José Saramago, Ausgabe vom Sept. 1997, Broschiert, Verkaufsrang 1236787
Buch:
Alle Namen, Sonderausgabe
Autor:
José Saramago, Ray-Güde Mertin, Ausgabe vom Nov. 2002, Gebunden, Verkaufsrang 531972
Aus der Amazon.de-Redaktion Sr. José, der tragikomische Protagonist im neuen Roman des portugiesischen Nobelpreisträgers José Saramago, ist ein archivierter Archivar. Als Amtsschreiber des Zentralen Personenstandsregisters nämlich muß der "Bewahrer vergangener Zeiten" im einzig erhaltenen, denkmalgeschützten Wohntrakt seiner labyrinthischen Arbeitsstätte hausen. Hier kann er auch nach Dienstschluß seiner Dokumentationswut frönen und Dossiers über nationale Berühmtheiten zusammentragen. Als Sr. José in seiner Sammlung jedoch die Karteikarte einer Unbekannten findet und sich nach der Person hinter den Daten auf die Suche macht, droht sein abstraktes Lebenswerk an der Wirklichkeit zu zerbrechen. Leider hat Saramago seinen teilweise aus dem Fundus der Weltliteratur gezogenen Plot - neben Kafkas Schloß standen offensichtlich Borges' Bibliothek von Babel und Kis' Enzyklopädie der Toten Pate - gerade am Anfang mit allerlei blutleerem Geplapper verstauben lassen. So findet sich mancher "hohle Satz, der Eindruck machen will, einer von denen, die tiefgründig scheinen und nichts aussagen. Diesbezüglich hätte der 77jährige Autor gut daran getan, sich an die Weisheiten seiner eigenen Geschichte zu halten. Denn: "Es lohnt nicht, Wörter zu verschwenden". Irgendwann wird die Karteikarte der Unbekannten - sie hat Selbstmord begangen - vom Geburts- zum Sterberegister hinübergetragen - und Saramagos Fabel nimmt doch noch eine literarisch furiose Wende. Bis dahin aber bleibt die Geschichte der Toten vor allem eine tote Geschichte. So wird wohl mancher Alle Namen (eigentlich zu Unrecht) ungelesen in seinem Bücherregal vermodern lassen und lieber zu Saramagos Evangelium nach Jesus Christus oder zur Stadt der Blinden greifen. Dort ist die gleiche Strategie einer philosophischen Parabel schließlich von der ersten bis zur letzten Seite gelungen. -Thomas Köster 1
Hörbuch:
Das Evangelium nach Jesus Christus
Autor:
Jose Saramago, Ausgabe vom April 2007, Audio CD, Verkaufsrang 195044
José Saramago, Ausgabe vom 1995, Broschiert, Verkaufsrang 1131750
Buch:
De stad der blinden.
Autor:
Jose Saramago, Ausgabe vom 2005, Taschenbuch,
Buch:
Das Zentrum : Roman.
Ausgabe vom 2002, Gebunden, Verkaufsrang 1953467
Buch:
Geschichte der Belagerung von Lissabon.
