Audiobook-Rezensionen Sie war Chefredakteurin von "konkret?, Mutter von Zwillingen, schrieb gesellschaftskritische Kolumnen, doch ihre "berühmteste? Rolle ist wohl die des Mitglieds der "Rote-Armee-Fraktion?. Zusammen mit Gudrun Ensslin und Andreas Baader wurde Ulrike Meinhof 1975, drei Jahre nachdem sie inhaftiert worden war, der Prozess gemacht. Die einst meistgesuchte Terroristin Deutschlands wurde am 9. Mai 1976 erhängt in ihrer Zelle in Stammheim aufgefunden. 27 Jahre nach ihrem Tod sind die Umstände noch immer nicht ganz klar. Mysteriös wie ihr Tod ist auch vieles am Leben dieser gerechtigkeitssuchenden, fanatischen Frau. Regina Leßner lässt in ihrem Feature Zeitzeugen wie Stefan Aust, Marcel Reich-Ranicki oder Angehörige wie die Schwester Wienke, die Tochter Bettina und auch Ulrike Meinhof selbst zu Wort kommen. Das Ergebnis all dieser Erinnerungen und Aussagen ist ein "schwebendes" Porträt, eine Darstellung, die mehrere Sichtweisen des Menschen Ulrike Meinhof zulässt, ja sogar aufdrängt. Auf der einen Seite zeichnet Bettina Röhl ein wenig positives Bild ihrer Mutter. Für sie war Ulrike Meinhof eine fanatische Frau, die ihre Kinder loshaben wollte. Eine Frau, die ein Stück Lebensunfähigkeit in den Untergrund trieb. Das harte Urteil ist nachvollziehbar, bedenkt man, wie wenig liebe- und verantwortungsvoll Ulrike Meinhof nach der Scheidung von ihrem Mann, Klaus Rainer Röhl, mit den beiden Töchtern umging. Nachdem sie innerhalb kürzester Zeit in den Untergrund gegangen war, ließ sie Bettina und Regine in ein Barackenlager zu Genossen in Sizilien bringen. Ziemlich brutal! Die Schwester Wienke andererseits, die den legalen Weg gewählt hatte, sieht Ulrike als einen Menschen, der im Kampf für gesellschaftliche Veränderung eine Grenze überschritten hat. Sie, die genauso wie die Schwester von Gerechtigkeit geträumt hatte, aber sich als Rektorin in einer Schule engagiert, ortet Ulrike Meinhof im Kontext der damaligen Zeit, im Kontext von nicht aufgearbeiteten Faschismus und vom Imperialismus der USA mit seinem Vasall Deutschland. Die "gute" Terroristin also, die für die Abschaffung gesellschaftlicher Missstände kämpfte? Die Schwester, die vor dem Selbstmord einen Abschiedsbrief geschrieben hätte! Diese Collage aus unterschiedlichen Beiträgen lässt das diffuse Bild über Ulrike Meinhof bestehen. Nach wie vor fragt man sich, wer war sie? Was trieb die Frau dazu, bei der Durchsetzung ihrer radikal ideologischen Ziele vor Geiselnahme und Mord nicht zurückzuschrecken? Hatte sie Angst vor einer inneren Leere, wollte sie sie im RAF-Terror vernichten? Ein interessantes, offenes Programm, das keine Lösung anbietet! Das Booklet enthält ein Interview mit Bettina Röhl. Feature, Spieldauer: ca. 53 Minuten, 1 CD. Mit Booklet. - culture.text
Buch:
Der Baader Meinhof Komplex
Autor:
Stefan Aust, Ausgabe vom Juli 1989, Gebunden, Verkaufsrang 737817
Aus der Amazon.de-Redaktion Gerade noch rechtzeitig, bevor sich das 68-er Jubiläumsjahr mit dem Kinostart des oskarverdächtigen Spielfilms Der Baader Meinhof Komplex zu Ende neigt, hat der Autor der Drehbuchvorlage, Stefan Aust, eine neue Version seines gleichnamigen Werkes von 1985 vorgelegt. Natürlich drängt sich bei diesem Timing der Verdacht auf, es ginge dem unlängst geschassten Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Der Spiegel darum, beflügelt vom Hype um den Film noch einmal kräftig Kasse zu machen. Doch die Anschaffung des inzwischen