Product Description Der Franziskanermönch William von Baskerville, ein ins Mittelalter versetzterSherlock Holmes und zugleich das Alter Ego des Autors, kommt im Jahr 1327gemeinsam mit dem Novizen Adson von Melk, dem späteren Erzähler, in einfiktives Benediktinerkloster Norditaliens. Hier hat soeben der gewaltsameTod eines Bruders den Abt in Unruhe versetzt, weil seiner Abtei brisanterBesuch ins Haus steht. Delegationen des Franziskanerordens und des Avignon-Papstessollen über Glaubensfragen verhandeln, die sich um die Armut Christi drehen.Unter ihnen ist Williams Erzfeind, der Inquisitor Bernard Gui. Wie einDetektiv macht sich William an die Aufklärung des Todesfalls, dem weitereMorde folgen. Im Mittelpunkt der verwickelten Ereignisse steht die Suchenach der einzigen Abschrift des in Wirklichkeit nicht erhaltenen zweitenBuches der Poetik von R Aristoteles, das die Komödie und damit das subversiveLachen gerechtfertigt hätte. Räumliches Zentrum ist die Bibliothek oberhalbdes Skriptoriums, deren dem Buch auch als Zeichnung beigegebener labyrinthischerBauplan der universalen Bibliothek bei Jorge Luis R Borges entspricht.Nur wer das Geheimnis dieser Bibliothek und des blinden Mönchs Jorge vonBurgos ergründet, entschlüsselt auch die Kette von Verbrechen.
Diese Anleitung für die Planung, Gliederung und Niederschrift wissenschaftlicher Arbeiten von Umberto Eco, Professor an der Universität Bologna, ist ebenso gründlich wie virtuos. Nach Ecos eigenen Worten Einleitung gibt sein Buch "Auskunft darüber, 1 was man unter einer Abschlußarbeit versteht, 2 wie man das Thema sucht und die Zeit für seine Bearbeitung einteilt, 3 wie man bei der Literatursuche vorgeht, 4 wie man das gefundene Material auswertet und 5 wie man die Ausarbeitung äußerlich gestaltet". Die autorisierte Übersetzung hat Professor Dr.Walter Schick erarbeitet. Eine "erfrischend unkonventionelle Handreichung" nennt er das Buch; es erlaube einen "Blick in die Werkstatt' Ecos; denn Beziehungen zu anderen Werken Ecos werden nicht nur durch jenen Abb Vallet hergestellt, der im vorliegenden Buch wie in Der Name der Rose' eine Rolle spielt." Darin liegt freilich nur ein zusätzlicher Reiz und Gewinn der Lektüre. Wichtiger ist Ecos Buch zeigt, wie man schreiben soll - auf den Leser konzentriert, dem Leser dienend.I. Was ist eine wissenschaftliche Abschlußarbeit und wozu dient sie?II. Die Wahl des ThemasIII. Die MaterialsucheIV. Der Arbeitsplan und die Anlage der KarteiV. Das SchreibenVI. Die SchlußredaktionVII. Abschließende Bemerkungen Wer dieses Buch liest, kann "einen Schreck bekommen", bekennt der Autor: "So viele Regeln, so viele Anweisungen, da komme ich im Leben nicht mit zurecht ..." Tatsächlich: Prof. Dr. Umberto Eco, bekanntlich ein überdurchschnittlich hochgebildeter Mann mit akademischen Meriten, hält in diesem Buch das wissenschaftliche Ethos hoch. Er berichtet vom wissenschaftlichen Stolz und der wissenschaftlichen Bescheidenheit - und davon, wie der Examenskandidat wochenlang in Bibliotheken lebt, bis zu drei Jahre am Text tüftelt und Gebirge von Karteikarten besteigt. Ecos Anspruch mag scheitern an der Wirklichkeit des durchschnittlichen deutschen Studenten, der gerade als Geisteswissenschaftler schon im Studium möglichst berufsgerecht jobben und Praktika ableisten muß. Aber jedem nützen Ecos Tricks - der Meister verrät, wie er selbst wissenschaftliche Arbeiten schreibt - und Insidertips à la "Wie man verhindert, daß man vom Betreuer ausgenutzt wird". Ein weiteres Plus: Fast ebenso spannend wie seine Romane hat Eco auch diesen dialogischen Ratgeber geschrieben. Was ja bei solcher Lektüre - angesichts knochentrockener Kompendien, die für jegliche Fachrichtung angeboten werden - keineswegs selbstverständlich ist. -Frank Rosenbauer
Buch:
Das Foucaultsche Pendel: Roman
Autor:
Umberto Eco, Ausgabe vom 1. Okt. 1992, Sondereinband, Verkaufsrang 34416
