Erscheinungsjahr: 2008 Gewicht: 160 gr / Abmessung: 19 cm Von Goldt, Max "Dass Max Goldts Werk sehr komisch ist, weiß ja nun jeder gute Mensch zwischen Passau und Flensburg. Dass es aber, liest man genau, zum am feinsten Gearbeiteten gehört, was unsere Literatur zu bieten hat, dass es wahre Wunder an Eleganz und Poesie enthält und dass sich hinter seinen trügerischen Gedankenfluchten die genaueste Komposition und eine blendend helle moralische Intelligenz verbergen, entgeht noch immer vielen, die nur aufs Lachen und auf Pointen aus sind." (Daniel Kehlmann) Max Goldt ist ein Meister der freischwebend-assoziativen, dabei aber überaus präzisen und sich aus (teils absurden) Alltagssituationen aufs Wundervollste speisenden Sprache. Das fängt schon bei den Überschriften an. So ließ es sich Goldt 2006 nicht nehmen, einen seiner Zweiseiter in der Satirezeitschrift Titanic nach der gesellschaftlich damals gerade viel diskutierten Hochschulqualitätshebungsaktion "Die Exzellenzinitiative" zu nennen - wohl deshalb, weil er dieses Kleinod deutscher Sprache nicht ungenutzt an sich vorüberziehen lassen wollte. Der Text freilich handelte gar nicht von eben jener, sondern unter anderem von den diversen Verwendungsmöglichkeiten der Pelikane in einer immer hitziger werdenden Welt und hätte auch einen ganz anderen Titel haben können: was er im Sammelband QQ - dort taucht er als "Die Prophezeiung" auf - auch hat. QQ ist auch einer von diesen freischwebend-assoziativen Titeln, zumindest auf den ersten Blick. Laut Auskunft seines Trägers steht er als Kürzel für "quiet quality", einem Schlagwort aus den USA "für alles, was nicht schreit und spritzt". Der zweite Blick offenbart also bereits, wie klug der Titel ist. Denn in den 21 Essays, die allesamt auf Erstveröffentlichungen in Titanic aus den Jahren 2005 und 2006 basieren, schreit und spritzt es an keiner Stelle, ganz im Gegenteil: es fließt alles in einer so wohlfeilen Stille dahin, dass man richtig erschrickt, wenn sie einmal ins Plätschern gerät: dann nämlich, wenn Goldt - wie in seiner grandiosen Reflexion "Über Fernsehmusik" - die fulminant komische Dichte des Anfangs (es geht um die Legende zweier lesbischer Heiliger, die sich im Mittelalter in ein und denselben Turm einmauern) nicht halten kann. Aber das ist, wie gesagt, nicht oft der Fall. An einer Stelle von QQ zeigt sich Goldt irritiert darüber, dass offenbar kein griechischer Name für die Angst existiere, "einen mit Denkerstolz und Manneskraft geschriebenen Aufsatz auf eine so schlaffe, ja sogar Heckenknöterich angähnende Weise zu beschließen, aber, mein Gott, angstlösende Tabletten muss man wegen einer solchen Angst wohl keine schlucken - da muss man einfach durch, das werden die Leute schon akzeptieren in ihrer herben, volkstümlichen Milde." Ja, die Leute würden sogar das, wenn sie denn müssten. Aber heckenknöterichgähnende Schlüsse kann Goldt, so scheint es, ohnehin gar nicht schreiben. - Thomas Köster, Literaturanzeiger.de
Buch:
Ä: Kolumnen
Autor:
Max Goldt, Ausgabe vom 1. März 2004, Taschenbuch, Verkaufsrang 58477
