Das Glück kam bisher nur selten zu Halinka. Halinka ist zwölf und lebt seit Jahren im Heim. Was vor dieser Zeit war, erzählt sie nicht. Halinka hat keine Freundin und will auch keine. Am liebsten ist sie allein in ihrem wunderbaren Versteck auf dem Speicher. Dort schreibt sie all die Sprüche und Sätze auf, die ihr durch den Kopf gehen. Manchmal lässt sie sich mit Huckleberry Finn auf einem Floß den Mississippi hinuntertreiben. Dann hat Fräulein Urban, die Heimleiterin, die verrückte Idee, alle Mädchen für das Müttergenesungswerk sammeln zu lassen. Halinka möchte unbedingt Sammelkönigin werden. Vielleicht kann sie dann wieder ihre geliebte Tante Lou besuchen. Halinka weiß - wenn das Glück kommt, dann muss man ihm einen Stuhl hinstellen. Und darauf wartet sie. Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen, davon ist die 12-jährige Halinka ganz fest überzeugt. Allerdings hat sie in ihrem Leben bislang noch nicht allzu oft die Bekanntschaft des Glücks gemacht, geschweige denn, dass es bei ihr geblieben wäre. Halinka lebt in einem Kinderheim und kennt sich ganz gut aus mit den Tricks und Kniffen, mit denen man in solchen Institutionen am besten zurechtkommt, denn es ist nicht ihre erste Heimerfahrung. Am schönsten sind die Sonntage, wenn sie Tante Lou besuchen darf, die Schwester ihrer Mutter. Da Tante Lou aber nicht verheiratet ist und bis vor kurzem auch noch keinen festen Arbeitsplatz hatte, darf sie Halinka leider nicht adoptieren. Ganz versteckt und zwischen den Zeilen erfährt der aufmerksame Leser, warum Halinka nicht mehr bei ihrer Mutter lebt. Gerne spricht sie darüber nicht. Nur ihrer neuen Freundin Rena erzählt sie manchmal abends, wenn sich die beiden Mädchen davonschleichen, um vor dem Einschlafen noch ein bisschen zu quatschen, eine Geschichte aus ihrem früheren Leben. Mirjam Pressler hat in ihrem Jugendbuch Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen in kurzen, knappen Sätzen die Geschichte der polnischen Jüdin Halinka aufgeschrieben. Vor allem der Stil des Buches passt sehr gut zu dem Charakter des stillen, in sich gekehrten Mädchens, das schon eine ganze Menge an herber Lebenserfahrung bis zum Jahre 1952 einstecken musste und nur noch selten aus dem selbstgezimmerten Schneckenhaus auftaucht. Mirjam Pressler ist eine Autorin, die bei Jugendlichen ganz genau hinhört und Zwischentöne erfasst, die oft bei der ersten Lektüre gar nicht alle bemerkt werden. Wie es Halinka trotz aller Widernisse doch noch schafft, das Glück bei sich zu behalten, das ist eine ergreifende Geschichte. -Manuela Haselberger
Buch:
Am Anfang war das Wort: Roman
Autor:
Batya Gur, Ausgabe vom 1. März 1999, Taschenbuch, Verkaufsrang 534347
Buch:
Am Anfang - (Ab 5 J.).
Autor:
Wolf Erlbruch, Bart Moeyaert, Ausgabe vom 15. Sept. 2003, Gebunden, Verkaufsrang 53782
Product Description Am Anfang war das Nichts. Das kannst du dir schwer vorstellen. Du musst alles, was es jetzt gibt, weglassen. Du musst das Licht ausmachen und selbst nicht da sein und dann sogar noch die Dunkelheit vergessen, denn am Anfang war nichts, also auch keine Dunkelheit. Wenn du den Anfang von allem sehen willst, musst du sehr viel weglassen. Auch deine Mutter.
