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| | Buch: | Im Weltinnenraum des Kapitals: Für eine philosophische Theorie der Globalisierung (suhrkamp taschenbuch) |
| Autor: | Peter Sloterdijk, Ausgabe vom 30. Okt. 2006, Taschenbuch, Verkaufsrang 23379 |
| Preis: | 12,50 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.) | |
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Aus der Amazon.de-Redaktion Peter Sloterdijk hat von sich gelegentlich gesagt, er funktioniere "wie ein Schriftsteller, der sich einen Denker ausdenkt, dem immer wieder andere Gedanken zustoßen". In seinem Essay Im Weltinnenraum des Kapitals, den der Popstar unter Deutschlands Philosophen vorab als eine Art Anhang zum dritten Band seiner Trilogie (Sphären angekündigt hat, stößt diesem Denker allerlei Assoziatives zu beinahe sämtlichen Themen zu, die sich rund um die so genannte Globalisierung auftun. Wie in den meisten bisherigen Arbeiten Sloterdijks kommt der Denker mit all dem - zur Freude zumindest des geneigten Lesers - spielerisch zurecht. Und wer Spaß hat an der wieder einmal "großen Erzählung", als die Sloterdijk sein Dichten und Denken insgesamt und für sich genommen auch jedes seiner Teile begriffen wissen möchte, kann aus dem Strom der sprudelnden Assoziationen tatsächlich eine ganze Menge lernen. Etwa über die Zusammenhänge von Kapitalismus und Telepathie, worüber (unter anderem natürlich) das Stück über "Wahn und Zeit" handelt, oder über "nautische Ekstasen", "terranes und maritimes Denken", "Kartographie und imperialen Namenzauber", "Bordgeistliche" oder darüber, was dabei herauskommen mag, wenn man in Gedanken (beinahe) Rainer Maria Rilke auf Adam Smith treffen lässt? Was soll man sagen? Wer als Leser in den Fluten solch fabulierenden Denkens nicht auf Anhieb freudig mit zu schwimmen vermag, ist für das Sloterdijkprojekt, sich in einer als Deutung zu deutenden Welt deutend heimisch zu machen, immer schon verloren. Jene aber, die des freudigen Deutens des Deuters kundig sind, können bei jedem neuen Buch aus seiner Feder sicher sein, dass er sie nicht enttäuschen wird. Und das ist gut so! Und vielleicht vermag die den Glücklichen daraus erwachsende Freude ja sogar jenen Hoffnung zu machen, die sie nicht teilen können. Denn: "Die Kreativen, so heißt es hin und wieder, sind jene, die das Ganze daran hindern, in schädlichen Routinen zu versinken. Vielleicht ist die Zeit gekommen, die Phrase beim Wort zu nehmen." - Andreas Vierecke 1
Leserbewertungen: Durchschnitt: 4.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 7 Bewertungen)
Lesermeinungen:* Kontinuum Zivilisationsgeschichte (5 von 5 Punkten) meint G. aus München Die Titel der Bücher von Peter Sloterdijk mögen den einen schrecken, den anderen anziehen. Sie sind auf jeden Fall erst mal Hintergründig.
Das Buch beschäftigt sich mit der Zivilisationsgeschichte der Menschheit, von der Eroberung der Welt auf dem Landwege, über die maritime Eroberung durch die Kolonialmächte (ab Christof Columbus) bis hin zur Globanität unseres modernen Wirtschaftssystems (ab 1945). Zivilisation verdichtet Sloterdijk auf diese drei Epochen sich die Welt untertan zu machen. Klar - bei Sloterdijk schauen wir auch auf die Schattenseiten, die falschen Konditionierungen und die gefühlte Sinnfreiheit. Im Weltinnenraum ist eine sehr kritische Auseinandersetzung mit der Leistung von Zivilisation. Ein herausragendes Buch eines ganz großen Denkers.
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Aus der Amazon.de-Redaktion Sind wir heute Zeugen des Abwrackens abendländischer Aufklärung und der machtvollen Wiederkehr der Religion? Oder haben wir uns endgültig im Technikpark des Konsums eingerichtet, in dem Transzendenz nur noch in Slogans von Esoterikanbietern auftaucht? Wenn es nach Peter Sloterdijk geht, lautet die Antwort zwei Mal eindeutig: Nein! In Du musst dein Leben ändern begründet er eindrucksvoll, warum der Gegensatz zwischen Glauben und Unglauben eine Unterscheidung aus der Vergangenheit ist und es heute nur noch eine "einzige Tatsache von universaler ethischer Bedeutung" gibt: die "allgegenwärtig wachsende Einsicht, dass es so nicht weitergehen kann." Dies ist die Kurzformel für den "absoluten Imperativ", der an Anfang und Ende dieses ehrgeizigen philosophischen Projekts steht und ihm zugleich seinen Titel gibt: Du musst dein Leben ändern. Der Befehl, der im Idealfall zugleich Erkenntnis ist, lautet, im eigenen Leben ernst zu machen mit dem Konzept "Menschheit", ein "Fakir der Koexistenz" zu werden und so mitzuarbeiten am "Projekt eines globalen Immundesigns", dessen Ziel nicht mehr und nicht weniger ist als: Leben. Wie alle Propheten weiß auch Sloterdijk, dass die Zeit drängt. Bei der unausweichlichen, weil für jede Erkenntnis notwendigen Begegnung mit der Fratze der Apokalypse sind wir auf "Anthropotechniken" angewiesen, auf die "mentalen und physischen Übungsverfahren, mit denen die Menschen verschiedenster Kulturen versucht haben, ihren kosmischen und sozialen Immunstatus angesichts von vagen Lebensrisiken und akuten Todesgewissheiten zu optimieren." Und so bekennt sich Sloterdijk nicht nur "zu dem Kontinuum