Aus der Amazon.de-Redaktion Ä ist bereits der dritte Band mit Max Goldts sagenhaft orginellen Kolumnen aus dem Satiremagazin Titanic. Der 1958 geborene, in Berlin lebende Autor, ist allerspätestens durch Die Radiotrinkerin zur Kultfigur innerhalb der deutschsprachigen Literaturszene geworden, und liest man die Texte aus Ä, begreift man auch wieso. Goldt ist sprachlich ganz nah am Puls der Zeit, seine Texte entwickeln sich mehr als schräg. So beginnt "Finanztantenhappen in Freiheit heißen Hering" mit der Einkommens- und Umsatzsteuerpflicht, handelt jedoch bald vom Laienrichtertum und dem zu verhandelnden Fall einer 2CV-fahrenden, schwangeren und obendrein nervösen Lehrerin, die von einem Motorradfahrer "mit Ungentlemanlikem bekübelt wurde", nachdem er ihr "eine reingehaut hatte". Goldt verläßt daraufhin das Gericht und geht ins gegenüberliegende Lokal. Dort entdeckt er auf der Speisekarte eine "Gerichtsdiener-Terrine", einen "Ratsherrentopf" oder einen "Senatorenhappen", der sich als Hering in Tunke aus der Dose herausstellt, wo doch jeder weiß, daß diese "Fischdosen hergestellt werden, damit betrunkene Heimkommende was Weiches und Würziges zum Reinschaufeln haben". Woraus Goldt schließt, die Konservenhersteller würden die Bevölkerungsgruppe der Senatoren pauschal der Besoffenheit bezichtigen, wenngleich er einräumt, daß "sicher auch ein Senator mal seine Sorgen in ein Glaserl Wein schüttet, weil seine Existenz verschattet ist". "Doch auch Finanztanten (um zum Ausgangspunkt, der Einkommens- und Umsatzsteuerpflicht zurückzufinden) haben ihren Anteil an Sorge, Schatten & Wein. Der Fisch könnte ebenso Finanztantenhappen heißen". Ä ist ein unbeschreibliches Buch, besonders empfehlenswert zum Beispiel für "Björk"-Konzertbesucher oder so. -Mike Markart
Buch:
Vom Zauber des seitlich dran Vorbeigehens: Prosa und Szenen 2002-2004
Autor:
Max Goldt, Ausgabe vom 1. Aug. 2006, Taschenbuch, Verkaufsrang 119429
Aus der Amazon.de-Redaktion Was würde wohl die Nachwelt über den inzwischen 46-jährigen, begnadeten Titanic-Kolumnisten Max Goldt so Tolles denken, wenn er stürbe? Natürlich kann man das nicht wissen, aber für die Beantwortung von derlei skurrilen Fragen haben wir ja einen, der sie besser als jeder andere beantworten kann: Max Goldt selbst natürlich. In der wundervollen Erzähl- und Dialogsammlung Vom Zauber des seitlich dran Vorübergehens hat er das getan, mit Hilfe des Mundes eines Freundes, in einer Geschichte mit dem anspielungsreichen Titel "Das süße Nichts (Ich weiß noch, über was wir gestern Abend geredet haben)", die von wunderschönen Konjunktiven nur so wimmelt. Wenn Max Goldt stürbe, sagt da der Freund, dann würde als toll im Gedächtnis bleiben, dass er eine "angenehm ungroße Pfeffermühle" besessen hätte "und nicht, wie heutzutage beinahe bei allen, ein Ungetüm im Maßstab einer Grabbeigabe aus phallokratischer Vorzeit." Vermutlich wird die Nachwelt an Max Goldt toll finden, was er nach der Tollfindäußerung des Freundes an Erklärungen für die Daseinsberechtigung hässlicher übergroßer Pfeffermühlen auffährt. Wie er aus der Absage, "eine wunderbar satirische Weihnachtsgeschichte" zu schreiben, eine herrlich ironische Story über Weihnachtsbräuche und die Psychologie satirischer Weihnachtsgeschichten schnitzt. Und wie es ihm immer wieder gelingt, den Finger auf all jene scheußlichen Dinge unserer Alltagswelt zu legen, an denen man "in friedlichem Desinteresse" und "dank der guten baupolizeilichen Bestimmung in Deutschland" auch einfach seitlich vorübergehen könnte. Würde der Nachwelt nach Goldts Dahinscheiden nur Vom Zauber des seitlich dran Vorübergehens überliefert werden, so stünde es der Nachwelt gut an zu behaupten, Goldt sei niemals ein begnadeter Kolumnist gewesen. Denn mit diesem Buch hat er sich endlich von diesem einengenden Attribut emanzipiert. Er sollte den Nachgeborenen als begnadeter Humorist und Wortzauberer in Erinnerung bleiben. Dass er das und nichts anderes ist, hat er mit Vom Zauber des seitlich dran Vorübergehens eindrücklich bewiesen. -Thomas Köster
Hörbuch:
Nichts als Punk und Pils und Staatsverdruß
Autor:
Max Goldt, Ausgabe vom April 2008, Audio CD, Verkaufsrang 202321
Als der ebenso renommierte wie wohlfeile Haffmans Verlag zu Grunde ging, da weinte mancher Kollege bittere Krokodilstränen und mancher Leser ehrlich. Gibt es denn nichts Gutes, was aus dem Desaster zu ziehen wäre?, fragte sich mancher damals. Doch, gibt es, kann man sagen. Denn die Kolumnen-Legende Max Goldt wechselte zu Rowohlt über. Und weil sie nicht immer unbedingt Neues zu bieten hatte, gibt es nun eben ein Best Of in neuer Verlagsumgebung. Was soll man sagen: Die prachtvollsten Texte von 1988-2002 (so der Untertitel) sind wirklich das Wundervollste, was Lesern passieren kann, die Goldts Bücher wie Die Radiotrinkerin, Die Kugeln in unseren Köpfen, Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau, Schließ einfach die Augen und stell dir vor, ich wäre Heinz Klunker oder Ä noch nicht im Bücherschrank haben. In Für Nächte am offenen Fenster geht Goldt unter anderem der Frage nach, ob Claudia Schiffers Schwester schwitzte, was es mit Herrn Eibuhms Badezimmerradio im Besonderen (oder Brillenputztüchern im Allgemeinen) so auf sich hat und warum auch Tote seine Füße filmen dürfen. Dabei werden in bester Goldt-Manier Bezüge geschaffen, die man so nicht hätte erwarten können (siehe das Kapitel "Zimt auf Samt"). Für Nächte am offenen Fenster jedenfalls ist unbedingt etwas für Abende am offenen Kamin. Oder für die gepflegte Lektüre auf geschlossenen Toiletten, sofern man denn eine von Max Goldt so sehr geliebte "Kloumpuschelung" sein eigen nennt. Treffsicher und "goldtrichtig" eben. -Stefan Kellerer Sein Markenzeichen? Bahnbrechende Wortkreationen und ein kritischer, manchmal penetrant sezierender Blick auf unseren Alltag. Es ist wie immer: Man mag ihn, oder man mag ihn eben nicht. Dazwischen gibt?s nichts. Max Gold wurde 1958 in Göttingen geboren und lebt in Berlin. Seine "Titanic"-Kolumnen, die er bis Ende der 90er Jahre für das Satire-Magazin schrieb, sind Legende. Goldt betätigt sich auch als Musiker, Verfasser von Hörspielen und zusammen mit Stephan Katz als Comic-Produzent. Für seine Arbeit wurden ihm 1997 der Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor und 1999 der Richard-Schönfeld-Preis für literarische Satire verliehen. Auf diesen zwei CDs finden sich die besten, vom Autor selbst ausgesuchte, teilweise unveröffentlichte Texte aus den Jahren 1988 bis 2002. Luxusprosa aus den neunziger Jahren, vom Meister selbst vorgetragen. Bei dem Publikumsliebling "Üble Beläge", der in der gedruckten Version der Sammlung nicht vertreten ist, könnte einem wahrlich die Lust auf Weizenbier (=Weißbier) vergehen. Goldts Erläuterungen der Zustände in Brauereikellern sind in der Tat mikroskopisch. Doch irgendwann weiß man, dass es nur so schön ist, immer Beläge zu sagen. Der Text ist ein Beweisstück mehr für die Meisterschaft des Autors, Abschweifungen zum Thema derart plastisch zu entwickeln, dass einem wie im vorliegenden Fall Ekel befällt. In dem Text "Die Leutchen und die Mädchen" räsoniert Goldt über Blasenmittel, die fortschreitende Beschriftung der Bevölkerung und Eleganz, entwickelt Shirt-Aufschriften wie "Wein ist was man trinkt, wenn das Bier alle ist!" und endet in einer Beschimpfung von kreischenden Mädchen. "Mädchen sind der Beginn jeder neuen Ordnung und haben sehr viel mit dem Tod zu tun." Er schiebt die Frage hinterher: "Ist das auch süß?" Banalitäten und Peinlichkeiten, die aus der Anredeform entstehen, finden sich in "In der Duz- Falle". Dass das immer noch gängige Duzen