Buch:
Ruhige Zeiten: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Autor:
Lizzie Doron, Ausgabe vom 29. Januar 2007, Taschenbuch, Verkaufsrang 287202
Product Description Mit e. Zeittafel v. Franz J. Schütz Erscheinungsjahr: 2006 m. Fotos. ab 11 J. Gewicht: 108 gr / Abmessung: 19 cm Von Auerbacher, Inge Inge Auerbacher wächst als Kind einer jüdischen Familie in einem schwäbischen Dorf auf. Sie ist sieben, als sie mit ihren Eltern in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wird. Sie erzählt aus der Sicht des Kindes, von ihren Freunden und ihrer Familie. Wie ihr Vater nach der Reichspogromnacht sein Geschäft aufgeben und sie den gelben Stern tragen muß. Von der schrecklichen Zeit im Lager, von der Verzweiflung und der ständigen Angst. Aber immer noch gibt es Spiele, die das Überleben erträglicher machen. Pressestimmen: "Dieser autobiographische Bericht ist tief bewegend und wahrheitsgetreu ... Mir fällt kein anderes Buch zu diesem Thema ein, das ich für diese Altersgruppe so empfehlen könnte wie dieses." (Bruno Bettelheim)
Buch:
Hanas Koffer
Autor:
Karen Levine, Ausgabe vom 1. April 2010, Taschenbuch, Verkaufsrang 28116
Product Description Erscheinungsjahr: 2010 Nachdr. m. Fotos. ab 10 J. Gewicht: 147 gr / Abmessung: 18 cm Von Levine, Karen Das Leben des jüdischen Mädchen Hana Brady (1931-1945) - eine bewegende Geschichte, die im Jahr 2001 von der Kuratorin des Holocaust-Museums, Tokyo, nachgezeichnet wurde. Ein Koffer mit der Aufschrift "Hanna Brady, Waisenkind" fasziniert die jüngsten Besucher des Holocaustmuseums in Tokio. Sie wollen mehr über Hana wissen. Also begibt sich die Museumsleiterin auf eine Reise in die Vergangenheit. Sie findet Fotos und Zeichnungen von Hana und begegnet schließlich Hanas Bruder. So erfahren die Kinder, wie Hana aussah, was sie gerne spielte, wer ihre Eltern waren - und wie ihr junges Leben ausgelöscht wurde. In der Erinnerung dieser Kinder - und der Leser - wird Hana lebendig bleiben.
Buch:
Wintereis
Autor:
Peter van Gestel, Ausgabe vom 1. Okt. 2009, Broschiert, Verkaufsrang 151608
Product Description Roman. Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2009, Kategorie Jugendbuch Erscheinungsjahr: 2009 ab 12 J. Aus d. Niederländ. v. Mirjam Pressler Gewicht: 320 gr / Abmessung: 19 cm Von Gestel, Peter van / Übersetzt v. Pressler, Mirjam " Ich möchte meine Geschichte erzählen die Geschichte von Zwaan und mir und von Bet und mir und von der Kälte und dem Wintereis in Amsterdam und vom Tauwetter, das allem ein Ende machte. Wie fängt man eine Geschichte an? Ich fangeeinfach mal mit etwas an "Februar, 1947. In Amsterdam herrscht großer Frost, die Grachten sind zugefroren. Der 12-jährige Thomas lernt den gleichaltrigen Zwaan und dessen schöne Kusine Bet kennen. Vielleicht bleibt es ewig Winter , sagt Zwaan. Aber es könnte auch jeden Tag tauen. Dasselbe gilt, so kurz nach Kriegsende, auch für die Gefühle. Jeder der drei vermisst jemanden die Mutter, den Vater und Zwaan sogar beide Eltern, die nicht aus dem Osten zurückkamen.Thomas verliebt sich in die zwei Jahre ältere Bet. Und Zwaan vertraut ihm an, dass er Jude ist und während der deutschen Besatzung in einem Versteck gelebt hat. Und so helfen sich die drei Freunde gegenseitig, das "Wintereis" zum Tauen zu bringen.Eine Geschichte, die von schwierigen Zeiten erzählt, von Kindern, die gelernt haben, niemals ihre Gefühle zu zeigen, und die doch so voller Kraft und Hoffnung sind, wie es nur Kinder vermögen. Pressestimmen: "Der geistreiche, anrührende Roman des vielfach preisgekrönten holländischen Autors hat auch zwischen den Zeilen viel zu sagen." (Focus Schule)
