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Bücher - Autoren

Samuel P. Huntington

 
Kampf der Kulturen: Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21 - Jahrhundert - Samuel P. Huntington
Buch:Kampf der Kulturen: Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21 - Jahrhundert
Autor:Samuel P. Huntington, Ausgabe vom 1. Mai 2002, Taschenbuch, Verkaufsrang 16951
Preis: 13,00 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
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Clash und Crash mit Huntington
Es lohnt sich, mit Professor Samuel Phillips Huntington zu streiten. Es macht klüger - und man erlebt so seine Überraschungen beim Kampf der Argumente.
Harvard, im November 1996. SPIEGEL-Kollege Siegesmund von Ilsemann und ich sitzen im bescheidenen Büro des Professors in Boston, das so gar nicht zu dem pompösen Titel unseres Gesprächspartners passt (äEaton Professor of the Science of Government and Director of the John M. Olin Institute for Strategic Studies at Harvard University"). Ist er bereit für Gegenargumente zu seiner These vom kommenden Kampf der Kulturen, der in einen Weltkrieg münden könnte, äthe Rest against the West"? äNur zu, versuchen Sie, Löcher in mein Gedanken¬gebäude, in meine Landkarte für eine neue Ära der Politik zu bohren", sagt er mit blitzenden Augen. Er hat Freude am Zündeln, genießt die intellektuelle Auseinandersetzung. Und er gibt sich kämpferisch gegenüber jeder Kritik. Neunzig Minuten höchste Konzentration, während das Tonband läuft. Nur ab und zu, und nur für jeweils eine Sekunde, lässt Huntington den Blick hinaus aus seinem Fenster schweifen, auf die Bäume und Rasenflächen des schönen Harvard-Campus, wo sich auf Parkbänken einige seiner Studenten auf die nächste Vorlesung vorbereiten.
äUnd jetzt gehen wir in meine Kneipe hier gleich um die Ecke", sagt er, als wir uns gerade für das offizielle Interview bedankt haben. äDenn ich glaube, zu diesem und jenem Punkt sollten wir noch etwas vertiefen."
Es gibt alle paar Jahre mal intellektuelle Diskurse, originelle Denkstücke von Politikern oder Professoren, die große Aufmerksamkeit erregen. Der amerikanische Publizist Francis Fukuyama etwa, lange Zeit bekennender (und erst neuerdings bekehrter) Neokonservativer, hat 1989 so ein Traktat geschrieben. Er nannte es äDas Ende der Geschichte?" und meinte damit, alle ideologischen Auseinandersetzungen seien durch den Zusammenbruch des real existierenden Kommunismus in Osteuropa beendet, der Westen und seine Vorstellungen von Demokratie hätten für alle Zeiten gesiegt, von ein paar kleineren Störfällen abgesehen, sei der permanente Frieden ausgebrochen. Bald war Fukuyamas Gedankengebäude durch weltpolitische Entwicklungen als hoffnungslos überoptimistisch widerlegt. Selbst in Europa sollte wieder ein Krieg toben, und auch weit über den Balkan hinaus ging ädie Geschichte" durchaus weiter, terrorblutig und in bitteren Verteilungsschlachten um Rohstoffvorräte.
In der Sommer-Ausgabe 1993 der hoch angesehenen außenpolitischen Fachzeitschrift äForeign Affairs" hat dann Huntington seinen nur zwölf Seiten langen, mit einem scheuen Fragezeichen versehenen Aufsatz veröffentlicht: äThe Clash of Civilizations?" Schnell wurde klar, dass der Harvard-Wissenschaftler mit dem äKampf der Kulturen" (der in seiner korrekten Übersetzung eher ein äZusammenprall" sein sollte, was sich aber zugegeben nicht besonders griffig liest) ein langlebigeres und tiefer gehendes Erklärungsschema für die Zukunft der Weltpolitik lieferte als Fukuyama. Der frühere amerikanische Außenminister Henry Kissinger pries es, der führende arabische Linksintellektuelle Edward Said rammte es in Grund und Boden; Politiker begannen bald die griffige Formel zu benutzen, um ihre Vorstellungen über Präventivkriege, Abgrenzung von anderen Religionen oder regionale Zusammenschlüsse zu begründen. Immer wieder wurde vor dem äkommenden Kampf der Kulturen" gewarnt: ein fast schon klischeehaft wiederholtes Mantra vor allem der Erzkonservativen aller Länder. Nach jedem islamistischen Terroranschlag, nach jedem Scheitern einer diplomatischen Vereinbarung, nach jedem unbequemen Regierungswechsel in der Dritten Welt: Ist es nun so weit, haben wir ein weiteres Zeichen erlebt für den äClash of Civilizations"? Eine Chiffre, von der bald nicht mehr so klar war, wofür sie eigentlich stand. Und ob jeder, der sie benutzte, auch wirklich die Argumentation des Autors kannte.
Als Huntington dann 1996 sein Buch vorlegte - der äKampf der Kulturen" nun schon selbstbewusst ohne Fragezeichen, und statt einem Dutzend Seiten mehrere hundert lang -, war endgültig klar, dass es sich nicht wie beim Kollegen Fukuyama um eine intellektuelle Einjahresfliege handelte. Das Werk stürmte die Bestsellerlisten weltweit und setzte sich dort fest, wurde in Politiker- wie in Literaten- und Kirchen-Zirkeln zu einer wegweisenden weltpolitischen Bibel. Vergleichbar ist dieser bis heute andauernde Hype um Huntington allenfalls noch mit einer anderen Epoche machenden Schrift, schon damals fast ein halbes Jahrhundert alt: George Kennan hat in seinem Essay 1947 über die äUrsprünge des sowjetischen Verhaltens" die äEindämmung" des Kommunismus gefordert - die Forderung eines äContainment" wurde zu einem der intellektuellen Schlüsseltexte der amerikanischen Politik für den Kalten Krieg. Und zu einer in die Alltagssprache übergehenden Floskel.
Huntingtons Erklärungsmodell für die Zeit nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, für die Zeit nach dem Kalten Krieg ist in mehrfacher Weise außergewöhnlich: Er geht über den Staat als Grundeinheit der Weltpolitik hinaus. Und er verbannt politische Ideologien wie große ökonomische Auseinandersetzungen als geschichtsträchtige Komponenten in den Hintergrund. Der Harvard-Professor verkündet den Paradigmenwechsel. Eine völlig neue Form der internationalen Auseinandersetzungen beherrscht seiner Meinung nach das internationale Geschehen: Unterschiedliche Kulturkreise, die einander feindlich gegenüber stehen, prägen die Konfliktszenarien. Die Bruchlinien zwischen diesen äCivilizations" sind für ihn die Schlachtfelder der Zukunft - besonders blutig: die Grenzregionen des Islam. Dem Westen, dank seiner Wissenschaft und Technologie derzeit noch mächtigster Kulturkreis der Welt, droht laut Huntington der Abstieg, vor allem infolge äAufweichung" seiner Werte durch die überall nachdrängenden Immigranten.
Aber ist Samuel Huntingtons äClash of Civilizations" wirklich ein schlüssiges Erklärungsmuster? Oder überwiegen gar die Ausnahmen in seinem Modell, in seinem Paradigma zur globalen Politik, und führen es so ad absurdum?
Zurück in das Studierzimmer des Harvard-Lehrers für Internationale Beziehungen, zu unseren Diskussionen in der Bostoner Kneipe, November 1996, im Erscheinungsjahr des Buches. Versuche, das Modell nach allen Seiten auf seine Tauglichkeit abzuklopfen. Er bestellt sich einen Saft, wir entscheiden uns angesichts der vorgerückten Nachmittagsstunde für ein Bier. Die Kneipe mit dem holzgetäfelten Interieur hat sich geleert; nur ab und zu nickt ein Gast herüber, der den Raum verlässt. Bald sind wir allein mit dem Barkeeper und den hübschen Bedienungen.
Professor Huntington, Sie sprechen davon, die USA könnten der Sowjetunion in den äMülleimer der Geschichte" folgen. Washington hat mehr Waffen und dadurch vermutlich auch mehr Einfluss denn je. Sie bezweifeln die Loyalität der Immigranten in Europa und den USA - ist das nicht Panikmache?
äGerade Amerikas Einheit beruht auf einer gemeinsamen Kultur und einem gemeinsamen Vorrat politischer Prinzipien, die gegenwärtig von verschiedenen Seiten attackiert werden. Wir müssen die Flut der Immigranten eindämmen, weg von der Vorstellung einer multikulturellen Gesellschaft, weg von der Entwestlichung. In der Außenpolitik heißt das: Wir sollten Menschenrechte unterstützen, aber wir sollten nicht versuchen, andere Kulturen nach unserem westlichen Modell zu formen. Wir müssen akzeptieren, dass verschiedene Kulturen einen unterschiedlichen Wertekodex haben, dass individuelle Freiheiten nicht überall an der Spitze stehen."
Professor Huntington, die schlimmsten Auseinandersetzungen der letzten Jahrzehnte gab es doch innerhalb der Kulturkreise: Stalins Säuberungen, Pol Pots kambodschanischer Genozid - alles im Wesentlichen Kriege gegen das eigene Volk. Und kaum jemand ist doch nach dem Kalten Krieg so zerstritten wie die islamische Staatengemeinschaft. Zudem kommt uns die Aufteilung der Welt in sieben oder acht große Kulturen reichlich willkürlich vor - man könnte Lateinamerika mit seiner spanisch geprägten Kultur, anders als Sie, beispielsweise auch zum Westen zählen.
äBei Lateinamerika war ich mir nicht sicher bei der Zuordnung, darüber lässt sich streiten - aber darauf kommt es gar nicht an. Entscheidend für mich ist: Die Kraftfelder auf dem Globus verschieben sich, weg vom Westen, zu anderen Kulturkreisen. Besonders Religion schafft dabei ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, aber auch Abgrenzung gegenüber anderen. Deshalb gewinnen die Fundamentalisten des Islam, aber auch die Fundamentalisten des Christentums und des Hinduismus an Boden. Wenn aber die Welt künftig durch die Wechselbeziehungen zwischen sieben oder acht großen Kulturen geprägt wird, dann stellt sich die Frage nach einer neuen intellektuellen Landkarte für dieses Zeitalter. Es ergeben sich neue Fronten: Die Volksrepublik China ist dabei, wirtschaftlich und militärisch eine Weltmacht zu werden. Peking hat Iran und Pakistan Atomtechnologie verkauft. Die militärische Verbindung der wichtigsten Staaten des Konfuzianismus mit dem Islam stellt die größte Herausforderung für den Westen dar."
Professor Huntington, heizt nicht die ungleiche Verteilung von Reichtum auf der Welt die Konflikte mehr an, als es unterschiedliche Kulturen vermögen? Siegt nicht statt der Bedenken um kulturelle Kluft doch die Habgier von Nationen?
äNatürlich existieren wirtschaftliche Interessen, aber sie sind nicht von primärer Bedeutung. Die Menschen kämpfen und sterben für ihren Glauben und identifizieren sich mit ihrem Kulturkreis - das hält sie mehr zusammen denn je. Das Wesen der westlichen Kultur ist die Magna Charta, nicht der Big Mac. Darum geht es, und darum ist mein Gedankenmodell zwar nicht perfekt, aber es liefert die entscheidenden Anhaltspunkte, die Leitlinien. Es ersetzt den Kal

