Aus der Amazon.de-Redaktion Bis Kemal auf seine entfernte Verwandte Füsun trifft, hält er sich für einen glücklichen Menschen. Er ist fast verlobt, eigentlich ist auch die Hochzeit schon beschlossene Sache. Aber dann betritt er auf der Suche nach einer Handtasche für seine Geliebte die Istanbuler Boutique Champs-Élysées , in der Füsun als Verkäuferin arbeitet. Und damit nimmt sein Leben einen Lauf, der Kemal - zumindest am Anfang - noch ein wenig glücklicher macht. Der reiche Kemal trifft die mittellose Füsun, die sich mit der Teilnahme an einem Schönheitswettbewerb die Verachtung der ganzen Familie zugezogen hat, heimlich wieder. Er nimmt sie mit in seine Wohnung und verbringt die Nacht mit ihr. Allmählich wächst sich die Leidenschaft aus zu wahrer, aber auch tragischer Liebe, in deren Verlauf Kemal Füsun ein eigenes Museum widmet. Und der Roman Das Museum der Unschuld des türkischen Bestsellerautors Orhan Pamuk weitet sich zu einer stark an Thomas Mann gemahnenden, fast epischen Geschichte, in der ein verwöhnter und von den Lockungen der modernen Großstadt faszinierter Außenseiter der traditionellen türkischen Gesellschaft immer wieder auch die Schuld empfindet, nicht hinreichend bürgerlich und standesgemäß zu sein. "Ist nicht eigentliches Ziel von Roman und Museum, unsere Erinnerungen so aufrichtig wie möglich zu erzählen und dadurch unser Glück in das Glück anderer zu verwandeln?" fragt Pamuk im Roman. Nach der Lektüre seines autobiografisch angehauchten Buchs Das Museum der Unschuld mag man dem Autor unumwunden recht geben. Denn Pamuk ist es gelungen, nicht nur dieser wundervollen Liebesgeschichte in einer parallelen Welt, sondern auch dem Istanbul der siebziger Jahre ein gar nicht angestaubtes Denkmal zu setzten: Glücksgefühl beim Lesen inklusive. - Stefan Kellerer, Literaturanzeiger.de
Aus der Amazon.de-Redaktion Orhan Pamuk ist ein Ausnahmetalent. Kaum ein anderer Dichter unserer Zeit geht den historischen Spuren des Westens im Osten und des Ostens im Westen so eindringlich nach wie der türkische Literatur-Nobelpreisträger von 2006. So wird er zum wichtigen Bindeglied zwischen Okzident und Orient, zwischen EU und der islamisch geprägten Türkei, zwischen Vergangenheit und Zukunft. Diesen Spagat versucht auch die Stadt Istanbul, die allein aufgrund ihrer besondere Lage auf dem europäischen und asiatischen Kontinent eine Sonderrolle einnimmt. Demzufolge passen Pamuk und Istanbul hervorragend zusammen, und das nicht nur weil es sich um seine Heimatstadt handelt. Das Buch "Istanbul. Erinnerungen an eine Stadt" ist eine gelungene Mischung aus historischem Lesebuch und autobiographischem Roman. Im Fokus stehen die Kinder- und Jugendjahre des Autors. Der Leser erlebt einen liebevollen Rückblick auf die Entwicklung einer Millionenstadt, die Pamuk erst an der Hand der Mutter, dann im Ford seines Vaters und später auf eigene Faust erkundet. Dabei skizziert der Autor nicht nur die Metropole am Bosporus, sondern auch die türkische Mentalität und Geschichte und fängt den "Hüzün" ein, die türkische Variante der europäischen Melancholie, die Istanbul fest im Griff hat. Doch Pamuk teilt nicht nur seine eigene Sicht auf die Stadt mit, sondern lässt ebenso europäische Reisende, Künstler und Schriftsteller zu Wort kommen und vergleicht die Schilderungen untereinander auch mit seinen eigenen Empfindungen und Erinnerungen. Die so entstandene Liebeserklärung an die Stadt entpuppt sich jedoch zugleich als traurige Bilanz des Zerfalls. Das dokumentiert nicht nur der glänzend geschriebene Text, sondern eine Unzahl historischer Stiche und Schwarz-Weiß-Fotos. Wer aktuelle Entwicklungen inklusive politischer Äußerungen erwartet, der wird enttäuscht. Es geht fast ausschließlich um das alte Istanbul zwischen 1800 und 1970. Hätte sich Pamuk auf heutige Entwicklungen eingelassen, wäre das Buch wohl deutlich düsterer. Schließlich ist Pamuks Gratwanderung zwischen Orient und Okzident nicht unproblematisch, seine kritischen Äußerungen zur türkischen Vergangenheit riefen längst Gerichte und Nationalisten auf den Plan. Mehr noch: Die Angst um sein Leben zwangen Pamuk Anfang 2007 sogar zur Flucht. Aus seinem geliebten Istanbul. - Christian Haas
Buch:
Das schwarze Buch
Autor:
Orhan Pamuk, Ausgabe vom 1. Okt. 1997, Taschenbuch, Verkaufsrang 27704
Product Description Der Held dieses türkischen Romans - ein etwas windiger Anwalt namens Galip- entdeckt eines Tages, daß seine Frau und sein Cousin verschwunden sind.Er macht sich auf die Suche und glaubt zuweilen, ihnen näherzukommen, aberIstanbul wird ihm immer mehr zu einem Labyrinth geheimer Hinweise, in demer nicht nur die beiden, sondern auch sich selbst verliert. Der eigentlicheProtagonist dieses Romans ist die Stadt Istanbul. Orhan Pamuk ergründetfür uns ihre Tiefen, ihre Verborgenheiten und ihre sich überlagernden Schichten,er taucht hinab in die unterirdischen Gänge, auf denen die moderne Großstadtsich erhebt - Byzantion, Byzos, Nova Roma, Konstantinopolis - die vielenGesichter einer Hauptstadt, die am Schnittpunkt zwischen Europa und demNahen Osten liegt, zwischen Geschichtsträchtigkeit und moderner Urbanität.