ciprianos mit den Angestellten der Einkaufsabteilung gefallen. Die eifrigen und taktlosen Argumente der Angestellten erwidert Cipriano stets mit leicht frechem Sarkasmus, gerade soviel, daß sein Gegenüber nichts davon bemerkt.
Der Roman "Das Zentrum" will Kommerz, Hierarchie und Willkür kritisieren. Cipriano Algor und seine Familie bilden mit ihrer Offenheit, Menschlichkeit und Verletzlichkeit den Gegenpol dazu. Der Roman würdigt den Menschen als freien Entscheider seiner Zukunft.
Weitere Lesermeinungen |
| | Buch: | Die Geschichte von der unbekannten Insel - O conto da ilha desconhecida, zweisprachige Ausgabe portugiesisch-deutsch |
| Autor: | José Saramago, Ausgabe vom Febr. 2010, Taschenbuch, Verkaufsrang 270303 |
| Preis: | 10,00 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.) | |
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Um homem foi bater à porta do rei e disse-lhe, Dá-me um barco. Contra todas as objecções o homem parte à procura da ilha desconhecida … Ein Mann klopfte an die Tür des Königs und sagte, Gib mir ein Schiff. Gegen alle Einwendungen, es gebe keine unbekannte Insel, macht sich der Mann auf die Suche … - A edição bilingue deste conto do Nobel Português José Saramago comemora o 25° aniversário da editora TFM. Die zweisprachige Sonderausgabe dieses Märchens aus der Feder des portugiesischen Literatur-Nobelpreisträgers José Saramago erscheint zum 25. Jubiläum des TFM-Verlags. zweisprachige Ausgabe (portugiesisch/deutsch)
Leserbewertungen: Durchschnitt: 4.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 1 Bewertung)
Leserkommentare:* Empfehlenswert (4 von 5 Punkten) meint H.V. Obwohl zweisprachige Bücher doch bisweilen ein Wagnis sind, ist dieses Buch sehr gelungen. Tolle Story, angenehmer Stil. |
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