kumulativen Lernens, das wir Aufklärung nennen", sondern nimmt auch "die zum Teil jahrtausendealten Fäden auf, die uns an frühe Manifestationen menschlichen Übungs- und Beseelungswissens binden". Sloterdijk ordnet und sichtet das Arsenal der Anthropotechnik: von der indischen Teleologie bis zu Kafka, von den Aposteln bis zu Nietzsche. Das Ideal für die Gegenwart, das sich aus diesem zum Teil atemberaubendem Gang durch Kultur- und Menschheitsgeschichte ergibt, ist "ein Leben in Übungen", das sich der unausweichlichen Überforderung des Menschen durch Tod und Schicksal erkennend und handelnd stellt. Diese Haltung ist für Sloterdijk die einzige Alternative zur "lähmenden Harmlosigkeit sämtlicher gängigen Diskurse", die sich zu fragen scheinen, wie man Arbeitsplätze auf der Titanic sichert, anstatt ihrem Untergang entgegenzuwirken. Der Philosoph Sloterdijk geht also zum pragmatisch-prophetischen Angriff über. Auch wenn er sich sprachlich und insbesondere metaphorisch ("Schlaflos in Ephesos") manchmal irgendwo zwischen Nietzsche und Luhmann verirrt, ist ihm unbedingt zu wünschen, dass sein Exerzitium lebensbejahenden Stänkerns erstens Gehör findet und er es zweitens noch weiter verfeinert, um noch dunkler und eindringlicher formulieren zu können, was einzugestehen jeden Tag leichter werden dürfte: die Katastrophe hat bereits begonnen. - Roland Große Holtforth, Literaturtest
Leserbewertungen: Durchschnitt: 4.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 30 Bewertungen)
Lesermeinungen:* Mit kokettem Reiz erteilt der Philosoph Sloterdijk weltreformatorische Ratschläge (5 von 5 Punkten) meint C.B. aus Bad Nenndorf Wer mehr an philosophischen Fragen interessiert über die Existenz von uns Menschen interessiert ist, der findet hier die passende Lektüre. Rilke hat diese Überlegungen und den Antrieb zu selbstfindenden Exerzitien zu Beginn des letzten Jahrhunderts in die Form gefasst: "Du musst dein Leben ändern". Eine Stimme im Louvre hat zu ihm gesprochen, daraus ist dann dieses Gedicht "Archaischer Torso Apollos" entstanden, das den Torso, den kopf- und gliederlosen Körper, vollkommen nimmt. In diesem Torso, so Sloterdijk, wird das Prinzip der Naturnachahmung brüskiert.
In seinem ernst gemeinten Plädoyer über die Ausweitung der Übungszone des Einzelnen und der Gesellschaft entwirft Peter Slotendijk unter biologischen, philosophisch, pädagogisch und theologisch fokussierten Aspekten eine neuen Anthropologie vom Menschen. In einer medial vernetzten Welt werden die Mahner all zu leicht zu Wichtigtuern herabgestuft. Sein Werk ist ein Plädoyer für die stete Arbeit des Menschen an sich selbst. Die Selbstbildung des Humanen führt dazu, dass die durch Übung" nach vorgegebenen Trainingsplänen erzielten Höchstleistungen als Aktivitäten unablässig zurückwirken und sowohl zur Verbesserung des Menschen als auch der Welt dienen.
Der Ruf nach permanenter Ego-Veredelung ist das schwer erträgliche Pflichtgebot des 21. Jahrhunderts geworden. Die Regale in den Buchhandlungen sind randvoll mit Ratgeber-Literatur, die Wirtschaft verlangt lebenslange Fortbildung, lebenslanges üben doch die Lage der Welt fordert eigentlich sofortige Umkehr. So einfach ist das jedoch alles nicht, denn dann wären wir sicher schon alle neue Menschen.
Sloterdijks Duktus ist der des Sehers und mit Übung meint er in seiner im Kern vergnüglich-lehrreichen Lektüre all das was erforderlich ist um den Homo Faber als auch das Trugbild des Homo religiosus zu suspendieren. Sloterdijk plädiert dafür das wir in "täglichen Übungen, die guten Gewohnheiten gemeinsamen Überlebens annehmen" und dabei sieht er in Dinge hinein und kommt als Prophet in unzähligen Exkursen, die durch den Übungsbegriff miteinander verflochten sind, zu der wünschenswerten imperativen Erkenntnis dem Nichtgläubigen die Lebenserfahrung und dem Gläubigen die Transzendenz Erfahrung in den Übungseinheiten final zu übermitteln. All diese Übungseinheiten, ob als Gewohnheitstier oder Durchbrecher der Alltagsriten, bestechen nicht nur durch glasscherbenscharfe Plausibilität, sondern auch durch sprachliche Schönheit.
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| | Buch: | Zorn und Zeit: Politisch-psychologischer Versuch (suhrkamp taschenbuch) |
| Autor: | Peter Sloterdijk, Ausgabe vom 22. Juni 2008, Taschenbuch, Verkaufsrang 33261 |
| Preis: | 12,00 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.) | |
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Am Anfang war der Zorn. Im ersten Satz von Homers Ilias ist von ihm die Rede, und Peter Sloterdijk beschreibt ihn in seinem Bestseller als zentrale Triebkraft von Entwicklung und Veränderung. Dabei wurde der ungestüme Impuls schon während der Antike in geregelte Bahnen gelenkt. Judentum und Christentum, aber auch die Totalitarismen des 20. Jahrhunderts lassen sich als Ökonomisierungen beschreiben, als große Ideologien, die den Zorn sammeln und organisieren. Sloterdijks erhellende Analyse, mit der er einmal mehr Fragen der Gegenwart in ihre lange Geschichte einbettet, behandelt auch das aktuelle Phänomen des Islamismus - der Wiederkehr des Zorns als ungelenktes Ressentiment.