auf knapp 900 Seiten angewachsenen Opus Magnus von Aust lohnt sich tatsächlich! Nicht umsonst galt Austs ebenso präzise wie unvoreingenommene Chronik der Ereignisse vom Juni 1967 bis zum "Deutschen Herbst" 1977 schon bald nach Erscheinen der Erstauflage als Standardwerk. Die Eliminierung von Fehlern, die Anreicherung mit weiteren Details und die Illustration mit Fotos, die der Autor für die dritte Ausgabe geleistet hat, wird diesen Anspruch sicherlich weiter zementieren. Erstehanderfahrungen und die persönliche Bekanntschaft mit etlichen Akteuren der RAF und deren Umfeld machten das Buch seit jeher so einzigartig und authentisch. Dabei hat es der Sache nur wenig Abbruch getan, dass Aust, der sich seine ersten Sporen noch unter der Ägide von Ulrike Meinhof bei der linksradikalen Postille Konkret verdiente, mit dem Verdikt des Revisionisten und Karrieristen im inneren Zirkel der RAF stets auf eine Mauer des Schweigens stieß. Durchbrochen lediglich von einer Handvoll Renegaten, die sich vor allzu unvorsichtigen Äußerungen freilich gehütet haben dürften, um ihre Bewährung nicht zu gefährden. Vor allem im Umgang mit ihnen und den offiziellen Quellen, die noch immer weit davon entfernt sind, ungefiltert zu sprudeln, ist investigatives Gespür gefragt. Und über ein solches verfügt der alte Hase des Enthüllungsjournalismus zweifellos in einem weit höheren Maße als die meisten anderen Publizisten, die sich in den letzten Jahrzehnten mit der RAF auseinandergesetzt haben. Trugen bei der Neuausgabe von 1997 vor allem Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) sowie Aussagen einiger in der DDR untergetauchter RAF-Mitglieder zur weiteren Erhellung des dunkelsten Kapitels der deutschen Nachkriegsgeschichte bei, so kreist Austs Spot diesmal über den zwielichtigen Machenschaften westdeutscher Geheimdienstler, die er schon in seiner TV-Dokumentation beleuchtete. Auch in dieser Hinsicht eine erhellende Lektüre! Roland Detsch, literaturanzeiger.de
Buch:
11 - September 2001 - Geschichte eines Terrorangriffs.
Autor:
Stefan Aust, Cordt Schnibben, Ausgabe vom 2003, Taschenbuch, Verkaufsrang 382117
Aus der Amazon.de-Redaktion Was genau ist tatsächlich passiert an diesem 11. September 2001, an dem zwei gekaperte Passagierflugzeuge in die beiden Türme des World Trade Centers gelenkt wurden und diese zum Einstürzen brachten? Und wie hat sich das Leben derjenigen verändert, die die Hölle überlebten oder durch puren Zufall entkamen, die aber an diesem schwärzesten aller schwarzen Tage New Yorks Freunde und Verwandte verloren? Die Autoren des von Stefan Aust und Cordt Schnibben herausgegebenen Bandes gehen diesen Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven nach. Sie führen uns zu den Menschen, für die nichts mehr so ist, wie es zuvor gewesen war. Und sie bieten eine minutiös rekonstruierte Chronologie der Ereignisse - angefangen bei den Geschehnissen an Bord der gekaperten Flugzeuge bis zum Zusammenbruch der beiden Hochhaustürme. Berichtet wird auch von einem Besuch beim Vater des Terrorpiloten Atta, der immer noch abstreitet, dass sein Sohn an der Aktion beteiligt war. Schließlich habe er nach den Anschlägen noch zweimal mit ihm telefoniert. Abgedruckt sind auch das Faksimile von Attas Testament sowie Auszüge des Terroristen-Handbuches, das bereits im Mai 2000 in einer konspirativen Wohnung in Manchester gefunden worden war - und aller Wahrscheinlichkeit nach der Terrororganisation Bin Ladens zuzurechnen ist. Ein Buch, dessen begleitende Lektüre ganz besonders für Leser der zurzeit vorgelegten Verschwörungstheorien zum 11. September - was auch immer von diesen im Einzelnen zu halten sein mag - wichtig wäre. Jetzt im Taschenbuch erhältlich. -Andreas Vierecke
