Der Koran deckt ein inhaltlich breites Spektrum literarischer Texte. Nochvor Hymnen und Ermahnungen, Tugend- und Lasterkatalogen, Preisungen derAllmacht Gottes in Natur und Geschichte ragen in den kurzen Suren der frühmekkanischenZeit dramatische Darstellungen des apokalyptischen Zerfalls der Welt, desJüngsten Gerichts und der jenseitigen Vergeltung der Gottesfürchtigen bzw.der Frevler hervor. In den später längeren mekkanischen Suren stehen Erzählungenüber biblische Patriarchen und Helden wie Mose, Abraham, Lot, Jakob undJosef - Sure 12, die Josefsgeschichte, gilt als die schönste ErzählungbuchloseSuren, die esdem Gläubigen ermöglichte, zu den festgesetzten täglichen Gebetszeitendie göttliche Rede aus sich heraus hörbar zu machen ... Wer sich unmittelbar mit den Originaltexten des Korans auseinander setzen möchte, dem sei die zweisprachige Ausgabe Der Koran. Arabisch-Deutsch, herausgegeben von dem ehemaligen Diplomaten Murad Wilfried Hofmann, empfohlen. Hofmann, der 1980 zum Islam übertrat, hat die 1901 erschienene, äußerst originalgetreue Übersetzung von Max Henning neben den arabischen Originaltext gestellt und diese Übersetzungsvorlage - wie auch die Kommentare des Übersetzers - überarbeitet und aktualisiert. Die arabischen Suren stehen jeweils neben ihren dazugehörigen Übersetzungen, auch die Erläuterungen und Kommentare zu den einzelnen Koranstellen finden sich in Fußnoten auf der entsprechenden Seite - beides erleichtert die Lektüre ungemein und vermeidet umständliches Nachschlagen. Um eine höchstmögliche Originaltreue zu wahren, beginnt das Buch gemäß der arabischen Schreibweise für westliche Begriffe von hinten. In einer Einleitung liefert Hofmann eine kurze Einführung in die Entstehungsgeschichte des Islams und die Offenbarung des Korans. Er verteidigt den Islam gegen Vorurteile abendländischer Nicht-Muslime und plädiert für die Authentizität und Fehlerlosigkeit sowie die überzeitliche Bedeutung der koranischen Botschaft, für ihn die "einzige ernsthafte Alternative zur westlichen Konsumgesellschaft". Zur Untermauerung seiner These führt Hofmann moderne wissenschaftliche Forschungserkenntnisse zur Autorschaft des Korans sowie zu dessen naturwissenschaftlichen Aussagen, die zu Zeiten des Propheten noch nicht bekannt waren, an. Abschließend erläutert und begründet er die Änderungen, die er an veralteten oder fehlerhaften stilistischen Eigenheiten der Übersetzung Hennings sowie an dessen zeitbedingten islamfeindlichen Kommentaren vorgenommen hat. Abgesehen von einem kleinen inhaltlichen Fehler (der Koran ist nicht, wie der Autor behauptet, das meistübersetzte Buch der Welt, sondern die Bibel) bietet diese erste arabisch-deutsche Koranausgabe im deutschen Buchhandel nicht nur Fachleuten, Studenten und Kennern der arabischen Sprache eine spannende und wissenschaftlich fundierte Lektüre. -Susan Radwan
Buch:
Der Koran - Das heilige Buch des Islam
Autor:
Murad W. Hofmann, Max Henning, Ausgabe vom Sept. 1999, Gebunden, Verkaufsrang 41588