Leserbewertungen: Durchschnitt: 3.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 17 Bewertungen)
Lesermeinungen:* synapsenfutter (5 von 5 Punkten) meint s. aus gossengrün Im Wesentlichen etabliert Peter Sloterdijk in Zorn und Zeit den Zorn als singulär isolierbare dritte Antriebsfeder des menschlichen Handelns und als eine wichtige für unsere Zeit. Der erste Abschnitt der Herleitung über die Wesensarten des Zorns in der Geistesgeschichte ist anspruchsvoll und gut gemacht. Sprachlich brilliant und auf der Höhe der Zeit zeigt sich der gewaltige Bilderflüsterer im Folgenden bei der Aufnahme des Zorns im Gegenwärtigen. Ganz im Vorbeigehen wird beispielsweise anhand des albanischen Kettenbriefskandals die Implosion der Finanzmärkte ein Jahr früher vorausgeahnt. Religiöse Eiferer werden neben dem Grafen von Montechristo in die Zornbank eingebucht. Was Militantismus ist und was after theory kommt, lese man selbst besser und zwar unbedingt. Es sei nur soviel verraten: Mit John Locke und einem Vereinbarungsvorschlag für allgemeine Grundrechte geht es gut aus und man ist um eine Unzahl von Denkanstössen und Sprachbildern bereichert. Lesenswert!
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| | Buch: | Die Verachtung der Massen: Versuch über Kulturkämpfe in der modernen Gesellschaft (edition suhrkamp) |
| Autor: | Peter Sloterdijk, Ausgabe vom 27. März 2000, Taschenbuch, Verkaufsrang 20411 |
| Preis: | 7,00 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.) | |
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Aus der Amazon.de-Redaktion Eine gernzitierte Parole von Marx umspielend, schreibt Peter Sloterdijk in seinem Essay: "Die Philosophen haben den Gesellschaften nur verschieden geschmeichelt; es kommt darauf an, sie zu provozieren". Seine Provokation sieht er darin, die Kulturkämpfe in modernen Gesellschaften nicht als religiösen oder sozialen Konflikt zu deuten. Vielmehr liegt dem neuzeitlichen Konfliktgeschehen die tieferliegende, von der "Schmeichelsoziologie" verschleierte Problematik zugrunde, wie Unterschiede zwischen Menschen zu deuten und zu legitimieren sind. Herkömmlichen Sozialphilosophien sei es noch nicht einmal gelungen, diese Frage zu formulieren: Wie auf egalitaristischen Prämissen fundierte Gesellschaften Differenzen integrieren können, nachdem im Verlauf ihrer Geschichte alle gefundenen zu gemachten Unterschieden umgewertet und damit eingeebnet wurden. Ist das wirklich ein Problem der modernen Gesellschaft oder nicht vielmehr die Dauerobsession konservativer Kulturkritiker? Die Provokation erweist sich jedenfalls als pointenlos. Denn im letzten Abschnitt legt der Autor ohne den für ihn typischen Stilisierungswillen offen, was ihn wirklich umtreibt: Die bildungsbürgerliche Sorge über die moderne Vermassung. Sein Essay fällt daher letztlich dem Paradox aller konservativen Kulturkritik zum Opfer. Wie der empörte Studienrat, der Eliten fordert und doch selbst, griffen die von ihm herbeigeschwatzten Selektionsmechanismen, gnadenlos ausrangiert würde, so sind Kulturkritiker nur selten die Ausnahme, für die sie sich halten. Auch wenn Sloterdijk vorgibt, "durch Maßnehmen am Bewundernswerten nicht ganz die Höhe zu verlieren", sind ihm die Maßstäbe nüchterner Selbsteinschätzung längst abhanden gekommen. Er wiederholt das Elend einer Kulturkritik, die nur selten mehr als die nichtigen Produkte jener Einheitskultur hervorbringt, über die sie sich erhaben dünkt. Die Mischung aus Distinktionsbedürfnis und selbstquälerischer Lust an der eigenen Subalternität, also aus Kälte und Sentimentalität ("freiwilliges Leiden an den Werken, die wir selbst nicht hervorzubringen vermöchten"), kennzeichnet, wie wir seit Nietzsche wissen, einen pathologischen Grundzug des Bildungsphilisters und seines sterilen Verhältnisses zu dem, was er als das "Außerordentliche" zu verherrlichen pflegt. Peter Sloterdijk, der das psychologisierende Aperçu schätzt, sollte daran erinnert werden. -Jens Kertscher
Leserbewertungen: Durchschnitt: 4.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 5 Bewertungen)
Lesermeinungen:* Amazon.de sollte nicht rezensieren (5 von 5 Punkten) meint W.L. Amazon sollte sich auf das Verkaufen von Büchern (und anderen Artikeln) beschränken. Wenn es die Kunden (mehr oder weniger qualifiziert) rezensieren läßt, mag das als Marketing und Kundenbindung clever sein. Wenn aber der Verkäufer selbst seine Ware rezensieren läßt, fragt man sich, was das soll. Will er seine Ware nicht verkaufen? Verzichtet man auf den Verkauf seiner Ware, um jemanden aus der Firma oder einen Bekannten von jemandem aus der Firma sich wichtig machen zu lassen? Soll der "Amazon-Rezensent" kompetenter sein als die Leser-Rezensenten? Worauf gründet sich diese höhere Kompetenz? Im vorliegenden Fall handelt es sich jedenfalls nur um eine banale inhalts- und kantenlose Meinung.
