Defekt Nein, auch dieser Kay-Scarpetta-Roman ist alles andere als ein gediegener Landhaus-Krimi, in dem der nach klassischer Manier giftmordende Gentleman zur Teestunde überführt wird. Ein Serienkiller sticht seinen Opfern die Augen aus, bevor er sie tagelang vergewaltigt und quält .... "BESTIE" heißt ein geheimes neurologisches Forschungsprojekt von Scarpettas verhindertem Dauerpartner Benton Wesley, das die Gehirnstruktur von Serienkillern untersuchen soll. Versuchsperson ist jener Psychopath und Ex-Polizist, der die Augen seiner Opfer verstümmelte, damit sie nicht sein kleines Geschlechtsteil sehen. Während der Untersuchungen gesteht er weitere Morde, um deren Aufklärung sich das Scarpetta-Team kümmern muss. Doch nicht genug damit, auch ein prominenter Arzt und eine bizarr tätowierte Frau werden ermordet - diese hat die gleichen Tätowierungen wie der ominöse One-Night-Stand von Kays lesbischer Nichte Lucy. Dieses Mal wird Scarpettas Truppe an ihre psychischen und physischen Grenzen geführt. Und so erlebt man die Mitglieder in einem ganz anderen Licht als sonst: Pete Marino wünschte man angesichts seiner überzogen aggressiven Art Maulkorb und Leine, und Benton Wesley scheint völlig aufgezehrt zu sein von der Beschäftigung mit menschlichen Abgründen. Keine Helden also, die hier die Welt ein wenig besser machen sollen, sondern emotional gehandicapte Charaktere, die dringend ein Sabbatical bräuchten. Schon auf den ersten Seiten wird klar: Nicht nur Kay Scarpetta, sondern auch die Leser brauchen bis zur Aufklärung der mysteriösen Morde starke Nerven. Dabei wäre gerade im Vergleich zu frühren Scarpetta-Romanen mitunter etwas mehr Sorgfalt wünschenswert gewesen, etwa in Bezug auf die Qualität der Dialoge und eine gewisse Realitätsnähe des Plots. Kay-Scarpetta-Fans werden dies verschmerzen, auch diesen düsteren Roman lesen und gespannt warten, ob der nächste "Cornwell" wieder einen Fall für Scarpetta bereit hält oder einen anderen Ermittler fordert. -Henrik Flor, Literaturtest
Buch:
Flucht: Ein Kay-Scarpetta-Roman
Autor:
Patricia Cornwell, Ausgabe vom 18. März 2009, Gebunden, Verkaufsrang 171149
Dr. Kay Scarpetta ist einem Serienmörder auf der Spur, der es auf junge Liebespaare abgesehen hat. In den letzten zwei Jahren wurden vier junge Pärchen in abgelegenen Wäldern tot aufgefunden. Als ein fünftes Paar ermordet in einem Waldstück entdeckt wird und sich die Tote als Tochter einer prominenten Staatsanwältin erweist, werden Scarpettas Nachforschungen von höchster Stelle behindert... Vor diesem Buch muss man in doppelter Hinsicht warnen. Erstens: Der Roman ist die Neuauflage eines bereits fast zwanzig Jahre alten Kay-Scarpetta-Krimis, der damals, 1992, unter dem Titel Herzbube auf Deutsch erschienen war ? wer dieses Buch bereits besitzt, soll hier also bitte nicht auf den geänderten Titel hereinfallen. Zweitens: Der Roman raubt einem den Schlaf, da man nicht mit dem Lesen aufhören kann. Es ist Kay Scarpettas dritter Fall, und was für einer: Die oberste Gerichtsmedizinerin des Staates Virginia hat es mit fünf einige Monate auseinanderliegenden Doppelmorden zu tun, fünfmal verschwand ein junges Liebespärchen spurlos, fünfmal verliefen die Fahndungen ohne jeden Erfolg, fünfmal wurden die Paare erst Wochen später irgendwo tief in einem Wald tot aufgefunden, und zwar schon so verwest, dass sich keine Todesursache mehr feststellen ließ ? nur ein paar Merkwürdigkeiten fallen jedes Mal auf, etwa dass allen Opfern Schuhe und Strümpfe fehlen. Trotz des wiederkehrenden Musters ist der Mord an dem titelgebenden fünften Paar, mit dem die Gegenwartshandlung des Romans einsetzt, etwas Spezielles: Denn die getötete junge Frau ist die Tochter einer prominenten Politikerin, nämlich der obersten Staatsanwältin der USA zur Verfolgung von Drogendelikten ? da stellt sich den Ermittlern schnell die Frage, ob dieser Doppelmord nicht ganz andere Hintergründe hat als die vorausgegangenen. Dieser Verdacht verhärtet sich, als sich das FBI einschaltet und die Ermittlungen