Buch:
Mojsche und Rejsele
Autor:
Karlijn Stoffels, Ausgabe vom 25. März 2002, Taschenbuch, Verkaufsrang 143644
Roman. Aus d. Niederländ. v. Mirjam Pressler Erscheinungsjahr: 2000 ab 14 J. Gewicht: 200 gr / Abmessung: 19 cm Von Stoffels, Karlijn Das außergewöhnliche Debüt der Niederländerin Karlijn Stoffels - eine Hommage an Janusz Korczak und zugleich eine unvergessliche Liebesgeschichte. Mojsche ist 13, als er 1939 in das jüdische Waisenhaus von Dr. Korczak kommt. Von Anfang an ist ihm die Pädagogik des berühmten Doktors suspekt; er begegnet dort aber auch Rejsele, die es ihm besonders angetan hat. Als die jüdischen Waisenkinder unter Begleitung von Korczak und dem Mädchen Rejsele in die Gaskammern von Treblinka deportiert werden, ist Mojsche längst im Untergrund. Viele Jahre später aber - Mojsche lebt mittlerweile in Israel - holt ihn die Geschichte ein und das scheinbar Unmögliche wird wahr. Pressestimmen: "Mojsches Distanz, seine knochentrocknen Kommentare, seine schlecht gelaunte Perspektive tut - neben all der Rührung, Poesie und Spannung - dem Buch unendlich gut. Und übrigens, es gibt ein gutes Ende, das der Trauer und dem Schrecken nichts nimmt, dem Leser aber ein paar wohl tuende Tränen schenkt." (K. Heidkamp, DIE ZEIT) "Es gibt nur wenige Werke, die den dunkelsten Abschnitt unserer jüngsten Geschichte so eindringlich beschreiben." (FAZ) "Mojsche und Rejsele werden den Lesern lange in Erinnerung bleiben." (Süddeutsche Zeitung) "Wie der Roman historische Elemente und fantasievolle Fiktion miteinander verbindet, dabei Bruchstücke der Geschichte lediglich als realistische Staffage für die Darstellung menschlicher Schicksale verwendet, das ist schon große literarische Kunst." (Rheinische Post) Mojsche kommt 1939 mit 13 Jahren ins Waisenhaus. Er steht dem ganzen pädagogischen Getue sehr skeptisch gegenüber, denn bisher hat er seine Probleme meistens kurzerhand mit den Fäusten geregelt. Ausgerechnet ihm muß es passieren, daß er in Warschau in das Haus von Dr. Korczak kommt und sich vor so ungewohnten Institutionen wie Kinderparlamenten und Kindergerichten verantworten soll. Wenn da nicht die liebenswerte Betreuerin Rejsele wäre, mit ihrem langen Zopf, an dem sich vortrefflich ziehen läßt, um sie zu necken, Mojsche wäre längst auf und davon. Erst allmählich öffnet sich für ihn eine ganz neue, bisher nicht gekannte Welt, doch lange kann er nicht mehr bei dem verständnisvollen Dr. Korczak bleiben, denn die Deutschen beginnen bereits, die Juden in Warschau im Ghetto einzusperren und sie von dort zu deportieren. Mojsche gelingt die Flucht. Er arbeitet nun als Kurier für den polnischen Geheimdienst. Viele Jahre später wird Mojsche, der sich in Tel Aviv niedergelassen hat, anläßlich einer Radiosendung über das Waisenhaus befragt. Er möchte eigentlich nicht mehr daran erinnert werden, daß Dr. Korczak seine Kinder nach Treblinka begleitet hat und im August 1942 sie alle im Konzentrationslager vergast wurden. Nur widerwillig besucht Mojsche ein arrangiertes Treffen der ehemaligen Kinder des Waisenhauses. Und da sieht er eine in die Jahre gekommene Frau sitzen, mit einem sehr, sehr langen Zopf. Karlijn Stoffels, geboren 1947, hat mit ihrem ersten Jugendroman eine leise Geschichte über die erste Liebe in schweren Zeiten geschrieben. Besonders beeindruckend ist der geschichtliche Hintergrund, die Atmosphäre in Warschau und die Figur des Dr. Korczak. -Manuela Haselberger