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| | Buch: | Gottes Eifer: Vom Kampf der drei Monotheismen |
| Autor: | Peter Sloterdijk, Ausgabe vom 30. Sept. 2007, Gebunden, Verkaufsrang 15401 |
| Preis: | 17,80 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.) | |
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Aus der Amazon.de-Redaktion Den drei in ihrer Wurzel abrahamitischen, monotheistischen Religionen - Judentum, Christentum und Islam - ist, neben allem, was sie ganz zweifellos voneinander trennt und ihre Glaubensinhalte unterscheidet, eines gemein: der grundsätzlich "eifernde" und "einwertige" Charakter ihres in der einen oder anderen Ausprägung messianisch-aktivistischen Wahrheitsanspruches. Die Konkurrenz dieser einwertigen Wahrheitsansprüche muss, wie der Sprachspieler Sloterdijk ebenso überzeugend wie kenntnisreich darlegt, zwangsläufig in eine konfrontative Grundkonstellation führen, die aufgrund der ihr zugrundeliegenden Triebdynamik nur schwer zu kontrollieren sei. Da andererseits Religion ganz offenbar zu den anthropologischen Grundkonstanten gerechnet werden muss, besteht die sich aus dieser explosiven Konstellation für die Kulturwissenschaft ergebende Frage darin, ob und gegebenenfalls wie die Religionen auf einen gemeinsamen "zivilisatorischen Weg" geführt werden können. Auf diesem allein nämlich ließe sich nicht nur das ihnen innewohnende Konfliktpotential einhegen, sondern, wenn überhaupt, so böte sich zugleich auch nur hier die Chance, das geistige Potential der Religionen zu heben und für die zivilisatorische Entwicklung nutzbar zu machen. Mit Gottes Eifer hat Sloterdijk nicht nur eine überzeugende Fortführung seiner in Zorn und Zeit vorgetragenen Religionsphilosophie vorgelegt, der Band ist zugleich auch ein gelungener Auftakt für das Programm des neuen "Verlags der Weltreligionen". - Andreas Vierecke 1
Leserbewertungen: Durchschnitt: 4.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 10 Bewertungen)
Lesermeinungen:* Marxismus als vierte Religion! (5 von 5 Punkten) meint M.S.K. aus Villach Sloterdijk studierte Philosophie, Germanistik und Geschichte in München und Hamburg. Seit 2002 ist er zusammen mit Rüdiger Safranski Gastgeber des "Philosophischen Quartett", das durchschnittlich alle zwei Monaten im ZDF ausgestrahlt wird. Sloterdijk veröffentlichte zahlreiche Essais und Schriften zu Kultur- und Religionsphilosophie, Kusttheorie und Psychologie.
Sloterdijk ist ein Sprach- und Übertreibungskünstler. Provokation gehört zu seinen Stilmitteln. Sein erstes Werk "Kritik der zynischen Vernunft" soll an den Titel von Kant erinnern "Kritik der reinen Vernunft" und ist eine Anspielung auf das heutige falsche Bewusstsein des Menschen.
Für Sloterdijk ist der Mensch ein Wesen, das von Innen kommt und deshalb gestaltet er seine späteren Lebensräume zu Innenräume aus. Er setzt sich im Allgemeinen mit Fragen der Globalisierung, mit dem Nah-Ost-Konflikt, mit dem Problem des Islams, kurz um mit allen aktuellen Problemen unserer Kultur auseinander.
"Gottes Eifer" handelt vom Gottesgedanken in Christentum, Judentum und Islam. Soterdijk setzt sich mit der Vorstellung von Gottes Macht auseinander. Wie konnte es dazu kommen, dass die Menschen Gott als Alleinherrscher denken konnten. Er denkt hier über den Begriff des Monotheismus nach und stellt neben den drei großen Religionen eine vierte hinzu: den Kommunismus. Auf Seite 18 zitiert Sloterdijk Heiner Mühlmann, einen zeitgenössischen Philosophen der sich die Frage stellt: "Wie entsteht Traszendenz?" "Sie entsteht durch die Verkennung des Langsamen...Langsam ist eine Bewegung, die länger dauert als eine Generation. Um sie zu beobachten, sind wir angewiesen auf die Zusammenarbeit mit Menschen, die vor uns gelebt haben, und mit Menschen, die nach uns leben werden.". Transzendenz hat für Sloterdijk etwas mit Unbeobachtbarkeit, etwas mit "Langfristigem Raum" zu tun. Transzendenz besteht aus der Verkennung des Heftigen. Der Stress ist der Grund für Prophetie, die Verkennung des langsamen Fortschritts ist der Grund für Transzendenz. Der Stress ist die Ursache dafür, dass man das Erlebte externen Mächten zuschreibt. Dieser Gedanke von Sloterdijk ist erschreckend aber wahr.
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| | Buch: | Regeln für den Menschenpark: Ein Antwortschreiben zu Heideggers Brief über den Humanismus (edition suhrkamp) |
| Autor: | Peter Sloterdijk, Ausgabe vom 24. Okt. 1999, Taschenbuch, Verkaufsrang 71470 |
| Preis: | 3,50 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.) | |
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Dass die Domestikation des Menschen das große Ungedachte ist, vor dem der Humanismus von der Antike bis in die Gegenwart die Augen abwandte - dies einzusehen genügt, um in tiefes Wasser zu geraten oder sogar einen öffentlichen Exzess auszulösen. So geschehen nach der Rede Sloterdijks auf der Elmauer Tagung im Juli 1999. Diese Rede, ursprüglich ein Beitrag zu einem Vortragszyklus über die Aktualität des Humanismus in Basel (15. Juni 1997), liegt hier als selbständige Publikation in unveränderter Form vor.
