"Wenn die jeweils jüngste Generation von sich schreibt, dann braucht siedazu nicht notwendig eine ganz und gar "neue", "nie dagewesene" Sprache.Judith Hermanns Geschichten sind so wunderbar gelassen erzählt, als habees den Sturmlauf der Moderne gegen das Erzählen nie gegeben. Und dennochist nichts darin bloß so, wie es immer schon war. Still zittern die letztenhiesigen Umbrüche in den Geschichten; und was darin an Alltäglichem geschieht,kann schon einem Vierzigjährigen als unbekannt und unerhört erscheinen." BurkhardSpinnen "Wir haben eine neue Autorin bekommen, eine hervorragendeAutorin. Ihr Erfolg wird groß sein." Marcel Reich-Ranicki "DerSound einer neuen Generation." Hellmuth Karasek Eine Menge Vorurteile werden mit Judith Hermanns Debütwerk beseitigt: Erstens, es gibt doch gute deutsche Nachwuchsautoren, zweitens, die Gattung der Erzählung ist nicht tot, und drittens, deutsches Schreiben ist per se nicht schwerfällig und grüblerisch, sondern kann, so zeigt Sommerhaus, später, sehr leichtfüßig und virtuos daherkommen. Die Erzählperson schlüpft in neun Geschichten in verschiedene Rollen und Geschlechter: Mal ist sie Enkelin, mal Geliebte, mal Künstler, mal Zuhörer. Und manchmal auch bloß Erzählerin. So schnell sie eine Intimität zum Leser aufbaut, so schnell endet die Geschichte auch wieder und es beginnt eine neue. Personen treten in das Leben der Protagonisten und gehen wieder, reißen kleine Wunden, die lange schmerzen. Da ist der alte, einsame Mann, der seine Klassikkassetten einem jungen Mädchen schenkt, obwohl sie ihn versetzt; oder Sonja, die wie ein naives Kind in einen Maler verliebt ist und dann wie ein Geist wieder aus seinem Leben verschwindet. Gute und Böse gibt es nicht, nur Unvermögen oder Großzügigkeit. Hermanns Kunst ist unmittelbar: direkte Rede, reale Vergleiche, detaillierte Wahrnehmung. Und doch bleiben die Erzählungen angenehm unvollständig. Als hätte jemand eine Kamera auf ein paar Personen in Berlin oder New York oder sonstwo gehalten und wieder ausgeblendet. "Du musst lernen zu warten", sagt einer ihrer Protagonisten, "auch auf die kleinen Ereignisse". Judith Hermann hat für Sommerhaus, später den Förderpreis des Bremer Literaturpreises 1999 erhalten. In der Begründung der Jury heißt es: "Judith Hermann formuliert in atmosphärisch dichter Prosa und mit großer sprachlicher Sicherheit das Lebensgefühl von Menschen, die in Liebe und Angst befangen, das wirkliche Leben verfehlen und das Scheitern der eigenen Lebenspläne mehr melancholisch beobachten als trauernd erleben." -Bettina Albert
Buch:
Nichts als Gespenster
Autor:
Judith Hermann, Ausgabe vom 6. März 2012, Taschenbuch, Verkaufsrang 62667