unter Kommilitonen nicht mehr als ein "Rudiment alter APO-Schlottrigkeit" ist, darauf kann man selbst kommen. Dass es in manchen Kneipen Usus ist, die Gäste erst kurz vor ihrem Tod zu siezen, muss man selbst erleben. Und dass es erniedrigend ist, sein Feinde zu siezen, und das "du" jedes Einklagen unglaublich erschwert, weiß jedes Kind. Alles in allem ist es ein Kräfte zehrender Akt, ein unwillkommenes "du" abzuweisen. Deshalb sollte man es wie der Autor halten, der "in der Frage, ob man ihn duzt oder siezt, nicht zu Leidenschaftsausbrüchen neigt." Keine Frage: Die Texte dieser Sammlung sind ein Muss für Max Goldts Gemeinde. Für Menschen, die dazugehören wollen, sind sie als Einstieg ideal. Der Autor selbst artikuliert, was sein ungefilterter Blick auf die alltägliche Wirklichkeit sieht. In seiner leicht ironisch, teilweise "oberlehrerhaft" klingenden Stimme findet das satirische Infragestellen von vermeintlichen Selbstverständlichkeiten den passenden Rahmen. Autorenlesung, Spieldauer: ca. 152 Minuten, 2 CD. - culture.text
Buch:
Für Nächte am offenen Fenster: Die prachtvollsten Texte 1988-2002
Autor:
Max Goldt, Ausgabe vom 19. Sept. 2003, Gebunden, Verkaufsrang 175828
Als der ebenso renommierte wie wohlfeile Haffmans Verlag zu Grunde ging, da weinte mancher Kollege bittere Krokodilstränen und mancher Leser ehrlich. Gibt es denn nichts Gutes, was aus dem Desaster zu ziehen wäre?, fragte sich mancher damals. Doch, gibt es, kann man sagen. Denn die Kolumnen-Legende Max Goldt wechselte zu Rowohlt über. Und weil sie nicht immer unbedingt Neues zu bieten hatte, gibt es nun eben ein Best Of in neuer Verlagsumgebung. Was soll man sagen: Die prachtvollsten Texte von 1988-2002 (so der Untertitel) sind wirklich das Wundervollste, was Lesern passieren kann, die Goldts Bücher wie Die Radiotrinkerin, Die Kugeln in unseren Köpfen, Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau, Schließ einfach die Augen und stell dir vor, ich wäre Heinz Klunker oder Ä noch nicht im Bücherschrank haben. In Für Nächte am offenen Fenster geht Goldt unter anderem der Frage nach, ob Claudia Schiffers Schwester schwitzte, was es mit Herrn Eibuhms Badezimmerradio im Besonderen (oder Brillenputztüchern im Allgemeinen) so auf sich hat und warum auch Tote seine Füße filmen dürfen. Dabei werden in bester Goldt-Manier Bezüge geschaffen, die man so nicht hätte erwarten können (siehe das Kapitel "Zimt auf Samt"). Für Nächte am offenen Fenster jedenfalls ist unbedingt etwas für Abende am offenen Kamin. Oder für die gepflegte Lektüre auf geschlossenen Toiletten, sofern man denn eine von Max Goldt so sehr geliebte "Kloumpuschelung" sein eigen nennt. Treffsicher und "goldtrichtig" eben. -Stefan Kellerer Sein Markenzeichen? Bahnbrechende Wortkreationen und ein kritischer, manchmal penetrant sezierender Blick auf unseren Alltag. Es ist wie immer: Man mag ihn, oder man mag ihn eben nicht. Dazwischen gibt?s nichts. Max Gold wurde 1958 in Göttingen geboren und lebt in Berlin. Seine "Titanic"-Kolumnen, die er bis Ende der 90er Jahre für das Satire-Magazin schrieb, sind Legende. Goldt betätigt sich auch als Musiker, Verfasser von Hörspielen und zusammen mit Stephan Katz als Comic-Produzent. Für seine Arbeit wurden ihm 1997 der Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor und 1999 der Richard-Schönfeld-Preis für literarische Satire verliehen. Auf diesen zwei CDs finden sich die besten, vom Autor selbst ausgesuchte, teilweise unveröffentlichte Texte aus den Jahren 1988 bis 2002. Luxusprosa aus den neunziger Jahren, vom Meister selbst