Buch:
Helmut Schmidt: Ein Leben in Bildern des SPIEGEL-Archivs
Ausgabe vom 11. Aug. 2005, Gebunden, Verkaufsrang 516278
Aus der Amazon.de-Redaktion Als "unkompliziert, aufrecht und geradeheraus" hat der, wie es im Vorwort zu diesem gelungenen Bildband heißt, "Doyen des deutschen Fotojournalismus" Jupp Darchinger den Umgang Helmut Schmidts mit Fotografen einmal beschrieben. Und Darchinger muss es wissen: Unzählige Male hat er Schmidt selbst in den Fokus seines Objektivs genommen - in dem vorliegenden Band stammen allein 37 Aufnahmen von ihm. "Schmidts Kanzlerschaft und der politische Stil dieser Zeit", weiß Robert Fleck, "ließen noch eine Nähe zwischen Fotograf und Porträtiertem zu, die es ermöglichte, den schnörkellosen und 'hautnahen' Bildstil zu erarbeiten, mit dem Darchinger und der SPIEGEL das Bild der Bonner Republik nachhaltig prägten." Anders als heute seien die Bilder damals noch nicht "von Kommunikationsberatern vorarrangiert" worden. Und tatsächlich hat sich der politische Fotojournalismus seither ja nicht unbedingt zum Positiven verändert, obwohl die technischen Möglichkeiten für eine diskrete Pressefotografie sich seit den siebziger Jahren noch einmal erheblich verbessert haben. Technische Fortschritte waren es auch, die damals den Journalisten völlig neue Möglichkeiten eröffneten: Die Kleinbildkamera mit Motor vor allem, hochempfindliche Schwarz-Weiß-Filme, die es erlaubten, ohne Blitz zu arbeiten, sowie nicht zuletzt die Verwendung von Teleobjektiven. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus dem SPIEGEL-Archiv dokumentieren dies trefflich. Der Fotostrecke hat Hans-Joachim eine biografische Skizze vorangestellt, die auf gerade einmal 25 Seiten ein ebenfalls erfreulich konturscharfes Bild des Altkanzlers zeichnet. - Andreas Vierecke
Buch:
Experiment Europa - Ein Kontinent macht Geschichte - Ein Spiegel-Buch
Autor:
Stefan Aust, Michael Schmidt-Klingenberg, Michael Schmidt- Klingenberg, Ausgabe vom 11. März 2003, Gebunden, Verkaufsrang 817560
Aus der Amazon.de-Redaktion Wie lange braucht man, um Freiheit und Demokratie herbeizubomben? Drei Wochen? Sechs Monate? Ein Jahr? - Wer die Geschichte des alten Europa kennt, der weiß, dass Demokratisierung so nicht funktioniert: Von den Volksversammlungen der alten Griechen bis zur europäischen Einigung sind schließlich mehr als zwei Jahrtausende vergangen. Was dazwischen passiert ist, zeichnet Experiment Europa in schlaglichtartigen, gut lesbaren Artikeln nach. Im Vordergrund stehen dabei nicht so sehr die Kaiser, Könige und Kriege. Das Buch sucht vielmehr nach dem Ursprung unserer Identität als Europäer. Und die verdanken wir weit eher den mittelalterlichen Universitäten, der Hanse und der kosmopolitischen Kultur der Aufklärung als den Eroberungen Karls des Großen. Doch auch die finstere Zeit des Dreißigjährigen Krieges, die Hexenverfolgung und der Holocaust gehören zu Europa. Unsere Vergangenheit ist eine Geschichte voller Widersprüche, deren bestes Erbe wohl in der Tat ein "ungläubiger Skeptizismus" ist: "Er bereitete den Ausweg, als der Kontinent der unendlichen Irrungen und Wirrungen fast am Ende war", lautet das Fazit des Herausgebers. Rumsfeld und Co. sollten sich das ins Stammbuch schreiben. Lesenswert ist das aus einer ehemaligen Der Spiegel-Serie entstandene Buch aber auch für alle alten Europäer, die wissen wollen, wo ihre Wurzeln liegen. Experiment Europa ist mit farbigen Abbildungen illustriert, Zeittafeln, Grafiken und Karten sorgen für die Übersicht, und eine Reihe von Artikeln zur geplanten EU-Osterweiterung lassen den Leser in die Zukunft von Europa blicken. -Bernhard Wörrle