Nichts als Gespenster. Mit dem Erfolg kommen die Ansprüche. Das musste auch Judith Hermann erfahren und ließ Kritiker und Leser über vier Jahre auf ein zweites Buch warten. Aber das Warten hat sich gelohnt: Wem Sommerhaus, später gefallen hat, wird von den neuen Erzählungen dieser Meisterin der gepflegten Schwermut begeistert sein. In sieben Variationen ihres Lieblingsthemas der unglücklichen Liebe und der allgemeinen Verlorenheit im Leben schickt Judith Hermann ihre Figuren in die Welt hinaus, obwohl den meisten das Reisen so suspekt ist wie der jungen Frau aus "Aqua Alta": "Zwei oder drei Tage vor dem Beginn einer Reise werde ich ängstlich, ohne Grund, alles scheint mir sinnlos, die Ferne, die Fremde, die Kontinente nicht anders als jeder Blick aus meinem Fenster, vier Wochen in einem unbekannten Land, wozu, denke ich, was soll da anders sein und was soll es mir nützen..." Venedig, Prag und Karlsbad, die Wüste Nevadas, Island oder das Norwegen nördlich des Polarkreises - in sämtlichen Erzählungen wird die gewohnte Umgebung hinter sich gelassen, und sei es auch nur eine Fahrt in die deutsche Provinz, wohin die Icherzählerin aus "Ruth (Freundinnen)" reist und sich in den Geliebten der besten Freundin verknallt. Nichts als Gespenster - gespenstisch wirken die Hermann'schen Figuren tatsächlich oft, in ihrer Orientierungslosigkeit und Indifferenz, mit der sie durch ihr Dasein laufen. Inhaltlich und stilistisch setzt die junge Berlinerin, die Sommerhaus, später mit einem Schlag zur erfolgreichen und gefeierten Autorin machte, auf das gleiche Pferd. Warum auch nicht. Andererseits hat sie sich durchaus weiter entwickelt: Ihre Geschichten sind länger (bis zu 60 Seiten) und durch den häufigen Einsatz unterschiedlicher Zeitebenen komplexer geworden. Und selbst einzelne Momente der Seeligkeit gönnt sie ihren Figuren nun hin und wieder, wie am Ende von "Die Liebe zu Ari Oskarsson", der letzten der sieben durchweg gelungenen Erzählungen: "... und wir legten die Köpfe in den Nacken und sahen das Nordlicht an, ins All geschleuderte Materie, ein Haufen heißer Elektronen, zerborstene Sterne, was weiß denn ich. "Und bist du jetzt glücklich?" sagte Owen atemlos, und ich sagte "Sehr." -Christian Stahl
Buch:
Nichts als Gespenster (Fischer Taschenbibliothek)
Autor:
Judith Hermann, Ausgabe vom 17. Aug. 2006, Gebunden, Verkaufsrang 210103
Nichts als Gespenster Mit dem Erfolg kommen die Ansprüche. Das musste auch Judith Hermann erfahren und ließ Kritiker und Leser über vier Jahre auf ein zweites Buch warten. Aber das Warten hat sich gelohnt: Wem Sommerhaus, später gefallen hat, wird von den neuen Erzählungen dieser Meisterin der gepflegten Schwermut begeistert sein. In sieben Variationen ihres Lieblingsthemas der unglücklichen Liebe und der allgemeinen Verlorenheit im Leben schickt Judith Hermann ihre Figuren in die Welt hinaus, obwohl den meisten das Reisen so suspekt ist wie der jungen Frau aus "Aqua Alta": "Zwei oder drei Tage vor dem Beginn einer Reise werde ich ängstlich, ohne Grund, alles scheint mir sinnlos, die Ferne, die Fremde, die Kontinente nicht anders als jeder Blick aus meinem Fenster, vier Wochen in einem unbekannten Land, wozu, denke ich, was soll da anders sein und was soll es mir nützen..." Venedig, Prag und Karlsbad, die Wüste Nevadas, Island oder das Norwegen nördlich des Polarkreises - in sämtlichen Erzählungen wird die gewohnte Umgebung hinter sich gelassen, und sei es auch nur eine Fahrt in die deutsche Provinz, wohin die Icherzählerin aus "Ruth (Freundinnen)" reist