vorgetragen. Bei dem Publikumsliebling "Üble Beläge", der in der gedruckten Version der Sammlung nicht vertreten ist, könnte einem wahrlich die Lust auf Weizenbier (=Weißbier) vergehen. Goldts Erläuterungen der Zustände in Brauereikellern sind in der Tat mikroskopisch. Doch irgendwann weiß man, dass es nur so schön ist, immer Beläge zu sagen. Der Text ist ein Beweisstück mehr für die Meisterschaft des Autors, Abschweifungen zum Thema derart plastisch zu entwickeln, dass einem wie im vorliegenden Fall Ekel befällt. In dem Text "Die Leutchen und die Mädchen" räsoniert Goldt über Blasenmittel, die fortschreitende Beschriftung der Bevölkerung und Eleganz, entwickelt Shirt-Aufschriften wie "Wein ist was man trinkt, wenn das Bier alle ist!" und endet in einer Beschimpfung von kreischenden Mädchen. "Mädchen sind der Beginn jeder neuen Ordnung und haben sehr viel mit dem Tod zu tun." Er schiebt die Frage hinterher: "Ist das auch süß?" Banalitäten und Peinlichkeiten, die aus der Anredeform entstehen, finden sich in "In der Duz- Falle". Dass das immer noch gängige Duzen unter Kommilitonen nicht mehr als ein "Rudiment alter APO-Schlottrigkeit" ist, darauf kann man selbst kommen. Dass es in manchen Kneipen Usus ist, die Gäste erst kurz vor ihrem Tod zu siezen, muss man selbst erleben. Und dass es erniedrigend ist, sein Feinde zu siezen, und das "du" jedes Einklagen unglaublich erschwert, weiß jedes Kind. Alles in allem ist es ein Kräfte zehrender Akt, ein unwillkommenes "du" abzuweisen. Deshalb sollte man es wie der Autor halten, der "in der Frage, ob man ihn duzt oder siezt, nicht zu Leidenschaftsausbrüchen neigt." Keine Frage: Die Texte dieser Sammlung sind ein Muss für Max Goldts Gemeinde. Für Menschen, die dazugehören wollen, sind sie als Einstieg ideal. Der Autor selbst artikuliert, was sein ungefilterter Blick auf die alltägliche Wirklichkeit sieht. In seiner leicht ironisch, teilweise "oberlehrerhaft" klingenden Stimme findet das satirische Infragestellen von vermeintlichen Selbstverständlichkeiten den passenden Rahmen. Autorenlesung, Spieldauer: ca. 152 Minuten, 2 CD. - culture.text
Buch:
Wellness rettet den Bindestrich
Autor:
Max Goldt, Ausgabe vom 1. Sept. 2008, Gebunden, Verkaufsrang 270378
Lange Zeit haben wir geglaubt, der Umzug Max Goldts von Berlin nach Hamburg Ende der 90er-Jahre habe seinen Kolumnen nicht gut getan. Erlebt man, haben wir uns bestürzt gefragt, in Hamburg nichts Skurriles und Bemerkenswertes mehr? Ist Berlin tatsächlich das bessere Pflaster für einen grotesken Alltag? Denn jedes Mal, wenn das Satiremagazin Titanic einen neuen Text Goldts publizierte, legten wir ihn enttäuscht zur Seite und sehnten uns nach kleinen Meisterwerken wie jenen, die in den Sammelbänden Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zwittau (1993) oder Schließ einfach die Augen und stell dir vor, ich wäre Heinz Kluncker (1994) stehen. Nach der ebenfalls fulminanten Blütenlese Der Krapfen auf dem Sims (2001), die teils stark überarbeitete Kolumnen aus Titanic, Der Rabe und jetzt enthielt, ist nun mit Wenn man einen weißen Anzug anhat allerdings ein weiteres, versöhnliches, wenn auch schmales Buch in bester Goldt-Manier erschienen, das an gute alte Zeiten anknüpfen kann, aber auch neue, leisere Töne anschlägt. Auch die literarische Form ist anders: Während Goldts Kolumne "Aus Onkel Max Kulturtagebuch" das hier angestrebte Genre lediglich im Titel trug, so hat der Autor mit diesem Tagebuch-Buch nun Neuland betreten. So kommt es, dass Goldt aus sehr subjektiver Tagesperspektive über die Anschläge auf das