Drei Mailänder Verlagslektoren, die beruflich ständig über okkulte Wissenschaften,Geheimbünde und kosmische Komplotte lesen müssen, stoßen auf ein äußersträtselhaftes Dokument aus dem 14. Jahrhundert. Darin ist von alle 120 Jahrewiederkehrenden Zusammenkünften der '36 Unbekannten', der Nachfahren dermysteriösen Tempelritter, die Rede. Die drei Spötter stürzen sich in dasLabyrinth der Geheimlehren. Spielerisch erdenken sie eine gigantische Verschwörung.Aber dann merken sie, daß jemand ihre Phantasien ernst nimmt. Und der schrecktoffenbar auch vor Mord nicht zurück ... "Seit die Menschen nicht mehr an Gott glauben, glauben sie nicht etwa an nichts mehr, sondern an alles." Alles, was existiert, ist Text, ist Begriff. Die Geschichte, das ist das Überlieferte, und das ist nichts anderes als Text. "Die Begriffe verbinden sich per Analogie, ...denn wenn man Zusammenhänge finden will, findet man immer welche, Zusammenhänge zwischen allem und jedem, die Welt explodiert zu einem wirbelnden Netz von Verwandtschaften, in dem alles auf alles verweist und alles alles erklärt." So entsteht Ecos "Großer Plan" von einer Weltverschwörung, der, auf historischen Realitäten basierend, nichts anderes ist, als ein Fälschungssystem, das wahr ist, weil es auf Analogien basiert. Alles ist wahr, nur die Verknüpfungen nicht. Es gibt keine Wirklichkeit außer der, die zwischen Partnern per Konsens verabredet wird. Mit dieser Formel wären wir (fast!) bei bei Lyotard angelangt, jenem Vertreter der Postmoderne, ohne den Eco kaum zu verstehen ist. Was ist der "Große Plan" des Romans denn anderes als das "Erhabene", das nicht Darstellbare, aber Vorstellbare bei Lyotard? Die Idee vom unbeweglichen Punkt im Universum, an dem das Pendel aufgehängt ist? Oder jenes mystische Zentrum Agarttha? Den Verlust der "Großen Erzählungen" beklagt Eco nicht mehr. Vielmehr nutzt er die Möglichkeiten der Texte und erzählt mit den alten, großen Erzählungen neue Geschichten, Stories. Versucht Eco nicht auch, das narrative Wissen mit dem wissenschaftlichen zu verknüpfen, und ist es nicht zum Scheitern verurteilt, wie jeder Vereinheitlichungsversuch, schließlich werden sowohl Belpo als auch Casaubon verrückt? Schwindet sie nicht, die empirische Wirklichkeit? Zerstört Eco nicht den falschen Schein, der "im Glauben an höhere Ursprünge und Zwecke, an eine Teleologie des Weltablaufs besteht, und (lässt er nicht) die empirische Welt als eine prinzipiell scheinhafte vor uns erstehen?" Belpo versucht indessen den ästhetischen Umgang mit der neuen Technologie, dem Computer, der ihn gar zum Schreiben bringt. Jene Technologie, die dem narrative Wissen den Todesstoß verpasst hat. Doch seine Texte sind nur als magnetische Spuren virtuell auf Diskette vorhanden. Die Auswirkungen der neuen Technologien (Computer, synthetisierte Bilder) sind der Gestalt, dass sie die traditionellen Dualismen des abendländischen Denkens sprengen und damit deren Kultur, für die diese Dualismen konstitutiv sind, verabschieden, wie Eco z.B. bei den grotesken, multimedialen, okkulten Zeremonien vorführt. Eco parodiert die Denkweise der Hermeneutik (Okkultismus, Voodoo etc.) durch raffinierte scheinlogische Konstruktionen und wirft dabei alles durcheinander. Er gebiert sich radikal eklektizistisch. Das wäre gegen Lyotards Vorstellungen, aber der Eklektizismus, der herauskommt, erscheint so lächerlich wie Charles Moores Bau "Piazza d`Italia" in New Orleans. Das Ergebnis kann bei Ecos Denken nur als Parodie aufgefasst werden; die meisten Verrücktheiten des Romans sind schließlich hinterlistiges, intellektuelles Schelmentum! Warum aber erzählt Eco die Geschichte der Templer in Westernmanier oder als Comic-Strip beim Whiskey in der Kneipe oder mit seiner Freundin im Bett? Etwa nur, um die nicht-Akademiker bei der (Lese)Stange zu halten? In den 60er Jahren und später waren jene Autoren, die sich in Kneipen und Betten bewegten und jeden modernen, elitären Anspruch von sich wiesen, Autoren wie Ferlinghetti, Ginsberg oder Jörg Fauser (mit seinem Roman Rohstoff), diejenigen, die man zuerst als postmodern bezeichnete. Ist Eco, wenn er auf diese Generation zurückverweist, wenn er, wie jene, auf Trivialmythen abhebt, von Casablanca bis zu Zitaten von Rockgruppen, nicht schon post-post-modern? Hat er die Postmoderne, die fortwährend ihre Moderne gebiert und umgekehrt, weil sie sich jeweils beinhalten, nicht schon hinter sich gelassen? Ist er nicht hochaktuell, wenn er vorführt, wie mit seiner Art der Wissenschaftsvermittlung umgegangen wird, nämlich dem Palavern über die Templer beim Knabbern im Bett? So, und nicht anders, wird heute Wissenschaft rezipiert! Es ist problematisch, den gesamten Roman mittels postmoderner Termini zu hinterfragen, doch ist sicher: Das Foucaultsche Pendel ist ein geistsprühender Krimi, ganz gleich welcher Blödsinn in manchen Rezensionen zu lesen war. -Matthias Kehle