Leserbewertungen:
Durchschnitt: 4.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 50 Bewertungen)

Leserkommentare:*
Ein spannendes und beängstigendes Buch (5 von 5 Punkten) meint S.S. aus München
Im Zuge meines Politikstudiums ist Huntington Pflichtlektüre und auch so meines Erachtens unverzichtbar.
Huntington zeigt eine völlig neue Sichtweise der Weltordnung auf, die er auch reichlich mit Fakten belegt und uns aufzeigt, dass letztlich der Westen eine wahrscheinlich sinkende Rolle in der Welt spielen wird.
Zu kritisieren sind die oftmaligen Wiederholungen und der Touch der Schwarzmalerei.
Insgesamt aber vermittelt Huntington wie gesagt ein völlig neues Verständnis für die Internationale Politik, bringt sehr interessante Tatbestände ein und liest sich schon fast wie ein Roman.

Meine Empfehlung auch als Pflichtlektüre für jeden politisch interessierten.

 Weitere Lesermeinungen

Kampf der Kulturen - SPIEGEL-Edition Band 11 - Samuel P. Huntington
Buch:Kampf der Kulturen - SPIEGEL-Edition Band 11
Autor:Samuel P. Huntington, Ausgabe vom 9. Okt. 2006, Gebunden, Verkaufsrang 112564
Direkt bei Amazon nicht vorrätig,
andere Angebote über Amazon hier (Versandkosten beachten).
Clash und Crash mit Huntington
Es lohnt sich, mit Professor Samuel Phillips Huntington zu streiten. Es macht klüger - und man erlebt so seine Überraschungen beim Kampf der Argumente.
Harvard, im November 1996. SPIEGEL-Kollege Siegesmund von Ilsemann und ich sitzen im bescheidenen Büro des Professors in Boston, das so gar nicht zu dem pompösen Titel unseres Gesprächspartners passt (äEaton Professor of the Science of Government and Director of the John M. Olin Institute for Strategic Studies at Harvard University"). Ist er bereit für Gegenargumente zu seiner These vom kommenden Kampf der Kulturen, der in einen Weltkrieg münden könnte, äthe Rest against the West"? äNur zu, versuchen Sie, Löcher in mein Gedanken¬gebäude, in meine Landkarte für eine neue Ära der Politik zu bohren", sagt er mit blitzenden Augen. Er hat Freude am Zündeln, genießt die intellektuelle Auseinandersetzung. Und er gibt sich kämpferisch gegenüber jeder Kritik. Neunzig Minuten höchste Konzentration, während das Tonband läuft. Nur ab und zu, und nur für jeweils eine Sekunde, lässt Huntington den Blick hinaus aus seinem Fenster schweifen, auf die Bäume und Rasenflächen des schönen Harvard-Campus, wo sich auf Parkbänken einige seiner Studenten auf die nächste Vorlesung vorbereiten.
äUnd jetzt gehen wir in meine Kneipe hier gleich um die Ecke", sagt er, als wir uns gerade für das offizielle Interview bedankt haben. äDenn ich glaube, zu diesem und jenem Punkt sollten wir noch etwas vertiefen."
Es gibt alle paar Jahre mal intellektuelle Diskurse, originelle Denkstücke von Politikern oder Professoren, die große Aufmerksamkeit erregen. Der amerikanische Publizist Francis Fukuyama etwa, lange Zeit bekennender (und erst neuerdings bekehrter) Neokonservativer, hat 1989 so ein Traktat geschrieben. Er nannte es äDas Ende der Geschichte?" und meinte damit, alle ideologischen Auseinandersetzungen seien durch den Zusammenbruch des real existierenden Kommunismus in Osteuropa beendet, der Westen und seine Vorstellungen von Demokratie hätten für alle Zeiten gesiegt, von ein paar kleineren Störfällen abgesehen, sei der permanente Frieden ausgebrochen. Bald war Fukuyamas Gedankengebäude durch weltpolitische Entwicklungen als hoffnungslos überoptimistisch widerlegt. Selbst in Europa sollte wieder ein Krieg toben, und auch weit über den Balkan hinaus ging ädie Geschichte" durchaus weiter, terrorblutig und in bitteren Verteilungsschlachten um Rohstoffvorräte.
In der Sommer-Ausgabe 1993 der hoch angesehenen außenpolitischen Fachzeitschrift äForeign Affairs" hat dann Huntington seinen nur zwölf Seiten langen, mit einem scheuen Fragezeichen versehenen Aufsatz veröffentlicht: äThe Clash of Civilizations?" Schnell wurde klar, dass der Harvard-Wissenschaftler mit dem äKampf der Kulturen" (der in seiner korrekten Übersetzung eher ein äZusammenprall" sein sollte, was sich aber zugegeben nicht besonders griffig liest) ein langlebigeres und tiefer gehendes Erklärungsschema für die Zukunft der Weltpolitik lieferte als Fukuyama. Der frühere amerikanische Außenminister Henry Kissinger pries es, der führende arabische Linksintellektuelle Edward Said rammte es in Grund und Boden; Politiker begannen bald die griffige Formel zu benutzen, um ihre Vorstellungen über Präventivkriege, Abgrenzung von anderen Religionen oder regionale Zusammenschlüsse zu begründen. Immer wieder wurde vor dem äkommenden Kampf der Kulturen" gewarnt: ein fast schon klischeehaft wiederholtes Mantra vor allem der Erzkonservativen aller Länder. Nach jedem islamistischen Terroranschlag, nach jedem Scheitern einer diplomatischen Vereinbarung, nach jedem unbequemen Regierungswechsel in der Dritten Welt: Ist es nun so weit, haben wir ein weiteres Zeichen erlebt für den äClash of Civilizations"? Eine Chiffre, von der bald nicht mehr so klar war, wofür sie eigentlich stand. Und ob jeder, der sie benutzte, auch wirklich die Argumentation des Autors kannte.
Als Huntington dann 1996 sein Buch vorlegte - der äKampf der Kulturen" nun schon selbstbewusst ohne Fragezeichen, und statt einem Dutzend Seiten mehrere hundert lang -, war endgültig klar, dass es sich nicht wie beim Kollegen Fukuyama um eine intellektuelle Einjahresfliege handelte. Das Werk stürmte die Bestsellerlisten weltweit und setzte sich dort fest, wurde in Politiker- wie in Literaten- und Kirchen-Zirkeln zu einer wegweisenden weltpolitischen Bibel. Vergleichbar ist dieser bis heute andauernde Hype um Huntington allenfalls noch mit einer anderen Epoche machenden Schrift, schon damals fast ein halbes Jahrhundert alt: George Kennan hat in seinem Essay 1947 über die äUrsprünge des sowjetischen Verhaltens" die äEindämmung" des Kommunismus gefordert - die Forderung eines äContainment" wurde zu einem der intellektuellen Schlüsseltexte der amerikanischen Politik für den Kalten Krieg. Und zu einer in die Alltagssprache übergehenden Floskel.
Huntingtons Erklärungsmodell für die Zeit nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, für die Zeit nach dem Kalten Krieg ist in mehrfacher Weise außergewöhnlich: Er geht über den Staat als Grundeinheit der Weltpolitik hinaus. Und er verbannt politische Ideologien wie große ökonomische Auseinandersetzungen als geschichtsträchtige Komponenten in den Hintergrund. Der Harvard-Professor verkündet den Paradigmenwechsel. Eine völlig neue Form der internationalen Auseinandersetzungen beherrscht seiner Meinung nach das internationale Geschehen: Unterschiedliche Kulturkreise, die einander feindlich gegenüber stehen, prägen die Konfliktszenarien. Die Bruchlinien zwischen diesen äCivilizations" sind für ihn die Schlachtfelder der Zukunft - besonders blutig: die Grenzregionen des Islam. Dem Westen, dank seiner Wissenschaft und Technologie derzeit noch mächtigster Kulturkreis der Welt, droht laut Huntington der Abstieg, vor allem infolge äAufweichung" seiner Werte durch die überall nachdrängenden Immigranten.
Aber ist Samuel Huntingtons äClash of Civilizations" wirklich ein schlüssiges Erklärungsmuster? Oder überwiegen gar die Ausnahmen in seinem Modell, in seinem Paradigma zur globalen Politik, und führen es so ad absurdum?
Zurück in das Studierzimmer des Harvard-Lehrers für Internationale Beziehungen, zu unseren Diskussionen in der Bostoner Kneipe, November 1996, im Erscheinungsjahr des Buches. Versuche, das Modell nach allen Seiten auf seine Tauglichkeit abzuklopfen. Er bestellt sich einen Saft, wir entscheiden uns angesichts der vorgerückten Nachmittagsstunde für ein Bier. Die Kneipe mit dem holzgetäfelten Interieur hat sich geleert; nur ab und zu nickt ein Gast herüber, der den Raum verlässt. Bald sind wir allein mit dem Barkeeper und den hübschen Bedienungen.
Professor Huntington, Sie sprechen davon, die USA könnten der Sowjetunion in den äMülleimer der Geschichte" folgen. Washington hat mehr Waffen und dadurch vermutlich auch mehr Einfluss denn je. Sie bezweifeln die Loyalität der Immigranten in Europa und den USA - ist das nicht Panikmache?
äGerade Amerikas Einheit beruht auf einer gemeinsamen Kultur und einem gemeinsamen Vorrat politischer Prinzipien, die gegenwärtig von verschiedenen Seiten attackiert werden. Wir müssen die Flut der Immigranten eindämmen, weg von der Vorstellung einer multikulturellen Gesellschaft, weg von der Entwestlichung. In der Außenpolitik heißt das: Wir sollten Menschenrechte unterstützen, aber wir sollten nicht versuchen, andere Kulturen nach unserem westlichen Modell zu formen. Wir müssen akzeptieren, dass verschiedene Kulturen einen unterschiedlichen Wertekodex haben, dass individuelle Freiheiten nicht überall an der Spitze stehen."
Professor Huntington, die schlimmsten Auseinandersetzungen der letzten Jahrzehnte gab es doch innerhalb der Kulturkreise: Stalins Säuberungen, Pol Pots kambodschanischer Genozid - alles im Wesentlichen Kriege gegen das eigene Volk. Und kaum jemand ist doch nach dem Kalten Krieg so zerstritten wie die islamische Staatengemeinschaft. Zudem kommt uns die Aufteilung der Welt in sieben oder acht große Kulturen reichlich willkürlich vor - man könnte Lateinamerika mit seiner spanisch geprägten Kultur, anders als Sie, beispielsweise auch zum Westen zählen.
äBei Lateinamerika war ich mir nicht sicher bei der Zuordnung, darüber lässt sich streiten - aber darauf kommt es gar nicht an. Entscheidend für mich ist: Die Kraftfelder auf dem Globus verschieben sich, weg vom Westen, zu anderen Kulturkreisen. Besonders Religion schafft dabei ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, aber auch Abgrenzung gegenüber anderen. Deshalb gewinnen die Fundamentalisten des Islam, aber auch die Fundamentalisten des Christentums und des Hinduismus an Boden. Wenn aber die Welt künftig durch die Wechselbeziehungen zwischen sieben oder acht großen Kulturen geprägt wird, dann stellt sich die Frage nach einer neuen intellektuellen Landkarte für dieses Zeitalter. Es ergeben sich neue Fronten: Die Volksrepublik China ist dabei, wirtschaftlich und militärisch eine Weltmacht zu werden. Peking hat Iran und Pakistan Atomtechnologie verkauft. Die militärische Verbindung der wichtigsten Staaten des Konfuzianismus mit dem Islam stellt die größte Herausforderung für den Westen dar."
Professor Huntington, heizt nicht die ungleiche Verteilung von Reichtum auf der Welt die Konflikte mehr an, als es unterschiedliche Kulturen vermögen? Siegt nicht statt der Bedenken um kulturelle Kluft doch die Habgier von Nationen?
äNatürlich existieren wirtschaftliche Interessen, aber sie sind nicht von primärer Bedeutung. Die Menschen kämpfen und sterben für ihren Glauben und identifizieren sich mit ihrem Kulturkreis - das hält sie mehr zusammen denn je. Das Wesen der westlichen Kultur ist die Magna Charta, nicht der Big Mac. Darum geht es, und darum ist mein Gedankenmodell zwar nicht perfekt, aber es liefert die entscheidenden Anhaltspunkte, die Leitlinien. Es ersetzt den Kal