und sich in den Geliebten der besten Freundin verknallt. Nichts als Gespenster - gespenstisch wirken die Hermann'schen Figuren tatsächlich oft, in ihrer Orientierungslosigkeit und Indifferenz, mit der sie durch ihr Dasein laufen. Inhaltlich und stilistisch setzt die junge Berlinerin, die Sommerhaus, später mit einem Schlag zur erfolgreichen und gefeierten Autorin machte, auf das gleiche Pferd. Warum auch nicht. Andererseits hat sie sich durchaus weiter entwickelt: Ihre Geschichten sind länger (bis zu 60 Seiten) und durch den häufigen Einsatz unterschiedlicher Zeitebenen komplexer geworden. Und selbst einzelne Momente der Seeligkeit gönnt sie ihren Figuren nun hin und wieder, wie am Ende von "Die Liebe zu Ari Oskarsson", der letzten der sieben durchweg gelungenen Erzählungen: "... und wir legten die Köpfe in den Nacken und sahen das Nordlicht an, ins All geschleuderte Materie, ein Haufen heißer Elektronen, zerborstene Sterne, was weiß denn ich. "Und bist du jetzt glücklich?" sagte Owen atemlos, und ich sagte "Sehr." -Christian Stahl
Buch:
Sommerhaus, später (Fischer Taschenbibliothek)
Autor:
Judith Hermann, Ausgabe vom 1. Nov. 2007, Gebunden, Verkaufsrang 145680
Sommerhaus, später Eine Menge Vorurteile werden mit Judith Hermanns Debütwerk beseitigt: Erstens, es gibt doch gute deutsche Nachwuchsautoren, zweitens, die Gattung der Erzählung ist nicht tot, und drittens, deutsches Schreiben ist per se nicht schwerfällig und grüblerisch, sondern kann, so zeigt Sommerhaus, später, sehr leichtfüßig und virtuos daherkommen. Die Erzählperson schlüpft in neun Geschichten in verschiedene Rollen und Geschlechter: Mal ist sie Enkelin, mal Geliebte, mal Künstler, mal Zuhörer. Und manchmal auch bloß Erzählerin. So schnell sie eine Intimität zum Leser aufbaut, so schnell endet die Geschichte auch wieder und es beginnt eine neue. Personen treten in das Leben der Protagonisten und gehen wieder, reißen kleine Wunden, die lange schmerzen. Da ist der alte, einsame Mann, der seine Klassikkassetten einem jungen Mädchen schenkt, obwohl sie ihn versetzt; oder Sonja, die wie ein naives Kind in einen Maler verliebt ist und dann wie ein Geist wieder aus seinem Leben verschwindet. Gute und Böse gibt es nicht, nur Unvermögen oder Großzügigkeit. Hermanns Kunst ist unmittelbar: direkte Rede, reale Vergleiche, detaillierte Wahrnehmung. Und doch bleiben die Erzählungen angenehm unvollständig. Als hätte jemand eine Kamera auf ein paar Personen in Berlin oder New York oder sonstwo gehalten und wieder ausgeblendet. "Du musst lernen zu warten", sagt einer ihrer Protagonisten, "auch auf die kleinen Ereignisse". Judith Hermann hat für Sommerhaus, später den Förderpreis des Bremer Literaturpreises 1999 erhalten. In der Begründung der Jury heißt es: "Judith Hermann formuliert in atmosphärisch dichter Prosa und mit großer sprachlicher Sicherheit das Lebensgefühl von Menschen, die in Liebe und Angst befangen, das wirkliche Leben verfehlen und das Scheitern der eigenen Lebenspläne mehr melancholisch beobachten als trauernd erleben." -Bettina Albert
Hörbuch:
Nichts als Gespenster - 3 CDs.