vor Ort eher behindert als unterstützt... Wenn man den Roman im Jahr 2010 liest, überkommt einen fast ein wenig Nostalgie, so anachronistisch erscheint er aus heutiger Sicht: Es sind mittlerweile dermaßen viele Gerichtsmediziner-, Pathologen- und Forensikerthriller auf den Markt gekommen, dass man Patricia Cornwells Bemühungen, mit den Schilderungen des Geruchs verwesender Leichenteile Schockeffekte zu erzielen, richtiggehend rührend findet. Doch das stört wenig, im Gegenteil, denn das Buch hält einen auch ohne forensische Ausschmückungen in Atem: Cornwell erzählt schnell, baut unentwegt Spannung auf und legt routiniert falsche Fährten aus, sodass man bis zum großen Showdown bei der Stange bleibt. Schön, dieses Buch nach fast zwanzig Jahren wiedergelesen zu haben! - Christoph Nettersheim
Buch:
Ein Fall für Kay Scarpetta: Roman
Autor:
Patricia Cornwell, Ausgabe vom 12. März 2007, Taschenbuch, Verkaufsrang 322688
Buch:
Phantom - Ein Kay-Scarpetta-Roman
Autor:
Patricia D. Cornwell, Ausgabe vom April 2008, Gebunden, Verkaufsrang 200197
Aus der Amazon.de-Redaktion Eigentlich hat Kay Scarpetta am Tatort nichts zu suchen. Denn die Frau, deren Leiche in ihrem Wagen in der vom Rauch aus dem Auspuff vernebelten Garage aufgefunden wird, scheint sich auf den ersten Blick selbst umgebracht zu haben. Auf den zweiten Blick aber wird der Polizist Marino skeptisch. Deshalb fragt er die forensische Medizinerin um Rat. Und tatsächlich findet Scarpetta heraus, dass die Wahrsagerin ermordet wurde. Und nicht nur das: Wie sich die Geschichte weiterentwickelt, hätte wohl selbst die Ermordete nicht vorhersagen können. Denn der Fall führt die Heldin von Patricia Cornwells Roman Phantom mitten hinein in eine andere, verzwickte Serie von Morden, bei der ein kürzlich hingerichteter Verbrecher namens Ronnie Joe Waddell die Hauptrolle zu spielen scheint. Eines der grausamen Gewaltverbrechen gleicht bis hin zu den Bisswunden des Opfers nicht nur spiegelbildlich jenem, wegen dem Waddell zum Tode verurteilt worden war. Am Tatort werden auch die vermeintlichen Fingerabdrücke Waddells gefunden. Ist dieser vielleicht gar nicht auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet worden? Am Ende aber ist alles anders, Scarpettas Assistentin ist erschossen, und die Forensikerin sitzt selbst vor einer Geschworenenjury, die darüber befinden soll, ob Scarpetta ihrerseits wegen Mordes angeklagt werden soll. Bis dahin aber hat Phantom unmerklich und ohne logische Brüche dermaßen an Fahrt gewonnen, dass man nach der Auflösung der verwickelten Geschichte (die für die Protagonistin natürlich glimpflich ausgeht!) traurig ist, dass es nicht weitergeht. Phantom ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite, ohne allzu große Schockeffekte, dafür aber mit viel psychologischem, auch privatem Thrill. Cornwell at her best! - Stefan Kellerer, Literaturanzeiger.de
Buch:
Brandherd: Ein Kay-Scarpetta-Roman
Autor:
Patricia Cornwell, Ausgabe vom 1. Dez. 2002, Taschenbuch, Verkaufsrang 24698
Brandherd. Ein Kay-Scarpetta-Roman Die Erwartungen sind verständlicherweise sehr hoch, schließlich gilt sie als "erfolgreichste Thrillerautorin der Welt", hat Preise eingeheimst im In- und Ausland: Patricia Cornwell hat Stil, Biss und Engagement, auch in ihrem neuen Buch. Vertraute Personen, altbekannte Freundschaften, wer mehr als einen Krimi dieser Autorin gelesen hat, der fühlt sich irgendwie gleich zu Hause. Da ist Dr. Kay Scarpetta, die Chefin der Gerichtsmedizin in Virginia, ihr Lebensgefährte, FBI-Agent Wesley und ihre Nichte Lucy, Computerspezialistin. Mit einem Drohbrief der vor Jahren überführten psychopathischen Killerin Carrie startet das Spannungskarussell. Parallel ein mysteriöser Brandanschlag auf das Anwesen des "Medienmoguls" Sparkes, in den Brandtrümmern die Leiche einer jungen Frau. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, die Hiobsbotschaft lässt nicht auf sich warten: Carrie ist aus der Psychiatrie ausgebrochen. "Ich hab so ein Gefühl, dass wir von ihr diesmal weit Schlimmeres zu erwarten haben," mutmaßt Kay Scarpetta und sie soll recht behalten. Patricia Cornwell, die einmal Tennisprofi werden wollte, dann aber doch in der Gerichtsmedizin arbeitete und sich mit Polizeireportagen einen Namen machte, recherchiert penibel und äußerst detailliert. Da wird aus beachtlichem Fundus beruflicher Erfahrungen geschöpft, da hat alles Hand und Fuß, stellenweise liest sich der Thriller wie ein Tatsachenbericht aus der Gerichtsmedizin. Das ist weder unspannend noch nervenschonend, aber: für zart besaitete Seelen, für Liebhaber des eher psychologisch raffinierten, feineren Krimis ist der neue Roman eher nichts. Denn hier geht es zur Sache, deutlich, direkt, schonungslos. "Der untere Teil des Gesichts bestand aus verbrannten, kalkweißen Knochen... und bröckeligen Zähnen. Von den Ohren war das meiste weg, doch von den Augen aufwärts war das Fleisch gekocht..." Scarpetta, eine abgebrühte Frau, manchmal knallhart und doch - Gott sei Dank - mit menschlichen Regungen. Nach mehrfachen Auftritten in vorherigen Romanen hat sie angenehm an Profil gewonnen. "Ich muss zugeben, dass es mein größter Wunsch ... ist, sie tot zu sehen", sagt die Gerichtsmedizinerin über Carrie und weiß, dass sie in äußerster Lebensgefahr ist. -Barbara Wegmann
Buch:
Die Dämonen ruhen nicht: Ein Kay-Scarpetta-Roman
Autor:
Patricia Cornwell, Ausgabe vom 14. Aug. 2006, Taschenbuch, Verkaufsrang 19997
Staub Ein Kay-Scarpetta-Roman "Sie ist zwar die Größte, aber sie läßt es nicht raushängen." Kay Scarpetta, Gerichtsmedizinerin von bestem Format kehrt nach Richmond zurück. Dr. Marcus, ihr dortiger Nachfolger bittet sie, den mysteriösen Tod einer 14jährigen aufzuklären. Während der Ermittlungen geschehen weitere Verbrechen und wirbeln eine ganz schöne Menge Staub auf. Lesen Sie einen Textauszug. Das ist sie wieder, diese ungemein scharfsinnige Mischung aus purer Arbeitsplatzbeschreibung und der knebelnden Spannung in Handlung und Geschehen. Da ist die Welt zwischen Fingerabdrücken und Labor, DNS-Analyse und Haarproben, Seiten voller teils gruseliger, teils erkenntnisreicher Einblicke in die Arbeit der Gerichtsmedizin. Seriös, genau, detailliert und - klare Sache: absolut profihaft, denn schließlich war Patricia Cornwell Polizeireporterin und in Sachen Gerichtsmedizin macht der preisgekrönten Thriller-Autorin so schnell niemand etwas vor. Schnell steht also auch fest: "Ihre Tochter ist nicht an der Grippe gestorben." Gilly wurde ermordet. Scarpetta arbeitet wie eine Archäologin; sie kratzt vorsichtig an der Oberfläche und zutage tritt eine Handlung, die auf 430 Seiten zwar etwas träge in Gang kommt, dafür aber logisch und konsequent ist, mit zunehmender Seitenzahl einen verblüffenden kriminellen Schwung entwickelt. Die Mutter der kleinen Gilly ist sexuell gestört, der Vater, Flugarzt und ein hohes Tier mit Verbindungen belästigt angeblich sexuell seine Patientinnen, Dr. Marcus hat "eine Todesangst vor Müllmännern und ihren Lastwagen" - irgendwie haben sie alle eine Macke. Bei der Recherche, ob die nun ganz menschlich oder kriminell sind, helfen natürlich auch dieses Mal wieder Lucy, Scarpettas Nichte, Marino, "ein erfahrener Ermittler" und auch Psychologe und Scarpettas Lebensgefährte Benton. "Die Lackpartikel und der seltsame graubraune Staub wurden in einer Risswunde im Gesicht des Toten gefunden." Aber nicht nur dort, auch in der "Mundhöhle der Vierzehnjährigen". Verwirrung, Stress und Nerven, die blank liegen. 58 Kapitel, in denen der Leser die bange Frage teilt: "Was zum Teufel ist das?" Und so richtig durchatmen kann man denn auch erst beim letzten Kapitel. Immer wieder schafft sie das, Dialog reiche Spannung, parallele Geschehen, die abwechselnd ins Blickfeld rücken, süchtig machendes Umblättern der Seiten bis zum bitteren Ende. "Offenbar haben wir es da draußen im Schuppen mit einer ziemlichen Menschenansammlung zu tun. Lauter Tote. Ich glaube, das solltest du dir mal anschauen." Und vor allem sollte man es lesen! -Barbara Wegmann