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Ein spannendes und beängstigendes Buch (5 von 5 Punkten) meint S.S. aus München
Im Zuge meines Politikstudiums ist Huntington Pflichtlektüre und auch so meines Erachtens unverzichtbar.
Huntington zeigt eine völlig neue Sichtweise der Weltordnung auf, die er auch reichlich mit Fakten belegt und uns aufzeigt, dass letztlich der Westen eine wahrscheinlich sinkende Rolle in der Welt spielen wird.
Zu kritisieren sind die oftmaligen Wiederholungen und der Touch der Schwarzmalerei.
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Kampf der Kulturen: Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21 - Jahrhundert: The Clash of Civilizations - Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21 - Jahrhundert - Samuel P. Huntington
Buch:Kampf der Kulturen: Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21 - Jahrhundert: The Clash of Civilizations - Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21 - Jahrhundert
Autor:Samuel P. Huntington, Ausgabe vom 1. Dez. 1998, Taschenbuch, Verkaufsrang 45160
Preis: 13,00 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
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Clash und Crash mit Huntington
Es lohnt sich, mit Professor Samuel Phillips Huntington zu streiten. Es macht klüger - und man erlebt so seine Überraschungen beim Kampf der Argumente.
Harvard, im November 1996. SPIEGEL-Kollege Siegesmund von Ilsemann und ich sitzen im bescheidenen Büro des Professors in Boston, das so gar nicht zu dem pompösen Titel unseres Gesprächspartners passt (äEaton Professor of the Science of Government and Director of the John M. Olin Institute for Strategic Studies at Harvard University"). Ist er bereit für Gegenargumente zu seiner These vom kommenden Kampf der Kulturen, der in einen Weltkrieg münden könnte, äthe Rest against the West"? äNur zu, versuchen Sie, Löcher in mein Gedanken¬gebäude, in meine Landkarte für eine neue Ära der Politik zu bohren", sagt er mit blitzenden Augen. Er hat Freude am Zündeln, genießt die intellektuelle Auseinandersetzung. Und er gibt sich kämpferisch gegenüber jeder Kritik. Neunzig Minuten höchste Konzentration, während das Tonband läuft. Nur ab und zu, und nur für jeweils eine Sekunde, lässt Huntington den Blick hinaus aus seinem Fenster schweifen, auf die Bäume und Rasenflächen des schönen Harvard-Campus, wo sich auf Parkbänken einige seiner Studenten auf die nächste Vorlesung vorbereiten.
äUnd jetzt gehen wir in meine Kneipe hier gleich um die Ecke", sagt er, als wir uns gerade für das offizielle Interview bedankt haben. äDenn ich glaube, zu diesem und jenem Punkt sollten wir noch etwas vertiefen."
Es gibt alle paar Jahre mal intellektuelle Diskurse, originelle Denkstücke von Politikern oder Professoren, die große Aufmerksamkeit erregen. Der amerikanische Publizist Francis Fukuyama etwa, lange Zeit bekennender (und erst neuerdings bekehrter) Neokonservativer, hat 1989 so ein Traktat geschrieben. Er nannte es äDas Ende der Geschichte?" und meinte damit, alle ideologischen Auseinandersetzungen seien durch den Zusammenbruch des real existierenden Kommunismus in Osteuropa beendet, der Westen und seine Vorstellungen von Demokratie hätten für alle Zeiten gesiegt, von ein paar kleineren Störfällen abgesehen, sei der permanente Frieden ausgebrochen. Bald war Fukuyamas Gedankengebäude durch weltpolitische Entwicklungen als hoffnungslos überoptimistisch widerlegt. Selbst in Europa sollte wieder ein Krieg toben, und auch weit über den Balkan hinaus ging ädie Geschichte" durchaus weiter, terrorblutig und in bitteren Verteilungsschlachten um Rohstoffvorräte.
In der Sommer-Ausgabe 1993 der hoch angesehenen außenpolitischen Fachzeitschrift äForeign Affairs" hat dann Huntington seinen nur zwölf Seiten langen, mit einem scheuen Fragezeichen versehenen Aufsatz veröffentlicht: äThe Clash of Civilizations?" Schnell wurde klar, dass der Harvard-Wissenschaftler mit dem äKampf der Kulturen" (der in seiner korrekten Übersetzung eher ein äZusammenprall" sein sollte, was sich aber zugegeben nicht besonders griffig liest) ein langlebigeres und tiefer gehendes Erklärungsschema für die Zukunft der Weltpolitik lieferte als Fukuyama. Der frühere amerikanische Außenminister Henry Kissinger pries es, der führende arabische Linksintellektuelle Edward Said rammte es in Grund und Boden; Politiker begannen bald die griffige Formel zu benutzen, um ihre Vorstellungen über Präventivkriege, Abgrenzung von anderen Religionen oder regionale Zusammenschlüsse zu begründen. Immer wieder wurde vor dem äkommenden Kampf der Kulturen" gewarnt: ein fast schon klischeehaft wiederholtes Mantra vor allem der Erzkonservativen aller Länder. Nach jedem islamistischen Terroranschlag, nach jedem Scheitern einer diplomatischen Vereinbarung, nach jedem unbequemen Regierungswechsel in der Dritten Welt: Ist es nun so weit, haben wir ein weiteres Zeichen erlebt für den äClash of Civilizations"? Eine Chiffre, von der bald nicht mehr so klar war, wofür sie eigentlich stand. Und ob jeder, der sie benutzte, auch wirklich die Argumentation des Autors kannte.
Als Huntington dann 1996 sein Buch vorlegte - der äKampf der Kulturen" nun schon selbstbewusst ohne Fragezeichen, und statt einem Dutzend Seiten mehrere hundert lang -, war endgültig klar, dass es sich nicht wie beim Kollegen Fukuyama um eine intellektuelle Einjahresfliege handelte. Das Werk stürmte die Bestsellerlisten weltweit und setzte sich dort fest, wurde in Politiker- wie in Literaten- und Kirchen-Zirkeln zu einer wegweisenden weltpolitischen Bibel. Vergleichbar ist dieser bis heute andauernde Hype um Huntington allenfalls noch mit einer anderen Epoche machenden Schrift, schon damals fast ein halbes Jahrhundert alt: George Kennan hat in seinem Essay 1947 über die äUrsprünge des sowjetischen Verhaltens" die äEindämmung" des Kommunismus gefordert - die Forderung eines äContainment" wurde zu einem der intellektuellen Schlüsseltexte der amerikanischen Politik für den Kalten Krieg. Und zu einer in die Alltagssprache übergehenden Floskel.
Huntingtons Erklärungsmodell für die Zeit nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, für die Zeit nach dem Kalten Krieg ist in mehrfacher Weise außergewöhnlich: Er geht über den Staat als Grundeinheit der Weltpolitik hinaus. Und er verbannt politische Ideologien wie große ökonomische Auseinandersetzungen als geschichtsträchtige Komponenten in den Hintergrund. Der Harvard-Professor verkündet den Paradigmenwechsel. Eine völlig neue Form der internationalen Auseinandersetzungen beherrscht seiner Meinung nach das internationale Geschehen: Unterschiedliche Kulturkreise, die einander feindlich gegenüber stehen, prägen die Konfliktszenarien. Die Bruchlinien zwischen diesen äCivilizations" sind für ihn die Schlachtfelder der Zukunft - besonders blutig: die Grenzregionen des Islam. Dem Westen, dank seiner Wissenschaft und Technologie derzeit noch mächtigster Kulturkreis der Welt, droht laut Huntington der Abstieg, vor allem infolge äAufweichung" seiner Werte durch die überall nachdrängenden Immigranten.
Aber ist Samuel Huntingtons äClash of Civilizations" wirklich ein schlüssiges Erklärungsmuster? Oder überwiegen gar die Ausnahmen in seinem Modell, in seinem Paradigma zur globalen Politik, und führen es so ad absurdum?
Zurück in das Studierzimmer des Harvard-Lehrers für Internationale Beziehungen, zu unseren Diskussionen in der Bostoner Kneipe, November 1996, im Erscheinungsjahr des Buches. Versuche, das Modell nach allen Seiten auf seine Tauglichkeit abzuklopfen. Er bestellt sich einen Saft, wir entscheiden uns angesichts der vorgerückten Nachmittagsstunde für ein Bier. Die Kneipe mit dem holzgetäfelten Interieur hat sich geleert; nur ab und zu nickt ein Gast herüber, der den Raum verlässt. Bald sind wir allein mit dem Barkeeper und den hübschen Bedienungen.
Professor Huntington, Sie sprechen davon, die USA könnten der Sowjetunion in den äMülleimer der Geschichte" folgen. Washington hat mehr Waffen und dadurch vermutlich auch mehr Einfluss denn je. Sie bezweifeln die Loyalität der Immigranten in Europa und den USA - ist das nicht Panikmache?
äGerade Amerikas Einheit beruht auf einer gemeinsamen Kultur und einem gemeinsamen Vorrat politischer Prinzipien, die gegenwärtig von verschiedenen Seiten attackiert werden. Wir müssen die Flut der Immigranten eindämmen, weg von der Vorstellung einer multikulturellen Gesellschaft, weg von der Entwestlichung. In der Außenpolitik heißt das: Wir sollten Menschenrechte unterstützen, aber wir sollten nicht versuchen, andere Kulturen nach unserem westlichen Modell zu formen. Wir müssen akzeptieren, dass verschiedene Kulturen einen unterschiedlichen Wertekodex haben, dass individuelle Freiheiten nicht überall an der Spitze stehen."
Professor Huntington, die schlimmsten Auseinandersetzungen der letzten Jahrzehnte gab es doch innerhalb der Kulturkreise: Stalins Säuberungen, Pol Pots kambodschanischer Genozid - alles im Wesentlichen Kriege gegen das eigene Volk. Und kaum jemand ist doch nach dem Kalten Krieg so zerstritten wie die islamische Staatengemeinschaft. Zudem kommt uns die Aufteilung der Welt in sieben oder acht große Kulturen reichlich willkürlich vor - man könnte Lateinamerika mit seiner spanisch geprägten Kultur, anders als Sie, beispielsweise auch zum Westen zählen.
äBei Lateinamerika war ich mir nicht sicher bei der Zuordnung, darüber lässt sich streiten - aber darauf kommt es gar nicht an. Entscheidend für mich ist: Die Kraftfelder auf dem Globus verschieben sich, weg vom Westen, zu anderen Kulturkreisen. Besonders Religion schafft dabei ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, aber auch Abgrenzung gegenüber anderen. Deshalb gewinnen die Fundamentalisten des Islam, aber auch die Fundamentalisten des Christentums und des Hinduismus an Boden. Wenn aber die Welt künftig durch die Wechselbeziehungen zwischen sieben oder acht großen Kulturen geprägt wird, dann stellt sich die Frage nach einer neuen intellektuellen Landkarte für dieses Zeitalter. Es ergeben sich neue Fronten: Die Volksrepublik China ist dabei, wirtschaftlich und militärisch eine Weltmacht zu werden. Peking hat Iran und Pakistan Atomtechnologie verkauft. Die militärische Verbindung der wichtigsten Staaten des Konfuzianismus mit dem Islam stellt die größte Herausforderung für den Westen dar."
Professor Huntington, heizt nicht die ungleiche Verteilung von Reichtum auf der Welt die Konflikte mehr an, als es unterschiedliche Kulturen vermögen? Siegt nicht statt der Bedenken um kulturelle Kluft doch die Habgier von Nationen?
äNatürlich existieren wirtschaftliche Interessen, aber sie sind nicht von primärer Bedeutung. Die Menschen kämpfen und sterben für ihren Glauben und identifizieren sich mit ihrem Kulturkreis - das hält sie mehr zusammen denn je. Das Wesen der westlichen Kultur ist die Magna Charta, nicht der Big Mac. Darum geht es, und darum ist mein Gedankenmodell zwar nicht perfekt, aber es liefert die entscheidenden Anhaltspunkte, die Leitlinien. Es ersetzt den Kal

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Durchschnitt: 4.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 50 Bewertungen)