Buch:
Die Geschichte der Schönheit
Autor:
Umberto Eco, Ausgabe vom 1. Nov. 2006, Taschenbuch, Verkaufsrang 15554
Erscheinungsjahr: 2009 3. Aufl. m. zahlr. Farbabb. Gewicht: 1164 gr / Abmessungen: 235 mm x 172 mm x 27 mm Hrsg. v. Eco, Umberto Was ist schön? Umberto Eco entwirft ein grandioses Panorama von der Antike bis in die Gegenwart. Was ist schön? Jeder glaubt das zu wissen, und dennoch hat sich die Vorstellung davon, was das Schöne sei, immer wieder verändert. Umberto Eco lässt diese Ideen im Wandel der Zeiten und der Kunst sichtbar werden. Er entwirft ein grandioses Panorama von der Antike bis in die Gegenwart und bezieht alle künstlerischen Ausdrucksformen bis hin zu Industriedesign, Film und Popkultur mit ein. Zahlreiche ausgewählte Texte aus Literatur und Philosophie sowie Zeugnisse von Künstlern begleiten Ecos Wanderung und liefern den "Originalton" aus der Zeit. So entstand eine beeindruckende und unterhaltsame Einführung in die Kunst der Menschheitsgeschichte. Pressestimmen: "Wer sich mit wachsendem Behagen durch diesen Almanach blättert, bekommt indes von unendlich vielen Aspekten der Ästhetik einen Eindruck." Frankfurter Allgemeine Zeitung Umberto Eco ist ein literarisches Chamäleon ohnegleichen: Sein Romanerstling Der Name der Rose wurde zu einem der fünfzig Lieblingsbüchern der Deutschen gekürt, seine Essays, Glossen und Parodien begeistern ein breites Publikum, und seine sprach- und literaturkritischen Arbeiten haben in der akademischen Welt Standards gesetzt. Jetzt hat er sich in einem opulenten Bildband auf die Spurensuche nach dem "Schönen? begeben, und fördert dabei so manches vergessene Juwel zutage. Die Geschichte der Schönheit überzeugt - nicht nur auf den ersten Blick - durch eine übersichtliche und einleuchtende Gliederung. Da geht es einerseits um die Darstellung menschlicher Schönheit, der weiblichen wie der männlichen, und der sich wandelnden Ideale, die unsere Wahrnehmung im Laufe der Jahrhunderte bestimmten. Weiter geht die Reise zu den Gebäuden, welche die Menschen zu ihrem Schutz oder zur Ehre höherer Wesen errichtet haben. Von der Musik ist die Rede und von ihrer Abhängigkeit von Mathematik und Astronomie. Garniert ist das Ganze mit einer Flut von Zitaten aus Bibel und mittelalterlicher Gelehrsamkeit, von Dichtern und Philosophen. Auch wenn das etwas altmodisch klingen mag, so ist Die Geschichte der Schönheit im besten Sinne "erbaulich?. Eco flaniert an allem vorbei, was die Sinne erfreut, erklärt, deutet und schüttelt auch nicht selten den Kopf über das, was einst Begeisterung auslöste, inzwischen jedoch ausgesprochen hässlich erscheint. Ein Buch, um leuchtende Augen zu bekommen also, mit der kleinen inhaltlichen Einschränkung vielleicht, dass sowohl die Auswahl der bewunderten Objekte wie auch das theoretische Fundament rein europäisch ausgerichtet sind. Das ist jedoch nur das berüchtigte Haar in der Suppe, insgesamt ist der Schmöker ein Genuss - zum Verschenken, sich selbst oder anderen. -Helge Basler
Buch:
Die Geschichte der Häßlichkeit
Autor:
Umberto Eco, Ausgabe vom 15. Sept. 2007, Gebunden, Verkaufsrang 16083
Product Description 'Wer also das Mobiltelefon als Machtsymbol vorzeigt, erklärt damit in Wirklichkeitbloß allen seine verzweifelte Lage als Subalterner, der gezwungen ist,in Habachtstellung zu gehen, auch wenn er gerade einen Beischlaf vollzieht.'Das wütende Handbuch des italienischen Großmeisters versorgt uns mit nützlichenRatschlägen. Hotelgäste, Heimwerker und Bongaforscher erfahren jetzt, wieschwierig es ist, einen Lachs in der Minibar des Hotelzimmers zu verstauenoder auf intelligente Weise die Ferien zu verbringen. Auch lernen wir,einen Pornofilm zu erkennen und uns vor Witwen zu hüten. Kurzum, diesesBuch bietet eine Fülle an verblüffenden Informationen und läßt selbst solcheFragen nicht offen, die zu stellen man nie beabsichtigt hatte.
