Strophen und Verse. Sucht man im Internet unter dem Stichwort Sappho, findet man Abertausende von Lesbenvereinigungen und Frauenselbsthilfegruppen, alternativen Kneipen und Theaterworkshops, die alle unter diesem Namen firmieren, merkwürdigerweise aber nichts über Sappho selbst. Wer war diese Frau, die heute offensichtlich so vielen Menschen als Ikone, als Markenzeichen dient? Sappho von Lesbos, die ca. um 600 v. Chr. geboren wurde, war nicht die einzige Dichterin der Antike, wohl aber die früheste und populärste. Ihre Hinterlassenschaft beträgt nicht mehr als ein einziges Gedicht und einige Fragmente. Sapphos Kunstfertigkeit in der Liebesdichtung schuf ihr ein hohes Ansehen, (das einzig vollständig erhaltene Gedicht ist eine Bitte an Aphrodite, ihr die Liebe zu einer Angebeteten zu ermöglichen). Da sich Sapphos Liebe sowohl auf Frauen als auch auf Männer erstreckte, wurde sie seit der Antike als "Frauenliebhaberin" und als "nicht regelgemäß" getadelt, wiewohl die Begriffe "sapphisch" und "lesbisch", in Anlehnung an ihren Namen und Geburtsort, aus jüngerer Zeit stammen. Sappho schätzte die Liebe höher ein, als alles Andere im Leben: "Reiterheere mögen die einen, andre halten Fußvolk oder ein Heer von Schiffen für der Erde köstlichstes Ding - ich aber das, was man lieb hat". So steht ihr Name heute noch für die Tradition, daß eine Frau schreiben kann, und zwar jederzeit so gut wie nur irgendein Mann. Interessant sind die Anmerkungen Schickels, der Sappho neu übersetzt hat und der Meinung ist, daß die deutsche Sprache, anders als die englische oder französische, aufgrund ihrer Silbenbetonung und Biegsamkeit besonders geeignet sei, Sapphos Poesie adäquat zum Ausdruck zu bringen. -Ravi Unger
Buch:
Liebesgedichte (insel taschenbuch)
Autor:
Sappho, Ausgabe vom 29. Januar 2007, Taschenbuch, Verkaufsrang 376091