Leserkommentare:*
Ein spannendes und beängstigendes Buch (5 von 5 Punkten) meint S.S. aus München
Im Zuge meines Politikstudiums ist Huntington Pflichtlektüre und auch so meines Erachtens unverzichtbar.
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Der Sound des Sachzwangs - Der Globalisierungs-Reader - Elmar Altvater, Noam Chomsky, Mike Davis, Erhard Eppler, Johan Galtung, Jürgen Habermas, Samuel P. Huntington, Naomi Klein, Birgit Mahnkopf, Saskia Sassen, u.a.
Buch:Der Sound des Sachzwangs - Der Globalisierungs-Reader
Autor:Elmar Altvater, Noam Chomsky, Mike Davis, Erhard Eppler, Johan Galtung, Jürgen Habermas, Samuel P. Huntington, Naomi Klein, Birgit Mahnkopf, Saskia Sassen, u.a., Ausgabe vom 10. Sept. 2006, Broschiert, Verkaufsrang 87376
Preis: 12,00 EUR (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
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Ideales Rüstzeug für den klugen Protest - bei einem gleichzeitig höchst basisnahen Preis von jeweils zwölf Euro. Auf diese Weise bilanzieren die Blätter für deutsche und internationale Politik die Globalisierungsdebatte der jüngeren Zeit - und gleichzeitig ihre eigene Tätigkeit als engagierte Monatszeitschrift. Fern von überschießendem Aktionismus werden dort auf allgemeinverständlichem und trotzdem wissenschaftlichem Niveau politische Debatten um die rasante Veränderung der Welt geführt, inklusive möglicher Gegenstrategien und Alternativen." (Frankfurter Rundschau, 14.11.2006)

Leserbewertungen:
Durchschnitt: 5.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 3 Bewertungen)

Leserkommentare:*
Globalisierungs-Überblick, und das auch noch sehr günstig (5 von 5 Punkten) meint S.Z. aus Köln, Europa
Ist die Globalisierung wirklich unvermeidlich? Was steckt hinter diesem Schlagwort, ... viele Fragen und viele Antworten finden sich in sehr verschiedenen Perspektiven in diesem Reader.

Ich schreibe vor allem deshalb dieses Lob, weil die 'Blätter für deutsche und internationale Politik' diesen Globalisierungs-Reader 'Der Sound des Sachzwangs' mit zwölf E' so günstig anbieten. Für über 270 Seiten von ziemlich namhaften Autorinnen und Autoren kann man da wirklich nix sagen - außer natürlich ein 'Zuschlagen und reinschnuppern!'.

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Kampf der Kulturen - Samuel P. Huntington
Buch:Kampf der Kulturen
Autor:Samuel P. Huntington, Ausgabe vom 1997, Gebunden, Verkaufsrang 172317
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Clash und Crash mit Huntington
Es lohnt sich, mit Professor Samuel Phillips Huntington zu streiten. Es macht klüger - und man erlebt so seine Überraschungen beim Kampf der Argumente.
Harvard, im November 1996. SPIEGEL-Kollege Siegesmund von Ilsemann und ich sitzen im bescheidenen Büro des Professors in Boston, das so gar nicht zu dem pompösen Titel unseres Gesprächspartners passt (äEaton Professor of the Science of Government and Director of the John M. Olin Institute for Strategic Studies at Harvard University"). Ist er bereit für Gegenargumente zu seiner These vom kommenden Kampf der Kulturen, der in einen Weltkrieg münden könnte, äthe Rest against the West"? äNur zu, versuchen Sie, Löcher in mein Gedanken¬gebäude, in meine Landkarte für eine neue Ära der Politik zu bohren", sagt er mit blitzenden Augen. Er hat Freude am Zündeln, genießt die intellektuelle Auseinandersetzung. Und er gibt sich kämpferisch gegenüber jeder Kritik. Neunzig Minuten höchste Konzentration, während das Tonband läuft. Nur ab und zu, und nur für jeweils eine Sekunde, lässt Huntington den Blick hinaus aus seinem Fenster schweifen, auf die Bäume und Rasenflächen des schönen Harvard-Campus, wo sich auf Parkbänken einige seiner Studenten auf die nächste Vorlesung vorbereiten.
äUnd jetzt gehen wir in meine Kneipe hier gleich um die Ecke", sagt er, als wir uns gerade für das offizielle Interview bedankt haben. äDenn ich glaube, zu diesem und jenem Punkt sollten wir noch etwas vertiefen."
Es gibt alle paar Jahre mal intellektuelle Diskurse, originelle Denkstücke von Politikern oder Professoren, die große Aufmerksamkeit erregen. Der amerikanische Publizist Francis Fukuyama etwa, lange Zeit bekennender (und erst neuerdings bekehrter) Neokonservativer, hat 1989 so ein Traktat geschrieben. Er nannte es äDas Ende der Geschichte?" und meinte damit, alle ideologischen Auseinandersetzungen seien durch den Zusammenbruch des real existierenden Kommunismus in Osteuropa beendet, der Westen und seine Vorstellungen von Demokratie hätten für alle Zeiten gesiegt, von ein paar kleineren Störfällen abgesehen, sei der permanente Frieden ausgebrochen. Bald war Fukuyamas Gedankengebäude durch weltpolitische Entwicklungen als hoffnungslos überoptimistisch widerlegt. Selbst in Europa sollte wieder ein Krieg toben, und auch weit über den Balkan hinaus ging ädie Geschichte" durchaus weiter, terrorblutig und in bitteren Verteilungsschlachten um Rohstoffvorräte.
In der Sommer-Ausgabe 1993 der hoch angesehenen außenpolitischen Fachzeitschrift äForeign Affairs" hat dann Huntington seinen nur zwölf Seiten langen, mit einem scheuen Fragezeichen versehenen Aufsatz veröffentlicht: äThe Clash of Civilizations?" Schnell wurde klar, dass der Harvard-Wissenschaftler mit dem äKampf der Kulturen" (der in seiner korrekten Übersetzung eher ein äZusammenprall" sein sollte, was sich aber zugegeben nicht besonders griffig liest) ein langlebigeres und tiefer gehendes Erklärungsschema für die Zukunft der Weltpolitik lieferte als Fukuyama. Der frühere amerikanische Außenminister Henry Kissinger pries es, der führende arabische Linksintellektuelle Edward Said rammte es in Grund und Boden; Politiker begannen bald die griffige Formel zu benutzen, um ihre Vorstellungen über Präventivkriege, Abgrenzung von anderen Religionen oder regionale Zusammenschlüsse zu begründen. Immer wieder wurde vor dem äkommenden Kampf der Kulturen" gewarnt: ein fast schon klischeehaft wiederholtes Mantra vor allem der Erzkonservativen aller Länder. Nach jedem islamistischen Terroranschlag, nach jedem Scheitern einer diplomatischen Vereinbarung, nach jedem unbequemen Regierungswechsel in der Dritten Welt: Ist es nun so weit, haben wir ein weiteres Zeichen erlebt für den äClash of Civilizations"? Eine Chiffre, von der bald nicht mehr so klar war, wofür sie eigentlich stand. Und ob jeder, der sie benutzte, auch wirklich die Argumentation des Autors kannte.