World Trade Center im September 2001 mit den "Dekorationsadjektiven" der Sensationspresse ebenso reflektieren kann wie über die Lachgewohnheiten von Lesungsgästen beim Name-Dropping (und deren Unterwanderung) oder die Eigenheiten einer "superkackekligen" Literaturkritik. Nur die für Goldt typischen Bilder mit ihren originellen Unterschriften fehlen schmerzlich. Endlich wieder ein Goldt-Buch, denken wir, das man vergnügt, angeregt und gut unterhalten bis zum Ende lesen kann. Und was lesen wir am Ende, als biografische Notiz? "Lebt in Berlin." Also wieder umgezogen. Das erklärt natürlich alles. -Thomas Köster Er schreibt seit über 10 Jahren Kolumnen für "Titanic". Sein ungefilterter Blick auf die alltägliche Wirklichkeit und sein Infragestellen von vermeintlichen Selbstverständlichkeiten sind mittlerweile Legende. Max Goldt, der sich auch als Musiker, Verfasser von Hörspielen und zusammen mit Stephan Katz als Comic-Produzent betätigt, ist zudem ein begnadeter Interpret seiner eigenen Texte. Mit diesen zwei CDs liegt eine Textsammlung aus Goldts letztem Buch "Wenn man einen weißen Anzug anhat", dem Buch "Der Krapfen aus dem Sims" sowie teilweise unveröffentlichten Texten vor. "Wenn man einen weißen Anzug anhat" ist ein Tagebuch-Buch, das im September 2001 beginnt und Anfang 2002 endet. Gerade zu der Zeit, als die Welt wegen des Anschlags vom 11. September Kopf steht, steht der Autor kurz vor einer Reise durch Franken, zusammen mit seinem Freund und einem befreundeten New Yorker. Die Ruhe, die in der Folge des Attentats angeblich im ganzen Land herrscht, kann Goldt nirgends, nicht in Berlin, nicht in Dinkelsbühl finden. Sie erinnert ihn etwas an das Wunschdenken des DDR-Fernsehens. Bei einem Abstecher nach Windischeschenbach, zum tiefsten Loch der Welt, kommt er mit seinen zwei Begleitern in den Genuss eines englischen Vortrags, der ihn unwillkürlich an das knarrende Nazi-Englisch in früheren Hollywood-Filmen erinnert. Perfekt nachgeahmt vor Vortragenden selbst! Sehr anregend sind auch Goldts Sprach-Beobachtungen. Warum heißt es immer "feiger Anschlag", warum wird von "fieberhaften Bergungsarbeiten" gesprochen? Diese gar nicht passenden Kombinationen sind Ausdruck unserer Medienwelt, in der es nicht um treffende, sondern um spektakuläre Formulierungen geht. Und seine Anmerkungen zur Entschuldigungsmanie unserer Zeit, weshalb es vor allem keinen Sinn mache, wenn Gräfin Gloria sich für ihre Bemerkung "dass Afrikaner zu viel schnakseln" entschuldigen würde, sind großartig. Max Goldt kann, was viele leider nicht so gut beherrschen: Er vermag seinen "frechen" Ideen, seinen schrägen Assoziationsketten genau den richtigen sprachlichen Rahmen zu geben. Seine immer leicht ironisch klingende Stimme hält der spöttisch-durchleuchtenden Entwicklungsarbeit seiner Sätze bravourös stand, ohne jemals flach zu werden. Ein Highlight dieser Sammlung ist der Text "Was würden Sie tun, wenn Sie reich wären?". Der Autor würde sich in der Schweiz ein Sanatorium kaufen, in dem er Heroin unter ärztlicher Anleitung testen würde. Wenn er den unübertrefflichen Zustand erleben dürfte, würde er die Forderung aufstellen: Heroin soll raus aus dem Bahnhofsmilieu und rein in den Wellness-Bereich. Auch nicht ohne ist seine Auseinandersetzung mit der Frage "Was den new petit bourgeois auszeichnet. Ein Charakteristikum des heutigen Spießers ist für den Autor, und nicht nur für ihn, dessen amateurpornografische Manie, als deren Vorläufer man die Modelleisenbahn nennen darf. Autorenlesung, Spieldauer: ca. 157 Minuten, 2 CD. - culture.text