Buch:
Das Foucaultsche Pendel: Roman
Autor:
Umberto Eco, Ausgabe vom 1. Januar 1989, Gebunden, Verkaufsrang 175536
Aus der Amazon.de-Redaktion "Seit die Menschen nicht mehr an Gott glauben, glauben sie nicht etwa an nichts mehr, sondern an alles." Alles, was existiert, ist Text, ist Begriff. Die Geschichte, das ist das Überlieferte, und das ist nichts anderes als Text. "Die Begriffe verbinden sich per Analogie, ...denn wenn man Zusammenhänge finden will, findet man immer welche, Zusammenhänge zwischen allem und jedem, die Welt explodiert zu einem wirbelnden Netz von Verwandtschaften, in dem alles auf alles verweist und alles alles erklärt." So entsteht Ecos "Großer Plan" von einer Weltverschwörung, der, auf historischen Realitäten basierend, nichts anderes ist, als ein Fälschungssystem, das wahr ist, weil es auf Analogien basiert. Alles ist wahr, nur die Verknüpfungen nicht. Es gibt keine Wirklichkeit außer der, die zwischen Partnern per Konsens verabredet wird. Mit dieser Formel wären wir (fast!) bei bei Lyotard angelangt, jenem Vertreter der Postmoderne, ohne den Eco kaum zu verstehen ist. Was ist der "Große Plan" des Romans denn anderes als das "Erhabene", das nicht Darstellbare, aber Vorstellbare bei Lyotard? Die Idee vom unbeweglichen Punkt im Universum, an dem das Pendel aufgehängt ist? Oder jenes mystische Zentrum Agarttha? Den Verlust der "Großen Erzählungen" beklagt Eco nicht mehr. Vielmehr nutzt er die Möglichkeiten der Texte und erzählt mit den alten, großen Erzählungen neue Geschichten, Stories. Versucht Eco nicht auch, das narrative Wissen mit dem wissenschaftlichen zu verknüpfen, und ist es nicht zum Scheitern verurteilt, wie jeder Vereinheitlichungsversuch, schließlich werden sowohl Belpo als auch Casaubon verrückt? Schwindet sie nicht, die empirische Wirklichkeit? Zerstört Eco nicht den falschen Schein, der "im Glauben an höhere Ursprünge und Zwecke, an eine Teleologie des Weltablaufs besteht, und (lässt er nicht) die empirische Welt als eine prinzipiell scheinhafte vor uns erstehen?" Belpo versucht indessen den ästhetischen Umgang mit der neuen Technologie, dem Computer, der ihn gar zum Schreiben bringt. Jene Technologie, die dem narrative Wissen den Todesstoß verpasst hat. Doch seine Texte sind nur als magnetische Spuren virtuell auf Diskette vorhanden. Die Auswirkungen der neuen Technologien (Computer, synthetisierte Bilder) sind der Gestalt, dass sie die traditionellen Dualismen des abendländischen Denkens sprengen und damit deren Kultur, für die diese Dualismen konstitutiv sind, verabschieden, wie Eco z.B. bei den grotesken, multimedialen, okkulten Zeremonien vorführt. Eco parodiert die Denkweise der Hermeneutik (Okkultismus, Voodoo etc.) durch raffinierte scheinlogische Konstruktionen und wirft dabei alles durcheinander. Er gebiert sich radikal eklektizistisch. Das wäre gegen Lyotards Vorstellungen, aber der Eklektizismus, der herauskommt, erscheint so lächerlich wie Charles Moores Bau "Piazza d`Italia" in New Orleans. Das Ergebnis kann bei Ecos Denken nur als Parodie aufgefasst werden; die meisten Verrücktheiten des Romans sind schließlich hinterlistiges, intellektuelles Schelmentum! Warum aber erzählt Eco die Geschichte der Templer in Westernmanier oder als Comic-Strip beim Whiskey