Als Huntington dann 1996 sein Buch vorlegte - der äKampf der Kulturen" nun schon selbstbewusst ohne Fragezeichen, und statt einem Dutzend Seiten mehrere hundert lang -, war endgültig klar, dass es sich nicht wie beim Kollegen Fukuyama um eine intellektuelle Einjahresfliege handelte. Das Werk stürmte die Bestsellerlisten weltweit und setzte sich dort fest, wurde in Politiker- wie in Literaten- und Kirchen-Zirkeln zu einer wegweisenden weltpolitischen Bibel. Vergleichbar ist dieser bis heute andauernde Hype um Huntington allenfalls noch mit einer anderen Epoche machenden Schrift, schon damals fast ein halbes Jahrhundert alt: George Kennan hat in seinem Essay 1947 über die äUrsprünge des sowjetischen Verhaltens" die äEindämmung" des Kommunismus gefordert - die Forderung eines äContainment" wurde zu einem der intellektuellen Schlüsseltexte der amerikanischen Politik für den Kalten Krieg. Und zu einer in die Alltagssprache übergehenden Floskel.
Huntingtons Erklärungsmodell für die Zeit nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, für die Zeit nach dem Kalten Krieg ist in mehrfacher Weise außergewöhnlich: Er geht über den Staat als Grundeinheit der Weltpolitik hinaus. Und er verbannt politische Ideologien wie große ökonomische Auseinandersetzungen als geschichtsträchtige Komponenten in den Hintergrund. Der Harvard-Professor verkündet den Paradigmenwechsel. Eine völlig neue Form der internationalen Auseinandersetzungen beherrscht seiner Meinung nach das internationale Geschehen: Unterschiedliche Kulturkreise, die einander feindlich gegenüber stehen, prägen die Konfliktszenarien. Die Bruchlinien zwischen diesen äCivilizations" sind für ihn die Schlachtfelder der Zukunft - besonders blutig: die Grenzregionen des Islam. Dem Westen, dank seiner Wissenschaft und Technologie derzeit noch mächtigster Kulturkreis der Welt, droht laut Huntington der Abstieg, vor allem infolge äAufweichung" seiner Werte durch die überall nachdrängenden Immigranten.
Aber ist Samuel Huntingtons äClash of Civilizations" wirklich ein schlüssiges Erklärungsmuster? Oder überwiegen gar die Ausnahmen in seinem Modell, in seinem Paradigma zur globalen Politik, und führen es so ad absurdum?
Zurück in das Studierzimmer des Harvard-Lehrers für Internationale Beziehungen, zu unseren Diskussionen in der Bostoner Kneipe, November 1996, im Erscheinungsjahr des Buches. Versuche, das Modell nach allen Seiten auf seine Tauglichkeit abzuklopfen. Er bestellt sich einen Saft, wir entscheiden uns angesichts der vorgerückten Nachmittagsstunde für ein Bier. Die Kneipe mit dem holzgetäfelten Interieur hat sich geleert; nur ab und zu nickt ein Gast herüber, der den Raum verlässt. Bald sind wir allein mit dem Barkeeper und den hübschen Bedienungen.
Professor Huntington, Sie sprechen davon, die USA könnten der Sowjetunion in den äMülleimer der Geschichte" folgen. Washington hat mehr Waffen und dadurch vermutlich auch mehr Einfluss denn je. Sie bezweifeln die Loyalität der Immigranten in Europa und den USA - ist das nicht Panikmache?
äGerade Amerikas Einheit beruht auf einer gemeinsamen Kultur und einem gemeinsamen Vorrat politischer Prinzipien, die gegenwärtig von verschiedenen Seiten attackiert werden. Wir müssen die Flut der Immigranten eindämmen, weg von der Vorstellung einer multikulturellen Gesellschaft, weg von der Entwestlichung. In der Außenpolitik heißt das: Wir sollten Menschenrechte unterstützen, aber wir sollten nicht versuchen, andere Kulturen nach unserem westlichen Modell zu formen. Wir müssen akzeptieren, dass verschiedene Kulturen einen unterschiedlichen Wertekodex haben, dass individuelle Freiheiten nicht überall an der Spitze stehen."
Professor Huntington, die schlimmsten Auseinandersetzungen der letzten Jahrzehnte gab es doch innerhalb der Kulturkreise: Stalins Säuberungen, Pol Pots kambodschanischer Genozid - alles im Wesentlichen Kriege gegen das eigene Volk. Und kaum jemand ist doch nach dem Kalten Krieg so zerstritten wie die islamische Staatengemeinschaft. Zudem kommt uns die Aufteilung der Welt in sieben oder acht große Kulturen reichlich willkürlich vor - man könnte Lateinamerika mit seiner spanisch geprägten Kultur, anders als Sie, beispielsweise auch zum Westen zählen.
äBei Lateinamerika war ich mir nicht sicher bei der Zuordnung, darüber lässt sich streiten - aber darauf kommt es gar nicht an. Entscheidend für mich ist: Die Kraftfelder auf dem Globus verschieben sich, weg vom Westen, zu anderen Kulturkreisen. Besonders Religion schafft dabei ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, aber auch Abgrenzung gegenüber anderen. Deshalb gewinnen die Fundamentalisten des Islam, aber auch die Fundamentalisten des Christentums und des Hinduismus an Boden. Wenn aber die Welt künftig durch die Wechselbeziehungen zwischen sieben oder acht großen Kulturen geprägt wird, dann stellt sich die Frage nach einer neuen intellektuellen Landkarte für dieses Zeitalter. Es ergeben sich neue Fronten: Die Volksrepublik China ist dabei, wirtschaftlich und militärisch eine Weltmacht zu werden. Peking hat Iran und Pakistan Atomtechnologie verkauft. Die militärische Verbindung der wichtigsten Staaten des Konfuzianismus mit dem Islam stellt die größte Herausforderung für den Westen dar."
Professor Huntington, heizt nicht die ungleiche Verteilung von Reichtum auf der Welt die Konflikte mehr an, als es unterschiedliche Kulturen vermögen? Siegt nicht statt der Bedenken um kulturelle Kluft doch die Habgier von Nationen?
äNatürlich existieren wirtschaftliche Interessen, aber sie sind nicht von primärer Bedeutung. Die Menschen kämpfen und sterben für ihren Glauben und identifizieren sich mit ihrem Kulturkreis - das hält sie mehr zusammen denn je. Das Wesen der westlichen Kultur ist die Magna Charta, nicht der Big Mac. Darum geht es, und darum ist mein Gedankenmodell zwar nicht perfekt, aber es liefert die entscheidenden Anhaltspunkte, die Leitlinien. Es ersetzt den Kal