Leserbewertungen: Durchschnitt: 3.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 3 Bewertungen)
Lesermeinungen:* Wer unket so spät ... ? (4 von 5 Punkten) meint M.B. aus Uedem, Niederrhein Mit dieser Schrift beweist P. Sloterdijk, daß er ein Fuchs ist. Jedenfalls hat er verstanden, wie man sich in Szene setzt und Reden von sich macht. Andererseits gilt nach einem Diktum Heideggers, den Sloterdijk in seine Argumentation einbezieht, daß wahre Philosophie nur diejenige sei, die auf der Höhe ihrer Zeit ansetze. Man werfe dem Text alles vor, nur über eines sind wir doch wohl alle einig: Gentechnik und die Folgen für den (zukünftigen ?) Menschen, wie für die gegenwärtige Ethik/praktische Philosophie ist brandaktuell. Und wohl auch dringend: wir müssen in dieser schwierigen Frage zumindest anfangen, produktive Lösungsansätze zu entwerfen. Mit irgendwelchen "Ethik-Kommissionen" (deren Ergebnisse denen des Hornberger Schiessens gleichen), oder gar irgendwelchen erhitzten Stammtischdiskussionen (die leicht nach "Rechts" abdriften), ist dem Problem nicht beizukommen. Und es handelt sich um ein Problem, von deren Stellung, die der Mensch dazu bezieht, nichts weniger als der Forbestand oder das Verschwinden der Gattung abhängt. Und genau das ist es, wenn ich recht verstanden habe das, was Sloterdijk mit "Codex der Anthropotechniken" meint. Es geht mitnichten darum, dem empörten Publikum die Meinung Peter Sloterdijks zur "Menschenzüchtung" zu präsentieren; es geht darum, eine wichtige Diskussion, eine bewusstmachung zu initiieren. Die provokante Art, wie dies hier geschieht, ist Geschmackssache; andererseits ist es heute im Zeitalter der Allmacht der (Skandal)medien nicht mehr so einfach, sein Anliegen einer größtenteils Sensations- und Blutrünstigen Öffentlichkeit nahe zu bringen. Alles in allem aber würde ich sagen, Sloterdijk als Faschist zu stempeln, schießt am Ziel vorbei, das ist eine Interpretation, die ich als unannehmbar bezeichnen würde. Allerdings bequem für diejenigen, die auch weiterhin bei schwierigen Themen wie diesem lieber zu Allgemeinplätzen als zum Nachdenken tendieren.
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| | Buch: | Peter Sloterdijks »Kritik der zynischen Vernunft« (edition suhrkamp) |
| Autor: | Peter Sloterdijk, Ausgabe vom 23. Aug. 1987, Taschenbuch, Verkaufsrang 51190 |
| Preis: | 14,00 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.) | |
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In dem hier vorgelegten Band werden nicht in erster Linie Stellungnahmen zu Sloterdijks Buch wiedergegeben. Vielmehr ist das fast tausendseitige Werk für die einzelnen Autoren Anstoß, um die von Sloterdijk behandelten Themen unter einer eigenen Perspektive aufzugreifen.
Leserbewertungen: Durchschnitt: 5.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 4 Bewertungen)
Lesermeinungen:* das Hauptwerk des ZDF-talkshow-Philosophen ... (5 von 5 Punkten) meint F. aus Wuppertal sloterdijk, die begriffe ZYNISCH und KYNISCH gegeneinandersetzend, versucht gesellschaftliche polaritäten zu beschreiben: dem patriarchalischen sexualZYNismus stellt er den aubegehrenden feministischen KYNismus gegenüber, dem ZYNismus der sich für ihre umtriebigkeiten stets große geldmengen beschaffenden militärköpfe aller länder stellt er den KYNismus derer gegenüber, die sich nicht so gern mustern und einverleiben lassen wollen, dem ZYNismus der an der besteurerungsschraube drehenden regierungsapparatschiks stellt er den KYNismus der gewerkschaftlichen protestbewegungen gegenüber und so weiter. liest man den etwas angejahrten genialen erstwurf der nun schon länger anhaltenden sloterdijkiade noch einmal erneut durch, entdeckt man, dass das buch hält, was man von einem philosophischen erwartet: eine langanhaltende, vorausschauende gültigkeit. nimmt man als beispiel für den ZYNismus der religions-cliquen die tricks, mit der manche mullahs ihrer islamistischen gefolgschaft den horizont verbrettern - und begreift als KYNischen gegenimpuls zum beispiel RAWA - die organisation afghanischer frauen, die mit versteckter video-kamera unter der burka hinrichtungen in fußballstadien filmten - dann sieht man, dass sloterdijks antinomie ZYNismus versus KYNismus bleibende gültigkeit hat. auch wenn sloterdijk, wie in jüngster zeit geschehen, die amerikanische regierungs-administration dem ZYNischen, den europäischen kampf um eigene identität eher dem KYNischen reflex zuordnet, bleibt er seiner einteilung treu. inwieweit sloterdijk selbst ZYNisch wird, wenn er in seiner umstrittenen gedenkrede den begriff des "menschentreibhauses" fabriziert, wird ihm vielleicht auch noch irgendwann von einem mutigen und standhaften KYNiker erklärt werden können. denn das wollen wir sicher nicht, dass man seiner formulierung "die wunde heine, die wunde marx, die wunde kierkegaard, die wunde nietzsche, die wunde heidegger, die wunde freud, die wunde adorno" - nun bald anhängen müssen: die wunde sloterdijk?