Autor:
Judith Hermann, Ausgabe vom 2003, Audio CD, Verkaufsrang 510755
Mit dem Erfolg kommen die Ansprüche. Das musste auch Judith Hermann erfahren und ließ Kritiker und Leser über vier Jahre auf ein zweites Buch warten. Aber das Warten hat sich gelohnt: Wem Sommerhaus, später gefallen hat, wird von den neuen Erzählungen dieser Meisterin der gepflegten Schwermut begeistert sein. In sieben Variationen ihres Lieblingsthemas der unglücklichen Liebe und der allgemeinen Verlorenheit im Leben schickt Judith Hermann ihre Figuren in die Welt hinaus, obwohl den meisten das Reisen so suspekt ist wie der jungen Frau aus "Aqua Alta": "Zwei oder drei Tage vor dem Beginn einer Reise werde ich ängstlich, ohne Grund, alles scheint mir sinnlos, die Ferne, die Fremde, die Kontinente nicht anders als jeder Blick aus meinem Fenster, vier Wochen in einem unbekannten Land, wozu, denke ich, was soll da anders sein und was soll es mir nützen..." Venedig, Prag und Karlsbad, die Wüste Nevadas, Island oder das Norwegen nördlich des Polarkreises - in sämtlichen Erzählungen wird die gewohnte Umgebung hinter sich gelassen, und sei es auch nur eine Fahrt in die deutsche Provinz, wohin die Icherzählerin aus "Ruth (Freundinnen)" reist und sich in den Geliebten der besten Freundin verknallt. Nichts als Gespenster - gespenstisch wirken die Hermann'schen Figuren tatsächlich oft, in ihrer Orientierungslosigkeit und Indifferenz, mit der sie durch ihr Dasein laufen. Inhaltlich und stilistisch setzt die junge Berlinerin, die Sommerhaus, später mit einem Schlag zur erfolgreichen und gefeierten Autorin machte, auf das gleiche Pferd. Warum auch nicht. Andererseits hat sie sich durchaus weiter entwickelt: Ihre Geschichten sind länger (bis zu 60 Seiten) und durch den häufigen Einsatz unterschiedlicher Zeitebenen komplexer geworden. Und selbst einzelne Momente der Seeligkeit gönnt sie ihren Figuren nun hin und wieder, wie am Ende von "Die Liebe zu Ari Oskarsson", der letzten der sieben durchweg gelungenen Erzählungen: "... und wir legten die Köpfe in den Nacken und sahen das Nordlicht an, ins All geschleuderte Materie, ein Haufen heißer Elektronen, zerborstene Sterne, was weiß denn ich. "Und bist du jetzt glücklich?" sagte Owen atemlos, und ich sagte "Sehr." -Christian Stahl Judith Hermann, seit ihrem Erzählband "Sommerhaus, später" von der Literaturkritik zur bedeutendsten deutschen Autorin erkoren, liest aus ihrem neuen Erzählband "Nichts als Gespenster". Sie trägt drei der insgesamt sieben Liebesgeschichten vor: Betont unprätentiös, schlicht, lakonisch, im immer gleichen Rhythmus. Eine Autorenlesung, in der die Stimme den Inhalt passend transportiert. Die Protagonisten dieser Storys sind alle auf der Suche nach sich selbst. Zu diesem Behufe reisen sie viel. Und auf diesen Reisen ist ihre Wahrnehmung geschärft, sie verfügen über eine genaue, detaillierte Beobachtungsgabe. In ihrem Leben passieren keine aufsehnerregenden Dinge; trotzdem sind es Leben, die es wert sind, gelebt zu werden. Gerade weil der Zufall eine so große Rolle spielt. In allen drei Geschichten lösen Momentaufnahmen, Augenblicke oder Sätze die weitere Entwicklung aus. In der ersten "Ruth" genannten Erzählung steht am Anfang der Satz "Versprich mir, dass Du niemals etwas mit ihm anfangen wirst." Und genau das passiert, obwohl sich die beiden engsten Freundinnen niemals für die Männer der anderen interessiert haben. Die Ich-Erzählerin reist nach Paris, und denkt doch nur an Raoul, den Mann, in den sich Ruth, die beste