Leserbewertungen:
Durchschnitt: 4.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 50 Bewertungen)

Leserkommentare:*
Ein spannendes und beängstigendes Buch (5 von 5 Punkten) meint S.S. aus München
Im Zuge meines Politikstudiums ist Huntington Pflichtlektüre und auch so meines Erachtens unverzichtbar.
Huntington zeigt eine völlig neue Sichtweise der Weltordnung auf, die er auch reichlich mit Fakten belegt und uns aufzeigt, dass letztlich der Westen eine wahrscheinlich sinkende Rolle in der Welt spielen wird.
Zu kritisieren sind die oftmaligen Wiederholungen und der Touch der Schwarzmalerei.
Insgesamt aber vermittelt Huntington wie gesagt ein völlig neues Verständnis für die Internationale Politik, bringt sehr interessante Tatbestände ein und liest sich schon fast wie ein Roman.

Meine Empfehlung auch als Pflichtlektüre für jeden politisch interessierten.

 Weitere Lesermeinungen

Streit um Werte: Wie Kulturen den Fortschritt prägen - Samuel P. Huntington
Buch:Streit um Werte: Wie Kulturen den Fortschritt prägen
Autor:Samuel P. Huntington, Ausgabe vom 1. April 2004, Taschenbuch, Verkaufsrang 239054
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Aus der Amazon.de-Redaktion
Warum ist Südkorea reich und Ghana arm? Für Huntington hängt dieser Unterschied vor allem von "kulturellen Faktoren" ab: "Südkoreaner schätzen Sparsamkeit, Investitionen, harte Arbeit, Bildung, Organisation und Disziplin. Ghanaer orientieren sich an anderen Werten. Mit einem Wort: Kultur zählt." So einfach kann Komplexes manchmal sein. Streit um Werte ist mit Vorsicht zu genießen. Zum einen ist das Buch, entgegen dem, was seine Aufmachung verspricht, kein neuer Huntington, sondern ein Sammelband mit Aufsätzen verschiedener Autoren. Der Verfasser des umstrittenen Buches Kampf der Kulturen hat lediglich ein kurzes Vorwort beigesteuert. Zum anderen wird hier mit einer These operiert, die bestenfalls als Halbwahrheit bezeichnet werden kann: Armut und "Unterentwicklung" - so die zentrale Argumentation - sind eine Frage der Kultur. Als Paradebeispiel dient Lateinamerika: Die Existenz autoritärer und korrupter Regime sei hier vor allem "entwicklungsresistenten" Wertvorstellungen aus dem iberischen Katholizismus zu verdanken. Dass ausgerechnet die "protestantisch-fortgeschrittenen" USA diese Regierungen in vielen Fällen mit massiver Hilfe unterstützen, wird dabei freilich unterschlagen. Man fragt sich, was das soll. Doch spätestens im Beitrag von Mariano Grondona wird klar, wohin der Hase läuft: "Indem Menschen ein Wertsystem wählen, geben sie faktisch jener Art von Wirtschaft den Vorzug, die sich aus dem jeweiligen System ergibt, und diese Wirtschaft bekommen sie dann auch." In anderen Worten: Die Dritte Welt ist selber schuld, wenn es ihr nicht so gut geht wie dem Westen - sie müsste ja nur ihre Werte ändern. So simpel sind die Dinge aber nicht. Ganz abgesehen davon, dass es da auch noch Handelsbeschränkungen und internationale Machtkonstellationen gibt, klimatische Besonderheiten und Unterschiede in der natürlichen Verteilung der Ressourcen, sucht man sich auch sein Wertesystem nicht einfach aus: Kultur ist nichts, was an sich existiert. Kultur ist menschgemacht. Sie bestimmt das Handeln zwar, doch gleichzeitig wird sie durch dieses Handeln - und das heißt: durch die Menschen und die Umstände, in denen sie leben - auch hervorgebracht. Als Universalerklärung für Entwicklungsunterschiede sind Werte deshalb nur bedingt geeignet: Sie selbst sind ein Produkt, das zu erklären ist. Im Übrigen muss man sich schon entscheiden: Wenn man "Kultur" tatsächlich "ernst nimmt" (so der Titel eines Textbeitrags zur Situation der Afroamerikaner in den USA), dann heißt das, dass auch unsere eigenen Werte kulturelle Werte sind. Insofern sollte man sich auch die Frage stellen, ob die Erziehung zu "Ordnung, Reinlichkeit, Pünktlichkeit, Achtung vor dem Gesetz, Arbeitsethos und Genügsamkeit" tatsächlich für die gesamte Welt der Königsweg zum "Fortschritt" ist (Harrison) - oder nur den Idealvorstellungen des evangelikalen Okzidents entspricht. Das unterbleibt jedoch: Für die Herausgeber des Sammelbands ist die Kultur - nicht sehr viel anders als zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Konzept der Rasse - lediglich als ( Schein-)Erklärung für die "Minderleistung (sic!) einzelner ethnischer Gruppen" von Interesse. Glücklicherweise enthält die Aufsatzsammlung neben Huntington, Harrison und Co. auch Stimmen, die das Gegenteil dieses Paradigmas vertreten: Der Ethnologe Richard Shweder plädiert für eine wertungsfreie Anerkennung kultureller Vielfalt; Jeffrey Sachs betont die Rolle, die Geografie und Politik für wirtschaftlichen Fortschritt spielen. Das macht Streit um Werte spannend, obwohl die "Einführung" diese konträren Stimmen bereits im Vorhinein zu diskreditieren versucht - ein Vorgehen, das für einen Sammelband gelinde gesagt ungewöhnlich ist. Andererseits lässt es die fast schon religiöse Dimension des Streits erkennen. Für neuzeitliche Universalrezepte scheint es inzwischen nicht mehr leicht zu sein, sich gegen einen aufgeklärten postmodernen Pluralismus durchzusetzen. -Bernhard Wörrle
1