Autor:
José Saramago, Ausgabe vom 1995, Broschiert, Verkaufsrang 1441548
Buch:
Die Stadt der Blinden, Sonderausgabe
Autor:
José Saramago, Ray-Güde Mertin, Ausgabe vom 2004, Broschiert, Verkaufsrang 63228
Aus der Amazon.de-Redaktion In einer unbekannten Stadt in einem unbekannten Land wird ein Mann, der in seinem Auto sitzt und darauf wartet, daß die Ampel auf Grün schaltet, plötzlich mit Blindheit geschlagen. Aber anstatt in Dunkelheit gestürzt zu werden, sieht dieser Mann plötzlich alles weiß, als ob er "in einem Nebel gefangen oder in einen milchigen See gefallen wäre". Ein barmherziger Samariter bietet an, ihn nach Hause zu fahren (um ihm danach das Auto zu stehlen); seine Frau bringt ihn mit dem Taxi in eine nahegelegene Augenklinik, wo er an den anderen Patienten vorbei in das Behandlungszimmer gebracht wird. Innerhalb eines Tages sind die Frau des Mannes, der Taxifahrer, der Arzt und seine Patienten und der Autodieb allesamt Opfer dieser Blindheit geworden. Als die Epidemie sich ausbreitet, gerät die Regierung in Panik und beginnt, die Opfer in einer leerstehenden Nervenheilanstalt unter Quarantäne zu stellen. Dort werden sie von Soldaten bewacht, die den Befehl haben, jeden, der zu fliehen versucht, zu erschießen. So beginnt die Geschichte des portugiesischen Schriftstellers José Saramago über eine Menschheit im Belagerungszustand. Ein erheblicher Mangel an Absätzen, begrenzte Zeichensetzung und eingeschobene Dialoge ohne Anführungszeichen und Attribute erscheinen im ersten Moment als eine ziemliche Herausforderung, aber dieser Stil trägt tatsächlich zum Spannungsaufbau und zur Einbindung des Lesers bei. In dieser Gemeinschaft von blinden Menschen gibt es noch ein Paar sehender Augen: die Frau des Arztes hat ihre Blindheit nur vorgetäuscht, um ihren Mann in die Quarantäne begleiten zu können. Als die Zahl der Opfer wächst und das Asyl aus allen Nähten platzt, beginnt die Versorgung zusammenzubrechen: Toiletten laufen über, Lebensmittellieferungen kommen nur noch sporadisch, es gibt keine medizinische Versorgung für die Kranken und keine Möglichkeit, die Toten richtig zu begraben. Zwangsläufig beginnen die gesellschaftlichen Konventionen ebenfalls zu zerfallen - eine Gruppe der blinden Insassen übernimmt die Kontrolle über die schwindende Lebensmittelversorgung und benutzt sie, um die anderen auszubeuten. Währenddessen bemüht sich die Frau des Arztes, ihre kleine Gruppe von blinden Schützlingen zu beschützen, und führt sie schließlich aus dem Asyl in die mittlerweile schrecklich veränderte Landschaft der Stadt zurück. Die Stadt der Blinden ist in vielerlei Hinsicht ein erschreckender Roman. Er liefert eine detaillierte Beschreibung des totalen Zusammenbruchs der Gesellschaft nach einer überaus unnatürlichen Katastrophe. Saramago treibt seine Figuren bis an den Rand der Menschlichkeit und stürzt sie dann in den Abgrund. Seine Charaktere lernen, in unfaßbarem Schmutz zu leben, sie begehen Akte unbeschreiblicher Gewalt und erstaunlicher Großzügigkeit, die vor dieser Tragödie für sie unvorstellbar gewesen wären. Die gesamte gesellschaftliche Struktur verändert sich, um sich den neuen Umständen anzupassen - einer Welt, in der einst zivilisierte Stadtbewohner zu zerlumpten Nomaden werden, die sich auf der Suche nach Nahrung von Gebäude zu Gebäude tasten. Der Teufel steckt im Detail, und Saramago hat sich für uns eine Hölle ausgemalt, in der diejenigen, die auf der Straße erblindeten, niemals mehr ihr Zuhause finden werden, in der Menschen gezwungen sind, Hühner roh zu verspeisen, und Rudel von Hunden auf der Suche nach Leichen über die kotübersähten Bürgersteige streunen. Und dennoch, all diesem Horror hat Saramago Passagen von unübertroffener Schönheit entgegengesetzt. Als ihr von drei ihrer Schützlinge - Frauen, die sie niemals sehen konnten - gesagt wird, sie sei schön, "bricht die Frau des Arztes in Tränen aus wegen eines Personalpronomens, eines Adverbs, eines Verbs, eines Adjektivs, bloße grammatikalische Kategorien, bloße Etiketten, genau wie die zwei Frauen, die anderen, unbestimmte Pronomen, auch sie weinen, sie umarmen die Frau des ganzen Satzes, drei Grazien im Regen." Mit dieser einen Frau hat Saramago eine tapfere, vollentwickelte Figur geschaffen, die dem Leser als Augen und Ohren und als das Gewissen der Menschheit dient. Und er hat mit Die Stadt der Blinden eine gehaltvolle, letztlich transzendente Betrachtung geschrieben über das, was es bedeutet, Mensch zu sein. -Alix Wilber