Freundin, unsterblich verliebt hat. Er ist für sie ein Versuch, etwas über das eigene Ich zu erfahren, eventuell über ihn etwas Festes im Leben zu erlangen. Nach dem schnellen Ende der Begegnung denkt sie über den von Raoul geäußerten Satz "Bis Du die, für die ich Dich halte?" lange nach. In "Nichts als Gespenster" begegnen Ellen, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, und Felix, ein nicht ganz glückliches Paar aus Berlin, in einer Bar in Austin Buddy. Die beiden Deutschen reisen drei Monate lang von der Ost- zur Westküste. Buddy hat Austin bis auf ein einziges Mal nie verlassen. Er ist da geboren, verheiratet, hat einen kleinen Jungen. Seine unachtsame Bemerkung "Wir wüssten nicht, wie es ist, für ein Kind Turnschuhe zu kaufen ..." wird für Ellen, Felix und das Kind, zurück in Berlin, eine große Bedeutung haben. Eine flüchtige Begegnung ? nichts als Gespenster. Judith Hermann, 1970 geboren, hatte mit ihrem Debüt-Erzählband einen fulminanten Erfolg: 250.000 mal wurde "Sommerhaus, später" verkauft. Das Übermaß an Lob, das ihr zuteil wurde, hat sie schier erdrückt. Nach einer Zeit des Sammelns, und nachdem sie jetzt ein Kind hat, veröffentlichte sie nach vier Jahren ihr zweites Buch. "Nichts als Gespenster" ist wieder eine Hommage an die winzigen Momente, an das Genre der Erzählung und an Autoren wie Raymond Carver und Alice Munro. Autorenlesung, Spieldauer: ca. 195 Minuten, 3 CD. Auch als MC erhältlich. - culture.text
Buch:
Sommerhaus, später
Autor:
Judith Hermann, Ausgabe vom 1998, Taschenbuch, Verkaufsrang 307594
Aus der Amazon.de-Redaktion Eine Menge Vorurteile werden mit Judith Hermanns Debütwerk beseitigt: Erstens, es gibt doch gute deutsche Nachwuchsautoren, zweitens, die Gattung der Erzählung ist nicht tot, und drittens, deutsches Schreiben ist per se nicht schwerfällig und grüblerisch, sondern kann, so zeigt Sommerhaus, später, sehr leichtfüßig und virtuos daherkommen. Die Erzählperson schlüpft in neun Geschichten in verschiedene Rollen und Geschlechter: Mal ist sie Enkelin, mal Geliebte, mal Künstler, mal Zuhörer. Und manchmal auch bloß Erzählerin. So schnell sie eine Intimität zum Leser aufbaut, so schnell endet die Geschichte auch wieder und es beginnt eine neue. Personen treten in das Leben der Protagonisten und gehen wieder, reißen kleine Wunden, die lange schmerzen. Da ist der alte, einsame Mann, der seine Klassikkassetten einem jungen Mädchen schenkt, obwohl sie ihn versetzt; oder Sonja, die wie ein naives Kind in einen Maler verliebt ist und dann wie ein Geist wieder aus seinem Leben verschwindet. Gute und Böse gibt es nicht, nur Unvermögen oder Großzügigkeit. Hermanns Kunst ist unmittelbar: direkte Rede, reale Vergleiche, detaillierte Wahrnehmung. Und doch bleiben die Erzählungen angenehm unvollständig. Als hätte jemand eine Kamera auf ein paar Personen in Berlin oder New York oder sonstwo gehalten und wieder ausgeblendet. "Du musst lernen zu warten", sagt einer ihrer Protagonisten, "auch auf die kleinen Ereignisse". Judith Hermann hat für Sommerhaus, später den Förderpreis des Bremer Literaturpreises 1999 erhalten. In der Begründung der Jury heißt es: "Judith Hermann formuliert in atmosphärisch dichter Prosa und mit großer sprachlicher Sicherheit das Lebensgefühl von Menschen, die in Liebe und Angst befangen, das wirkliche Leben verfehlen und das Scheitern der eigenen Lebenspläne mehr melancholisch beobachten als trauernd erleben." -Bettina Albert
Hörbuch:
Himmel und Hölle - 2 CDs
Autor:
Alice Munro, Judith Hermann, Ausgabe vom 1. Sept. 2005, Audio CD, Verkaufsrang 764166
Judith Hermann, Ausgabe vom März 2003, Gebunden, Verkaufsrang 381426
Mit dem Erfolg kommen die Ansprüche. Das musste auch Judith Hermann erfahren und ließ Kritiker und Leser über vier Jahre auf ein zweites Buch warten. Aber das Warten hat sich gelohnt: Wem Sommerhaus, später gefallen hat, wird von den neuen Erzählungen dieser Meisterin der gepflegten Schwermut begeistert sein. In sieben Variationen ihres Lieblingsthemas der unglücklichen Liebe und der allgemeinen Verlorenheit im Leben schickt Judith Hermann ihre Figuren in die Welt hinaus, obwohl den meisten das Reisen so suspekt ist wie der jungen Frau aus "Aqua Alta": "Zwei oder drei Tage vor dem Beginn einer Reise werde ich ängstlich, ohne Grund, alles scheint mir sinnlos, die Ferne, die Fremde, die Kontinente nicht anders als jeder Blick aus meinem Fenster, vier Wochen in einem unbekannten Land, wozu, denke ich, was soll da anders sein und was soll es mir nützen..." Venedig, Prag und Karlsbad, die Wüste Nevadas, Island oder das Norwegen nördlich des Polarkreises - in sämtlichen Erzählungen wird die gewohnte Umgebung hinter sich gelassen, und sei es auch nur eine Fahrt in die deutsche Provinz, wohin die Icherzählerin aus "Ruth (Freundinnen)" reist und sich in den Geliebten der besten Freundin verknallt. Nichts als Gespenster - gespenstisch wirken die Hermann'schen Figuren tatsächlich oft, in ihrer Orientierungslosigkeit und Indifferenz, mit der sie durch ihr Dasein laufen. Inhaltlich und stilistisch setzt die junge Berlinerin, die Sommerhaus, später mit einem Schlag zur erfolgreichen und gefeierten Autorin machte, auf das gleiche Pferd. Warum auch nicht. Andererseits hat sie sich durchaus weiter entwickelt: Ihre Geschichten sind länger (bis zu 60 Seiten) und durch den häufigen Einsatz unterschiedlicher Zeitebenen komplexer geworden. Und selbst einzelne Momente der Seeligkeit gönnt sie ihren Figuren nun hin und wieder, wie am Ende von "Die Liebe zu Ari Oskarsson", der letzten der sieben durchweg gelungenen Erzählungen: "... und wir legten die Köpfe in den Nacken und sahen das Nordlicht an, ins All geschleuderte Materie, ein Haufen heißer Elektronen, zerborstene Sterne, was weiß denn ich. "Und bist du jetzt glücklich?" sagte Owen atemlos, und ich sagte "Sehr." -Christian Stahl Judith Hermann, seit ihrem Erzählband "Sommerhaus, später" von der Literaturkritik zur bedeutendsten deutschen Autorin erkoren, liest aus ihrem neuen Erzählband "Nichts als Gespenster". Sie trägt drei der insgesamt sieben Liebesgeschichten vor: Betont unprätentiös, schlicht, lakonisch, im immer gleichen Rhythmus. Eine Autorenlesung, in der die Stimme den Inhalt passend transportiert. Die Protagonisten dieser Storys sind alle auf der Suche nach sich selbst. Zu diesem Behufe reisen sie viel. Und auf diesen Reisen ist ihre Wahrnehmung geschärft, sie verfügen über eine genaue, detaillierte Beobachtungsgabe. In ihrem Leben passieren keine aufsehnerregenden Dinge; trotzdem sind es Leben, die es wert sind, gelebt zu werden. Gerade weil der Zufall eine so große Rolle spielt. In allen drei Geschichten lösen Momentaufnahmen, Augenblicke oder Sätze die weitere Entwicklung aus. In der ersten "Ruth" genannten Erzählung steht am Anfang der Satz "Versprich mir, dass Du niemals etwas mit ihm anfangen wirst." Und genau das passiert, obwohl sich die beiden engsten Freundinnen niemals für die Männer der anderen interessiert haben. Die Ich-Erzählerin reist nach Paris, und