Leserbewertungen:
Durchschnitt: 4.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 4 Bewertungen)

Leserkommentare:*
Politikwissenschaft einmal empirisch (5 von 5 Punkten) meint K.G. aus Eutopia
Ich will mich an der politischen Diskussion, die hier abläuft, gar nicht beteiligen. Was auch immer man von Huntington halten mag - für dieses Buch ist er nur der Herausgeber und die vorgestellten Artikel sind wirklich ausgezeichnet. Wer hätte gedacht, dass man Sozial- und Politikwissenschaften auf so elegante Weise empirisch angehen kann. Vielleicht weiß nicht jeder Leser, was eine Faktorenanalyse ist, aber die im Buch dargestellten Grafiken sollte jeder verstehen können.

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Who are we - Die Krise der amerikanischen Identität - Samuel P. Huntington
Buch:Who are we - Die Krise der amerikanischen Identität
Autor:Samuel P. Huntington, Ausgabe vom 10. Juli 2006, Taschenbuch, Verkaufsrang 159965
Direkt bei Amazon nicht vorrätig,
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Leserbewertungen:
Durchschnitt: 3.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 4 Bewertungen)

Leserkommentare:*
Scharfsinnige Analyse per exellence! (5 von 5 Punkten) meint L.
Wie auch schon bei seinem Weltbestseller "Kampf der Kulturen" erforscht Samule P. Huntington einen Sachverhalt in seltener Detailschärfe und mit hohem intellektuellen Anspruch.
Sicherlich wird auch dieses Werk des renomierten Harvard-Professors wieder für kontroverse internationale Diskussionen sorgen, aber genau darum geht es.

Huntington schreibt über die Identitätsfindung des amerikanischen Volkes in Bezug auf seine traditionellen Ursprungsreligionen.
Getreu dem Motto "Nur wer weiss, woher er kommt, weiss, wohin er geht." zeigt er Amerikas geistige und geistliche Anfänge, fordert ein Bekennen dazu ein und deckt eklatante Missstände in jener Gesellschaft gnadenlos und mit spitzer Feder auf.

Aber nicht nur für US-Amerikaner ein Leckerbissen, sondern auch für Europäer, welche sich im Zeitalter der Globalisierung, der Islamisierung und des internationalen Terrorismus auf bis dato nie da gewesene Art und Weise mit ihren eigenen Anfängen und Werten auseinandersetzen müssen.

Huntington ist wieder einmal großartiger Visionär und Vordenker.

Erhellender Tabubruch (4 von 5 Punkten) meint V.A. aus Deutschland
Erneut hat Samuel Huntington ein Skandalbuch geschrieben. Diesmal ist sein Thema der ethnische Zerfall Amerikas. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte, so Huntington, scheinen die Vereinigten Staaten ihre Einwanderer nicht mehr integrieren zu können.
Zwei Annahmen liegen Huntingtons Überlegungen zugrunde:
Die erste besteht in der grundlegenden Bedeutung der nationalen Identität für den Zusammenhalt moderner Staaten. Fehle eine solche Basis, könnten Konflikte zwischen Interessengruppen leicht zur Auflösung eines Gemeinwesens führen.
Huntingtons zweite Voraussetzung betrifft die inhaltliche Bestimmung der Nationalidentität: Hier erscheint ihm eine starke kulturelle Komponente unentbehrlich. Ein reiner "Verfassungspatriotismus" reiche nicht aus. Dieses bei Intellektuellen beliebte Konstrukt lasse die Mehrheit der Bevölkerung gleichgültig und könne keine ausreichende Integrationskraft mobilisieren.
Im Falle der Vereinigten Staaten bestünde das kulturelle Bindemittel aus der englischen Sprache, einem sehr einflußreichen, protestantisch geprägten Christentum (selbst die katholische Kirche habe sich in Amerika "protestantisiert"), britischen Vorstellungen von Rechtsstaatlichkeit, einem ausgeprägtem Individualismus, einer hochentwickelten Arbeitsethik, sowie der klassischen europäischen Kunst, Literatur, Philosophie und Musik.
Die weitverbreitete Vorstellung von Amerika als dem "Schmelztiegel der Völker", der alle Zutaten in gleicher Weise auflöse und durchmische, sei falsch. In Wirklichkeit habe sich das Land aus einer angelsächsisch-protestantischen Siedlungskolonie entwickelt, deren Kultur von späteren Einwanderern im Kern übernommen worden sei. Die Erfolgsgeschichte der Immigration in die Vereinigten Staaten beruhe darauf, daß die meisten Neuankömmlinge bislang bereit gewesen seien, sich spätestens in der dritten Generation kulturell zu "amerikanisieren". Die Immigranten seien also weitaus stärker von Amerika geprägt worden, als Amerika von ihnen. Zur Illustrierung dieses Vorganges schlägt Huntington das Bild einer Tomatensuppe vor, die man mit neuen Zutaten geschmacklich verfeinern könne, ohne dabei ihren Grundcharakter zu ändern.
Gegenwärtig sei dieses Integrationsmodell durch mehrere Entwicklungen gefährdet. Neben der wichtigsten, dem massiven Einwandererstrom aus Mexiko (erstmals stammt der größte Teil der Immigranten aus einem einzigen Land, mußte nicht alle Brücken hinter sich abbrechen, wohnt im Grenzgebiet der früheren Heimat, betrachtet seinen neuen Aufenthaltsort als von Mexiko geraubtes Territorium, ist zur Assimilation nicht willig und auch nicht gezwungen, da die mexikanischen Gemeinden groß genug sind, um ihre Sprache und Traditionen dauerhaft zu konservieren), führt Huntington die Denationalisierung der amerikanischen Eliten, sowie den abnehmenden öffentlichen Anpassungsdruck auf Einwanderer an. Dadurch verwandele sich Amerika aus einem Land mit hoher Immigration und hoher Assimilation in ein Land mit hoher Immigration ohne Assimilation.
Für die Zukunft sieht Huntington fünf verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten:
1) den "verfassungspatriotischen" Weg, der wahrscheinlich zur inneren Auflösung des Landes führe,
2) die Spaltung der Gesellschaft in zwei große kulturelle Lager: Ein anglo-amerikanisches und ein hispanisches,
3) die Rückkehr zu einer auf ethnische Abgrenzung setzenden Dominanz des weißen Bevölkerungsteils,
4) die erneute Bekräftigung der anglo-protestantischen Nationalkultur Amerikas und deren Übernahme durch Immigranten als Grundlage erfolgreicher Integration, oder
5) eine Kombination dieser vier Möglichkeiten.
Hier endet der Gedankengang des Buches. Eine Gewichtung der vorgestellten Alternativen nimmt Huntington nicht vor, er unternimmt keinen Versuch, das für die Vereinigten Staaten wahrscheinlichste Zukunftsszenario zu zeichnen und entwickelt auch keine Strategie, die es den Verantwortlichen ermöglichen könnte, auf die Ereignisse Einfluß zu nehmen. So hinterläßt die Abhandlung beim Leser einen unbefriedigenden und unabgeschlossenen Eindruck.
Verglichen mit Huntingtons letzter großer Veröffentlichung über den Zusammenprall der Kulturen ist sie mit ihrem ausschließlichem Fokus auf die USA auch geographisch beschränkt. Dies ist umso bedauerlicher, als die europäischen Gesellschaften infolge der starken Einwanderung aus muslimischen Ländern ebenfalls vor großen Identitäts- und Integrationsproblemen stehen. Eine erweiterte, Europa einschließende Betrachtungsweise hätte die Studie für Leser außerhalb der Vereinigten Staaten interessanter gemacht, und die Gegenüberstellung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden auf beiden Kontinenten zu ihrer inhaltlichen Vertiefung beigetragen.
Der Wert von Huntingtons Analyse des amerikanischen Integrationsmodells wird dadurch jedoch in keiner Weise beeinträchtigt. Huntington ist es gelungen, Voraussetzungen und Geschichte dieses Modells glänzend herauszuarbeiten, und auf Entwicklungen aufmerksam zu machen, welche sein künftiges Scheitern denkbar erscheinen lassen. Trifft seine Diagnose zu, dürften nicht allein die Vereinigten Staaten, sondern auch Europa in den nächsten Jahrzehnten existentiellen Herausforderungen ausgesetzt sein.