Buch:
Der Lockvogel: Die tödliche Geschichte eines V-Mannes zwischen Verfassungsschutz und Terrorismus
Autor:
Stefan Aust, Ausgabe vom 1. Nov. 2003, Taschenbuch, Verkaufsrang 466877
Aus der Amazon-Redaktion Die tödliche Geschichte eines V-Mannes zwischen Verfassungsschutz und Terrorismus, die Stefan Aust hier erzählt, endete als einer der größten Skandale der deutschen Rechtsgeschichte. Der Lockvogel hieß Ulrich Schmücker. Von der Polizei bei der Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags verhaftet und zum Spitzeldienst erpresst, wurde der 22-jährige Student, der sich aus Frustration der späteren RAF-Nachwuchskaderschmiede "Bewegung 2. Juni" angeschlossen hatte, in der Nacht zum 5. Juni 1974 im Berliner Grunewald von seinen Genossen als Verräter hingerichtet. Ob und inwieweit die Behörden von der Gefahr für ihren arglosen Informanten wussten und seinen Tod aus fragwürdigen Ermittlungsinteressen billigend in Kauf nahmen, liegt nach wie vor im Dunkeln. In einem beispiellosen Verhandlungsmarathon, der vier Gerichte und einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss beschäftigte, war es nicht möglich, Licht in die mysteriösen Umstände dieses Fememordes zu bringen. Nach 16 Jahren staatlich sanktionierter Behinderung und Beweis-Manipulation musste die Justiz 1991 kapitulieren und das Verfahren wegen der Unmöglichkeit einer fairen Prozessführung einstellen. Offenkundige Täter kamen auf freien Fuß und mussten obendrein finanziell entschädigt werden. Alles Schnee von gestern, könnte man meinen. Wäre da nicht die jüngste Affäre um die Unterwanderung der Neonazi-Szene mit V-Männern. Sie ist dem Spiegel-Chefredakteur mehr als zwei Jahrzehnte nach seinem ersten Buch über den "Fall Schmücker" willkommener aktueller Aufhänger, um endlich den Mord und sein unrühmliches Nachspiel noch einmal minutiös Revue passieren zu lassen. "Ich hatte mit den Behörden noch eine Rechnung offen." Nicht verschmerzt sind offenbar die unverfrorenen Desinformationskampagnen und Zensurversuche, denen sich Aust seinerzeit als Reporter ausgesetzt sah. Ganz zu schweigen von dem rätselhaften Tod eines Informanten. Ein routiniert und spannend geschriebenes Buch, das zur Aufarbeitung eines der finsteren Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte beiträgt. -Roland Detsch
Hörbuch:
11 - September 2001 - Geschichte eines Terrorangriffs - 3 CDs
Ausgabe vom 2002, Audio CD, Verkaufsrang 708939
Aus der Amazon.de-Redaktion Was genau ist tatsächlich passiert an diesem 11. September 2001, an dem zwei gekaperte Passagierflugzeuge in die beiden Türme des World Trade Centers gelenkt wurden und diese zum Einstürzen brachten? Und wie hat sich das Leben derjenigen verändert, die die Hölle überlebten oder durch puren Zufall entkamen, die aber an diesem schwärzesten aller schwarzen Tage New Yorks Freunde und Verwandte verloren? Die Autoren des von Stefan Aust und Cordt Schnibben herausgegebenen Bandes gehen diesen Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven nach. Sie führen uns zu den Menschen, für die nichts mehr so ist, wie es zuvor gewesen war. Und sie bieten eine minutiös rekonstruierte Chronologie der Ereignisse - angefangen bei den Geschehnissen an Bord der gekaperten Flugzeuge bis zum Zusammenbruch der beiden Hochhaustürme. Berichtet wird auch von einem Besuch beim Vater des Terrorpiloten Atta, der immer noch abstreitet, dass sein Sohn an der Aktion beteiligt war. Schließlich habe er nach den Anschlägen noch zweimal mit ihm telefoniert. Abgedruckt sind auch das Faksimile von Attas Testament sowie Auszüge des Terroristen-Handbuches, das bereits im Mai 2000 in einer konspirativen Wohnung in Manchester gefunden worden war - und aller Wahrscheinlichkeit nach der Terrororganisation Bin Ladens zuzurechnen ist. Ein Buch, dessen begleitende Lektüre ganz besonders für Leser der zurzeit vorgelegten Verschwörungstheorien zum 11. September - was auch immer von diesen im Einzelnen zu halten sein mag - wichtig wäre. Jetzt im Taschenbuch erhältlich. -Andreas Vierecke
Buch:
Der Lockvogel: Die tödliche Geschichte eines V-Mannes zwischen Verfassungsschutz und Terrorismus
Autor:
Stefan Aust, Ausgabe vom 13. Sept. 2002, Gebunden, Verkaufsrang 386505
Aus der Amazon-Redaktion Die tödliche Geschichte eines V-Mannes zwischen Verfassungsschutz und Terrorismus, die Stefan Aust hier erzählt, endete als einer der größten Skandale der deutschen Rechtsgeschichte. Der Lockvogel hieß Ulrich Schmücker. Von der Polizei bei der Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags verhaftet und zum Spitzeldienst erpresst, wurde der 22-jährige Student, der sich aus Frustration der späteren RAF-Nachwuchskaderschmiede "Bewegung 2. Juni" angeschlossen hatte, in der Nacht zum 5. Juni 1974 im Berliner Grunewald von seinen Genossen als Verräter hingerichtet. Ob und inwieweit die Behörden von der Gefahr für ihren arglosen Informanten wussten und seinen Tod aus fragwürdigen Ermittlungsinteressen billigend in Kauf nahmen, liegt nach wie vor im Dunkeln. In einem beispiellosen Verhandlungsmarathon, der vier Gerichte und einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss beschäftigte, war es nicht möglich, Licht in die mysteriösen Umstände dieses Fememordes zu bringen. Nach 16 Jahren staatlich sanktionierter Behinderung und Beweis-Manipulation musste die Justiz 1991 kapitulieren und das Verfahren wegen der Unmöglichkeit einer fairen Prozessführung einstellen. Offenkundige Täter kamen auf freien Fuß und mussten obendrein finanziell entschädigt werden. Alles Schnee von gestern, könnte man meinen. Wäre da nicht die jüngste Affäre um die Unterwanderung der Neonazi-Szene mit V-Männern. Sie ist dem Spiegel-Chefredakteur mehr als zwei Jahrzehnte nach seinem ersten Buch über den "Fall Schmücker" willkommener aktueller Aufhänger, um endlich den Mord und sein unrühmliches Nachspiel noch einmal minutiös Revue passieren zu lassen. "Ich hatte mit den Behörden noch eine Rechnung offen." Nicht verschmerzt sind offenbar die unverfrorenen Desinformationskampagnen und Zensurversuche, denen sich Aust seinerzeit als Reporter ausgesetzt sah. Ganz zu schweigen von dem rätselhaften Tod eines Informanten. Ein routiniert und spannend geschriebenes Buch, das zur Aufarbeitung eines der finsteren Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte beiträgt. -Roland Detsch
Buch:
Mauss - Ein deutscher Agent
Autor:
Stefan Aust, Ausgabe vom 1988, Gebunden, Verkaufsrang 845875