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| | Buch: | Falls Europa erwacht: Gedanken zum Programm einer Weltmacht am Ende des Zeitalters ihrer politischen Absence (suhrkamp taschenbuch) |
| Autor: | Peter Sloterdijk, Ausgabe vom 27. Mai 2002, Taschenbuch, Verkaufsrang 63411 |
| Preis: | 5,50 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.) | |
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Peter Sloterdijk wurde am 26. Juni 1947 als Sohn einer Deutschen und eines Niederländers geboren. Von 1968 bis 1974 studierte er in München und an der Universität Hamburg Philosophie, Geschichte und Germanistik. 1971 erstellte Sloterdijk seine Magisterarbeit mit dem Titel Strukturalismus als poetische Hermeneutik. In den Jahren 1972/73 folgten ein Essay über Michel Foucaults strukturale Theorie der Geschichte sowie eine Studie mit dem Titel Die Ökonomie der Sprachspiele. Zur Kritik der linguistischen Gegenstandskonstitution. Im Jahre 1976 wurde Peter Sloterdijk von Professor Klaus Briegleb zum Thema Literatur und Organisation von Lebenserfahrung. Gattungstheorie und Gattungsgeschichte der Autobiographie der Weimarer Republik 1918–1933 promoviert. Zwischen 1978 und 1980 hielt sich Sloterdijk im Ashram von Bhagwan Shree Rajneesh (später Osho) im indischen Pune auf. Seit den 1980er Jahren arbeitet Sloterdijk als freier Schriftsteller. Das 1983 im Suhrkamp Verlag publizierte Buch Kritik der zynischen Vernunft zählt zu den meistverkauften philosophischen Büchern des 20. Jahrhunderts. Seit 2001 ist Sloterdijk in Nachfolge von Heinrich Klotz Rektor der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe sowie dort Professor für Philosophie und Ästhetik.
Leserbewertungen: Durchschnitt: 5.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 3 Bewertungen)
Lesermeinungen:* Eine kurze Tiefenanalyse (5 von 5 Punkten) meint M.N. "Falls Europa erwacht" ist eine 60-seitige "Instant"-Niederschrift einer umfassenden Betrachtung europäisch-politischem Bewusstseins, welches heute der unmodernen Tugend des Mutes und vor allem der visionären Phantasie eine neue Herausforderung abverlangt.
"Instant" ist dieser Essay, da Sloterdijk seinem Gedankenfluss jede verdünnende Phrase und Erklärung entzieht und den Leser mit seiner außergewöhnlichen Beredsamkeit unmittelbar konfrontiert, so wie man es von vielen seiner Werke gewohnt ist. Vielleicht ist es genau dieser Mangel an geistiger Masturbation, der den Autor immer wieder in die Negativkritik der Vertreter der "Mutter aller Wissenschaft" geraten lässt: Sloterdijk bietet uns ein Fazit, während so mancher "alte" und "neue" Denker durch ein Labyrinth des Begründungszwanges führt.
Auf dem Fundament seines weitreichenden Kulturwissens zeigt Peter Sloterdijk überzeugend historische Steuerungsprozesse, die bis heute europäisches Staats- und Machtverständnis prägen und offensichtlich als imperiales Gen die Europapolitik bestimmen und formen. Ohne eine durchgreifende Mutation an dieser Erbmasse, sieht der Autor keine Zukunft für eine moderne Kultur.
Besonders faszinierend ist sein Postulat nach einer ganz eigenen und fundamental neuen Vision, die jede traditionelle Rechtfertigung politischer Macht in transzendentem göttlichen Auftrag oder irdischem Elitebewusstsein ablegt und ganz neue Motive und Strukturen europäischen Bewusstseins beinhaltet, die sich - ohne jede Erfahrungswerte - gegen Konservativismen und vor allem gegen "historisch erworbene Skepsis" (Sloterdijk) durchsetzen müssen.
Sollte sich dem Leser die Frage stellen: "Welche Vision einer solchen Geistesrevolution vertritt Sloterdijk?" so bietet der Essay keine konkreten Begriffe. Der Philosoph ist hier ein analytischer Europa-Therapeut, der Neurosen aufzeigt und in das Bewusstsein bringt, was aber zu denken und zu tun ist, muss der Klient selbst in sich entdecken, damit er authentisch und autonom handeln kann.
Und hier, meine ich, hat Europa ein schweres Erbe: 2000 Jahre "selbstverschuldeter Unmündigkeit" bilden einen schier unüberwindlichen Schutzwall vor autonomen Neuronenfluss; diesen Limes gilt es zunächst zu erkennen und in Folge abzutragen sowie vor allem den Schutt fortzuschaffen, damit nicht hinter uns eine neue Grenze zur notwendigen Realität entsteht.