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Streit um Werte - Lawrence E. Harrison, Samuel P. Huntington
Buch:Streit um Werte
Autor:Lawrence E. Harrison, Samuel P. Huntington, Ausgabe vom 2002, Gebunden, Verkaufsrang 834460
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Aus der Amazon.de-Redaktion
Warum ist Südkorea reich und Ghana arm? Für Huntington hängt dieser Unterschied vor allem von "kulturellen Faktoren" ab: "Südkoreaner schätzen Sparsamkeit, Investitionen, harte Arbeit, Bildung, Organisation und Disziplin. Ghanaer orientieren sich an anderen Werten. Mit einem Wort: Kultur zählt." So einfach kann Komplexes manchmal sein. Streit um Werte ist mit Vorsicht zu genießen. Zum einen ist das Buch, entgegen dem, was seine Aufmachung verspricht, kein neuer Huntington, sondern ein Sammelband mit Aufsätzen verschiedener Autoren. Der Verfasser des umstrittenen Buches Kampf der Kulturen hat lediglich ein kurzes Vorwort beigesteuert. Zum anderen wird hier mit einer These operiert, die bestenfalls als Halbwahrheit bezeichnet werden kann: Armut und "Unterentwicklung" - so die zentrale Argumentation - sind eine Frage der Kultur. Als Paradebeispiel dient Lateinamerika: Die Existenz autoritärer und korrupter Regime sei hier vor allem "entwicklungsresistenten" Wertvorstellungen aus dem iberischen Katholizismus zu verdanken. Dass ausgerechnet die "protestantisch-fortgeschrittenen" USA diese Regierungen in vielen Fällen mit massiver Hilfe unterstützen, wird dabei freilich unterschlagen. Man fragt sich, was das soll. Doch spätestens im Beitrag von Mariano Grondona wird klar, wohin der Hase läuft: "Indem Menschen ein Wertsystem wählen, geben sie faktisch jener Art von Wirtschaft den Vorzug, die sich aus dem jeweiligen System ergibt, und diese Wirtschaft bekommen sie dann auch." In anderen Worten: Die Dritte Welt ist selber schuld, wenn es ihr nicht so gut geht wie dem Westen - sie müsste ja nur ihre Werte ändern. So simpel sind die Dinge aber nicht. Ganz abgesehen davon, dass es da auch noch Handelsbeschränkungen und internationale Machtkonstellationen gibt, klimatische Besonderheiten und Unterschiede in der natürlichen Verteilung der Ressourcen, sucht man sich auch sein Wertesystem nicht einfach aus: Kultur ist nichts, was an sich existiert. Kultur ist menschgemacht. Sie bestimmt das Handeln zwar, doch gleichzeitig wird sie durch dieses Handeln - und das heißt: durch die Menschen und die Umstände, in denen sie leben - auch hervorgebracht. Als Universalerklärung für Entwicklungsunterschiede sind Werte deshalb nur bedingt geeignet: Sie selbst sind ein Produkt, das zu erklären ist. Im Übrigen muss man sich schon entscheiden: Wenn man "Kultur" tatsächlich "ernst nimmt" (so der Titel eines Textbeitrags zur Situation der Afroamerikaner in den USA), dann heißt das, dass auch unsere eigenen Werte kulturelle Werte sind. Insofern sollte man sich auch die Frage stellen, ob die Erziehung zu "Ordnung, Reinlichkeit, Pünktlichkeit, Achtung vor dem Gesetz, Arbeitsethos und Genügsamkeit" tatsächlich für die gesamte Welt der Königsweg zum "Fortschritt" ist (Harrison) - oder nur den Idealvorstellungen des evangelikalen Okzidents entspricht. Das unterbleibt jedoch: Für die Herausgeber des Sammelbands ist die Kultur - nicht sehr viel anders als zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Konzept der Rasse - lediglich als ( Schein-)Erklärung für die "Minderleistung (sic!) einzelner ethnischer Gruppen" von Interesse. Glücklicherweise enthält die Aufsatzsammlung neben Huntington, Harrison und Co. auch Stimmen, die das Gegenteil dieses Paradigmas vertreten: Der Ethnologe Richard Shweder plädiert für eine wertungsfreie Anerkennung kultureller Vielfalt; Jeffrey Sachs betont die Rolle, die Geografie und Politik für wirtschaftlichen Fortschritt spielen. Das macht Streit um Werte spannend, obwohl die "Einführung" diese konträren Stimmen bereits im Vorhinein zu diskreditieren versucht - ein Vorgehen, das für einen Sammelband gelinde gesagt ungewöhnlich ist. Andererseits lässt es die fast schon religiöse Dimension des Streits erkennen. Für neuzeitliche Universalrezepte scheint es inzwischen nicht mehr leicht zu sein, sich gegen einen aufgeklärten postmodernen Pluralismus durchzusetzen. -Bernhard Wörrle
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Politikwissenschaft einmal empirisch (5 von 5 Punkten) meint K.G. aus Eutopia
Ich will mich an der politischen Diskussion, die hier abläuft, gar nicht beteiligen. Was auch immer man von Huntington halten mag - für dieses Buch ist er nur der Herausgeber und die vorgestellten Artikel sind wirklich ausgezeichnet. Wer hätte gedacht, dass man Sozial- und Politikwissenschaften auf so elegante Weise empirisch angehen kann. Vielleicht weiß nicht jeder Leser, was eine Faktorenanalyse ist, aber die im Buch dargestellten Grafiken sollte jeder verstehen können.

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Who Are We - Die Krise der amerikanischen Identität - Samuel P. Huntington
Buch:Who Are We - Die Krise der amerikanischen Identität
Autor:Samuel P. Huntington, Ausgabe vom 2004, Gebunden, Verkaufsrang 68331
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Amerika steckt tief in der Sinnkrise, und dies nicht erst seit dem 11. September. Doch seit den Terroranschlägen ist die Frage nach der Stellung und der Rolle der USA in der Welt in der Tat zur Frage Nummer eins der politischen Diskussion geworden.
Samuel P. Huntington setzt seine ebenso provokant-patriotische wie klug-argumentierende Untersuchung an der historischen Wurzel des Problems an und fragt: "Wer sind wir?"
Die Beantwortung dieser Fragen ist von dramatischer Bedeutung nicht nur für Amerikas Innen- und Außenpolitik, sondern sie entscheidet auf lange Sicht, so Samuel P. Huntington, über den Untergang oder das Fortbestehen des amerikanischen Volkes.

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Scharfsinnige Analyse per exellence! (5 von 5 Punkten) meint L.
Wie auch schon bei seinem Weltbestseller "Kampf der Kulturen" erforscht Samule P. Huntington einen Sachverhalt in seltener Detailschärfe und mit hohem intellektuellen Anspruch.
Sicherlich wird auch dieses Werk des renomierten Harvard-Professors wieder für kontroverse internationale Diskussionen sorgen, aber genau darum geht es.

Huntington schreibt über die Identitätsfindung des amerikanischen Volkes in Bezug auf seine traditionellen Ursprungsreligionen.
Getreu dem Motto "Nur wer weiss, woher er kommt, weiss, wohin er geht." zeigt er Amerikas geistige und geistliche Anfänge, fordert ein Bekennen dazu ein und deckt eklatante Missstände in jener Gesellschaft gnadenlos und mit spitzer Feder auf.

Aber nicht nur für US-Amerikaner ein Leckerbissen, sondern auch für Europäer, welche sich im Zeitalter der Globalisierung, der Islamisierung und des internationalen Terrorismus auf bis dato nie da gewesene Art und Weise mit ihren eigenen Anfängen und Werten auseinandersetzen müssen.

Huntington ist wieder einmal großartiger Visionär und Vordenker.

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Der Kampf der Kulturen : die Neugestaltung der Weltpolitik im 21 - Jahrhundert = The clash of civilizations. - Samuel P. Huntington
Buch:Der Kampf der Kulturen : die Neugestaltung der Weltpolitik im 21 - Jahrhundert = The clash of civilizations.
Autor:Samuel P. Huntington, Ausgabe vom 1997, Gebunden, Verkaufsrang 2239384
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