in der Kneipe oder mit seiner Freundin im Bett? Etwa nur, um die nicht-Akademiker bei der (Lese)Stange zu halten? In den 60er Jahren und später waren jene Autoren, die sich in Kneipen und Betten bewegten und jeden modernen, elitären Anspruch von sich wiesen, Autoren wie Ferlinghetti, Ginsberg oder Jörg Fauser (mit seinem Roman Rohstoff), diejenigen, die man zuerst als postmodern bezeichnete. Ist Eco, wenn er auf diese Generation zurückverweist, wenn er, wie jene, auf Trivialmythen abhebt, von Casablanca bis zu Zitaten von Rockgruppen, nicht schon post-post-modern? Hat er die Postmoderne, die fortwährend ihre Moderne gebiert und umgekehrt, weil sie sich jeweils beinhalten, nicht schon hinter sich gelassen? Ist er nicht hochaktuell, wenn er vorführt, wie mit seiner Art der Wissenschaftsvermittlung umgegangen wird, nämlich dem Palavern über die Templer beim Knabbern im Bett? So, und nicht anders, wird heute Wissenschaft rezipiert! Es ist problematisch, den gesamten Roman mittels postmoderner Termini zu hinterfragen, doch ist sicher: Das Foucaultsche Pendel ist ein geistsprühender Krimi, ganz gleich welcher Blödsinn in manchen Rezensionen zu lesen war. -Matthias Kehle 1
Baudolino. Eco ist mit seinem neuen Roman Baudolino ins Mittelalter zurückgekehrt: nicht ins 14. Jahrhundert der ebenso gelehrten wie durchtriebenen Mönche aus Ecos Welterfolg Der Name der Rose, sondern ins 12. Jahrhundert. Er erzählt die Geschichte des (fiktiven) Bauernsohns Baudolino aus dem Piemont, der um 1155 als Kind von Kaiser Friedrich Barbarossa aufgelesen wird und in den folgenden 50 Jahren überall dabei ist, wo Geschichte gemacht wird: Die historischen Ereignisse von Barbarossas Kämpfen gegen die aufständischen Städte der "Lega Lombarda" bis zu seinem Kreuzzug ins Heilige Land dienen Eco dazu, mit leichter Hand in die politischen und geistesgeschichtlichen Hintergründe dieser Epoche einzuführen, und ermöglichen ihm, originelle Antworten auf bisher ungelöste Fragen der Geschichtsschreibung zu geben. Dabei entpuppt sich Baudolinos Lebensgeschichte, die er im Jahre 1204 selbst einem Geschichtsschreiber erzählt, als die blanke Lüge. Baudolino ist ein Hochstapler, ein Schelm, ein schlitzohriger Aufschneider - das bestreitet er auch gar nicht. Denn mit seiner Fähigkeit, haarsträubende Geschichten zur Wahrheit zu erklären, will er selber in die Weltgeschichte eingegriffen haben: Er will die Stadt Alessandria erst erbaut und dann gerettet haben; er will aus taktischen Gründen die Heiligsprechung Karls des Großen erwirkt haben; er will eine einfache hölzerne Trinkschale zum Heiligen Gral erklärt und damit Barbarossa zum Kreuzzug veranlasst haben. Dass Baudolinos Berichte von seinen ruhmreichen Tricks, Intrigen und Lügen mit Vorsicht zu genießen sind, ist klar - ein Lügner lügt auch dann, wenn er von seinen Lügen erzählt. Wie Eco diesen Hochstapler hemmungslos in die Geschehnisse des 12. Jahrhunderts hineinflickt, ist schon ein Vergnügen - nicht nur Mediävisten werden auf jeder Seite etwas entdecken, was ihnen Entzückensschreie entlocken wird. Da stört es nur ein wenig, dass dieser groß angelegte Schelmenroman hin und wieder etwas episodenhaft und konstruiert erscheint. Für echte Eco-Fans ist Baudolino jedenfalls ein Muss. -Christoph Nettersheim