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| | Buch: | Kritik der zynischen Vernunft |
| Autor: | Peter Sloterdijk, Ausgabe vom 1. März 1983, Broschiert, Verkaufsrang 56507 |
| Preis: | 20,00 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.) | |
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Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag) Kritik der zynischen Vernunft OA 1983 Form Sachbuch Bereich Philosophie Zwei Jahrhunderte nach Immanuel R Kants Kritik der reinen Vernunft (1781) entwirft Peter Sloterdijk in seinem zweibändigen, fast 1000-seitigen philosophischen Essay eine aktualisierte Vernunftkritik: Die Kritik der zynischen Vernunft verquickt auf überaus elegante und stilistisch beeindruckende Weise philosophische Analyse mit Poesie und Polemik und zählt zu den meistverkauften philosophischen Werken des 20. Jahrhunderts. Aufbau: Die Kritik der zynischen Vernunft besteht aus zwei Teilen: Der kürzere erste Teil (Sichtungen - Fünf Vorüberlegungen) führt in das Thema ein und entfaltet das Begriffspaar des Kynismus und Zynismus. Der zweite Teil (Zynismus im Weltprozess) ist in vier "Hauptstücke" unterteilt: Im "physiognomischen Hauptstück" wird die öffentliche Masturbation des Diogenes von Sinope als protokynischer Akt dargestellt, in dessen Nachfolge Sloterdijk vitalistische und existenzialistische philosophische Strömungen einordnet. Das "phänomenologische Hauptstück" stellt sechs "Kardinalzynismen" ein jeweiliges kynisches Pendant gegenüber: Militärzynismus (Pazifismus), Staats- und Vormachtszynismus (soziopolitische Protestbewegungen), Sexualzynismus (Feminismus), Medizinzynismus (volksmedizinische Selbsthilfetraditionen), Religionszynismus (Emanzipation), Wissenszynismus (Fröhliche Wissenschaft). Zu den Kardinalzynismen treten zwei "Sekundärzynismen": der "Informationszynismus" der Regenbogenpresse und der kapitalistische "Tauschzynismus". Im "logischen Hauptstück" setzt sich Sloterdijk mit positivistischen, systemtheoretischen und pragmatischen Ansätzen auseinander, um die theoretisch gewonnenen Ergebnisse dann im ausführlichen "historischen Hauptstück" auf die Weimarer Republik anzuwenden, wobei sein Augenmerk besonders der Literatur der 1920er Jahre gilt. Inhalt: Sloterdijk liefert drei Definitionen des Zynismus: In der ersten, allgemeinen Definition erscheint der Zynismus als "das aufgeklärte falsche Bewusstsein", dessen "Falschheit [...] bereits reflexiv gefedert" ist. Die zweite, historische Definition unterscheidet zwei Formen des polemischen Bewusstseins: den Zynismus "von oben" und den Kynismus "von unten": Der antike Kynismus spiegele den "Drang von Individuen, gegen die Verdrehungen und Halbvernünftigkeiten ihrer Gesellschaften sich selbst als vollvernünftig-lebendige Wesen zu erhalten". Die dritte, phänomenologische Definition beschreibt die Subversion selbsterkorener Wahrheitsinstanzen durch Verweis auf die "nackte" Wahrheit: "Das zynische Denken nämlich kann nur erscheinen, wo von den Dingen zwei Ansichten möglich geworden sind, eine offizielle und eine inoffizielle, eine verhüllte und eine nackte, eine aus der Sicht der Helden und eine aus der Sicht der Kammerdiener." Als "Konstanten unserer Geschichte" sind Kynismus und Zynismus für Sloterdijk korrespondierende Begriffe, deren Gegenüberstellung die Struktur der Kritik der zynischen Vernunft bestimmt. Die Weimarer Republik als "Gründerzeit der zynischen Struktur der Moderne" dient Sloterdijk als Folie für die Gegenwart: Sowohl 1933 als auch 1983 sind für ihn Daten des Umschlags von einer Zwischenkriegszeit in eine Vorkriegszeit. Nur eine durch Hingabe und Liebe bestimmte "zweite Aufklärung" könne, so Sloterdijks Fazit, den "Zirkel der instrumentellen Vernunft" überwinden. Wirkung: Selten fand die Publikation eines philosophischen Werks eine so große mediale Resonanz wie die der Kritik der zynischen Vernunft. Dem einhelligen großen Lob seitens der bürgerlichen Presse stand der Totalverriss im Nachrichtenmagazin Der Spiegel gegenüber, was einen "Rezensentenstreit" zur Folge hatte, der die Verkaufszahlen des Werks emporschnellen ließ. Die spätere fundiertere philosophische Auseinandersetzung machte den unbestritten glänzenden Stil des Werks zum Ausgangspunkt für Lob wie Kritik: Allerhöchster Respekt wurde Sloterdijks Belesenheit und seiner "Schopenhauer und Spengler ebenbürtigen" Ausdruckskraft gezollt, ebenso seinem Versuch, gegen das neue zynische "Unbehagen in der Kultur" anzuschreiben. Auf der anderen Seite wurde Sloterdijk als "narzisstischer Selbstdarsteller" attackiert, der "Theorie in Tumult" transformiere. M. F.
Leserbewertungen: Durchschnitt: 4.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 10 Bewertungen)
Lesermeinungen:* Ein herrlicher Steinbruch (5 von 5 Punkten) meint s. aus gossengrün Es machte sich die Philosophie 1983 wieder auf in die fröhliche Wissenschaft- übrigens auch als Kapitelüberschrift verwendet! Der Kynismus- hier auch das Verspotten des allzu Ernsthaften- bildet die Haltung bei einer blitzgescheiten und höchstbelesenen rasanten und richtig gut lesbaren Runde durch das Figurenkabinett der Philosophie und Literatur, das man aus heutiger Sicht das sloterdijksche nennen kann. Hugo Ball, Erich Kästner, die bis dahin 40 Jahre im Giftschrank verschlossenen Nietzsche, Jünger und Spengler und viele Andere begegnen uns die nächsten 25 Jahre im Werk des vormaligen Poona- Reisenden. Als damals etwas von Aussen Kommender mit Sponti- Image ist der Vielschreiber bis heute höchst umstritten. Es war aber gerade der unabhängige, unverkrampfte Zugang mit anderen Erfahrungen, der eine neue Sicht freiräumte.
Nicht alle seine Werke, gerade die in einem Zeitgeist entstandenen, haben bis heute allerhöchste Relevanz.
Kritik der zynischen Vernunft aber wird bleiben als Auftakt vieler Diskussionen, die sich manchmal erst wieder eine Diskursethik aneignen müssen. Viele Steine des Denkanstosses werden hier gewonnen und eine ganze Generation wurde hier unterstützt in der Freude am Denken- in Zustimmung oder Widerspruch.