denkt doch nur an Raoul, den Mann, in den sich Ruth, die beste Freundin, unsterblich verliebt hat. Er ist für sie ein Versuch, etwas über das eigene Ich zu erfahren, eventuell über ihn etwas Festes im Leben zu erlangen. Nach dem schnellen Ende der Begegnung denkt sie über den von Raoul geäußerten Satz "Bis Du die, für die ich Dich halte?" lange nach. In "Nichts als Gespenster" begegnen Ellen, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, und Felix, ein nicht ganz glückliches Paar aus Berlin, in einer Bar in Austin Buddy. Die beiden Deutschen reisen drei Monate lang von der Ost- zur Westküste. Buddy hat Austin bis auf ein einziges Mal nie verlassen. Er ist da geboren, verheiratet, hat einen kleinen Jungen. Seine unachtsame Bemerkung "Wir wüssten nicht, wie es ist, für ein Kind Turnschuhe zu kaufen ..." wird für Ellen, Felix und das Kind, zurück in Berlin, eine große Bedeutung haben. Eine flüchtige Begegnung ? nichts als Gespenster. Judith Hermann, 1970 geboren, hatte mit ihrem Debüt-Erzählband einen fulminanten Erfolg: 250.000 mal wurde "Sommerhaus, später" verkauft. Das Übermaß an Lob, das ihr zuteil wurde, hat sie schier erdrückt. Nach einer Zeit des Sammelns, und nachdem sie jetzt ein Kind hat, veröffentlichte sie nach vier Jahren ihr zweites Buch. "Nichts als Gespenster" ist wieder eine Hommage an die winzigen Momente, an das Genre der Erzählung und an Autoren wie Raymond Carver und Alice Munro. Autorenlesung, Spieldauer: ca. 195 Minuten, 3 MC. Auch als CD erhältlich. - culture.text
Buch:
Netzwerk der Macht - Bertelsmann - Der medial-politische Komplex aus Gütersloh
Autor:
Alex Demirovic, Frank Böckelmann, Hermann Werle, Marco Unger, Thomas Barth, Steffen Roski, Christiane Leidinger, Oliver Schöller, Oliver Naß, Ausgabe vom Okt. 2007, Broschiert, Verkaufsrang 845606
Audiobook-Rezensionen "Liebe bis aufs Blut" ist eine Zusammenstellung von sechs Geschichten junger deutscher Autorinnen. Das gemeinsame Thema ist Liebe. Liebe, die sich in Schmerz und Eifersucht verwandelt und das alles überschattende Gefühl, vergiftet zu sein. Es sind Erzählungen, in denen junge Mädchen, junge Frauen manchmal völlig irritiert und fassungslos feststellen, dass Liebe brutal weh tun kann. Jede Geschichte wird von der Autorin selbst gelesen. Man ist dabei überrascht, von so viel Einsamkeit, Leere und Trostlosigkeit zu hören. Judith Hermann erzählt in "Zigaretten" davon, dass sie letztendlich eifersüchtig ist auf die Zeit, in der ihr Freund sie noch nicht kannte, als er ohne sie leben konnte. Sie ist eifersüchtig auf die Vergangenheit. Giftige Gedanken sind in Jenny Erpenbecks Erzählung " Atropa Bella-Donna" das düstere Ende einer langen Freundschaft. Er hat eine Freundin, während sie ihm in den gemeinsamen Ferien ihre Liebe gestehen wollte. Sie muss sich eingestehen, dass sie vom vielen Sehen vergiftet ist. "Lolo" von Tanja Dückers beschreibt die glückliche Befreiung von einem Traumjungen, der jedoch keine Nähe will. Laura ist auf die vielen Freunde, die nicht gewährte gemeinsame Zeit eifersüchtig; nicht auf eine andere Frau. Den schmerzhaften Verlust der besten Freundin an einen Mann beschreibt Simone Buchholz in "Austausch". "Deine Finger reichen nicht bis zum November" von Alissa Walser stellt dar, was im Kopf passieren kann, wenn der Freund mit seiner Ex in Urlaub fährt. "Gras und Rüben" schließlich zeigt die geträumte, eingebildete Beziehung des Geliebten Flip mit seiner Cousine Carla. Autorenlesung, Spieldauer: ca. 128 Minuten, 2 CD. - culture.text