Aus der Amazon.de-Redaktion Saul Bellow, der mittlerweile hochbetagte Nobelpreisträger, hat noch einmal ein "Erinnerungsbuch" geschrieben. In Humboldts Vermächtnis hatte er eine kaum verschleierte Biografie des Dichters Delmore Schwartz verfasst. Hier nun handelt es sich um eine Hommage an den verstorbenen Kollegen Allan Bloom, inkarniert in der Figur des Abe Ravelstein, sowie an Blooms Überraschungsbestseller The Closing of the American Mind. Ravelstein nimmt Chick, dem Erzähler und alter ego Bellows, das Versprechen ab, nach Ravelsteins Tod eine schonungslose Biografie über ihn zu schreiben. Als Ravelstein tatsächlich an den Folgen von AIDS stirbt, zerbricht Chick fast an dieser Aufgabe. Nur knapp kann er selbst einer tödlichen tropischen Krankheit entkommen, um sich dann dem Schreibakt zu stellen. Das Ergebnis ist keine linear erzählte Lebensgeschichte Ravelsteins, sondern vielmehr ein selbstquälerisches Dokumentieren des Schreibprozesses, das gleichsam die Problematik des Genres Biografie reflektiert: "Ich übernehme also die Verantwortung für seine Person, und da ich ihn nicht ohne einen bestimmten Grad an Eigenbeteiligung schildern kann, muss man mich als Randerscheinung ertragen." Chick ist in gewisser Weise aber das wahre Zentrum der Biografie. Man gewinnt den Eindruck, dass er in den sechs Jahren seit dem Tod Ravelsteins nichts Anderes getan hat, als für sein Versprechen weiterzuleben. So wird die anfängliche Bürde, ein Intimporträt Ravelsteins zu erstellen, "eine Probe meines eigenen Todes". Selbst die eigene Krankheit (eine Lebensmittelvergiftung) vergleicht er mit der Ravelsteins, "den seine leichtsinnigen sexuellen Gewohnheiten zerstört hatten". Chick nähert sich der Person Ravelsteins mittels Anekdoten, der Rekonstruktion von Gesprächen, der Beschreibung von Ravelsteins jungem, schönen Liebhaber. Es ist keineswegs die Homosexualität, die die beiden Männer Chick und Ravelstein verbindet, es sind vielmehr die jüdische Geschichte, der intellektuelle Austausch, das jahrelange gegenseitige Sezieren der skurrilen Angewohnheiten des Anderen. Chicks leicht homophobe und stärker misogyne Einstellungen sind dem Bellow-Leser vertraut, ebenso die handlungsarme Erzählstruktur. Und doch ist Bellow hier noch einmal etwas Großes gelungen: ein Buch der Freundschaft, (fast) eine Liebeserklärung eines alten Mannes an seinen verstorbenen besten Freund. -RJ Poole 1
Buch:
Im Banne der Burenwurst
Autor:
Elisabeth Hölzl, Hans C. Artmann, Willi Winkler, Ausgabe vom 2001, Gebunden, Verkaufsrang 1381300
Buch:
Lexikon der Natürlichkeitstheoretischen Syntax und Morphosyntax
Autor:
Willi Mayerthaler, Günther Fliedl, Christian Winkler, Ausgabe vom 1998, Sondereinband, Verkaufsrang 3187337
Buch:
Wendekreis des Krebses
Autor:
Henry Miller, Willi Winkler, Ausgabe vom Juni 1997, Ledereinband, Verkaufsrang 4959322
Buch:
Der Schattenmann: Von Goebbels zu Carlos: Das mysteriöse Leben des François Genoud
Autor:
Willi Winkler, Ausgabe vom 15. Januar 2011, Gebunden, Verkaufsrang 291144
Product Description Von Goebbels zu Carlos. Das gewissenlose Leben des François Genoud Erscheinungsjahr: 2011 Gewicht: 525 gr / Abmessung: 22 cm Von Winkler, Willi Keiner kennt ihn, und nicht wenige bezweifeln, dass es ihn überhaupt gegeben hat. Aber für dieses Dunkel hat er selbst gesorgt: François Genoud, Schweizer Bankier, überzeugter Nazi, Förderer des Linksterrorismus. Wer war dieser Mann, in dessen Person sich die Extreme des 20. Jahrhunderts in einzigartiger Weise berühren? Während des "Dritten Reichs" war Genoud für den deutschen Geheimdienst tätig und konnte sich später die lukrativen Rechte an den Schriften von Joseph Goebbels sichern. In den Fünfzigern engagierte er sich im algerischen Befreiungskampf, dann wandte er sich den palästinensischen Terrororganisationen zu, die für Entebbe, Mogadischu und das Massaker in München 1972 verantwortlich waren. Es fiel Genoud nicht schwer, Wadi Haddad und Carlos bei Flugzeugentführungen, Attentaten und Erpressungen zu unterstützen und zugleich Kriegsverbrechern wie Adolf Eichmann und Klaus Barbie, dem Schlächter von Lyon, beizustehen. Willi Winkler erzählt von einem Mann im Hintergrund, einem Strippenzieher, der mit den wichtigsten Geheimdiensten verbandelt war und er zeichnet das Psychogramm dieses Schattenmanns, dessen Geschichte ein ganz neues Licht auf das Netzwerk alter und neuer Nazis und deren Verbindungen zum Linksterrorismus wirft.