Kleine Geschichte der Hirnforschung Von Descartes bis Eccles. Tb Während Sie diese Zeilen lesen, passieren die unvorstellbarsten Dinge in Ihrem Kopf: Feuerwerke von Nervenimpulsen durchzucken das hochkomplexe Gewebe aus 100 Milliarden Nervenzellen und einer Billion Gliazellen. Auch heutzutage ist die Wissenschaft noch weit davon entfernt, Funktionsweise und Aufbau des menschlichen Gehirns vollständig begriffen zu haben. Das macht die Geschichte der Hirnforschung so spannend: Die ungelösten Fragen, aber auch ihre Irrtümer und Sackgassen. Beispielsweise die von Franz Joseph Gall Anfang des 19. Jahrhunderts propagierte Theorie, man könne Eigenarten sowie Leistungsfähigkeit des Gehirns an der Kopfform ablesen (Begriffe wie "Denkerstirn" oder "musikalischer Hinterkopf" haben bis heute überdauert). Oder der Versuch, die Gehirne von Geistesgrößen zu sezieren, um deren Begabung anatomisch auf die Spur zu kommen - weshalb der deutsche Hirnforscher Oskar Vogt 1925 nach Moskau gebeten wurde, um das Gehirn des toten Lenin zu untersuchen. Wie schon in Darwins Affe versucht Peter Düweke auch in seinem neuen Buch durchaus erfolgreich, den Lesern eine komplexe Wissenschaft über das Leben und Werk ihrer wichtigsten Vertreter nahe zu bringen. Hoch ist dabei der Unterhaltungswert, weil auch anekdotische Aspekte nicht zu kurz kommen, wie etwa die eigenartige Freundschaft zwischen Descartes und Königin Elisabeth, oder die Zerstreutheit eines John Hughlings Jackson, dem bei einer Einladung schon mal ein eingewickeltes Stück Hirnmasse aus dem Taschentuch fiel. Man lernt andererseits Pioniere der Hirnforschung wie Pierre Paul Broca, Charles Sherrington oder James Papez kennen, deren Leistungen ansonst wohl nur Fachleuten bekannt sind. Und natürlich erfährt man viel über die Fortschritte der Hirnforschung in den letzten drei Jahrhunderten, bis hin zu aktuellen Themen, wie der von John C. Eccles aufgeworfenen und viel diskutierten Frage nach dem Verhältnis von Ich und Gehirn. Und dem bisher ungelösten Rätsel, wie aus Materie Bewusstsein entsteht. -Christian Stahl
Buch:
Darwins Affe
Autor:
Peter Düweke, Ausgabe vom 2000, Taschenbuch, Verkaufsrang 360564
Aus der Amazon.de-Redaktion Wissenschaft, das sind geniale Entdeckungen und fatale Irrtümer. Ruhm und Ehre sind eng verwoben mit Hohn und Spott. Vieles, was uns heute selbstverständlich, vielleicht sogar trivial erscheint, kam als Geistesblitz, Zufall oder als Ergebnis harter Kärrnerarbeit zu Stande. Die Frauen und Männer, die hinter diesen Entwicklungen stehen, sind meist nur in ihrer eigenen wissenschaftlichen Gemeinde bekannt. Bedenkt man nämlich, wie viele Tausende von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern allein die Biowissenschaften prägten und prägen, dann ist erstaunlich, wie wenige der Namen schließlich Eingang in das allgemeine Bewusstsein fanden. Charles Darwin, Gregor Mendel und Konrad Lorenz gehören sicher dazu, bei Marcello Malpighi, Maria Sibylla Merian und Barbara McClintock ist vielen Menschen aber sicher nicht klar, welch maßgeblichen Einfluss sie auf den Fortgang der Biologie hatten. Wer sich, wie Peter Düweke, vornimmt, die Biologie anhand von nur zehn Kurzbiografien darzustellen, steht vor einem großen Problem. Diese Wissenschaft hat so viele Gesichter: die Verhaltensforschung des Konrad Lorenz, die Entdeckung der Nervenzelle durch Santiago Ramón y Cajal oder allein die Biotechnologie, die ihre Wurzeln in den ersten Zuchtexperimenten Gregor Mendels hatte und deren folgenschwere und kontroverse Entwicklung mit der Entschlüsselung der DNA durch James Watson und Francis Crick ihren Lauf nahm. In unbeschwerter Art und Weise und frei von der Versuchung, sich in wissenschaftlichen Details zu verlieren, schreibt der Wissenschaftsautor Düweke über die Männer und Frauen hinter der Biologie, über ihre Erfolge und Niederlagen und das Schicksal, der Zeit voraus zu sein, so dass sie die Anerkennung ihrer Ideen allzu oft nicht mehr erleben durften. Das Buch liest sich in einem fort, weil die spannenden Lebensberichte zeigen, dass dem wissenschaftlichen Erfolg Geduld, Selbstbewusstsein und eine gehörige Portion Glück zugrunde liegen. Das Buch zeichnet anhand der Meilensteine ein umfassendes Bild der Biologie und geht über dieses eigentliche Thema doch weit hinaus. -J. Schüring