Ganz nebenbei ist gerade die Behandlung der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts das kenntnisreichste und beste, was ich zu diesem Thema kenne. Seine Sprache haut er zu Bildern aus dem vollen Stein, dass es eine Lust ist.
Unbedingt lesen und sich nicht schämen , wenn man Spaß oder auch einmal Ärger dabei hat!
Weitere Lesermeinungen |
| | Buch: | Zur Welt kommen - Zur Sprache kommen: Frankfurter Vorlesungen (edition suhrkamp) |
| Autor: | Peter Sloterdijk, Ausgabe vom 26. Sept. 1988, Broschiert, Verkaufsrang 89064 |
| Preis: | 8,50 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.) | |
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Peter Sloterdijk wurde am 26. Juni 1947 als Sohn einer Deutschen und eines Niederländers geboren. Von 1968 bis 1974 studierte er in München und an der Universität Hamburg Philosophie, Geschichte und Germanistik. 1971 erstellte Sloterdijk seine Magisterarbeit mit dem Titel Strukturalismus als poetische Hermeneutik. In den Jahren 1972/73 folgten ein Essay über Michel Foucaults strukturale Theorie der Geschichte sowie eine Studie mit dem Titel Die Ökonomie der Sprachspiele. Zur Kritik der linguistischen Gegenstandskonstitution. Im Jahre 1976 wurde Peter Sloterdijk von Professor Klaus Briegleb zum Thema Literatur und Organisation von Lebenserfahrung. Gattungstheorie und Gattungsgeschichte der Autobiographie der Weimarer Republik 1918–1933 promoviert. Zwischen 1978 und 1980 hielt sich Sloterdijk im Ashram von Bhagwan Shree Rajneesh (später Osho) im indischen Pune auf. Seit den 1980er Jahren arbeitet Sloterdijk als freier Schriftsteller. Das 1983 im Suhrkamp Verlag publizierte Buch Kritik der zynischen Vernunft zählt zu den meistverkauften philosophischen Büchern des 20. Jahrhunderts. Seit 2001 ist Sloterdijk in Nachfolge von Heinrich Klotz Rektor der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe sowie dort Professor für Philosophie und Ästhetik.
Leserbewertungen: Durchschnitt: 5.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 2 Bewertungen)
Lesermeinungen:* Sprache als Metapher des Freispruchs (5 von 5 Punkten) meint k. Man muss, schreibt Peter Sloterdijk (1947-) im ersten Band der "Sphären", wenn die theoretische Entfaltung wirksam sein soll, das Geschenkpapier rascheln hören, in dem etwas Fast-Bekanntes und auch Fast-Vergessenes dem Besitzer wie etwas Neues noch einmal überreicht wird. Hier ist sein Geschenk.
In der Tat ist so sein Werk zu verstehen. Gelingt es ihm aus der ersten rein physischen Geburt einen Mangel zu machen, der erst behoben wird, wenn die Sprache zur Welt kommt, der Mensch zur Sprache kommt, damit zum Denken. So kann der Leser Sloterdijks seine immerwährende Geburt feiern, wenn er durch Lesen dessen sprudelnder Vielfalt erneut zur Welt kommt, im Wiedererkennen die fortlaufende Schöpfung alter Gedanken in anderen Kontexten erlebt. Selbst das Hören des Rascheln des Geschenkpapiers versetzt in die Zeiten der Entdecker, jene terrane Depression erzwingt den Aufbruch ins maritime Erlebnis des längst Bekannten, aufgefangen und hochgehoben in die Sphären der Assoziationen.
Ob man ihm den Benjaminschen Begriff der Universalpolemik unterstellen will oder nicht; er reibt sich an der Sache und gebiert seine Sprache und bereichert die unsrige mit Neologismen. Er ist in der Welt der kinetischen Modernen zu Hause, eine Welt, die sich zu schnell bewegt, die ein sich zurückblättern bedarf, damit das Wagnis eines Neuanfangs nicht untergeht. Damit ist Sloterdijk Verfechter einer autarken Persönlichkeit, die die Poetik des Anfangens begreift als eine Selbstgestaltung, begleitet von der intensiven Sorge, einen schwierigen Anfang nicht noch zu einem bösen Ende zu führen. Denn die notwendige Erkenntnis, "dass für uns das Beste nicht auf der Linie des Wissens, Wollens und Könnens liegt, sondern in der Zuwendung zu dem allumfassenden Nichtwissen, in dem auch das Können und Wollen zur Ruhe und zur Schwebe finden".
Diesen Weg des Sokrates zu gehen, zur eigenen Sprache zu finden, die das persönliche Innen mit dem angebotenen Außen verbindet und reflektiert, ist ein Aufruf zum: Werde, der Du bist, der im Strome aller Überlieferungen zwischen Original und Kopie keine Rangfolge definiert, sondern jede Wiederholung als Premiere, als seine Premiere des ersten Mals empfindet.
Dass Sloterdijk schon hier zu dieser Zeit die Weltformel des Neokonservatismus beschreibt, mag prophetisch klingen:
Unbewusstheit plus Höchstgeschwindigkeit; oder: Immobilismus - der Explosion entgegen.
Nun folgt nicht daraus, dass wir den Kynismus frönen. Vielmehr sei an Heine gedacht, der den Übermut der Schreiber und Dichter als Versprechen und Zeugnis für die Utopie des Leichtsinns ansah.
Sloterdijks Poetik der Ent-Bindung, seine Poesie der Selbstgestaltung ist -wie immer - lesenswert. Ein Meister der fröhlichen Wissenschaft.
Weitere Lesermeinungen |
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